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Inch seufzte und schüttelte den Kopf.»Vorhin hat er mir von der Gegend erzählt, wo wir hinsegeln. Er scheint dort recht gut Bescheid zu wissen. Aber meiner Ansicht nach ist da kaum was zu holen.»

Nachdenklich nickte Bolitho. Handel, ja — aber was für einen Handel konnte man in einem so gottverlassenen Nest wie Djafou treiben? Und wo war eine Verbindung zur Karibik und Draffens Bekanntschaft mit Hugh?

«Ich muß wieder an Bord«, sagte er.»Wir reden beim Dinner noch darüber. Aber Sie werden keine bekannten Gesichter antreffen, fürchte ich.»

«Außer Allday, Sir«, grinste Inch.»Ohne den kann ich mir Sie überhaupt nicht vorstellen.»

Bolitho schlug ihm auf die knochige Schulter.»Ich mich auch nicht!»

Später, allein in seiner Kajüte, knöpfte Bolitho sein Hemd auf, spielte mit dem Medaillon und starrte blicklos durch das offene Heckfenster. Inch würde nie ermessen, wieviel ihm dieses Wiedersehen bedeutet hatte: es war wie dieses Medaillon etwas, woran man sich festhalten konnte, etwas Vertrautes. Einer von seinen alten Hyperianern.

Es klopfte; nervös trat Calvert ein, einen Stoß Papiere wie zum Schutz vor der Brust.

Bolitho lächelte.»Setzen Sie sich. Ich werde sie gleich unterschreiben, und Sie können sie noch vor Sonnenuntergang an das Geschwader verteilen.»

Calvert konnte seine Erleichterung nicht verbergen, als sich Bolitho an den Tisch setzte und zur Feder griff. Dadurch blieb es ihm erspart, Broughton gegenübertreten zu müssen, wenn dieser wieder an Bord kam.

Sein Auge fiel auf Bolithos Degen, der noch auf der Sitzbank lag, wo Bolitho ihn nach seiner Rückkehr von der Hekla hingelegt hatte. Er vergaß alle Vorsicht und rief:» Oh, Sir — darf ich mir diese Waffe näher ansehen?»

Überrascht wandte sich Bolitho ihm zu. Es sah Calvert gar nicht ähnlich, mehr von sich zu geben als gemurmelte Entschuldigungen. Seine Augen funkelten tatsächlich vor eifrigem Interesse.

«Aber bitte, Mr. Calvert. «Er lehnte sich zurück und sah zu, wie der Leutnant die alte Klinge aus der Scheide zog und sie in Kinnhöhe vor sich hielt.»Sind Sie Fechter wie Sir Lucius?»

Calvert gab keine direkte Antwort. Er ließ die Finger über den alten, schwarzangelaufenen Griff gleiten und sagte:»Wunderbares Equili-bre, Sir. Wunderbar. «Schüchtern blickte er zu Bolitho auf.»Ich habe ein Auge dafür, Sir.»

«So? Dann passen Sie auf, daß Sie Ihr Auge im Zaum halten, Mr. Calvert. Es könnte Sie sonst in erhebliche Schwierigkeiten bringen.»

Calvert schob die Klinge ein und war auf einmal wieder wie immer.»Vielen Dank, Sir, daß ich ihn in die Hand nehmen durfte.»

Bolitho schob ihm die Papiere hin und sagte bedeutsam:»Und versuchen Sie, in Ihrem Dienst etwas sorgfältiger zu sein. Mancher Offizier würde einen Arm dafür geben, Ihre Stelle zu haben. Also machen Sie guten Gebrauch davon.»

Unter Stammeln und verlegenem Lächeln machte sich Calvert davon. Seufzend stand Bolitho auf. Da kam Allday herein und sah sofort den Degen. Er nahm ihn und steckte ihn in seine Halterung an der Schottwand.»Also war Mr. Calvert hier?«fragte er.

Bolitho mußte über Alldays Neugier lächeln.»Stimmt. Der Degen schien ihn sehr zu interessieren.»

Nachdenklich betrachtete Allday die Waffe.»Kann ich mir vorstellen. Gestern habe ich gesehen, wie er den Midshipmen was zeigte. Sie steckten' ne Kerze an, Drury, der Jüngste, hielt sie hoch, und Mr. Calvert hieb mit seinem Degen die Flamme ab.»

Bolitho fuhr herum.»So ein verdammter Blödsinn!»

Allday zuckte die Schultern.»Keine Angst, Captain. Der Hieb ging dicht unter der Flamme durch den Docht, die Klinge berührte die Kerze überhaupt nicht. «Er räusperte sich geräuschvoll.»Auf den werden Sie aufpassen müssen, Captain.»

Bolitho sah ihn überrascht an.»Tatsächlich, Allday. Das werde ich.»

Joe Partridge, der Master, tippte an seinen zerbeulten Hut, als Bolitho unter der Kampanje hervorkam, und meldete:»Stetiger Wind, Sir. Kurs Südost zu Ost liegt an.«»Recht so.»

Bolitho nickte dem Offizier der Wache zu, ging zur Luvseite hinüber und füllte sich die Lungen mit der kühlen Abendluft. Das Geschwader war in der gnadenlosen Nachmittagssonne in See gegangen und hatte sich dank einer ermutigenden nordwestlichen Brise zu einer geschlossenen Linie formiert. Jedes Schiff hielt eisern seine vorgeschriebene Station, und die Signaltätigkeit blieb auf ein Minimum beschränkt.

Viele Teleskope mußten ihnen von der spanischen Küste her gefolgt sein, und es würde allerlei Spekulationen über ihren Bestimmungsort geben. Unwahrscheinlich, daß der Feind einem so kleinen Verband viel Wichtigkeit beimessen würde, aber es hatte keinen Sinn, es darauf ankommen zu lassen. Waren sie erst einmal klar von der Küste, dann konnte beinahe jedes entgegenkommende Schiff ein Gegner sein, das wußten alle Kommandanten. Selbst Neutrale, und von denen gab es herzlich wenig, mußten als gefährlich betrachtet werden, da sie den Gegner über Position und Kurs des Geschwaders informieren konnten.

Doch jetzt war es Abend, und die Abende im Mittelmeer faszinierten Bolitho immer wieder. Während die vier Linienschiffe vor dem stetigen rauhen Wind mühelos dahinglitten, wurden die Schatten auf den Decksgängen immer länger, und vor dem Bug schimmerten die Schatten bereits in unbestimmtem tieferem Purpur. Doch achteraus war der Himmel noch lachsrot; im scheidenden, vom Horizont herabfließenden Sonnenlicht schimmerten die Marssegel der Valorous perlmuttern wie riesige Muschelschalen.

Wenn Wind und Seegang so blieben, würde jedes Schiff während der Nacht ohne Schwierigkeiten seine Position halten können. Darüber mußte sich Broughton freuen, dachte Bolitho.

Keverne trat heran.»Mit der Sicht wird es wohl bald vorbei sein, Sir«, sagte er.

Bolitho blickte zum Rad hinüber, wo der dicke Master bei dem Rudergasten stand.»Wir werden gleich zwei Strich abfallen, Mr. Partridge. «Er hielt nach Midshipman Tothill Ausschau, der bei den Leewanten stand, und befahl ihm:»Signal an Geschwader vorbereiten: >In Kiellinie Kurs Ost zu Süd.<»

Um den Midshipman brauchte er sich nicht weiter zu kümmern. Tothill und seine Signalgasten waren außerordentlich tüchtig. Der Junge würde einen guten Offizier abgeben.

Zu Keverne sagte er:»Jedes Schiff soll ein Hecklicht führen, für den Fall, daß wir auseinandergeraten. Das kann auch eine Hilfe für die Coquette sein, wenn sie uns sucht.»

Die Fregatte patrouillierte nämlich fünfzehn Meilen achteraus, eine Vorsichtsmaßnahme, damit sie nicht bereits von einer neugierigen Feindpatrouille beschattet wurden.

Die kleine Korvette Restless war in Luv der Zeus eben noch sichtbar, und Bolitho konnte sich vorstellen, wie wichtig sich ihr junger, frisch ernannter Kommandant auf einmal vorkam. Sie war als einziges Schiff im Geschwader schnell genug, falls ein verdächtiges Segel auftauchte und erkundet werden mußte.

Es war immer dasselbe: Fregatten gab es nie genug; und jetzt, da ihnen die Auriga fehlte, mußten sie bei weiträumigen Operationen noch sparsamer disponieren.

«Signal vorbereitet, Sir«, rief Tothill.

«Recht so. «Bolitho nickte Keverne zu.»Machen Sie weiter. Ich muß den Admiral informieren.»

In der großen Kajüte saßen Broughton und Draffen einander gegenüber an dem langen Tisch. Keiner von ihnen sprach; Bolitho konnte das Schweigen zwischen ihnen geradezu spüren.

«Nun?«Broughton lehnte sich zurück und tippte lässig an sein unberührtes Glas Rotwein.

«Klar zur Kursänderung, Sir Lucius. «Draffen beobachtete ihn genau, seine Augen glänzten im Licht der Deckenlampe und dem rötlichen Schein, der durch die Fenster einfiel.

«Recht so. «Broughton zog seine Uhr.»Irgendwelche Anzeichen, daß wir verfolgt werden?»

«Keine, Sir.»

«Dann machen Sie bitte weiter«, knurrte Broughton.»Ich komme vielleicht später an Deck.»