Выбрать главу

«Äh — die Valorous soll das Kommando über das Geschwader übernehmen und auf jetzigem Kurs weitersegeln. Die Euryalus macht kehrt und fährt der Restless entgegen. «Er lächelte Draffen flüchtig zu.»Damit sparen wir Zeit, und Sie haben ein paar Stunden zusätzlich für Ihre, äh, Suche.»

Er fuhr herum und blaffte Calvert an:»Was, zum Teufel, stehen Sie da und glotzen mich an? Scheren Sie sich raus und lassen Sie die Signale sofort absetzen!»

Als die Tür hinter Calvert ins Schloß fiel, brummte er:»Dämlicher Bengel! In der St. James Street mag er ja ein feiner Geck sein, aber hier nutzt er mir so viel wie eine blinde Nähmamsell!»

Draffen stand auf und schritt zur Nebenkajüte, die gegenüber der größeren lag, wo der Admiral schlief.»Ich muß mich noch umziehen«, sagte er mit einem gelassenen Blick auf Broughton.»Ich möchte nämlich nicht, daß mich der Kommandant der Korvette für einen Geck wie Calvert hält.»

Broughton wartete, bis er draußen war, und brach dann los:»Bei Gott, jetzt reicht's mir bald!»

«Ich kümmere mich um den neuen Kurs, Sir.»

«Ja, tun Sie das«, antwortete Broughton kühl.»Ich werde froh sein, wenn wir in Djafou sind. Von diesen ewigen Einmischungen habe ich wirklich die Nase voll.»

Bolitho eilte aufs Achterdeck hinaus, wo die Hitze ihn anfiel wie glühende Kohlen aus einem Herdfeuer.

Nach einem kurzen Blick auf den Windstander rief er scharf:»Lassen Sie >Alle Mann< pfeifen, Mr. Keverne! Wir halsen sofort. Dann können Sie Bramsegel setzen.»

Die Pfeifen schrillten, sofort ergoß sich der Strom der barfüßigen Matrosen auf das sonnenüberflutete Deck. Nur hier und da blickte einer zum Achterdeck hin, neugierig, was denn auf einmal los war.

Achteraus setzte die Valorous bereits mehr Segel; das Bestätigungssignal verschwand von der Rah, die große Fock kam frei und bauschte sich im Wind. Der Kommandant wird sich über dieses Signal freuen, dachte Bolitho. Fourneaux war nie so richtig mit seiner Funktion als Nachhut zufrieden gewesen. Dieser Befehl würde den anderen unmißverständlich klarmachen, was Broughton wirklich von ihm hielt.

Dann vergaß er Fourneaux, denn Midshipman Tothill meldete:»Die Restless hat bestätigt, Sir. «Verzweifelt blickte er auf Calverts gebeugten Rücken, der in das Signalbuch starrte, als wäre es arabisch geschrieben.

«Na, Mr. Partridge«, lächelte Bolitho,»dann wollen wir mal sehen, was sie sagt, wenn sie wieder ein bißchen Wind zu spüren kriegt.»

Er sah zu den Männern hinunter, die bereits auf ihren Stationen am Fuße jedes Mastes angetreten waren.»Machen Sie weiter, Mr. Kever-ne!»

«Entert auf! Bramsegel setzen!«Keverne wartete ab, bis die halbnackten Matrosen die obersten Rahen erreicht hatten, wo sie sich schwarz vom blauen Himmel abhoben.

«An die Brassen!»

Partridge gab ein Handzeichen, die Rudergänger warfen sich in die Speichen und brachten das mächtige Rad herum.

«Laß gehn und hol an!«Metallisch verfremdet klang Kevernes Stimme aus dem Sprachrohr.»Hievt, ihr faulen Vetteln!»

Knarrend und stöhnend kamen die mächtigen Rahen herum, tief tauchte der Schiffsrumpf in die Wellen und schor majestätisch langsam aus der Linie des Geschwaders. Oben knatterten die Segel ein paar Sekunden lang wild und laut durcheinander, aber noch lauter tönte das Schimpfen, Fluchen und Drohen der Bootsmaaten an den Masten, die ihre Leute antrieben. Schon flogen die Bramsegel peitschend von den Rahen und härteten sich zu festen bräunlichen Rechtecken unter dem Winddruck, rissen und zerrten an Blöcken und Schoten, jederzeit bereit, einen Topsgasten hinunterzuschleudern, wenn er nicht aufpaßte.

«Südost zu Süd!»

Bolitho stand mit gespreizten Beinen da; er spürte das Vibrieren des Decks durch seine Schuhsohlen, als die Segel das Schiff vorwärts und über den nächsten Wellenkamm zogen. Triumphierend flog Gischt an der Galionsfigur hoch und flockte über die Männer an Vorstengestag-segel und Klüver. Um die Wette rannten die barfüßigen Matrosen übers Deck, in Erwartung neuer Befehle. Das Schiff lag jetzt beinahe vorm Wind und machte mehr Fahrt; jetzt bildete das Deck nicht mehr einen stetigen schrägen Winkel wie vorher, sondern schwankte hin und her.

Wie mochte das Schiff wohl für die Restless aussehen? dachte Bo-litho mit einem Blick nach oben. Die Korvette war dazu gebaut, dem Wind fast direkt in die Zähne zu segeln; daß Broughton es sich anders überlegt hatte, würde ihr und dem Geschwader eine ganze Menge Zeit sparen. Aber wahrscheinlich, dachte Bolitho, hatte sich Broughton nur deswegen so entschieden, weil er Draffen, wenn auch nur für kurze Zeit, loswerden wollte.

Doch im Moment konnte er zufrieden sein. Die Euryalus benahm sich großartig, und er spielte mit dem Gedanken, Keverne auch noch die Stengestagsegel setzen zu lassen. Aber gerade diese zusätzlichen Obersegel konnten sie unter Umständen einem noch unsichtbar unter der Kimm stehenden Feind verraten.

Er wandte sich um, denn Draffen kam an Deck.»Sie wollten sie doch mal unter vollen Segeln sehen, Sir. «Er sah, wie Draffens Blick staunend über die steifen, brausenden Segel glitt, und wie schön er den Anblick fand, wenn er auch nicht viel davon verstand.

«Eine richtige Lady, Bolitho! Das allein lohnt schon die Mühe.»

Er trug einen einfachen grünen Rock und eine weite Hose. Unter dem Rock blinkte es metallisch. Offensichtlich war es Draffen nichts Neues, eine Pistole zu tragen; er machte durchaus den Eindruck, als könne er ganz gut auf sich aufpassen. Jetzt eben beschattete er die Augen mit der Hand und versuchte zu begreifen, was die Restless vorhatte: Sie drehte wieder in den Wind, ihre Segel flatterten beinahe mittschiffs, aber dann schwang sie auf ihren neuen Kurs herum.

Bolitho ging nach Backbord hinüber und hielt Ausschau nach dem Geschwader. Die Euryalus hatte in der kurzen Zeit so viel Abstand gewonnen, daß die Schiffe im Pulk zu stehen schienen und aus der Entfernung aussahen wie ein mißgestaltetes Seeungeheuer.

«Mr. Keverne«, rief er,»in dreißig Minuten nehmen wir Segel weg. Die Restless kann in Lee liegen, bis Sir Hugo an Bord ist.»

Später, als die Euryalus beigedreht lag und ohnmächtig in den Wellen rollte, die Segel nutzlos und lärmend gegen die Masten schlugen, kam Broughton an Deck und sah zu, wie das kleine Dingi der Korvette Draffen abholte.

«So, das wäre das!«sagte er befriedigt.

Bolitho sah noch, daß Draffen beim Anbordklettern einen Augenblick verhielt und zurückwinkte.

«Ich würde jetzt gern einen Schlag nach Nordost machen, Sir. Das spart Zeit, wenn wir uns nachher wieder dem Geschwader anschließen«, sagte er.

Broughton wandte der Korvette, die sich mit gefüllten Segeln in rascher Fahrt davonmachte, den Rücken zu.»Bitte, wie Sie meinen«, stimmte er zu und sah Bolitho prüfend ins Gesicht.»Sie können es wohl nicht erwarten, Ihren Platz in der Formation wieder einzunehmen?«Er lächelte ironisch.»Nun, es wird Fourneaux nichts schaden, wenn er noch ein bißchen länger Admiral spielen kann.»

Bolitho ging zu Keverne hinüber, der noch immer der Korvette nachsah.»Wir gehen hart an den Wind über Steuerbordbug, Mr. Ke-verne, Kurs Nordost. Lassen Sie also noch mal >Alle Mann< pfeifen. Nachher können sie Essen fassen. Appetit werden sie ja inzwischen bekommen haben. «Eben spähte der wüst aussehende Oberkoch, ein bärtiger Riese, aus der Kombüse.»Allerdings schaudert es mich bei dem Gedanken, was dieser Kerl manchmal zusammenschmort.»

Dann ging er wieder nach Luv hinüber, und die Matrosen schwärmten nochmals in die Wanten und auf die langen Rahen hinaus. Broughton verstand ihn besser als er wußte: Unabhängigkeit und Eigeninitiative, so hatte ihn sein Vater gelehrt, waren die beiden kostbarsten Besitztümer für jeden Kommandanten. Jetzt, da er ein Flaggschiff kommandierte und ans Geschwader gebunden war, begriff er erst richtig, wie er das gemeint hatte.