Broughton konnte sich anscheinend zu keiner Reaktion aufraffen. Er stand reglos. Endlich sagte er gepreßt:»Dann werden wir eben kämpfen. «Doch es klang nicht sehr überzeugt.
Bolitho verdrängte sein Mitleid.»Wir haben auch gar keine andere Wahl, Sir. Der Feind hat den Windvorteil, und wenn wir fliehen, können sie uns nach Belieben so lange jagen, bis sie uns wie Motten am Land zerquetschen. Bestimmt sind schon von Toulon und Marseille noch mehr Schiffe unterwegs, damit die Falle auch ja genug Zähne hat!«schloß er bitter.
Der Admiral riß sich zusammen. Man sah ihm die körperliche Anstrengung an, die es ihn kostete. Er hatte die Augen zusammengekniffen und sprach kurz und abgehackt.
«Signaclass="underline" >Ganzes Geschwader halsen und Feind auf Gegenkurs ansegeln^ Schiff gegen Schiff können wir…««Er sah Bolithos ablehnende Miene und stieß verzweifelt hervor:»Mein Gott — zwei gegen einen!»
Bolitho wandte sich ab; er konnte Broughtons offensichtliche Hilflosigkeit nicht mitansehen.»An Deck! Segel in Luv!»
Bolitho nickte. So waren sie also schon in Sichtweite und kamen eilig heran zum tödlichen Schlag.
Zehn Linienschiffe. Er kniff sich mit der gesunden Hand in die Seite, um sich zum Denken zu zwingen und nicht angesichts dieses Kräfteverhältnisses seinen Geist stumpf und untätig werden zu lassen. Zwei zu eins hatte Broughton gesagt; aber die Impulsive war nicht viel mehr als eine große Fregatte. Und außerdem alt; ihr Rumpf war mürbe von jahrzehntelangem schwerem Dienst. Er lächelte melancholisch. Ja, mürbe — das hatte Herrick selbst gesagt.
Doch jetzt war sein Kopf wieder klar.»Mit Ihrer Erlaubnis, Sir«, wandte er sich an Broughton,»wir sollten die Schlachtordnung ändern und zwei Formationen bilden. «Er sprach schnell; er sah den Plan vor sich wie mit Fähnchen auf der Karte markiert.»Die Franzosen kämpfen gern in feststehender Gefechtslinie. Sie haben zu lange im Hafen gelegen, als daß sie etwas wesentlich anderes hätten einexerzieren können. «Genau wie du, dachte er, als er sah, wie unsicher Broughton zuhörte.»Wir können die Formation in Luv übernehmen, mit nur der Impulsive hinter uns. Rattray kann den Keil in Lee in der bisherigen Formation führen. Wenn es uns gelingt, die feindliche Gefechtslinie an zwei Stellen zu durchbrechen, könnten wir immer noch einigermaßen günstig abschneiden. «Da er sah, daß Broughton nach wie vor unentschlossen war, wurde er beinahe grob:»Wenn Sie aber Schiff gegen Schiff und Linie gegen Linie kämpfen, werden Sie erleben, daß in Ihrem Geschwader eine halbe Stunde nach Feuereröffnung kein Mast mehr steht!»
Leutnant Bickford unterbrach:»Ich kann die Auriga sehen, Sir. «Er ließ sein großes Signalteleskop sinken.»Sie hat die Coquette angegriffen. «Es war wie der letzte Hohn auf Broughtons Wünsche.
Verloren sah der Admiral Bolitho an.»Ich gehe einen Moment nach unten. Sie sind ermächtigt, Ihren Plan auszuprobieren. «Vielleicht wollte er noch der Form halber von sich aus einen Befehl geben, tat es aber nicht, sondern knurrte wütend:»Ich wünschte bloß, Draffen wäre hier an Deck und würde selbst erleben, was uns sein Betrug kostet!»
Bolitho sah Broughton nach und winkte dann Keverne und Tothill herbei.»Signal an alle: >Geschwader geht nacheinander über Stag und nimmt dann Kurs West.<»
Keverne eilte an die Reling und rief den wartenden Matrosen Befehle zu. Pfeifen schrillten, die Männer rannten auf ihre Stationen, Signalflaggen stiegen hoch — sehr bunt standen sie gegen den bleichen Himmel.
Nachdem alle Bestätigungen gemeldet waren, sagte Bolitho:»Noch ein Signal an alle, Mr. Tothilclass="underline" >Gefechtsklar!<«Er lächelte etwas mühsam in das gespannte Gesicht des Midshipman.»Ja, es sieht aus, als ob es an diesem schönen Morgen ein Gefecht gibt, also passen Sie gut auf Ihre Leute auf.»
An allen Decks herrschte jetzt Ordnung; die Unteroffiziere hakten ihre Wachrollen ab, Partridge stand bei den Rudergängern, bereit, hinter der Tanais durch den Wind zu drehen.»Alle Bestätigungen eingegangen, Sir!«rief Tothill.
Sie waren bereit.»Ausführungsbefehl!»
Keverne wartete auf den richtigen Moment: auf die Zehen gereckt beobachtete er, wie erst die Zeus und dann die Tanais mit schlagenden Segeln drehten.»Legen Sie das Schiff auf Backbordbug. Ich mache inzwischen die Gefechtsorder für die Kommandanten fertig«, sagte Bolitho zu ihm.
«Und dann, Sir?«Keverne hatte immer noch die Tanais im Auge.
«Dann können Sie Klarschiff zum Gefecht anschlagen lassen. «Er lächelte.»Und diesmal werden wir es in acht Minuten schaffen!»
«Achterdeck! An die Brassen!«brüllte Keverne.
Beim Klang seiner Stimme wandte Bolitho sich noch einmal um: Pascoe stand bei der Achterwache an den Besanbrassen, den Hut tief über das widerspenstige Haar gezogen, die Augen im grellen Sonnenlicht zusammengekniffen.
Eine Sekunde lang trafen sich ihre Blicke, und Bolitho wollte schon die Hand heben, um ihm zuzuwinken. Aber ein plötzlicher Schmerz erinnerte ihn an seine Wunde, und er sah die Bestürzung im Gesicht des Jungen; es war, als fühle er seine Schmerzen mit.
«Ruder hart Backbord! Los die Vorschoten! Hol dicht Besan!»
Matrosen rannten in alle Richtungen; unter dem Druck von Wind und Ruder kam die Euryalus unter Knarren und Stöhnen herum.
Und dann war es wieder einmal sowe it: wie ein gigantischer Elefantenstoßzahn reckte sich ihr Klüverbaum einem Feind entgegen.
IXX Im Gefecht
«Kursänderung ein Strich nach Backbord, Mr. Partridge!»
Bolitho ging nach Lee, um nach der Zeus zu sehen, die fast genau voraus an der Spitze der anderen Formation segelte. Es hatte fast eine Stunde gedauert, bis das Geschwader über Stag gegangen war und jeder Kommandant seinen Platz in seiner Gefechtslinie eingenommen hatte. Gott sei Dank hatten sie inzwischen genügend Zeit gehabt, sich aufeinander einzuspielen.
«West zu Süd liegt an, Sir«, bestätigte Partridge mit grimmiger Entschlossenheit.
«Recht so.»
Bolitho schritt zur Achterdecksreling und musterte sein Schiff. Jetzt, da die Euryalus an der Spitze fuhr, konnte man die Lage viel besser übersehen und überdenken. Vor den mächtigen, klauenförmigen Klüversegeln und den dichgebraßten Vorbramsegeln, die das Schiff stetig auf Backbordbug hielten, konnte er den Feind so deutlich sehen wie auf einem Seeschlachtengemälde. Die zehn Schiffe segelten in beinahe vollkommener Gefechtslinie diagonal auf das britische Geschwader zu. Für ein ungeübtes Auge mochte es aussehen, als sei der Weg nach vorn von einer Reihe mächtiger Schiffe total blockiert, und selbst einem erfahrenen Beobachter konnte es bei diesem Anblick kalt über den Rücken laufen.
Widerwillig tat Bolitho ein paar Schritte über das totenstille Achterdeck und blickte dabei ab und zu nach der Zeus, um sich zu vergewissern, daß sie ihre Position einhielt. Ihr folgten in regelmäßigen Abständen die Tanais und die Valorous; die Doppelreihen ihrer Kanonen glänzten im harten Frühlicht wie schwarze Zähne.
Die hohe Kampanje der Euryalus verdeckte die Impulsive zum größten Teil, doch er konnte ihre festgezurrten Bramsegel und den flatternden Wimpel sehen und vermochte sich leicht vorzustellen, wie Herrick breitbeinig an Deck stand und mit seinen hellblauen Augen das Flaggschiff beobachtete.
«Glauben Sie«, fragte Keverne nachdenklich,»daß die Frogs erraten, was wir vorhaben, Sir?»
Zum zehnten Male schätzte Bolitho die Entfernung zwischen den beiden kleinen Formationen ab. Rattrays Zeus lag etwa drei Kabellängen entfernt, und er sah die roten Röcke der Marine-Infanteristen schimmern, die auf ihre Gefechtsstationen in den Masten kletterten. Die besten Scharfschützen würden heute verdammt nötig sein.