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Dann war sie mitten in dem weißen Zeug und wurde von kleinen Bruchstücken getroffen. Sie gab ein bisschen Düsenschub, um ihren Kopf ins Freie zu bekommen, als surfte sie flach auf der Gischt eines brechenden, salzigen Wellenkamms, aber das Zeug um sie herum war grobkörnig, und sie spürte, dass es die kleinen Treffer kleiner Brocken waren, die sie vorantrieben, und nicht eine Wassermasse. Dann hatte sie ihre Geschwindigkeit an die der Welle angepasst und gelangte mit dem Kopf an die Oberfläche, sodass sie sich umsehen konnte – es war tatsächlich ganz ähnlich, wie wenn man flach auf einer Meereswelle surfte, und unwillkürlich musste sie lachen und laut rufen: Sie flog auf einer Eiswelle von zehn Kilometern Höhe. Der Anblick brachte sie zum Jauchzen. Durch den offenen Kanal hörte sie das vielstimmige, wilde Geschrei der anderen Surfer.

Die Welle war eigentlich eher eine Scheibe, gerade mal so breit wie ein Zimmer, und manchmal kam sie Swan nur wenig dicker vor als ihr eigener Leib – eine zweidimensionale Welle sozusagen, sodass man wohl durch einen einzigen Treffer von der Seite oder eine kleine Düsenabweichung wieder aus ihr hinausschießen würde. Deshalb konnte sie nicht völlig in das weiße Zeug eintauchen wie ein Delfin. Vielleicht machten das einige der anderen Wellenreiter, aber Swan fürchtete, dort drin die Orientierung zu verlieren. Außerdem wollte sie ja etwas sehen!

Sie spürte, wie die Welle sie hochhob und mit sich riss. Es hatte nicht nur damit zu tun, dass sie von Eisbrocken getroffen wurde, auch die Gravitation zog sie mit. Die Eistreffer fühlten sich an, als würde man mit einem Regen von Kieselsteinen beworfen, der einen mit geballter Kraft nach vorne trieb. Vielleicht konnte man diesen Teilchenstrom auch auf einem großen Surfbrett reiten und mit den Füßen lenken; tatsächlich sah sie weiter unten jemanden auf einer Art schmalem Boot stehen, der auf eben diese Art unterwegs war. Doch die meisten anderen legten sich zum Surfen mit dem ganzen Körper in die Welle, wie sie es tat, wahrscheinlich, weil man für die besten Manöver die Anzugdüsen brauchte. Es war Swan ohnehin immer lieber gewesen, mit dem ganzen Körper zu surfen anstatt auf einem Surfbrett. Selbst das fliegende Objekt zu sein, sich in den Raum hinauszuwerfen, den man atmet, und gleichzeitig bewegungslos und mit hoher Geschwindigkeit zu fliegen, vorwärts katapultiert …

Die Welle erreichte ihren Höhepunkt, und Swan wurde schneller vorangetrieben als je zuvor. Die meisten Brocken waren tennisball- bis basketballgroß, und wenn sie mit ihren Düsen auftauchte, bis sich nur noch ihre Füße im Strom befanden, dann konnte sie auf einen der größeren Brocken aufspringen und sich mit kleinen Schüben vorwärts und auswärts bewegen. Die Welle stieg noch immer weiter an, aber nun glich sie dem Kielwasser eines Boots – der untere Teil der Welle traf auf keinen Boden, sodass der obere vorwärts gerollt und gebrochen wäre. Ab diesem Punkt verlor die Welle an Bewegungsmoment, und schließlich würde sie sich verlaufen, ohne jemals zu brechen. Eigentlich schade, aber jetzt war es Zeit zum Tanzen!

Immer wenn sich die Gelegenheit bot, sprang sie auf ein größeres Stück, und so gelangte sie mit einem Sprung nach dem anderen ans Ziel, an die Grenze zwischen dem weißen Eisschaum und dem leeren schwarzen Raum, den er durchströmte; und dann tanzte sie über große weiße Brocken, schlitterte über eine Art Gerölllawine, als rannte sie eine verflüssigte Bergflanke hinab. Als sie den Dreh raushatte, lachte sie kurz auf. Auf dem offenen Kanal waren noch immer vielstimmiges Johlen und Geschrei zu hören. Bei der Gestalt, die ihr am nächsten war, handelte es sich wahrscheinlich um Wahram, der mit bemerkenswerter Agilität umhersprang wie die tanzenden Nilpferde aus Fantasia. Der Anblick brachte sie zum Lachen. Sie spürte, wie Prometheus an ihr zog; so fühlte sich wahrscheinlich ein Pelikan, wenn er sich von einer Meereswelle in die Luft emportragen ließ. Eine Gravitationswelle, die sie durchs Universum schleuderte. Die Rufe der anderen Surfer klangen wie Wolfsgeheul.

Als sie wieder unter der Kuppel auf Prometheus waren und ihre Raumanzüge abgelegt hatten, umarmte die verschwitzte Swan Wahram. »Danke dafür!«, sagte sie. »Das habe ich gebraucht! Es hat mich an … an … na ja. Es war gut.«

Wahrams Gesicht war gerötet, und er keuchte vor Erschöpfung. Er nickte einmal, den Mund zu einem ernsten kleinen Punkt zusammengezogen.

»Und, wie fandest du es?«, rief sie. »Hat es dir Spaß gemacht?«

»Es war interessant«, sagte er.

Listen (9)

Eine Startrakete, mit der man einen Planeten verlassen will, insbesondere die Erde, braucht eine hohe Schubkraft

Interplanetare Raketen, die von einer Umlaufbahn zur nächsten fliegen, müssen ihren Treibstoff mit hoher Geschwindigkeit ausstoßen, um den Verbrauch in Grenzen zu halten

Deuterium-Helium-3-Spheromak-Fusionsantrieb, wird auf Luna hergestellt, in Gebrauch seit 2113;

Antimaterie-Plasmakern, magnetische Flasche, marsianische Entwicklung, 2246;

Deuterium-Tritium-Fusion, mit Lithium-ummanteltem Kern, um bei der Verbrennung zusätzliches Tritium zu erzeugen, Luna 2056; bei zwei Exemplaren riss die Antriebskammer und explodierte, Verlust der gesamten Besatzung;

Thermischer Laserantrieb, wird größtenteils für lokale Transporte innerhalb der Jupiter- und Saturn-Ligen verwendet;

Elektromagnetische Kraftschleudern für die Terrarien, 2090; werden oft als die Ackergäule unter den Antriebswerken bezeichnet;

Trägheitsfusion, Mars, 2237;

Mikronukleares Triebwerk, Orion-Format, subkritische Curium-245-Kügelchen werden durch eine Z-Maschine zusammengepresst, bis es zur Kernspaltung kommt, magnetische Druckwellen treffen auf die Prallplatte der Rakete, Kallisto, 2271;

Orion-Stil (externer Plasma-Pulsantrieb), Luna, 2106;

Magnetoplasmadynamisches Triebwerk, mit Kalium angereichertes Helium als Stützmasse, Kallisto, 2284;

Notantriebssystem für manövrierunfähige Schiffe, eine »Solarmotte«, bei der die versilberte Hälfte eines Ballons Sonnenlicht auf eine Fensterkammer mit einem Ringboiler reflektiert, in dem sich mit Alkalimetallen durchsetzter Wasserstoff als Antriebsmasse befindet. Extrem geringe Ausstoßgeschwindigkeit und jenseits des Mars sehr schwach, aber bis zum Einsatz sehr kompakt, Mars, 2099;

Variabler spezifischer Magnetoplasma-Impulsantrieb, der »den Gang wechseln« kann und je nach Bedarf einen starken Rückstoß oder eine hohe Ausstoßgeschwindigkeit bietet, Kallisto, 2278;

Fortschritte in der Physik, in den Materialwissenschaften und in der Raketentechnik sowie ein wachsendes Bedürfnis nach gesteigerter Geschwindigkeit und geringem Treibstoffverbrauch befeuern mittlerweile ein industrielles Wettrennen um Neuentwicklungen, das von Organisationen auf Luna, dem Mars und Kallisto dominiert wird. Wir dürfen also damit rechnen

Kiran und Lakshmi

Als er das nächste Mal durch die Kleopatra-Bahnstation kam, rief Kiran bei der Nummer an, die Swan ihm gegeben hatte, und Lakshmi selbst ging ran. Als Kiran ihr sagte, woher er die Nummer hatte, erklärte sie ihm den Weg zu einem nahen Nudelhaus und sagte ihm, dass sie in einer Stunde dort sein würde, was sie dann auch war. Sie erwies sich als typische geborene Venusianerin – hochgewachsen, gut aussehend, einsilbig. Die Kombination aus chinesischer Abstammung und indischem Namen erinnerte ihn an einige andere Leute, die er hier kennengelernt hatte: Man hatte ihm zu verstehen gegeben, dass sie Venusianer auszeichnete, die sich ein Stück weit von ihrer alten Heimat lösen wollten. Durch ihren Namen brachten sie zum Ausdruck, dass sie inzwischen mehr Venusianer als Chinesen waren.