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«Es erscheint mir wahrscheinlich, daß das eigentliche Wesen des Archetypus bewußtseinsunfähig, d. h. transzendent ist, weshalb ich es als psychoid (s. d.) bezeichne.» (Theoretische Ueberlegungen zum Wesen des Psychischen, 1946, in Ges. Werke VIII, 1967, Die Dynamik des Unbewußten, pag. 244.)

«Man darf sich keinen Augenblick der Illusion hingeben, ein Archetypus könne schließlich erklärt und damit erledigt werden. Auch der beste Erklärungsversuch ist nichts anderes als eine mehr oder weniger geglückte Übersetzung in eine andere Bildsprache.» (Zur Psychologie des Kind-Archetypus 1940, in Ges. Werke IX/1, 1976, Die Archetypen und das kollektive Unbewußte, pag. 174.)

Assoziation. Verknüpfung von Vorstellungen, Wahrnehmungen usw. nach Ähnlichkeit, Berührung, Gegensatz oder Aufeinanderfolge. Freie Alsoziationen in der Traumbearbeitung von S. Freud: spontane Assoziationskette des Träumers, die sich nicht auf die Traumsituation zu beziehen braucht. Gerichtete oder kontrollierte Assoziationen in der Traumbearbeitung von C. G. Jung: spontane Einfälle, die von der gegebenen Traumsituation ausgehen und sich stets darauf beziehen.

Assoziationsexperiment: Psychologische Testmethode zur Feststellung von Komplexen (s. d.) mit Hilfe der Messung der Reaktionszeiten und der Interpretation von Antworten auf gegebene Reizworte. Zu den Komplexmerkmalen gehören: verlängerte Reaktionszeit oder subjektiv eigenartige Qualität der Antworten, wenn durch die Reizworte Komplexe berührt werden, welche die Versuchsperson verheimlichen will, oder die ihr nicht bewußt sind.

Bewußtsein, c. G. JUNG: «Wenn man darüber nachdenkt, was das Bewußtsein eigentlich sei, so ist man tief beeindruckt von der höchst wunderbaren Tatsache, daß von einer Begebenheit, die im Kosmos stattfindet, zugleich innerlich ein Bild erzeugt wird, daß sie sozusagen innerlich ebenfalls stattfindet, das heißt eben: bewußt wird.» (Basler Seminar, 1934, unveröffentlichter Seminarbericht.)

«Unser Bewußtsein schafft sich ja nicht selber, sondern es quillt auf aus unbekannter Tiefe. Es erwacht allmählich im Kinde, und es erwacht jeden Morgen aus der Tiefe des Schlafes aus einem unbewußten Zustand. Es ist wie ein Kind, das täglich aus dem mütterlichen Urgrunde des Unbewußten geboren wird.» (Zur Psychologie östlicher Meditation, 1943, in Ges. Werke XI, 2. Aufl. 1973, Zur Psychologie westlicher und östlicher Religion, pag.616.)

Extraversion. Typische Einstellung, die sich durch Konzentration des Interesses auf ein äußeres Objekt auszeichnet. Gegensatz: Introversion (s. d.).

Gottesbild. Der Begriff stammt von den Kirchenvätern, nach denen die imago Dei (das Gottesbild) der Seele des Menschen eingeprägt ist. Wenn solch ein Bild spontan in Träumen, Phantasien, Visionen usw. auftaucht, muß es innerhalb der psychologischen Betrachtungsweise als ein Symbol des Selbst (s. d.) verstanden werden.

c. G. JUNG: «Daß die Gottheit auf uns wirkt, können wir nur mittels der Psyche feststellen, wobei wir aber nicht zu unterscheiden vermögen, ob diese Wirkungen von Gott oder vom Unbewußten kommen, d. h. es kann nicht ausgemacht werden, ob die Gottheit und das Unbewußte zwei verschiedene Größen seien. Beide sind Grenzbegriffe für transzendentale Inhalte. Es läßt sich aber empirisch mit hinreichender Wahrscheinlichkeit feststellen, daß im Unbewußten ein Archetypus der Ganzheit vorkommt, welcher sich spontan in Träumen usw. manifestiert, und daß eine vom bewußten Willen unabhängige Tendenz besteht, andere Archetypen auf dieses Zentrum zu beziehen. Es erscheint daher nicht unwahrscheinlich, daß ersterer auch an sich eine gewisse zentrale Position besitzt, welche ihn dem Gottesbild annähert. Die Ähnlichkeit wird noch insbesondere dadurch unterstützt, daß der Archetypus eine Symbolik hervorbringt, welche von jeher schon die Gottheit charakterisierte und versinnbildlichte... Das Gottesbild koinzidiert, genau gesprochen, nicht mit dem Unbewußten schlechthin, sondern mit einem besonderen Inhalt desselben, nämlich mit dem Archetypus des Selbst. Dieser ist es, von dem wir empirisch das Gottesbild nicht mehr zu trennen vermögen.» (Antwort auf Hiob, 1952, in Ges. Werke XI, 2. Aufl. 1973, Zur Psychologie westlicher und östlicher Religion, pag. 502 f.)

Man kann das Gottesbild «als eine Spiegelung des Selbst erklären, oder umgekehrt, das Selbst als imago Dei in homine.» (Versuch einer psychologischen Deutung des Trinitätsdogmas, 1948, in Ges. Werke XI, 2. Aufl. 1973, Zur Psychologie westlicher und östlicher Religion, pag. 207.)

Hierosgamos. Heilige oder geistliche Hochzeit. Vereinigung archetypischer Figuren in den Wiedergeburtsmythen, antiken Mysterien, und auch in der Alchemie. Typische Beispiele sind die Darstellung von Christus und der Kirche als Bräutigam und Braut (sponsus et sponsa) und die alchemistische Vereinigung (coniunctio) von Sonne und Mond.

Individuation. c. G. JUNG: «Ich gebrauche den Ausdruck , Individuation' in) Sinne jenes Prozesses, welcher ein psychologisches .Individuum", d. h.'' eine gesonderte, unteilbare Einheit, ein Ganzes, erzeugt.» (Bewußtsein, Unbewußtes und Individuation, 1939, in Ges. Werke IX/1, 1976, Die Archetypen und das kollektive Unbewußte, pag. 293.)

«Individuation bedeutet: zum Einzelwesen werden, und, insofern wir unter Individualität unsere innerste, letzte und unvergleichbare Einzigartigkeit verstehen, zum eigenen Selbst werden. Man könnte , Individuation' darum auch als .Verselbstung' oder als ,Selbstverwirklichung' übersetzen.» (Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewußten, 1928, in Ges. Werke VII, 2. Aufl. 1974, Zwei Schriften über Analytische Psychologie, pag.191.)

«Ich sehe immer wieder, daß der Individuationsprozeß mit der Bewußt-werdung des Ich verwechselt und damit das Ich mit dem Selbst (s.d.) identifiziert wird, woraus natürlich eine heillose Begriffsverwirrung entsteht. Denn damit wird die Individuation zu bloßem Egozentrismus und Autoerotismus. Das Selbst aber begreift unendlich viel mehr in sich als bloß ein Ich ... Es ist ebenso der oder die anderen, wie das Ich. Individuation schließt die Welt nicht aus, sondern ein.» (Theoretische Überlegungen zum Wesen des Psychischen, 1946, in Ges. Werke VIII, 1967, Die Dynamik des Unbewußten, pag. 258.)

Inflation. Eine die individuellen Grenzen überschreitende Ausdehnung der Persönlichkeit durch Identifikation mit einem Archetypus (s. d.) oder, in pathologischen Fällen, mit einer historischen oder religiösen Figur. Wirkt in normalen Fällen wie eine Art Aufgeblasenheit und wird durch entsprechende Minderwertigkeitsgefühle kompensiert.

Introversion. Typische Einstellung, die sich durch Konzentration des Interesses auf die innerseelischen Vorgänge auszeichnet. Gegensatz: Extraversion (s. d.).