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Bolitho versuchte zu denken, ohne sich von seinen Gefühlen beeinflussen zu lassen. Die vielen Seegefechte, die Namen der Kapitäne, französische und englische in gleicher Weise, die zu Teilen der Geschichte geworden waren. Der Geschichte, die er mitgestaltet hatte. Wie auch Le Chaumareys.

Dieser weite Ozean wurde von Schiffen aller Art bevölkert, von stattlichen Indienfahrern bis zu Briggs und Schonern, bis zu winzigen Kanus in Fülle. Ja, die Nachricht würde sich sehr schnell verbreiten.

In den sieben Monaten seit dem Ausbruch der Revolution konnte sich schon die ganze Welt verändert haben. Nur eines war klar erkennbar wie ein Wrack auf einem Riff: Tuke würde die Narval nehmen. Es war so unausweichlich, daß er den Wunsch unterdrücken mußte, in die Dunkelheit hinaus zu rennen. Die Besatzung von de Barras würde sich der neuen Flagge bereitwillig unterwerfen. Nach der barbarischen Weise, wie sie unter de Barras hatte leben und dienen müssen, würde sie ihn wie eine Flutwelle hinwegschwemmen.

Und dann konnte Tuke in seiner neuen Rolle auftreten, nicht mehr als gefährlicher und lästiger Pirat, sondern als eine reale Kraft, mit der man rechnen mußte. In einem hatte Raymond recht: Es bedeutete Krieg. England konnte nicht tatenlos zusehen, daß sich ein neues Frankreich auf seine Kosten ausbreitete. Jedes Schiff würde dringend benötigt werden. Sie waren nicht einmal auf einen Zusammenstoß mit Spanien vorbereitet. Was sollten sie tun, wenn ihnen ein frisch belebtes Frankreich gegenübertrat? Tuke konnte mit seiner kleinen, aber durch nichts bedrohten Flottille tun, was ihm gefiel, nehmen, was er wollte. Ein Imperium gründen, wenn das sein Wunsch war. Bolitho sah Raymond wieder an. Dieser hatte die ganze Zeit über Genin Bescheid gewußt.

Tremayne sagte:»Ich gehe morgen wieder in See. «Er grinste.»Das heißt, heute.»

Ausdruckslos sagte Raymond:»Die Pigeon führt Depeschen für den Gouverneur von Neusüdwales mit. «Tremayne nickte.»Und für Kommodore Sayer. Für dich wird er schleunigst neue Befehle ausschreiben, Dick«. Hardacre beugte sich aus dem Fenster und prüfte die frische Luft.»Bald wird es hell. «Ohne sich umzudrehen, fuhr er fort:»Und mein Schoner sucht nach de Barras. Wenn Tuke das alles schon weiß, kommt er aus seinem Versteck heraus. Den Angriff durch eine Fregatte wird er nicht riskieren. Die Narval würde aus seinen kleinen Schiffen Feuerholz machen, ehe er auch nur in ihre Nähe kommt. «Bolitho dachte an die schweren Geschütze, welche die Tempest verkrüppelt hatten. Wie zu sich selbst sagte er:»Tuke braucht nur abzuwarten. Wenn de Barras die Neuigkeiten erfährt, wird er nur noch verzweifelter versuchen, seinen Gefangenen wiederzubekommen. Sein Schiff ist alles, was er jetzt noch hat. Ohne die Fregatte wäre er so gut wie tot.»

Tremayne stand auf, seine Seestiefel knarrten.»Ich segle sofort, Dick. Falls du Depeschen für mich hast, wäre ich dankbar, wenn ich sie vor Mittag bekomme. «Er versuchte zu grinsen.»Aber ihr sitzt hier alle schön sicher. Deine Fregatte und der große Transporter in der Bucht könnten eine Armee zurückschlagen, was?»

Raymond sagte scharf:»De Barras ist nicht länger unsere Sorge. Es ist diese Siedlung hier. Ich werde bald mehr Leute und Nachschub bekommen. Sobald sie eintreffen, werden Tuke und sein Anhang verschwinden und sich andere Jagdgründe suchen.»

Tremayne musterte ihn ruhig.»Wenn Sie das glauben… «Er wandte sich ab.»Ich werde ein Boot zur Tempest schicken, eine Stunde, ehe ich Anker lichte. Senden Sie Ihre Depeschen dorthin. «Er ergriff Bolithos Hand.»Ich werde ihnen von dir erzählen, Dick, wenn ich in Carrick Road wieder vor Anker gehe. Deine Schwester sehe ich oft. Ich werde sie grüßen.»

«Danke, William. Aber vielleicht bin ich schon vor dir dort.»

Als Kapitän Tremayne den Raum verließ, legte sich auf Bolitho plötzlich eine schwere Last. Wie ein böser Traum, in dem niemand zuhören will oder versteht, was man sagt. Wenn Tuke ungehindert wüten konnte und die Ordnungskräfte unfähig oder nicht willens waren, ihm Einhalt zu gebieten, mußten die Inselbewohner wie in der Vergangenheit wieder übereinander herfallen. Speer und Kriegskeule würden Händlern und Piraten den Weg öffnen, die Inseln nach Belieben auszuplündern. Er bemerkte, daß Hardacre ihn beobachtete. Er wußte Bescheid: Verrat — es gab kein anderes Wort dafür. Aber würden die französischen Seeleute sich gegen ihre Offiziere erheben? Ungeachtet dessen, was Tuke und Genin ihnen versprechen mochten, würden sie wirklich meutern und die Ordnung zerschlagen, der widerspruchslos zu gehorchen eine strenge Disziplin sie gelehrt hatte? Wenn ein Volk sich gegen seinen König erhob und Mörder auf den Straßen losließ, war ihm alles zuzutrauen, mußte Bolitho grimmig eingestehen.

Er sagte:»Ich fordere hiermit die Genehmigung, in See zu gehen, Sir. Ich werde de Barras finden und ihm berichten, was wir wissen. Es wäre weit besser, ihn und sein Schiff fortzuschicken, als durch Schweigen überlegene Streitkräfte auf uns zu ziehen.»

«Nein. «Es war nur dies eine Wort, aber es hallte wie ein Schuß durch den Raum.

Hardacre sagte:»Dann werde ich jetzt ins Dorf gehen und mit Tinah sprechen. Wir müssen Vorkehrungen treffen. «Er sah Bolitho an.»Zweifellos haben auch Sie noch einiges zu klären.»

Als die Tür sich hinter ihm schloß, sagte Raymond:»Ich habe meine Ve rantwortung, und Sie sind hier, um mich nach Kräften zu unterstützen.»

«Ich kenne meine Befehle, Sir. «War es möglich, daß er so ruhig sprach, obwohl er nichts anderes wünschte, als Raymond bei den Revers seiner kostbaren Robe zu packen und ihn zu schütteln, bis er blau im Gesicht wurde?» Gut. Meiner Meinung nach wird de Barras Tuke entweder überwinden oder nach Frankreich zurückkehren, wenn er erfährt, was sich ereignet hat. So oder so braucht er uns nicht mehr zu interessieren. Es wird zum Krieg kommen, wenn er nicht schon begonnen hat, und wir müssen die Levu-Inseln unseren Anweisungen entsprechend vorbereiten. «Sein Mund wurde hart.»Und ich möchte doch annehmen, daß Sie in der Lage sind, Tukes Schoner zu vertreiben, falls er uns zu nahe kommen sollte.«»Wissen Sie, was ich denke, Sir?«Bolitho beugte sich aus dem Fenster und packte mit beiden Händen das Sims, um zu verhindern, daß sie zitterten.»Ich glaube, daß es hier keine Niederlassung geben wird, weder jetzt noch irgendwann. Krieg, wie wir ihn kennen, war nichts als Blechmusik. Der Krieg, der kommt, wird von Giganten ausgefochten. Für Inseln und die Gouverneure, die sie regieren, wird kein Bedarf bestehen, noch wird man Zeit für sie haben. «Langsam atmete er tief ein, roch die See und spürte, wie sie ihn anzog.»Und hierher wird weder Nachschub noch Verstärkung kommen.»

«Sind Sie verrückt?«platzte Raymond heraus.»Was glauben Sie denn, weshalb man mich hergeschickt hat?«Bolitho sah ihn nicht an.»Denken Sie darüber nach. Ich wurde Ihretwegen hier draußen festgehalten, weil ich vor fünf Jahren Ihre Autorität in Frage gestellt und zwischen Ihnen und dem Mann stand, dem Sie Unrecht getan und dessen Karriere Sie vernichtet haben. Aus anderen, persönlichen Gründen benutzten Sie Ihren Einfluß, mich hier stranden zu lassen. De Barras ist ein anderer Fall. Er wurde zu spät aus Frankreich verbannt. Inzwischen haben seines-gleichen Wut und Haß geschürt, die sich auch gegen uns wenden und unsere Welt zu zerstören versuchen werden. Und Sie? Finden Sie es nicht merkwürdig, daß es Sie in unsere kleine Welt verschlagen hat?«Da er keine Antwort erhielt, drehte er sich um. Raymond starrte vor sich auf den Tisch, die geöffneten Depeschen lagen zwischen seinen Armen ausgebreitet. Schließlich sagte er heiser:»Sie irren sich. Selbstverständlich werde ich Unterstützung bekommen. Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet, um angemessene Anerkennung zu finden. Ich werde nicht untätig bleiben und zusehen, daß alles… «Mühsam stand er auf, seine Augen funkelten.»Ich bin hier Gouverneur. Sie werden tun, was ich sage.»