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Matrosen zu.

Sofort stieg ein Signal an den Rahen der Euryalus hoch: > Setzen Sie mehr Segel!«Aber noch während die Valorous bestätigte, sah Bolitho, daß sich ihr Vorbramsegel löste und wie Papier im Wind zerplatzte.

«Soll ich der Zeus signalisieren, daß sie allein die Verfolgung aufnimmt, Sir?«fragte Bolitho.»Sie hat einen guten Vorsprung. «Aber als er sah, wie Broughton die Lippen zusammenpreßte, wußte er schon die Antwort und fügte noch rasch hinzu:»Der Franzose kann der Auriga immer noch entwischen.»

«Nein. «Ein Wort nur, ohne jedes Zeichen von Enttäuschung oder Ärger.

Bolitho wandte sich ab. Der Franzose würde sich wundern, daß das Geschwader seine Marschformation nicht änderte. Er lag irgendwo direkt vor den Verfolgern und machte schnelle Fahrt; die hohe Segelpyramide der Zeus verdeckte ihn. Aber die Auriga kam jetzt auf, sie flog vorm Wind unter aller verfügbaren Leinwand direkt auf den Feind zu. Als sie sich auf einen Wellenkamm hob, konnte Bolitho die Sonne auf dem Kupferbeschlag des schlanken Rumpfes blinken sehen.

Jetzt schor die Zeus etwas aus. Bolitho hielt den Atem an, weil dadurch die französische Fregatte besser in Sicht kam, etwa fünf Meilen voraus. Kaum zu glauben, daß sie so schnell auf konvergierenden Kurs gekommen war. Die Auriga mußte etwa drei Meilen weit weg sein, sie hatte die französische Fregatte bereits überholt. Bolitho versuchte, mit klarem Kopf zu überlegen, was er in der Situation des Feindes tun würde. Den Kurs ändern oder auf das Land zuhalten, das hinter dieser täuschenden Kimm verborgen lag? Ausgeschlossen, daß der Franzose jetzt noch der Auriga entwischen konnte. Wenn er es versuchte, würde er fast sicher einer britischen Patrouille vor der portugiesischen Küste vor die Kanonen laufen. Vigo war die letzte sichere Zuflucht. Aber vielleicht war er bereit, zu wenden und zu kämpfen.

«Signal an alle!«sagte Broughton.»>Segel kürzen, vorgeschriebene Stationen wieder einnehmen«. «Er war wieder ganz gelassen, fast gleichgültig.»Die Auriga kann sich jetzt den Franzosen allein vornehmen.»

Als das Signal abgesetzt war und von einem Schiff zum anderen weitergegeben wurde, konnte Bolitho die Enttäuschung ringsum fast körperlich fühlen: vier kampfstarke Schiffe, aber wegen Broughtons sturem Plan so ohnmächtig wie Kauffahrer!

Ein dumpfes Krachen rollte über die See, eine braune Rauchwolke driftete auf den Franzosen zu. Brice hatte einen Schuß zum Abschätzen der Entfernung abgefeuert, aber Bolitho konnte den Einschlag nicht sehen.

Alle Teleskope waren in Benutzung. Heiser sagte Keverne:»Der Frog fährt eine Halse! Bei Gott — sehen Sie bloß!»

Der französische Kommandant hatte die Zeit sehr schlecht abgepaßt und versuchte verzweifelt, am Bug der Auriga vorbeizukommen. Er tat Bolitho beinahe leid. Jetzt war das nackte Unterwasserschiff zu sehen. Die Sonne tanzte auf den steifen Segeln, als die Rahen herumschwangen, bis die Fregatte ihr eigenes Kielwasser kreuzte. Eine volle Salve hatte über das wirbelnde Wasser, und Bolitho wartete darauf, Brices erste Breitseite in den Rumpf des Franzosen schmettern zu hören, denn Brice hatte seine Position und den Windvorteil genutzt, um die Halse des Franzosen nachzufahren.

Jemand im Vortopp der Euryalus schrie hurra, sonst blieb alles still. Matrosen und Seesoldaten beobachteten gespannt, wie die beiden Fregatten in überlappender Position einander näher und näher kamen — schon wirbelte wieder Qualm, allen sichtbar, im Winde.

Abermals Mündungsfeuer, diesmal beim Franzosen, aber Masten und Rahen der Auriga blieben intakt. Die Segel des Feindes jedoch waren durchlöchert; sein Focksegel war schon bei der ersten Salve in Fetzen gegangen.

«Eine gute Prise, denke ich«, flüsterte Keverne heiser.»Wir können sowieso noch eine Fregatte gebrauchen.»

Es war schwer zu unterscheiden, was jetzt geschah. Die beiden Schiffe konnten höchstens eine halbe Kabellänge auseinander sein, und mit jeder Minute kamen sie sich näher. Wieder donnerten die Kanonen, dann stürzte der Großmast des Franzosen in wirbelndem Rauch nieder, die zerfetzten Segel und Stage mit sich ins Chaos reißend.

«Sie wird bald die Flagge streichen«, sagte Broughton.

«Der Wind flaut ab, Sir«, sagte Partridge mit gedämpfter Stimme, als fürchte er, die allgemeine Konzentration zu stören.

«Spielt jetzt auch keine Rolle mehr«, erwiderte Bolitho lächelnd.

Wieder war alles still, und über die letzten drei Meilen hinweg, die zwischen der Zeus und den beiden Fregatten lagen, konnte man sehen, daß das Geschützfeuer aufgehört hatte und die beiden Fregatten

Rumpf an Rumpf lagen. Es war vorbei.

«Na, Bolitho«, fragte Broughton leise,»was sagen Sie jetzt?»

Ein paar Marine-Infanteristen auf dem Vorschiff rissen die Tschakos ab und schrien hurra; ihr Siegesgeschrei wurde von der Mannschaft der direkt voraus liegenden Tanais aufgenommen.

Bolitho stürzte am Admiral vorbei und riß ein Teleskop aus der Hal-terung; da wurde das Hurrageschrei auch schon dünner und erstarb so schnell, wie es begonnen hatte. Er bekam eine Gänsehaut: die Flagge der Auriga flatterte gleich einem wunden Vogel nieder und wurde augenblicklich durch eine andere ersetzt — dieselbe, die auch jetzt noch über den zerfetzten Segeln des Gegners wehte: die Trikolore Frankreichs.

«Bei Gott«, keuchte Keverne,»diese Bastarde haben sich den Frogs ergeben! Sie haben nicht mal versucht zu kämpfen!«Die Unglaublichkeit des Vorgangs verschlug ihm fast die Stimme.

Die Auriga war bereits von dem Franzosen klargekommen; neues Treiben herrschte an Deck und in den Rahen, langsam drehte sie vor den Wind und segelte dem hilflos zuschauenden Geschwader davon. Durch sein Glas konnte Bolitho die Marine-Infanteristen in ihren scharlachroten Röcken erkennen, die von den Matrosen entwaffnet wurden und sich vor dem französischen Enterkommando zusammendrängten. Als ob ein Enterkommando überhaupt nötig gewesen wäre, dachte er bitter. Eben noch hatten sie so gut gekämpft, und im nächsten Moment hatte sich die ganze Besatzung ergeben, war zum Feind übergelaufen. Er steckte das Glas wieder in die Halterung, denn vor Wut und Verzweiflung zitterten ihm die Hände so sehr, daß er es beinahe fallen gelassen hätte.

Wieder sah er die Delegierten vor sich, damals in dem kleinen Wirtshaus in der Bucht von Veryan. Diesen Kerl namens Gates. Und John Taylor, gekreuzigt, von der Peitsche zerfetzt, weil er versucht hatte zu helfen.

Leise und gepreßt sagte Partridge:»Keine Chance, daß wir sie jetzt noch einholen. Vor der Morgendämmerung sind sie in Vigo.»

Mit schlaffen Schultern wandte er sich ab.»Daß man so etwas mitansehen muß!»

Broughton starrte immer noch zu den beiden Fregatten hinüber, die bereits Fahrt aufgenommen hatten und mehr Segel setzten.»Sie können der Restless signalisieren, daß sie in Luv auf Station gehen soll. «Es klang ganz unbeteiligt, als spräche ein Fremder.»Dann geben Sie Signal an alle: Ursprünglichen Kurs wieder aufnehmen!«Jetzt erst sah er Bolitho an.»Da haben Sie Ihre Loyalität!«Sein Ton war wie ein Peitschenhieb.

Bolitho schüttelte den Kopf.»Sie haben mir einmal gesagt, man muß über den Kommandanten ebenso Bescheid wissen wie über sein Schiff. Das glaube ich auch, Sir. «Er wandte den Blick zu der fernen Auriga. Unter der fremden Flagge wirkte sie kleiner.»Ebenso wie ich glaube, daß wir noch mehr solche Dinge erleben werden, wenn Männer wie Brice weiterhin unsere Schiffe kommandieren dürfen.»

Broughton wich einen Schritt zurück, als hätte Bolitho etwas schrecklich Unanständiges gesagt.»Kapitän Brice ist vielleicht im Kampfe gefallen«, erwiderte er dann und schritt nach achtern.»Um seinetwillen hoffe ich, daß es so ist. «Damit verschwand er im Schatten unter der Kampanje.