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Seele, C. G. JUNG: «Wenn die Psyche des Menschen etwas ist, so ist sie unabsehbar kompliziert und von einer unbeschränkten Mannigfaltigkeit, der mit bloßer Triebpsychologie unmöglich beizukommen ist. Ich kann nur in tiefster Bewunderung und Ehrfurcht anschauend stille stehn vor den Abgründen und Höhen seelischer Natur, deren unräumliche Welt eine unermeßliche Fülle von Bildern birgt, welche Jahrmillionen lebendiger Entwicklung aufgehäuft und organisch verdichtet hat. Mein Bewußtsein ist wie ein Auge, das fernste Räume in sich faßt, das psychische Nicht-Ich aber ist das, was diesen Raum unräumlich erfüllt. Und diese Bilder sind nicht blasse Schatten, sondern mächtig wirkende seelische Bedingungen, die wir nur mißverstehen, aber niemals durch Leugnung ihrer Macht berauben können. Neben diesen Eindruck vermöchte ich nur noch den Anblick des gestirnten nächtlichen Himmels stellen; denn das Aequivalent der Welt innen ist nur die Welt außen, und wie ich diese Welt durch das Medium des Körpers erreiche, so erreiche ich jene Welt durch das Medium der Seele.» (Einführung zu W. Kranefeld «Die Psychoanalyse», 1930, in Ges. Werke IV, 1969, Freud und die Psychoanalyse, pag. 381.)

«Es wäre eine Blasphemie zu behaupten, daß Gott sich überall offenbaren könne, nur gerade nicht in der menschlichen Seele. Ja, die Innigkeit der Beziehung zwischen Gott und Seele schließt jede Minderbewertung der Seele

von vornherein aus. Es ist vielleicht zu weit gegangen, von einem Verwandt schaftsverhältnis zu sprechen; aber auf alle Fälle muß die Seele eine Beziehungsmöglichkeit, d. h. eine Entsprechung zum Wesen Gottes in sich haben, sonst könnte ein Zusammenhang nie zustande kommen. Diese Entsprechung ist, psychologisch formuliert, der Archetypus des Gottesbildes (s.d.).» (Ges. Werke XII, 2. Aufl. 1976, Psychologie und Alchemie, pag. 24 f.)

Selbst. Der zentrale Archetypus (s.d.). Der Archetypus der Ordnung. Die Ganzheit des Menschen. Symbolisch dargestellt durch Kreis, Quadrat, Quaternität (s. d.), Kind, Mandala (s. d.) usw.

c. G. JUNG: «Das Selbst ist eine dem bewußten Ich übergeordnete Größe. Es umfaßt nicht nur die bewußte, sondern auch die unbewußte Psyche und ist daher sozusagen eine Persönlichkeit, die wir auch sind ... Es besteht keine Hoffnung, daß wir je auch nur eine annähernde Bewußtheit des Selbst erreichen, denn, soviel wir auch bewußt machen mögen, immer wird noch eine unbestimmte und unbestimmbare Menge von Unbewußtem vorhanden sein, welches mit zur Totalität des Selbst gehört.» (Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewußten, 1928, in Ges. Werke VII, 2. Aufl. 1974, Zwei Schriften über analytische Psychologie, pag. 195 f.)

«Das Selbst ist nicht nur der Mittelpunkt, sondern auch jener Umfang, der Bewußtsein und Unbewußtes einschließt; es ist das Zentrum dieser Totalität, wie das Ich das Bewußtseinszentrum ist.» (Traumsymbole des Indivi-duationsprozesses, 1936, in Ges. Werke XII, 2. Aufl. 1976, Psychologie und Alchemie, pag. 59.)

«Das Selbst ist auch das Ziel des Lebens, denn es ist der völligste Ausdruck der Schicksalskombination, die man Individuum nennt.» (Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewußten, 1928, in Ges. Werke VII, 2. Aufl. 1974, Zwei Schriften über Analytische Psychologie, pag. 263.)

Synchronizität. Von C. G. JUNG geprägter Begriff, um eine sinnvolle Koinzidenz oder Entsprechung auszudrücken a) eines psychischen und eines physischen Ereignisses, welche kausal nicht miteinander verbunden sind. Solche synchronistischen Phänomene ereignen sich z. B., wenn innere Geschehnisse (Träume, Visionen, Vorahnungen) eine Entsprechung in der äußeren Realität haben: das innere Bild oder die Vorahnung hat sich als «wahr» erwiesen. b) ähnlicher oder gleicher Träume, Gedanken usw., die gleichzeitig an verschiedenen Orten stattfinden. Weder die eine noch die andere Manifestation kann durch Kausalität erklärt werden. Sie scheinen vielmehr mit archetypischen Vorgängen im Unbewußten zusammenzuhängen.

c. G. JUNG: «Meine Beschäftigung mit der Psychologie unbewußter Vorgänge hat mich schon vor vielen Jahren genötigt, mich nach einem ändern Erklärungsprinzip (neben der Kausalität) umzusehen, weil das Kausalprinzip mir ungenügend erschien, gewisse merkwürdige Erscheinungen der unbewußten Psychologie zu erklären. Ich fand nämlich zuerst, daß es psychologische Parallelerscheinungen gibt, die sich kausal schlechterdings nicht aufeinander beziehen lassen, sondern in einem anderen Geschehenszusammenhang stehen müssen. Dieser Zusammenhang erschien mir wesentlich in der Tatsache der relativen Gleichzeitigkeit gegeben, daher der Ausdruck »synchronistisch*. Es scheint nämlich, als ob die Zeit nichts weniger als ein Abstrakturn, sondern vielmehr ein konkretes Kontinuum sei, welches Qualitäten oder Grundbedingungen enthält, die sich in relativer Gleichzeitigkeit an verschiedenen Orten in kausal nicht zu erklärendem Parallelismus manifestieren können, wie z. B. in Fällen von gleichzeitigem Erscheinen von identischen Gedanken, Symbolen oder psychischen Zuständen.» (Zum Gedächtnis Richard Wilhelms, 1930, in Ges. Werke XV, 1971, Über das Phänomen des Geistes in Kunst und Wissenschaft, pag. 66.)

«Ich habe den Terminus ,Synchronizität' gewählt, weil mir die Gleichzeitigkeit zweier sinngemäß, aber akausal verbundener Ereignisse als ein wesentliches Kriterium erschien. Ich gebrauche hier also den allgemeinen Begriff der Synchronizität in dem speziellen Sinne von zeitlicher Koinzidenz zweier oder mehrerer nicht kausal aufeinander bezogener Ereignisse, welche von gleichem oder ähnlichem Sinngehalt sind. Dies im Gegensatz zu Synchronismus, welcher die bloße Gleichzeitigkeit zweier Ereignisse darstellt.» (Synchronizität als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge, 1952, in Ges. Werke VIII, 1967, Die Dynamik des Unbewußten, pag. 560 f.)

«Synchronizität ist nicht rätselhafter oder geheimnisvoller als die Diskontinuitäten der Physik. Es ist nur die eingefleischte Überzeugung von der Allmacht der Kausalität, welche dem Verständnis Schwierigkeiten bereitet und es als undenkbar erscheinen läßt, daß ursachelose Ereignisse vorkommen oder vorhanden sein könnten... Sinngemäße Koinzidenzen sind als reine Zufälle denkbar. Je mehr sie sich aber häufen und je größer und genauer die Entsprechung ist, desto mehr sinkt ihre Wahrscheinlichkeit, und desto höher steigt ihre Undenkbarkeit, d. h. sie können nicht mehr als bloße Zufälle gelten, sondern müssen mangels kausaler Erklärbarkeit als Anordnungen aufgefaßt werden . . . Ihr »Mangel an Erklärbarkeit' besteht nicht etwa nur aus der Tatsache, daß die Ursache unbekannt ist, sondern daraus, daß eine solche mit unseren Verstandesmitteln auch nicht denkbar ist.» (Synchronizität als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge, 1952, in Ges. Werke VIII, 1967, Die Dynamik des Unbewußten, pag. 576 f.)

Traum, C. G. JUNG: «Der Traum ist die kleine verborgene Tür im Innersten und Intimsten der Seele, welche sich in jene kosmische Urnacht öffnet, die Seele war, als es noch längst kein Ichbewußtsein gab, und welche Seele sein wird, weit über das hinaus, was ein Ichbewußtsein je wird erreichen können. Denn alles Ichbewußtsein ist vereinzelt, erkennt Einzelnes, indem es trennt und unterscheidet, und gesehen wird nur, was sich auf dieses Ich beziehen kann. Das Ichbewußtsein besteht aus lauter Einschränkungen, auch wenn es an die fernsten Sternnebel reicht. Alles Bewußtsein trennt; im Traume aber treten wir in den tieferen, allgemeineren, wahreren, ewigeren Menschen ein, der noch im Dämmer der anfänglichen Nacht steht, wo er noch das Ganze, und das Ganze in ihm war, in der unterschiedslosen, aller Ichhaftigkeit baren Natur. Aus dieser allverbindenden Tiefe stammt der Traum, und sei er noch so kindisch, so grotesk, noch so unmoralisch.» (Die Bedeutung der Psychologie für die Gegenwart, 1933, in Ges. Werke X, 1974, Zivilisation im Übergang, pag. 168.)