Выбрать главу

Er schüttelte den Kopf, ohne zu antworten.

»Übrigens«, Cindy wandte sich wieder an Tanya. »Eines möchte ich gern wissen. Wieso waren Sie so sicher, wer ich bin?«

Für eine Sekunde verlor Tanya ihre übliche Fassung, fand sie aber schnell wieder und lächelte. »Das habe ich wohl erraten.«

Cindys Augenbrauen gingen in die Höhe. »Wird von mir erwartet, daß ich dasselbe tue?« Sie blickte Mel an.

»Nein«, sagte er und machte sie miteinander bekannt.

Mel bemerkte Cindys kritisch abschätzenden Blick auf Tanya. Er hatte nicht den geringsten Zweifel, daß seine Frau bereits über Tanya und ihn ihre Schlüsse zog. Schon längst war Mel dahintergekommen, daß Cindys Instinkte hinsichtlich männlich-weiblicher Beziehungen unheimlich scharf waren. Außerdem war er sicher, daß seine Vorstellung Tanyas irgend etwas verraten hatte. Eheleute waren mit ihren Sprechnuancen zu vertraut, als daß so etwas nicht auffiel. Es würde ihn nicht einmal überraschen, wenn Cindy sein Rendezvous mit Tanya für heute abend erriete, obwohl das, wie er selbst meinte, die Phantasie überschätzen hieß.

Nun, was Cindy auch immer wußte oder erriet, war seiner Meinung nach unwichtig. Schließlich hatte sie ja die Scheidung vorgeschlagen, warum sollte sie also etwas gegen jemand anderen in Mels Leben einwenden, gleichgültig, wieviel oder wie wenig Tanya ihm bedeutete, und das wußte er ja selbst nicht genau. Doch das war logisch gedacht. Und Frauen — einschließlich Cindy und wahrscheinlich auch Tanya — dachten selten logisch.

Der letzte Gedanke erwies sich als richtig.

»Wie nett für dich«, sagte Cindy mit falscher Liebenswürdigkeit, »daß nicht nur so langweilige alte Abordnungen mit ihren Nöten zu dir kommen.« Sie faßte Tanya ins Auge. »Sagten Sie nicht, Sie hätten etwas auf dem Herzen?«

Tanya nahm den Fehdehandschuh auf. »Ich sagte, ich brauchte einen Rat.«

»Oh, wirklich? War es geschäftlich oder persönlich? . . . Oder haben Sie das vielleicht vergessen?«

»Cindy«, sagte Mel scharf, »nun ist es genug! Du hast keinen Grund . . .«

»Wozu keinen Grund? Und warum ist es genug?« Die Stimme seiner Frau war voll Spott. Er hatte den Eindruck, daß sie sich auf eine perverse Weise amüsierte. »Erzählst du mir nicht ständig, ich nähme an deinen Sorgen nicht genug Anteil? Jetzt bin ich ganz begierig darauf, die Sorgen deiner Freundin zu hören . . . das heißt, wenn es welche sind.«

Tanya sagte knapp: »Es handelt sich um Flug Zwei.« Sie fügte hinzu: »Das ist der Trans America Flug nach Rom, Mrs. Bakersfeld. Er ging vor einer halben Stunde ab.«

Mel fragte: »Was ist mit Flug Zwei los?«

»Die Wahrheit zu sagen«, Tanya zögerte. »Ich bin nicht ganz sicher.«

»Nur raus damit«, sagte Cindy, »denken Sie sich was aus.«

Mel fuhr dazwischen: »Ach, sei doch still!« Zu Tanya: »Was ist los?«

Tanya schaute Cindy an, dann berichtete sie Mel ihr Gespräch mit Zollinspektor Standish. Sie beschrieb den Mann mit dem verdächtigen Aktenkoffer, den Standish für einen Schmuggler hielt.

»Und er ist an Bord von Flug Zwei gegangen?«

»Ja.«

»Selbst wenn der Mann schmuggelt«, sagte Mel, »dann wäre das nach Italien. Darum kümmert sich die U.S.-Zollbehörde doch nicht. Die lassen andere Länder selber auf sich aufpassen.«

»Ich weiß. So sieht es auch der Bezirksverkehrsleiter.« Tanya beschrieb die Unterhaltung zwischen ihr und dem Bezirksverkehrsleiter, die mit dessen gereizter, aber fester Entscheidung geendet hatte: »Lassen wir das!«

Mel sah sie ratlos an. »Dann verstehe ich aber nicht, warum . . .«

»Ich sagte Ihnen ja, ich bin nicht sicher, und vielleicht ist das alles töricht. Ich mußte aber immer daran denken, und so begann ich nachzuforschen.«

»Nachzuforschen? Wonach?«

Beide hatten Cindy ganz vergessen.

»Der Inspektor hat mir erzählt«, sagte Tanya, »der Mann — der mit dem Köfferchen — wäre einer der letzten gewesen, die an Bord des Flugs gegangen sind. Das muß er auch, weil ich an der Sperre war und eine alte Frau übersehen habe . . .« Sie unterbrach sich. »Aber diese Geschichte spielt keine Rolle. Jedenfalls habe ich vor ein paar Minuten den Mann von der Sperre erwischt, und wir haben die Flugscheine und die Liste verglichen. Er konnte sich an den Mann mit dem Köfferchen nicht erinnern, aber wir haben den Kreis auf fünf Namen eingeengt.«

»Und dann?«

»Aus einer Ahnung heraus rief ich unseren Abfertigungsschalter an, um zu hören, ob sich irgendwer an irgendwas bei diesen fünf Personen erinnert. Beim Flughafenschalter wußte niemand etwas, aber in der Stadt erinnerte sich einer der Angestellten an diesen Mann — den mit dem Koffer. Und so erfuhr ich seinen Namen. Die Beschreibung und alles paßt.«

»Ich sehe immer noch nicht, was daran sonderbar sein soll. Irgendwo mußte er sich ja melden, und das hat er in der Stadt getan.«

»Der Angestellte erinnert sich deshalb«, erklärte Tanya, »weil der Mann kein Gepäck hatte, außer diesem Köfferchen. Der Angestellte sagte noch, er wäre äußerst nervös gewesen.«

»Nervös sind viele Menschen . . .« Mel brach plötzlich ab. Seine Stirn krauste sich. »Kein Gepäck? Für einen Flug nach Rom?«

»Das ist es ja. Außer dem Köfferchen. Der Angestellte nannte es Aktenmappe.«

»Auf eine solche Reise geht niemand ohne Gepäck. Das ist doch unsinnig.

»Das fand ich auch.« Tanya zögerte. »Es ist unbegreiflich, wenn man nicht . . .«

»Nicht was?«

»Nicht zufällig schon weiß, daß die Maschine, in der man sitzt, nie ankommt, wo sie ankommen soll. Wenn man das weiß, weiß man auch, daß man kein Gepäck braucht.«

»Tanya«, fragte Mel leise, »was wollen Sie damit sagen?«

Zögernd kam es aus ihr heraus. »Ich bin ja nicht sicher. Deshalb bin ich ja zu Ihnen gekommen. Wenn ich es mir überlege, scheint es mir töricht und melodramatisch, nur . . .«

»Weiter!«

»Na ja, angenommen, der Mann ist gar kein Schmuggler — wenigstens nicht in der Art, wie alle angenommen haben. Angenommen, die Erklärung dafür, daß er kein Gepäck hatte und nervös war und das Köfferchen so an sich drückte, wie Inspektor Standish es gesehen hat — angenommen, er hätte darin statt Schmuggelware eine Bombe . . .?«

Sie sahen sich beide starr an. Mels Verstand wog die verschiedenen Möglichkeiten gegeneinander ab. Auch für ihn schien der Gedanke, den Tanya eben ausgesprochen hatte, lächerlich und absurd. Doch ... in der Vergangenheit waren solche Dinge gelegentlich vorgekommen. Die Frage war: wie konnte man entscheiden, ob es diesmal auch so war? Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr stellte er sich vor, die ganze Geschichte von dem Mann mit dem Köfferchen könnte ganz harmlos sein, war es wahrscheinlich auch wirklich. Falls sich das später herausstellte, wenn man jetzt einen großen Wirbel um die Geschichte machte, dann stünde derjenige, der ihn verursacht hatte, schön lächerlich da. Es war doch menschlich, davor zuriickzuscheuen; doch wenn die Sicherheit von Flugzeug und Passagieren auf dem Spiel stand, spielte es dann eine Rolle, ob man sich lächerlich machte? Gewiß nicht. Andererseits sollten für so drastische Aktionen, wie sie das Schreckgespenst einer Bombe auslösen würde, triftigere Gründe als bloße Vermutungen und Ahnungen vorliegen. Gab es eine Möglichkeit, fragte sich Mel, durch die sich ein deutlicherer Hinweis oder gar eine Bestätigung finden ließe?

Auf Anhieb fand er keine.

Aber etwas gab es, das sich erforschen ließ. Es war ein Schuß ins Dunkle, er erforderte aber nicht mehr als ein Telefongespräch.

Mel nahm an, die Tatsache, daß er heute abend Vernon getroffen hatte und die Erinnerung an ihren Streit in der Verwaltungsratssitzung, habe ihn auf die Idee gebracht.

Zum zweitenmal heute abend schlug Mel die Alarmnummern in seinem Telefonverzeichnis auf. Dann griff er nach dem internen Flughafentelefon auf seinem Schreibtisch und wählte die Nummer des Versicherungskiosks in der Haupthalle. Das Mädchen am Apparat war eine langjährige Angestellte, die Mel gut kannte.