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«Jetzt sagen sie denen Bescheid, daß wir da sind, Jungs«, bemerkte jemand.

Bolitho warf einen Blick auf Broughton, doch der starrte auf den leeren Abhang, als ob die beiden Reiter noch da wären.

Bis auf die normalen Geräusche von See und Wind war alles ruhig-zu ruhig; das Gefühl, auf etwas zu warten, war stärker geworden, und das machte nervös. Giffard hatte sogar die Musiker seiner MarineInfanteristen mitgenommen; Bolitho dachte flüchtig daran, den Schiffsfiedler irgendeinen geläufigen Shanty spielen zu lassen, den die

Matrosen mitsingen konnten. Aber Broughton schien nicht in der Stimmung für solche Zerstreuung zu sein, und so ließ er den Gedanken wieder fallen.

Von Broughtons geradem Rücken ging sein Blick zu ein paar Matrosen bei den Neunpfündern. Sie standen und starrten über die Netze auf die langsam vorüberziehende Mauer aus Felsen und Steinen. Wie seltsam das den meisten vorkommen mußte! Sie wußten vielleicht nicht einmal, wo sie sich befanden, oder warum sie wegen eines so armseligen Hafendorfes ihre gesunden Knochen, ja sogar ihr Leben riskieren mußten. Und Broughton — der hatte wahrscheinlich ebenso seine Zweifel darüber, warum er überhaupt hier war, doch konnte er sie und seine Spannung mit niemandem teilen.

Bolitho drehte sich um — er wollte sehen, was Draffen machte; aber der war bereits unter Deck gegangen und wollte anscheinend das Weitere den Experten überlassen. Langsam schritt er wieder nach Luv hinüber. Im Kriege, das wußte er aus bitterer Erfahrung, gab es keine Experten. Man hörte nie auf zu lernen — es sei denn, man fiel.

«Die Zeus ist dicht unter der Landzunge, Sir!«Bolitho ging zur Luvseite des Achterdecks.»Danke, Mr. Tothill. «Es kostete ihn Anstrengung, so gelassen und ruhig zu sprechen. Das Schlußmanöver: das Sammeln des Geschwaders, dann das Halsen und nochmalige Absegeln des gleichen leeren, dürren Küstenstrichs hatten viel länger gedauert als gedacht. Das Absetzen von Rattrays Booten war ziemlich schnell gegangen; aber als sie etwas tiefer in die Bucht kamen, war deutlich zu sehen, daß die Männer an den Riemen große Schwierigkeiten hatten, die überladenen Fahrzeuge zu den vorgesehenen Landestellen zu bringen. Dicht unter der Wasseroberfläche lagen Klippen, und außerdem war da eine bisher unbekannte Grundströmung, die die Boote herumwarf wie Blätter in einem Mühlteich, wobei die Riemen zeitweise völlig aus dem Takt gerieten und wild in der Luft fuchtelten.

Selbst Broughton hatte zugegeben, daß sie mehr Zeit benötigten, und als jetzt die Zeus mehr Segel setzte, um ihre Station an der Spitze des Geschwaders wieder einzunehmen, konnte er kaum seine Nervosität verbergen.

Die Korvette hatte so dicht, wie sie es riskieren konnte, unter der großen schnabelförmigen Landzunge geankert; in der starken Dünung quirlten ihre Mastspitzen in der Luft, daß es schon grotesk wirkte, und gegen den massiven schwarzen Fels wirkte ihr schlanker Rumpf beinahe winzig.

Aber jetzt segelten sie wieder die Bucht an. Die Zeus passierte die vor Anker liegende Restless so dicht, daß es von weitem aussah, als hätte es eine Kollision gegeben. Alle Schiffe lagen auf Backbordbug, die Rahen vollgebraßt, um den frischen Wind möglichst auszunutzen. Die beiden vordersten Schiffe hatten bereits die Backbordgeschütze ausgerannt, und im Teleskop konnte Bolitho sogar erkennen, daß die untere Batterie der Zeus maximale Erhöhung hatte — man konnte meinen, die Doppellinie der schwarzen Mündungen striche direkt an der schwarzen Landzunge entlang. Das war natürlich nur eine optische Täuschung durch die Entfernung. Sie war noch gute zwei Kabellängen von Land entfernt. Hoffentlich hatte Rattray einen erfahrenen Rudergänger, der im Notfall sehr schnell reagieren konnte.

Tothill rief:»Signal von der Restless, Sir! Die Marine-Infanterie hat die Spitze der Landzunge erreicht!»

Bolitho fuhr herum und sah die große blaue Flagge an der Großrah der Korvette flattern; als er das Glas etwas hob, bekam er einige Marine-Infanteristen ins Blickfeld, die um einen Hügelvorsprung rannten und in der hellen Sonne wie ein Schwärm scharlachroter Sandkäfer aussahen.

«Gut!«sagte Broughton.»Wenn sie diese Höhe nehmen und halten, kann uns von da keiner beschießen. «Er trat zur Achterdecksreling und sah auf Meheux herab, der langsam die Reihe der Backbordgeschütze abschritt.

«Sie können jetzt ausrennen lassen, Mr. Keverne!«befahl Bolitho.»Und sagen Sie zum unteren Batteriedeck durch, Mr. Bickford soll jedes Geschoß genau prüfen. Sein Kaliber ist heute das schwerste, das wir einsetzen.»

Keverne faßte an den Hut und winkte den Midshipmen, die als Läufer für die Batteriedecks eingeteilt waren. Während er sich über die Reling lehnte und ihnen mit leiser, aber scharfer Stimme die entsprechenden Anweisungen gab, sah Bolitho sie sich genau an. Ashton wirkte unter seinem Kopf verband immer noch bleich. Dann der kleine Drury, mit dem unvermeidlichen Schmutzfleck auf dem runden Gesicht, und Lelean vom unteren Batteriedeck, ganz jung noch, und mit der pickligsten Haut, die Bolitho je gesehen hatte.

Sie liefen los; Keverne schrie:»Ausrennen!«und als auf allen Decks die Bootsmannspfeifen schrillten, erbebte das ganze Schiff im

Rumpeln der Zugvorrichtungen; mit lauten Rufen feuerten die Stückmeister ihre Leute an, die schweren Kanonen das krängende Deck hinan und in die offenen Pforten zu ziehen.

Urplötzlich erzitterte die Luft unter der langsamen, gemessenen Kanonade der Zeus, deren Echo rollend von der Landzunge zurückkam. Das erste Schiff lag in einem großen Rauchring, und die schwarzen Mündungen waren nicht mehr zu sehen, weil die Bedienungen bereits in höchster Eile die Rohre für eine neue Breitseite ausputzten.

Der Qualm rollte landeinwärts und wurde unterwegs von irgendeiner verrückten Wirbelströmung tief aufs Wasser heruntergedrückt. Sollte die Besatzung der spanischen Garnison noch irgendwelche Zweifel gehabt haben, dachte Bolitho, so wußte sie jetzt ganz bestimmt, was los war.

Noch eine Breitseite, wieder geschlossen abgefeuert; die Kanonen bleckten ihre langen gelbroten Feuerzungen, das aufgegeite Großsegel zuckte heftig in der aufsteigenden Heißluft.

Alle Teleskope waren auf die tanzenden, weißbemähnten Brecher rings um das führende Vierundsiebzig-Kanonen-Schiff gerichtet. Aber noch war kein Abschuß vom Kastell zu sehen, überhaupt kein Anzeichen feindlicher Tätigkeit.

«Das klappt ja«, knurrte Broughton,»das klappt sogar sehr gut.»

Bolitho sah verstohlen zu ihm hin. Vielleicht wollte der Admiral seinen Flaggkapitän immer noch testen. Wollte irgendwelche Vorschläge von ihm, die er dann entweder akzeptieren oder voll Arroganz zurückweisen konnte. Aber bis jetzt hatte Bolitho noch nichts zu bieten, womit Broughton etwas anfangen konnte. Dazu war es noch zu früh.

«Da! Eine Kugel!«schrie jemand.»Knapp am SteuerbordAchterdeck der Zeus vorbei!«Bolitho setzte sein Glas wieder ans Auge, beobachtete den Flug des Geschosses und zählte die Sekunden, während die weiße Schaumfeder bösartig von Woge zu Woge sprang, bis sie schließlich eine gute Meile jenseits der Zeus einen eiszapfen-förmigen Geyser hoch jagte.

«Ach du lieber Gott, viel zu weit!«flüsterte Leutnant Lucey dem Master zu.

Dann kam noch ein Schuß, fast genau auf derselben Linie wie vorher, und von gleichem Kaliber.

«Nur ein Geschütz, Bolitho«, bemerkte Broughton.»Wenn das alles ist, was sie haben, dann brauchen wir nicht mehr lange zu warten.»