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«Ja», antwortete ich, «wenigstens in diesem Teil von Afrika.» «Then may I give you a piece of advice? You know, Mister, this here country is not Man's, it is God's country. So, if anything should happen, just sit down and don't worry.» Worauf er sich grußlos erhob und in der Schar der herbeigeströmten Neger verschwand.

Seine Worte schienen mir irgendwie bedeutend, und ich versuchte mir zu vergegenwärtigen, was für einem psychologischen Zustand sie entsprachen. Offenbar waren sie eine Quintessenz seiner Erfahrung; hier ist nicht der Mensch, sondern Gott obenauf, also nicht Wille und Absicht, sondern unerforschliche Anordnung.

Ich war mit meiner Betrachtung noch nicht fertig, als das Signal zum Aufbruch unserer zwei Autos kam. Man kletterte auf das Gepäck, acht Mann stark, und hielt sich dort fest, so gut es ging. Die nachfolgende mehrstündige Durchschüttelung gewährte den Gedanken keinen Raum. Bis zur nächsten Ortschaft Kakamega, dem Sitz eines D.C. (District Commissioner), einer kleinen Garnison von African Rifles, eines Spitals und einer - sage und schreibe -kleinen Irrenanstalt, war es viel weiter als angenommen. Der Abend nahte, und plötzlich war die Nacht da. Gleichzeitig zog ein tropisches Gewitter herauf mit beinahe unaufhörlichem Blitzen, Donnern und einem Wolkenbruch, der uns im Augenblick von Kopf zu Fuß durchnäßte und einen Wildbach zu einem gefährlichen Hindernis machte.

Erst eine halbe Stunde nach Mitternacht, bei aufklärendem Himmel, gelangten wir in erschöpftem Zustand nach Kakamega, wo uns der D.C. hilfreich mit Whisky in seinem drawing-room empfing. Dort brannte im Kamin ein lustiges - oh so willkommenes -Feuer. In der Mitte des eleganten Raumes stand ein großer Tisch mit englischen Journalen bedeckt. Man hätte sich ebensogut auf einem Landgut in Sussex befinden können. Ich wußte in meiner Müdigkeit nicht mehr, ob ich aus der Wirklichkeit in einen Traum oder aus einem Traum in die Wirklichkeit versetzt worden war. Dann mußten wir noch unsere Zelte aufschlagen - zum ersten Mal. Glücklicherweise fehlte nichts.

Am anderen Morgen erwachte ich mit einer fieberhaften Laryngitis und mußte einen Tag das Bett hüten. Diesem Umstand verdanke ich meine denkwürdige Bekanntschaft mit dem sogenannten brainfever bird, welcher sich dadurch hervortut, daß er eine korrekte Tonleiter singt, dabei aber den letzten Ton ausläßt und wieder von vorne anfängt. Als Begleitmusik zu Fieber kann man sich kaum etwas Aufreizenderes denken.

Ein anderer gefiederter Bewohner der Bananenpflanzungen produziert zwei der süßesten und melodiösesten Flageolettöne, die man sich vorstellen kann, und endet mit einem dritten, scheußlichen Mißton. «Quod natura relinquit imperfectum. ..» Einzig der Ton des Glockenvogels zeichnet sich durch ungeminderte Schönheit aus. Wenn er sang, war es, wie wenn eine Glocke den Horizont umwanderte.

Am nächsten Tag hatten wir mit Unterstützung des D.C. unsere Trägerkolonne beisammen, ergänzt durch eine militärische Eskorte von drei Askaris. Und nun begann der Treck zum Mt. Elgon, dessen 4400m hohe Kraterwand wir bald am Horizont erblickten. Die Pis te führte durch relativ trockene Savanne, die mit Schirmakazien bestanden war. Die ganze Gegend war dicht bedeckt mit kleinen, runden, zwei bis drei Meter hohen Tumult, nämlich alten Termitenkolonien.

Für die Reisenden gab es entlang der Piste Rasthäuser, grasgedeckte, runde Adobehütten, die offen waren und nichts enthielten. Nachts stellte man zum Schutz gegen Eindringlinge eine brennende Laterne in den Eingang. Eine solche besaß unser Koch nicht; er hatte dafür aber ein eigenes Miniaturhüttchen, womit er sehr zufrieden war. Aber beinahe wäre es ihm zum Verhängnis geworden. Er hatte nämlich tags zuvor ein Schaf, das wir für fünf Ugandaschil

linge erworben hatten, vor seiner Hütte geschlachtet und für unser Diner vorzügliche mutton-chops hergerichtet. Als wir nach dem Essen noch rauchend ums Feuer herumsaßen, hörten wir aus der Ferne, dann näher kommend, seltsame Töne. Es klang bald wie das Brummen von Bären, bald wie das Bellen und Gejaule von Hunden, bald waren es schrille Töne, wie Geschrei und hysterisches Gelächter - mein erster Eindruck war: ein komischer Akt bei Barnum and Bailey. Bald aber wurde die Szene bedrohlicher: wir waren auf allen Seiten von einem großen Pack hungriger Hyänen umgeben, die offenbar das Schafblut gerochen hatten. Sie vollführten ein Höllenkonzert, und man sah im Schein des Feuers ihre Lichter im hohen Elephantengras funkeln.

Trotz unserer überlegenen Kenntnis von der Natur der Hyänen, die den Menschen angeblich nicht angreifen, waren wir unserer Sache nicht allzu sicher, namentlich als plötzlich hinter dem Rasthaus ein entsetzliches Menschengeschrei ertönte. So griffen wir nach unserer Artillerie (ein 9-mmMannlicher-Gewehr und eine Schrotflinte) und feuerten einige Schüsse in Richtung der funke lnden Lichter, als unser Koch in höchster Panik in unsere Mitte stürzte und meldete, daß eine «fizi» (Hyäne) in seine Hütte gekommen sei und ihn beinahe getötet hätte. Das ganze Lager war in Aufruhr. Das erschreckte die Hyänengesellschaft offenbar dermaßen, daß sie unter lärmendem Protest das Lokal verließ. Der Rest der Nacht verlief, nach anfänglich lang anhaltendem Gelächter in den Mannschaftsquartieren, störungslos und ruhig. Anderntags kam in der Frühe der lokale Häuptling mit dem Geschenk von zwei Hühnern und einem Korb voll Eiern und flehte uns an, noch einen Tag zu bleiben, um die Hyänen zu schießen. Sie hätten nämlich tags zuvor einen schlafenden älteren Mann aus seiner Hütte gezerrt und aufgefressen - de Africa nihil certum!

Mit Tagesanbruch setzt en wiederum Salven von Gelächter im Quartier der Boys ein. Der Grund hierfür war, daß sie ein Schauspiel aufführten, welches die Ereignisse der Nacht wiederholte. Einer stellte den schlafenden Koch dar und einer der Soldaten die anschleichende Hyäne, die sich dem Schlafenden mörderisch näherte. Dieses Drama wurde zum Entzücken des Publikums, ich weiß nicht wie oft, wiederholt.

Von diesem Moment an trug der Koch den Übernamen «fizi». Wir drei Weißen hatten bereits unsere «trademarks». Mein Freund, der Engländer, galt als «Rothals» bzw. als der «mit dem

roten Nacken», da alle Engländer der Sage nach rote Nacken hätten. Der Amerikaner, der sich in der Tat im Besitze einer eleganten Garderobe befand, hieß «bwana maredadi» (der schmucke Gentleman). Weil ich damals schon (ich war fünfzig Jahre alt) graue Haare hatte, war ich der «mzee» (der alte Mann) und hundert Jahre alt. Hohes Alter war dort selten. Ich habe nur sehr wenige Weißhaarige gesehen. Mzee ist auch ein Ehrentitel, der mir als Leiter der «Bugishu Psychological Expedition» zukam, eine Bezeichnung, die uns als ein «lucus a non lucendo» vom Foreign Office in London aufgenötigt worden war. Wir haben zwar die Bugishus besucht, aber die längste Zeit bei den Elgonyis verbracht.

Meine Neger erwiesen sich überhaupt als treffliche Charakterkenner. Einer ihrer intuitiven Erkenntniswege bestand darin, daß sie in unübertrefflicher Weise die Ausdrucksart, Geste und Gang. art ihrer Objekte nachzuahmen verstanden und auf diese Weise ihnen unter die Haut schlüpften. Ich fand ihre Kenntnis der emotionalen Natur anderer überraschend. Ich scheute mich nicht vor langen Unterhaltungen, die sie ausgesprochen liebten. Auf diese Weise habe ich viel gelernt.