' Vgl. Appendix pag. 376 ff.
10 Sternbild des «südlichen Fisches». Sein Mund wird durch den Fomal-haut (arab. =
Mund des Fisches) unterhalb des Sternbildes des Wassermannes gebildet. 11 Das Sternzeichen des Steinbocks hieß ursp rünglich «Ziegenfisch». Es ist das
Wappentier der Julier, des Geschlechts, dem Julius Caesar angehörte.
Vergleiche gibt. Man kann daher nicht wissen, was für Möglichkeiten ihm innewohnen und ob es möglich ist, der species homo sapiens ein ähnliches Blühen und Vergehen vorauszusagen wie den archaischen Tierarten. Die Biologie kann keine Gegengründe in bezug auf eine solche Möglichkeit namhaft machen.
Dem Bedürfnis der mythischen Aussage ist Genüge getan, wenn wir eine Anschauung haben, welche den Sinn menschlicher Exi stenz im Weltganzen hinlänglich erklärt, eine Anschauung, welche der seelischen Ganzheit, nämlich der Kooperation von Bewußtsein und Unbewußtem, entspringt. Sinnlosigkeit verhindert die Fülle des Lebens und bedeutet darum Krankheit. Sinn macht vieles, vielleicht alles ertragbar. Keine Wissenschaft wird je den Mythus ersetzen, und aus keiner Wissenschaft läßt sich ein Mythus machen. Denn nicht «Gott» ist ein Mythus, sondern der Mythus ist die Offenbarung eines göttlichen Lebens im Menschen. Nicht wir ersinnen ihn, sondern er spricht zu uns als ein «Wort Gottes». Das «Wort Gottes» kommt zu uns, und wir haben kein Mittel zu unterscheiden, ob und wie es von Gott verschieden sei. Nichts ist an diesem «Wort», das nicht bekannt und menschlich wäre außer dem Umstand, daß es uns spontan entgegentritt und uns nötigt. Es ist unserer Willkür entzogen. Man kann eine «Inspiration» nicht erklären. Wir wissen, daß ein «Einfall» kein Resultat unserer Er-klügelung ist, sondern, daß der Gedanke irgendwie «von anderswoher» in uns hineingefallen ist. Und wenn es sich gar um einen präkognitiven Traum handeln sollte, wie vermöchten wir diesen dem eigenen Verstande zuzuschreiben? Man weiß ja in solchen Fällen oft für längere Zeit nicht einmal, daß der Traum ein Vorausoder Fernwissen darstellt.
Das Wort geschieht uns; wir erleiden es, denn wir sind einer tiefen Unsicherheit ausgeliefert: bei Gott als einer complexio opposi-torum sind «alle Dinge möglich» in dieses Wortes vollster Bedeutung, nämlich Wahrheit und Täuschung, Gutes und Böses. Der Mythus ist oder kann zweideutig sein wie das Orakel von Delphi oder ein Traum. Wir können und sollen weder auf den Gebrauch des Verstandes verzichten, noch sollen wir die Hoffnung aufgeben, daß der Instinkt uns zu Hilfe eile, wobei ein Gott uns gegen Gott unterstützt, wie schon Hiob es verstanden hat. Alles nämlich, in dem der «andere Wille» sich ausdrückt, ist vom Menschen geformter Stoff, sein Denken, seine Worte, seine Bilder und alle seine Beschränktheiten. Er bezieht daher auch alles auf sich, wenn er an
fängt, ungeschickt psychologisch zu denken, und glaubt, alles gehe aus seiner Absicht und aus «ihm selber» hervor. In kindlicher Naivität setzt er dabei voraus, er kenne alle seine Bereiche und wisse, was «er selber» sei. Er ahnt jedoch nicht, daß es die Schwäche seines Bewußtseins und die dementsprechende Angst vor dem Unbewußten ist, die ihn daran hindern zu unterscheiden, was er absichtlich ersonnen und und was ihm aus anderer Quelle spontan zugeflossen ist. Er hat keine Objektivität sich selber gegenüber und kann sich noch nicht als Phänomen betrachten, das er vorfindet, und mit dem er «for better or worse» identisch ist. Alles ist ihm zunächst zugeschoben, geschieht und stößt ihm zu, und nur mühsam gelingt es ihm schließlich, für sich eine Sphäre relativer Freiheit zu erobern und festzuhalten.
Erst wenn er sich dieser Errungenschaft versichert hat - und erst dann - ist er in der Lage zu erkennen, daß er seinen unwillkürlichen, weil gegebenen, Fundamenten und Anfängen gegenübersteht, welche er nicht aus der Welt schaffen kann. Dabei sind seine Anfänge nicht etwa bloß Vergangenheiten; sie leben vielmehr mit ihm als ständige Grundlage seiner Existenz, und sein Bewußtsein hängt von ihrer Mitarbeit ab, mindestens ebenso sehr wie von der physischen Umwelt.
Diese Tatsachen, die dem Menschen von außen und von innen übermächtig entgegentreten, hat er unter der Anschauung der Gottheit zusammengefaßt und ihre Wirkungen mit Hilfe des Mythus beschrieben und diesen als «Wort Gottes» verstanden, d.h. als Inspiration und Offenbarung des Numens der «anderen Seite»,
II
Es gibt kein besseres Mittel, das Individuum vor dem Verfließen mit den anderen zu schützen, als den Besitz eines Geheimnisses, das es hüten will oder hüten muß. Schon die Anfänge der Gesellschaftsbildung lassen das Bedürfnis nach Geheimorganisationen erkennen. Wo kein aus zureichenden Gründen zu hütendes Geheimnis besteht, werden «Geheimn isse» erfunden oder zurechtgedreht, die dann von den privilegierten Eingeweihten «gewußt» und «verstanden» werden. Dies war bei den Rosenkreuzern und vielen anderen der Fall. Unter diesen Pseudogeheimnissen gibt es - ironischerweise von den Eingeweihten ganz und gar nicht gewußte wirkliche
Geheimnisse, z. B. in jenen Gesellschaften, die ihr «Geheimnis» vorzüglich der alchemistischen Tradition entnommen haben.
Das Bedürfnis nach Geheimtuerei ist auf primitiver Stufe von vitaler Bedeutung, indem das gemeinsame Geheimnis den Zement für das Zusammenhalten hergibt. Das Geheimnis auf der sozialen Stufe bedeutet eine
hilfreiche Kompensation für den Mangel an Zusammenhalt der individuellen
Persönlichkeit, welche durch beständige Rückfälle in die ursprüngliche,
unbewußte Identität mit den anderen immer wieder auseinanderbricht. Die
Erreichung des Ziels, nämlich eines seiner Eigenart bewußten Individuums,
wird dadurch zu einer langen, fast hoffnungslosen Erziehungsarbeit, weil
auch die Gemeinschaft einzelner, durch Initiation bevorzugter Individuen
doch nur wieder durch unbewußte Identität bewerkstelligt wird, wenn es sich
hier auch um eine sozial differenzierte Identität handelt.
Die Geheimgesellschaft ist eine Zwischenstufe auf dem Weg zur
Individuation: man überläßt es noch einer kollektiven Organisation, sich von
ihr differenzieren zu lassen; d. h. man hat noch nicht erkannt, daß es
eigentlich die Aufgabe des Einzelnen ist, von allen ändern unterschieden auf
eigenen Füßen zu stehen. Der Erfüllung dieser Aufgabe treten alle kollektiven
Identitäten, wie Zugehörigkeit zu Organisationen, Bekenntnis von -ismen und
dergleichen, hindernd in den Weg. Es sind Krücken für Lahme, Schilde für
Ängstliche, Ruhelager für Faule, Kinderstuben für Unverantwortliche,
ebensosehr aber auch Herbergen für Arme und Schwache, schützender Port
für Schiffbrüchige, ein Familienschoß für Waisen, ein ersehntes glorreiches
Ziel für enttäuschte Irrfahrer und müde Pilger, eine Herde und ein sicheres
Gehege für verlaufene Schafe und eine Mutter, die Nahrung und Wachstum
bedeutet. Es wäre darum unrichtig, die Zwischenstufe als Hindernis zu
betrachten; sie bedeutet im Gegenteil auf längste Zeit hinaus die einzige
Existenzmöglichkeit des Individuums, das heutzutage mehr denn je durch
Namenlosigkeit bedroht erscheint. Sie ist in unserer Zeit noch so wesentlich,
daß sie vielen mit einem gewissen Recht als endgültiges Ziel gilt, während
jeder Versuch, dem Menschen die Möglichkeit eines weiteren Schrittes auf
dem Weg der Selbständigkeit nahezulegen, als Anmaßung oder