Выбрать главу

»Ich möchte noch etwas sagen.« Die Augen der anderen richteten sich auf ihn. »Ich muß Ihnen das sagen, weil wir keine Zeit mit Bescheidenheit zu vergeuden haben. Ich bin ein guter Menschenkenner, meistens auf den ersten Blick, und im allgemeinen kann ich riechen, wenn etwas faul ist. Es ist ein Instinkt, fragen Sie mich nicht, wie er funktioniert, denn ich kann es Ihnen nicht sagen, nur daß manche es in meinem Beruf lernen. Ich habe diesen Mann heute abend entdeckt und habe gesagt, er ist >verdächtig<. Ich gebrauchte dieses Wort, weil ich an Schmuggeln dachte, denn darauf bin ich geschult. Nach dem, was wir jetzt wissen, so wenig es auch ist, will ich es schärfer ausdrücken. Dieser Guerrero ist gefährlich.« Standish sah den Bezirksverkehrsleiter der Trans America an. »Mr. Weatherby, übermitteln Sie Ihren Leuten in der Luft dieses Wort: gefährlich!«

»Das ist meine Absicht, Inspektor.« Der Bezirksverkehrsleiter blickte von seiner Niederschrift auf. Das meiste von dem, was Standish gesagt hatte, war bereits in der Mitteilung an Flug Zwei enthalten. Tanya, noch am Telefon, sprach mit der Nachrichtenübermittlung der Trans America in New York über eine direkte Verbindung. »Ja, es wird eine lange Mitteilung. Würden Sie bitte jemand mit der Aufnahme des Textes beauftragen.«

Ein scharfes Klopfen ertönte an der Tür, und ein großer Mann mit zerfurchtem, wettergegerbtem Gesicht und scharfen blauen Augen kam aus dem Vorzimmer herein. Er trug einen dicken Mantel und einen blauen Serge-Anzug, der eine Uniform sein konnte, es aber nicht war. Der Neuankömmling nickte Mel zu, doch ehe einer von beiden etwas sagen konnte, mischte sich der Bezirksverkehrsleiter ein.

»Danke, daß Sie so schnell gekommen sind, Royce. Wir befinden uns in einer schwierigen Situation.« Er hob den Notizblock hoch, auf dem er geschrieben hatte.

Kapitän Kettering, der Chefpilot der Trans America auf dem Flughafen, las den Entwurf für die Nachricht sorgfältig durch. Seine einzige Reaktion war eine Anspannung seines Mundes, während seine Augen über das Blatt flogen. Wie für viele andere, einschließlich des Bezirksverkehrsleiters, war es ungewöhnlich, daß der Chefpilot noch so spät in der Nacht auf dem Flughafen war. Aber die Auswirkungen des dreitägigen Schneesturms mit der Notwendigkeit, häufig Entscheidungen für den Einsatz zu treffen, hatten ihn dort festgehalten.

Das zweite Telefon klingelte und durchschnitt die vorübergehende Stille. Mel meldete sich und winkte dann Ned Ordway, der den Hörer übernahm.

Kapitän Kettering las zu Ende. Bert Weatherby fragte: »Stimmen Sie zu, daß wir das absenden? Die Nachrichtenübermittlung steht mit einer Selcal-Verbindung bereit.«

Kettering nickte. »Ja, aber ich möchte, daß Sie hinzusetzen: >Empfehle Rückkehr oder Landung andernorts nach Belieben des Kapitäns<, und lassen Sie ihm von der Nachrichtenübermittlung das letzte Wetter durchgeben.«

»Selbstverständlich.« Der Bezirksverkehrsleiter setzte die Worte hinzu und reichte den Block dann Tanya. Sie begann die Mitteilung zu diktieren.

Kapitän Kettering sah die anderen im Raum an. »Ist das alles, was wir wissen?«

»Bisher ja«, bestätigte Mel.

»Vielleicht wissen wir bald mehr«, sagte Leutnant Ordway. Er war gerade vom Telefon zurückgekommen. »Wir haben gerade Guerreros Frau gefunden.«

Die Mitteilung des Bezirksverkehrsleiters von Lincoln International Airport war adressiert an KAPITÄN, TRANS AMERICA FLUG ZWEI, und begann:

UNBESTÄTIGTE MÖGLICHKEIT VORHANDEN DASS PASSAGIER D. O. GUERRERO TOURISTENKLASSE AN BORD IHRER MASCHINE SPRENGKÖRPER IN BESITZ HAT! PASSAGIER OHNE GEPÄCK UND ANSCHEINEND OHNE GELDMITTEL VERSICHERTE SICH HOCH VOR ABFLUG. VERDÄCHTIGES VERHALTEN MIT AKTENKOFFER ALS HANDGEPÄCK WURDE BEOBACHTET. PERSONENBESCHREIBUNG FOLGT . . .

Wie der Bezirksverkehrsleiter vorausgesehen hatte, dauerte es einige Minuten, um über den Funk der Fluggesellschaft die Verbindung mit Flug Zwei herzustellen. Seit der früheren Selcal-Nachricht an die Maschine über den blinden Passagier Mrs. Ada Quonsett hatte das Flugzeug das Nachrichtenübermittlungsgebiet Cleveland der Trans America verlassen und war in das von New York hinübergewechselt. Jetzt mußten Mitteilungen der Gesellschaft durch die Nachrichtenübermittlung in New York an die Maschine weitergeleitet werden.

Die Mitteilung, die Tanya diktierte, wurde in New York von einer Stenotypistin getippt. Neben ihr las der Nachrichtenübermitt-ler der Trans America die ersten Zeilen und griff dann nach einem direkt geschalteten Telefon, das ihn mit einem Vermittler bei ARINC, einem privaten Fernsprechnetz, das kooperativ von allen großen Fluggesellschaften unterhalten wurde, verband.

Der Vermittler bei ARINC — an einem anderen Ort in New York — stellte eine zweite Verbindung zwischen sich und dem Vermittler der Trans America her, drückte dann auf einer Schalttafel das vierbuchstabige Codewort AGFG, das dem Flugzeug N-731-TA zugeteilt war. Und wieder wurde, wie bei einem Telefonanruf an eine bestimmte Nummer in einem Fernsprechnetz, nur an Bord von Flug Zwei das Rufsignal empfangen.

Wenige Augenblicke später wurde in New York die Stimme von Kapitän Vernon Demerest hörbar, der sich von hoch oben über Ontario in Kanada meldete. »Hier Trans America Zwei. Antworten auf Selcal.«

»Trans America Zwei, hier Vermittlung New York. Wir haben eine wichtige Nachricht. Bestätigen Sie, wenn aufnahmebereit.«

Eine kurze Pause folgte. Dann wieder Demerest: »Okay, New York, geben Sie durch.«

»KAPITÄN, TRANS AMERICA FLUG ZWEI«, begann die Nachrichtenübermittlung. »UNBESTÄTIGTE MÖGLICHKEIT VORHANDEN . . .«

Inez saß noch still in ihrer Ecke bei dem Würstchenstand, als sie spürte, daß sie an der Schulter geschüttelt wurde. »Inez Guerrero! Sind Sie Inez Guerrero?«

Sie blickte auf. Sie brauchte einige Sekunden, um ihre Gedanken zu sammeln, die vage dahinschweiften; sie erkannte aber, daß es ein Polizist war, der sich über sie beugte.

Er schüttelte sie wieder und wiederholte die Frage.

Inez gelang es zu nicken. Es wurde ihr bewußt, daß es diesmal ein anderer Polizist war als vorhin. Dieser war weiß und sprach weder so sanft noch so freundlich wie der andere.

»Auf, auf, meine Dame!« Der Polizist verstärkte seinen Griff an ihrer Schulter in einer Weise, die schmerzte, und zog sie abrupt auf die Füße. »Verstehen Sie mich? Wir müssen gehen! Da oben schreien sie nach Ihnen, und jeder Polizist hier in dem Laden sucht Sie.«

Zehn Minuten später stand Inez in Mels Büro im Mittelpunkt des Interesses. Sie saß in einem Sessel mitten im Zimmer, zu dem man sie bei ihrem Eintreffen geführt hatte. Leutnant Ordway stand ihr gegenüber. Der Polizist, der Inez heraufgebracht hatte, war wieder gegangen.

Die anderen, die schon vorher dagewesen waren — Mel, Tanya, Zollinspektor Standish, Bunnie Vorobioff, der Bezirksverkehrsleiter der Trans America, Bert Weatherby, und der Chefpilot, Kapitän Kettering —, standen um sie herum. Auf Mels Bitte waren alle geblieben.

»Mrs. Guerrero«, begann Ned Ordway, »warum fliegt ihr Mann nach Rom?«

Inez erwiderte seinen Blick düster und gab keine Antwort. Die Stimme des Polizeioffiziers wurde schärfer, aber nicht unfreundlich. »Mrs. Guerrero, hören Sie mir bitte genau zu. Ich habe ein paar wichtige Fragen an Sie zu richten. Sie betreffen Ihren Mann, und ich brauche Ihre Hilfe. Verstehen Sie mich?«

»Ich — ich weiß nicht recht.«

»Sie brauchen nicht genau zu verstehen, warum ich diese Frage stelle. Das hat Zeit bis später. Was ich von Ihnen will ist, daß Sie mir durch Ihre Antworten helfen. Wollen Sie das? Bitte.«

Der Bezirksleiter mischte sich ungeduldig ein. »Wir haben nicht die ganze Nacht über Zeit, Leutnant. Dieses Flugzeug bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von sechshundert Meilen in der Stunde von uns fort. Wenn es notwendig ist, müssen wir hart werden.«

»Überlassen Sie das mir, Mr. Weatherby«, entgegnete Ordway scharf. »Wenn wir alle anfangen zu schreien, dauert es viel länger, und es kommt viel weniger dabei heraus.«