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An Land feuerten die Kanonen lange Salven in ununterbrochenem Donner, der von den fremden Hügeln zurückgeworfen wurde.»Weißt du, warum sie kämpfen?«fragte

Allday.

«Keine Ahnung. «Ozzard rollte das Brandyfäßchen aus dem Weg, und Allday seufzte. Ein kleiner Schluck wäre jetzt genau richtig gewesen.

Tyacke wartete, als der Posten seinen Namen rief, der ihn kein einziges Mal angesehen hatte. Als er die Tür aufstieß, saß Bolitho auf der Bank unter den Heckfenstern; bis auf sie beide war die Kajüte leer und so unpersönlich wie früher. Nichts verriet, daß Warren hier jahrelang gelebt hatte. Tyacke dachte an seine enge, vollgestopfte Kajüte auf der Miranda. Die lag nun auf dem Meeresboden.

«Bitte setzen Sie sich. «Bolitho deutete auf einen kleinen Tisch mit Wein und zwei Gläsern.»Ich danke Ihnen für Ihr Kommen.»

Tyacke richtete sich auf. Seine geborgten Kleider waren viel zu eng.»Entschuldigen Sie meinen Aufzug, Sir Richard, aber die Offiziere der Truculent haben mir gegeben, was sie entbehren konnten.»

Bolitho nickte.»Mir ging's schon öfter ähnlich. Alles, was ich besaß, war plötzlich versunken. «Er schenkte kühlen Rheinwein ein.»Auch auf diesem Schiff bin ich nicht zu Hause.»

Er setzte sich Tyacke gegenüber und streckte die Beine aus.»So, und nun berichten Sie mir von den Männern, die bei Ihnen waren. Der Seesoldat zum Beispiel — hat er sein Mitmachen bereut?»

Tyacke berichtete von ihrem langen Weg in die Bucht. Ferne Gestalten wurden vor ihren Augen lebendig, als er von ihrem Mut und ihrer Furcht erzählte: von Buller, dem Scharfschützen, von Swayne, dem Deserteur, und von Midshipman Segrave, der plötzlich Mut gefaßt hatte und Tyacke half, als er es am dringendsten brauchte. Dabei tranken sie, ohne es zu merken.

«Ich möchte, daß Sie heute abend mit mir speisen«, sagte Bolitho schließlich.»Wir wollen dabei aber nicht über den Krieg reden, der beschäftigt mich schon Tag und Nacht genug.»

Hatte er richtig gehört? Der Vizeadmiral lud ihn, den Leutnant, der sein Schiff verloren hatte, zum Essen ein?» Gern. Danke. Aber erwarten Sie keine Schmeicheleien von mir, Sir. Ich tue alles für Sie, aber ich verschaffe mir keine Vorteile durch Süßholzraspeln.»

«Ich auch nicht«, antwortete Bolitho.»Wir sind beide Marineoffiziere, wenn auch mit verschiedenen Dienstgraden. Unser Land braucht heute jedes Schiff und jeden Mann, vor allem so mutige und erfahrene Offiziere wie Sie.»

«Wollen Sie, daß ich die Miranda schneller vergesse? Wollen Sie mich auf einem anderen Schiff als Offizier haben?«Tyacke fühlte sich wie in einer Falle.

«Kennen Sie die Brigg Larne, Mr. Tyacke?»

«Sie segelt in Commodore Pophams Geschwader. «Das klang unsicher.»Unter Commander Blackmore.»

Bolitho beugte sich über ein Blatt mit Yovells sauberer Schrift.»Blackmore übernimmt ein größeres Schiff. Sie werden die Larne befehligen.»

Tyacke sah ihn ungläubig an.»Aber kann ich das? Ich bin doch nur…»

Bolitho reichte ihm einen Umschlag.»Hier ist Ihre offizielle Order. Und Sie sind mit sofortiger Wirkung zum Commander befördert. Ihre Lordschaften in London werden das später bestätigen. «Er amüsierte sich über Tyackes Verlegenheit.»Mein Flaggleutnant wird dafür sorgen, daß Sie sofort die passende

Uniform bekommen. «Er goß Wein nach.»Wollen Sie also das Schiff übernehmen und mir damit einen Wunsch erfüllen?»

Tyacke war aufgestanden.»Ich werde es übernehmen, und einen besseren Grund als Ihren Wunsch brauche ich nicht.»

Bolitho stand ebenfalls auf.»Hören Sie das?«Sein Blick hatte sich verändert.»Die Kanonen — sie schweigen. Das heißt, Commander Tyacke, unser Feldzug ist zu Ende. Der Feind hat sich ergeben.»

Es klopfte, Jenour stürzte herein.»Gerade haben wir ein Signal empfangen: Die Holländer haben die Fahne gestrichen!»

Der Admiral lächelte.»Jetzt können wir nach Hause segeln.»

Kapitän Poland stand mit verschränkten Armen da und sah seinen Männern zu, die halbnackt auf ihre Manöverstationen rannten. Am Ankerspill erklang eine Fiedel, und ein Shantyman stimmte ein anfeuerndes Lied an. In den kurzen Pausen zwischen den Strophen brüllte ein Bootsmannsgehilfe:»Los, Männer, los! Sonst kommen wir nie nach England.»

Der Erste Offizier räusperte sich diskret neben Poland.»Der Admiral kommt, Sir.»

Poland blickte ihn an.»Danke, Mr. Williams. Aber wir haben hier nichts zu verbergen. «Er grüßte, als Bolitho unter dem Besan erschien, der im Licht der sinkenden Sonne kupferrot leuchtete.»Wir sind soweit, Sir Richard.»

Bolitho sah in der Ferne den Tafelberg und in der Bucht das verankerte Geschwader. Die Schiffe schimmerten wie glühendes Metall. Nur ein leichter Landwind riffelte die See.

Bolitho spürte die verwehende Hitze des Tages und fragte sich, warum Poland keinerlei Bewegung zeigte beim Beginn ihrer langen Heimreise.

Am Ankerspill warfen sich die Männer in die Spaken. Der Bootsmann brüllte sie ermunternd an, und dann klickte das riesige Spill. Die dicke Trosse begann sich zu bewegen.

Die offenen Stückpforten der anderen Schiffe sahen aus wie Augen, die sie beobachteten. Aber sie hatten hier ihre Pflicht erfüllt, über der Festungsbatterie an Land wehte die englische Flagge. Und da würde sie von nun an bleiben.

Einige Einheiten des Geschwaders waren schon früher ankeraufgegangen und hatten den langen Heimweg angetreten: zwei

Linienschiffe, fünf Fregatten, auch Varians Zest, und eine ganze Flottille kleinerer Schiffe. Sie wurden dringend in England gebraucht. Andere wie die Themis würden folgen, sobald die Truppen fest in Kapstadt etabliert waren und niemand mehr England den Ankergrund hier streitig machen konnte. Die rauchgeschwärzten Spanten der beiden Ostindienfahrer waren eine harsche Warnung.

Bolitho erinnerte sich an Tyackes festen Handschlag beim Abschied.»Die Larne ist ein gutes Schiff«, hatte der neue Commander gesagt.»Nach der Miranda natürlich eine Herausforderung für mich. Aber wir werden gut miteinander auskommen.»

Irgendwo da hinten ankerte er nun. Bolitho wußte, daß Tyacke an Deck sein würde, um die Truculent ankeraufgehen zu sehen.

Er trat zur Seite, damit Kapitän Poland und die Männer auf dem Achterdeck mehr Platz hatten. Segrave lehnte an den Finknetzen.»Wie fühlen Sie sich, Mr. Segrave? Es war wohl ein kurzer Aufenthalt — aber mit einer Menge neuer Erfahrungen.»

Der Junge hatte im Abendlicht ein dunkelrotes Gesicht.»Ich bin froh, daß ich hier war, Sir Richard. «Sein Haar flatterte im Wind, während er die Männer am Ankerspill beobachtete. Sie gingen jetzt schneller, die dicke Ankertrosse kam zügig an Bord.

Bolitho erinnerte sich an seine ersten Jahre als Midshipman.»Tut's Ihnen leid, daß wir heimsegeln?»

Segrave nickte und vergaß einen Augenblick, daß er mit einem Vizeadmiral sprach.»Aber wenn ich auf mein altes Schiff zurückkehre, muß alles anders werden.»

Bolitho sah ein Wachboot vorbeirudern, der Leutnant im Heck grüßte die Flagge der Truculent. »Machen Sie sich darüber keine Sorgen. Sie haben hier Ihren Mut entdeckt.»

Jenour stand in der Nähe und hörte zu. Er wußte, daß Bolitho längst einen Brief an Segraves früheren Kommandanten geschrieben hatte. Leuteschinder zogen sich Bolithos Zorn zu, aber davon wußte der Midshipman natürlich nichts.

Endlich kam der erwartete Ruf von vorn:»Anker ist kurzstag, Sir!»

Pfeifen schrillten, fluchend hastete ein Mann nach vorn, dem ein Tampen Beine gemacht hatte.

«Alles klar, Sir!«meldete Williams.