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Achtung! Mr. Lester Mainwaring, Mr. Mainwaring wird mit allen Teilnehmern seiner Gesellschaft gebeten, sich sofort am Haupteingang des Flughafens zu melden.«

Lester Mainwaring war ein Flughafen-Deckname für »Polizist«. Normalerweise bedeutete eine solche Ansage, daß der nächste Polizist im Dienst zu der bezeichneten Stelle zu gehen hatte. »Alle Teilnehmer seiner Gesellschaft« hieß: jeder Polizist im Flughafen. Die meisten Flughäfen hatten ähnliche Systeme, ihre Polizisten zu alarmieren, ohne daß das Publikum es merkte.

Ordway verschwendete keine Zeit. Gewiß würde er seine Leute über Inez Guerrero informieren, wenn sie sich am Haupteingang meldeten.

»Rufen Sie Ihren Bezirksverkehrsleiter an«, beauftragte Mel Tanya. »Er möchte so schnell wie möglich hierher ins Büro kommen. Sagen Sie ihm, es sei wichtig.« Mehr zu sich selbst, fügte er hinzu: »Wir wollen so schnell wie möglich alle hier versammeln.«

Tanya führte das Gespräch und meldete dann: »Er ist schon unterwegs.« Ihre Stimme verriet Nervosität.

Mel war zur Tür gegangen und schloß sie.

»Sie haben mir immer noch nicht erzählt«, sagte Tanya, »was Sie herausgefunden haben.«

Mel wählte seine Worte sorgsam. »Ihr Mann, dieser Guerrero, der ohne Gepäck, außer diesem Köfferchen reist und der, wie sie glauben, an Bord von Flug Zwei ist, hat unmittelbar vor dem Abflug eine Flugversicherung über dreihunderttausend Dollar abgeschlossen. Zugunsten von Inez Guerrero. Bezahlt hat er sie mit, wie es schien, seinem letzten Kleingeld.«

»Mein Gott!« Tanyas Gesicht wurde weiß. Sie flüsterte: »O du mein Gott . . . Nein!«

6

Es gab Zeiten — und heute abend war eine solche —, in denen Joe Patroni dankbar war, daß er auf dem Spezialgebiet der Wartung arbeitete und nicht Flugscheine verkaufen mußte. Dieser Gedanke kam ihm, als er bei einem Rundgang die unermüdliche Grabarbeit unter und um die versackte Düsenmaschine der Aereo Mexican herum kontrollierte. Nach wie vor blockierte das Flugzeug Startbahn Drei-Null.

In Patronis Augen bestand das Verkaufspersonal der Fluggesellschaften — in diese Kategorie rechnete er das gesamte Personal an den Schaltern und in der Verwaltung einschließlich der Geschäftsleitung — aus aufblasbaren Gummimännchen, die wie mißgünstige Kinder gegeneinander stichelten. Auf der anderen Seite war Patroni überzeugt, die Mitarbeiter in den technischen Abteilungen und im Wartungsdienst benähmen sich wie reife Erwachsene. Mitarbeiter des Wartungsdienstes, konnte Joe Patroni gelegentlich behaupten, arbeiten eng und harmonisch zusammen, teilen zum allgemeinen Wohl ihre Informationen, Erfahrungen und sogar ihre Geheimnisse, selbst wenn sie konkurrierenden Fluggesellschaften angehören.

Ein Beispiel für dieses unoffizielle Teilen sei, wie Patroni manchmal seinen Freunden privat anvertraute, das Austauschen der Informationen, die die Mitarbeiter des Wartungsdienstes regelmäßig durch die Konferenzen der einzelnen Fluggesellschaften erhielten.

Patronis Unternehmen hielt, wie die meisten Linienverkehrsgesellschaften, täglich telefonische Konferenzen ab — die »Lagebesprechungen« genannt wurden —, bei der regionale Direktionen, Niederlassungen und Außenstellen durch eine den ganzen Kontinent umspannende Konferenzschaltung miteinander verbunden wurden. Bei diesen Lagebesprechungen führte ein Vizepräsident aus der Geschäftsleitung den Vorsitz, und es fand eine Kritik und ein Informationsaustausch über den gesamten Betrieb der Fluggesellschaft während der letzten vierundzwanzig Stunden statt. Alle Mitarbeiter aus dem gesamten Unternehmen sprachen offen und vorbehaltlos miteinander. Die Betriebs- und die Verkaufsabteilungen hatten täglich ihre eigenen Lagebesprechungen für sich. So war es auch im Wartungsdienst, nach Patronis Ansicht bei weitem die wichtigste Abteilung.

Bei den Besprechungen des Wartungsdienstes, an denen Patroni an fünf Tagen in der Woche teilnahm, berichteten die Stationen nacheinander. Wo am vergangenen Tag aus technischen Gründen Verzögerungen eingetreten waren, mußten die leitenden Leute sie rechtfertigen. Niemand versuchte sich herauszureden. Wie Patroni es ausdrückte: »Wenn man gepatzt hat, soll man es sagen.« Über Unfälle oder das Versagen von Einrichtungen wurde berichtet mit dem Ziel, Kenntnisse auszutauschen und Wiederholungen zu verhindern. Bei der Besprechung am nächsten Montag würde Patroni über die Erfahrungen am heutigen Abend mit der 707 der Aereo Mexican und seinen Erfolg oder seinen Mißerfolg berichten, ganz wie es sich ergeben würde. Die täglichen Besprechungen waren streng sachlich, hauptsächlich weil die Leute vom Wartungsdienst harte Burschen waren, die wußten, daß sie sich gegenseitig nichts vormachen konnten.

Nach jeder offiziellen Besprechung, und im allgemeinen ohne Wissen der höchsten Leitung, begannen die unoffiziellen Besprechungen. Patroni und andere führten Telefongespräche mit alten Freunden im Wartungsdienst konkurrierender Fluggesellschaften. Sie verglichen die Ergebnisse ihrer täglichen Besprechungen miteinander und gaben Informationen weiter, die es wert waren. Selten wurde einmal etwas Wissenswertes vorenthalten.

Bei dringenderen Fragen, besonders solchen, die die Sicherheit betrafen, wurde die Nachricht in der gleichen Weise von Gesellschaft zu Gesellschaft weitergegeben, aber ohne die Verzögerung von einem ganzen Tag. Wenn bei Delta zum Beispiel bei einer DC-9 im Flug ein Versagen eines Rotorflügels aufgetreten war, erfuhren die Wartungsabteilungen der Eastern, TWA, Continental und anderen Gesellschaften, die die DC-9 flogen, das innerhalb einer Stunde. Die Information konnte helfen, ein ähnliches Versagen bei einem anderen Flugzeug zu verhindern. Später folgten Fotos der auseinandergenommenen Motoren und ein technischer Bericht nach. Meister und Mechaniker anderer Gesellschaften konnten, wenn sie wollten, ihre Kenntnisse erweitern, indem sie zu einer kurzen Besichtigung des ausgefallenen Teils und jeder Beschädigung des Motors herüberkamen.

Die Leute, die wie Patroni in dieser Atmosphäre des Gebens und Nehmens arbeiteten, wiesen gern darauf hin, daß wenn die Verkaufs- oder Verwaltungsabteilungen konkurrierender Gesellschaften Anlaß hatten, miteinander zu beraten, ihre Leute selten in die Büros der anderen gingen, sondern sich auf neutralem Boden trafen. Im Gegensatz dazu besuchten die Leute vom Wartungsdienst sich gegenseitig mit der Selbstverständlichkeit einer verbreiteten Bruderschaft in den Räumen und auf den Grundstücken der Konkurrenten. Und bei anderen Gelegenheiten halten Wartungsabteilungen jeder anderen, die sich in Schwierigkeiten befand, nach besten Kräften aus.

Diese Hilfe war heute abend auch Patroni geschickt worden.

In den anderthalb Stunden, seit die Arbeit an dem letzten Versuch begonnen hatte, die neben Startbahn Drei-Null festgefahrene Düsenmaschine wieder flott zu bekommen, hatten sich Patronis Hilfskräfte fast verdoppelt. Ursprünglich hatte er mit der kleinen Mannschaft der Aereo Mexican angefangen, die durch einige seiner eigenen Leute von TWA verstärkt wurde. Jetzt gruben sie unermüdlich mit dem anderen Bodenpersonal von Braniff, Pan Am, American und Eastern.

Aus dem Eintreffen der verschiedenen Neuankömmlinge in Fahrzeugen der verschiedensten Fluggesellschaften ging hervor, daß sich die Nachricht von Joe Patronis Problem auf dem Flughafen schnell herumgesprochen hatte, und die anderen Wartungsabteilungen waren zu Hilfe gekommen, ohne erst zu warten, bis sie aufgefordert wurden. Das gab Joe Patroni ein gutes, dankbares Gefühl.

Trotz der zusätzlichen Hilfe war Patronis Schätzung von einer Stunde für die vorbereitenden Arbeiten bereits überschritten. Das Ausheben der beiden parallelen Gräben, die gleich mit schweren Bohlen ausgelegt wurden, ging stetig, wenn allerdings auch langsam voran, da die Männer in regelmäßigen Abständen Schutz suchen mußten, um sich wieder aufzuwärmen. Den Schutz und ein gewisses Maß an Wärme bot einer der beiden Mannschaftsbusse. Sobald die Männer einstiegen, schlugen sie die Hände ineinander und kniffen sich in ihre von dem beißenden Wind, der unverändert eisig über das schneebedeckte Flugfeld fegte, gefühllos gewordenen Gesichter. Die Busse und die anderen Fahrzeuge, Lastwagen, Schneeräumer, ein Tankwagen, die verschiedensten Gerätewagen und ein laut dröhnender Generatorwagen, die meisten mit aufblitzenden Warnleuchten versehen, standen nach wie vor dicht nebeneinander auf der Taxibahn in der Nähe. Die ganze Szene war im Licht der Scheinwerfer gebadet, die in der umliegenden Dunkelheit eine weiße Oase von Schnee reflektierten Lichts bildeten.