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Wie ich nachträglich in Erfahrung bringen konnte, gibt es für das von Jung im Kapitel «Der Turm» erwähnte ursprüngliche Wappen, das einen Phönix darstellte, und das sein Großvater C. G. Jung in seine jetzige Form änderte, noch eine andere Version, nämlich einen Schmetterling, der aus einer Puppe kriecht. — Nach ein er Familientradition ist der Vorname des «gelehrten Dr. med. et Dr. jur. Jung» in Mainz (gest. 1654) nicht Carl sondern Simon.

Glossar

Alchemie. Die ältere Chemie, in der sich die experimentelle Chemie im heutigen Sinn mit allgemeinen, bildhaft -intuitiven, teils religiösen Spekulationen über die Natur und den Menschen vermischt fand. In das Unbekannte des Stoffes wurden viele Symbole projiziert, die wir als Inhalte des Unbewußten erkennen. Der Alchemist suchte «das Geheimnis Gottes» im unbekannten Stoff und geriet dadurch auf Verfahren und Wege, welche denen der heutigen Psychologie des Unbewußten gleichen. Auch diese sieht sich einem unbekannten objektiven Phänomen — dem Unbewußten — gegenübergestellt.

Die philosophische Alchemie des Mittelalters muß geistesgeschichtlich als eine vom Unbewußten ausgehende, kompensatorische Bewegung zum Christentum verstanden werden; denn der Gegenstand alchcmistischer Meditationen und Technik — das Reich der Natur und des Stoffes — hatte im Christentum keinen Ort und keine adaequate Bewertung gefunden, sondern galt als das zu Überwindende. So ist die Alchemie eine Art dunkeln, primitiven Spiegelbildes der christlichen Bilder- und Gedankenwelt, wie Jung in «Psychologie und Religion» anhand der Analogie zwischen der alchemisti-sehen Zentralvorstellung des Steines, des «lapis», und Christus nachweisen konnte. Typisch für die Sprache der Alchemisten ist das symbolische Bild und das Paradox. Beides entspricht der unfaßlichen Natur des Lebens und der unbewußten Psyche. Darum heißt es z. B., der Stein sei kein Stein (d. h. er ist zugleich ein geistig-religiöser Begriff), oder der alchemistische Mercu-rius, der Geist im Stoff, sei evasiv, flüchtig wie ein Hirsch, denn er ist ungreifbar. «Er hat tausend Namen.» Keiner drückt sein Wesen ganz aus — wie auch keine Definition das Wesen eines psychischen Begriffes eindeutig zu umreißen imstande ist.

Amplifikation. Erweiterung und Vertiefung eines Traumbildes durch gerichtete Assoziationen (s.d.) und mit Parallelen aus der menschlichen Symbol- und Geistesgeschichte (Mythologie, Mystik, Folklore, Religion, Ethnologie, Kunst usw.), wodurch sich sein Sinn der Deutung erschließt.

Anima und Animus. Personifikationen einer weiblichen Natur im Unbewußten des Mannes und einer männlichen Natur im Unbewußten der Frau. Diese psychische Doppelgeschlechtlichkeit entspricht der biologischen Tatsache, daß es die größere Anzahl von männlichen (weiblichen) Genen sind, welche den Ausschlag bei der Bestimmung des männlichen (weiblichen) Geschlechtes geben. Die kleinere Anzahl der gegengeschlechtlichen Genen scheinen einen gegengeschlechtlichen Charakter zu bilden, welcher aber infolge seiner Unterlegenheit gewöhnlich unbewußt bleibt.

e.G. JUNG: «Jeder Mann trägt das Bild der Frau von jeher in sich, nicht das Bild dieser bestimmten Frau, sondern einer bestimmten Frau. Dieses

Bild ist im Grunde genommen eine unbewußte, von Urzeiten herkommende und dem lebenden System eingegrabene Erbmasse, ein ,Typus' (.Archetypus') (s. d.) von allen Erfahrungen der Ahnenreihe am weiblichen Wesen, ein Niederschlag aller Eindrücke vom Weibe, ein vererbtes psychisches Anpassungssystem . . . Dasselbe gilt auch von der Frau, auch sie hat ein ihr angeborenes Bild vom Manne. Die Erfahrung lehrt, daß man genauer sagen sollte: ein Bild von Männern, während beim Manne es eher ein Bild der Frau ist. Da dieses Bild unbewußt ist, so ist es immer unbewußt projiziert in die geliebte Figur und ist einer der wesentlichsten Gründe für leidenschaftliche Anziehung und ihr Gegenteil.» (Die Ehe als psychologische Beziehung, 1925, in Ges. Werke XVII, 1970, Über die Entwicklung der Persönlichkeit, pag. 224.)

«Die natürliche Funktion des Animus (sowie auch der Anima) liegt darin, eine Verbindung zwischen dem individuellen Bewußtsein und dem kollektiven Unbewußten (s.d.) herzustellen In entsprechender Weise stellt die Persona (s.d.) eine Sphäre zwischen dem Ichbewußtsein und dem Ob-jekten der äußeren Welt dar. Animus und Anima sollten als eine Brücke oder als Tor zu den Bildern des kollektiven Unbewußten funktionieren, wie die Persona zur Welt eine Art Brücke darstellt.» (Unveröffentlichter Seminarbericht, Vol. l. 1925. Aus dem Englischen übersetzt.)

Alle archetypischen Manifestationen, also auch Animus und Anima, haben einen negativen und einen positiven, einen primitiven und einen differenzierten Aspekt.

C.G. JUNG: «Der Animus ist in seiner erst en unbewußten Form spontane, unbeabsichtigte Meinungsbildung, die einen beherrschenden Einfluß auf das Gefühlsleben ausübt, die Anima dagegen eine spontane Gefühlsbildung mit nachfolgender Beeinflussung resp. Distorsion des Verstandes. (.Sie hat ihm den Kopf verdreht.') Der Animus projiziert sich daher mit Vorliebe auf .geistige' Autoritäten und sonstige ,Helden' (inkl. Tenöre, .Künstler' und Sportgrößen). Die Anima bemächtigt sich gerne des Unbewußten, Leeren, Frigiden, Hilflosen, Beziehungslosen, Dunkeln und Zweideutigen in der Frau_.. Die (im Individuationsprozeß) zum Ichbewußtsein hinzutretende Seele hat also beim Manne das weibliche Vorzeichen, bei der Frau das männliche. Seine Anima sucht zu einigen und zu vereinen, ihr Animus will unterscheiden und erkennen. Dies ist ein strikter Gegensatz ... In der Bewußtseinswirklichkeit bedeutet er eine Konfliktsituation, auch wenn die bewußte Beziehung der beiden Individuen harmonisch ist.» (Die Psychologie der Übertragung, 1946, in Ges. Werke XVI, 2. Aufl. 1976, Praxis der Psychotherapie, pag. 323.)

«Die Anima ist der Archetypus des Lebens ... Denn das Leben kommt zum Manne durch die Anima, obwohl er der Ansicht ist, es käme zu ihm durch den Verstand (mind). Er meistert das Leben durch den Verstand, aber das Leben lebt in ihm durch die Anima. Und das Geheimnis der Frau ist, daß das Leben zu ihr durch die geistige Gestalt des Animus kommt, obwohl sie annimmt, es sei Eros, der ihr das Leben bringt. Sie meistert das Leben, sie lebt sozusagen habituell durch den Eros, aber das wirkliche Leben, bei dem sie auch Opfer ist, kommt zur Frau durch den Verstand (mind), der in ihr durch den Animus verkörpert ist.» (Unveröffentlichter

Seminarbericht über Nietzsches Zarathustra, 1937. Übersetzt aus dem Englischen.)

Archetypus, c. G. JUNG: «Der Begriff des Archetypus... wird aus der vielfach wiederholten Beobachtung, daß zum Beispiel die Mythen und Märchen der Weltliteratur bestimmte, immer und überall wieder behandelte Motive enthalten, abgeleitet. Diesen selben Motiven begegnen wir in Phantasien, Träumen, Delirien und Wahnideen heutiger Individuen. Diese typischen Bilder und Zusammenhänge werden als archetypische Vorstellungen bezeichnet. Sie haben, je deutlicher sie sind, die Eigenschaft, von besonders lebhaften Gefühlstönen begleitet zu sein ... Sie sind eindrucksvoll, einflußreich und faszinieren. Sie gehen hervor aus dem an sich unanschaulichen Archetypus, einer unbewußten Vorform, die zur vererbten Struktur der Psyche zu gehören scheint und sich infolgedessen überall auch als spontane Erscheinung manifestieren kann.» (Das Gewissen in psychologischer Sicht, in: Das Gewissen, Studien aus dem C. G. Jung-Institut, Zürich, 1958, pag. 199 f.)

«Ich begegne immer wieder dem Mißverständnis, daß die Archetypen inhaltlich bestimmt, d. h. eine Art unbewußter .Vorstellungen' seien. Es muß deshalb nochmals hervorgehoben werden, daß die Archetypen nicht inhaltlich, sondern bloß formal bestimmt sind, und letzteres nur in sehr bedingter Weise. Inhaltlich bestimmt ist ein Urbild (s.d.) nachweisbar nur, wenn es bewußt und daher mit dem Material bewußter Erfahrung ausgefüllt ist. Seine Form dagegen ist... etwa dem Achsensystem eines Kristalls zu vergleichen, welches die Kristallbildung in der Mutterlauge gewissermaßen präformiert, ohne selber eine stoffliche Existenz zu besitzen. Letztere erscheint erst in der Art und Weise des Anschießens der Ionen und dann der Moleküle. Der Archetypus ist ein an sich leeres, formales Element, das nichts anderes ist als eine facultas praeformandi, eine a priori gegebene Möglichkeit der Vorstellungsform. Vererbt werden nicht die Vorstellungen, sondern die Formen, welche in dieser Hinsicht genau den ebenfalls formal bestimmten Instinkten entsprechen. Ebensowenig wie das Vorhandensein von Archetypen an sich, kann auch das der Instinkte nachgewiesen werden, solange sich diese nicht in concreto betätigen.» (Die psychologischen Aspekte des Mutterarchetypus, 1938, in Ges. Werke IX/1, 1976, Die Archetypen und das kollektive Unbewußte, pag. 95.)