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»Nein, Sir. Ich schwöre, davon weiß ich überhaupt nichts . . .«

»Ich glaube Ihnen«, antwortete Ordway. Er überlegte. Als er wieder sprach, klang seine Stimme rauh und drohend.

»Inez Guerrero, hören Sie mir jetzt sehr gut zu. Wir glauben, daß Ihr Mann diesen Sprengstoff, von dem Sie gesprochen haben, heute abend bei sich hat. Wir nehmen an, daß er ihn mit in das

Flugzeug nach Rom nahm und daß er, da es keine andere Erklärung dafür gibt, beabsichtigt, das Flugzeug zu zerstören, sich selbst und alle anderen Menschen an Bord der Maschine zu töten. Jetzt habe ich nur noch eine Frage, und denken Sie gründlich nach, ehe Sie mir darauf antworten, und denken Sie an diese anderen Menschen — Unschuldige, Kinder darunter —, die auch in dem Flugzeug sind. Inez, Sie kennen Ihren Mann. Sie kennen ihn besser als jeder andere lebende Mensch. Könnte er — um das Versicherungsgeld zu bekommen — für Sie — könnte er das tun, was ich gerade geschildert habe?«

Tränen strömten Inez Guerrero über das Gesicht. Sie schien einem Zusammenbruch nahe zu sein, aber sie nickte langsam. »Ja.« Ihre Stimme war kaum vernehmbar. »Ja, ich glaube, das könnte er.«

Ned Ordway wandte sich ab. Er nahm den Telefonhörer von Tanya entgegen und begann schnell mit leiser Stimme zu sprechen. Er gab Informationen weiter, ergänzte sie durch mehrere Anforderungen.

Einmal machte Ordway eine Pause und drehte sich nach Inez Guerrero um. »Ihre Wohnung wird durchsucht werden, und wenn nötig, beschaffen wir uns einen Haussuchungsbefehl. Aber es wäre einfacher, wenn Sie zustimmten. Wollen Sie das?«

Inez nickte stumpf.

»In Ordnung«, sagte Ordway ins Telefon. »Sie gibt ihre Zustimmung.« Gleich darauf legte er den Hörer zurück.

Zu dem Bezirksverkehrsleiter und Mel gewandt erklärte er: »Wir stellen das Belastungsmaterial in der Wohnung sicher, falls wir noch etwas finden. Davon abgesehen können wir im Augenblick nicht viel tun.«

Grimmig sagte Weatherby: »Von uns kann keiner viel tun, höchstens beten.« Mit erschöpftem, grauem Gesicht begann er, eine weitere Nachricht an Flug Zwei aufzusetzen.

Die warme Vorspeise, die Kapitän Vernon Demerest bestellt hatte, war den Piloten von Flug Zwei serviert worden. Die von einer der Stewardessen aus der Galley der Ersten Klasse auf einem Tablett gebrachte appetitliche Auswahl verschwand schnell. Deme-rest grunzte genießerisch, als er den letzten Bissen einer mit Parmesan bestreuten Pastete mit Hummer und Pilzen in den Mund schob.

Wie üblich machten sich die Stewardessen einen Spaß daraus, den dürren jungen Zweiten Offizier Cy Jordan besonders zu füttern. Verstohlen hatten sie ihm auf seinem Platz hinter den beiden Kapitänen einen Teller mit besonderen Leckerbissen zugeschoben, und während er an den Treibstoffventilen herumfingerte, kaute er mit vollen Backen Hühnerleber in Schinken.

Gleich würde den drei Piloten, die sich abwechselnd in dem Dämmerlicht entspannten, dasselbe köstliche Hauptgericht nebst Dessert gebracht werden, das die Fluggesellschaften ihren Passagieren in der Ersten Klasse servierten. Das einzige, was die Passagiere, nicht aber die Besatzungen bekamen, waren Wein und Sekt.

Trans America gab sich, wie die meisten Fluggesellschaften, große Mühe, in der Luft eine ausgezeichnete Küche zu bieten. Zwar gab es Leute, die meinten, die Fluggesellschaften sollten sich, selbst auf internationalen Linien, ausschließlich um den Transport kümmern, ihren Service während des Flugs den im Kurzstreckenverkehr üblichen Maßstäben anpassen und auf allen übertriebenen Luxus verzichten, auch bei den Mahlzeiten, soweit sie über einen kalten Imbiß hinausgingen. Andere wieder waren der Meinung, ein zu großer Teil des modernen Reiseverkehrs beschränke sich noch auf das Sandwichpaketniveau, und begrüßten den Stil und die Eleganz, den gute Flugmahlzeiten pflegten. Fluggesellschaften hörten erstaunlich wenig Klagen über den Eßservice. Die meisten Fluggäste begrüßten die Mahlzeiten als Abwechslung und verzehrten sie mit Behagen.

Vernon Demerest, der die letzten Hummerreste auf der Zunge zergehen ließ, fand das auch. In diesem Augenblick ertönte das Glockenzeichen des Selcal-Rufs im Cockpit, und das Achtungszeichen auf dem Funkschaltbrett leuchtete auf.

Anson Harris zog die Augenbrauen hoch. Ein einziger Anruf über Selcal war schon ungewöhnlich, zwei, innerhalb weniger als einer Stunde etwas ganz Besonderes.

»Was wir brauchten«, sagte Cy Jordan von hinten, »wäre eine Geheimnummer!«

Demerest griff nach dem Funkschalter. »Ich mach das schon.«

Nach der gegenseitigen Identifizierung zwischen Flug Zwei und der Vermittlung New York machte sich Demerest daran, unter abgedecktem Licht eine Mitteilung auf einem Block zu notieren. Die Mitteilung kam von B.V.L. Lincoln International und begann: »Unbestätigte Möglichkeit vorhanden . . .« Als es weiterging, strafften sich die vom Licht beleuchteten Züge Demerests. Am Schluß bestätigte er knapp und zeichnete ohne Kommentar ab.

Demerest gab Harris die Mitteilung weiter, der sie unter dem Licht neben sich las, leise pfiff, und sie über die Schulter an Cy Jordan weiterreichte.

Die Selcal-Nachricht endete: »Empfehlen Rückkehr oder Lan- dung andernorts nach Belieben des Kapitäns.«

Wie beide Kapitäne wußten, war die Frage des Kommandos zu entscheiden. Obwohl Anson Harris heute abend als Kapitän flog und Demerest den Dienst des Ersten Offiziers versah, hatte Deme-rest — als Checkpilot — die größere Autorität, wenn er sie anwenden wollte.

Auf Harris' fragenden Blick hin sagte Demerest: »Sie sitzen auf dem linken Platz. Worauf warten Sie?«

Harris überlegte nur kurz und sagte dann: »Wir kehren um, aber in einem weiten, langsamen Bogen, damit die Passagiere nichts merken. Dann lassen wir Gwen Meighen diesen Kerl herausfinden, um den es geht, denn wir können uns in der Kabine nicht sehen lassen, ohne ihn mißtrauisch zu machen.« Er zuckte die Achseln. »Und danach, nehme ich an, spielen wir's nach Gehör.«

»In Ordnung«, sagte Demerest. »Sie kehren um, und ich kümmere mich um die Kabine hinten.« Er drückte auf den Knopf, der die Stewardessen rief, und benutzte das verabredete dreimalige Zeichen für Gwen.

Auf der Radiofrequenz, die er früher benutzt hatte, rief Harris die Flugsicherung an. Lakonisch sagte er kurz: »Hier Trans America Zwei. Wir scheinen vor einem Problem zu stehen. Erbitten Freigabe nach Lincoln zurück und Radar-Vektor von augenblicklicher Position bis Linkoln.« Harris' schnelle Überlegung hatte eine Landung auf Ausweichflughäfen ausgeschaltet. Ottawa, Toronto und Detroit waren, wie ihnen vor dem Abflug schon mitgeteilt worden war, wegen des Sturms für den Luftverkehr geschlossen. Abgesehen davon brauchte die Besatzung von Flug Zwei Zeit, um mit dem Mann in der Kabine, um den es ging, fertig zu werden. Rückkehr nach Lincoln International würde diese Zeit verschaffen.

Er zweifelte nicht daran, daß Demerest zu demselben Schluß gekommen war.

Von der Flugsicherung Toronto, mehr als sechs Meilen unter ihnen, antwortete eine Stimme: »Trans America Zwei, verstanden!« Kurze Pause, dann: »Können jetzt Kehrtwendung links beginnen auf Richtung zwei sieben null. Warten mit Höhenveränderung.«

»Verstanden, Toronto. Wir beginnen Wendung. Am liebsten weit und allmählich.«

»Trans America Zwei. Einverstanden mit weitem Bogen.«

Der Wortaustausch erfolgte in ruhigem Ton, denn sowohl in der Luft als auch am Boden war man überzeugt, daß mit Ruhe am meisten zu erreichen war und am wenigsten durch Dramatisierung und Aufregung. An der Art des Ersuchens von Flug Zwei hatte der Bodenkontroller sofort erkannt, daß Gefahr — wirkliche oder drohende — bestand. In Reisehöhe fliegende Düsenmaschinen kehrten auf ihrem Kurs nicht ohne triftigen Grund plötzlich um. Aber der Kontroller wußte auch, sobald der Kapitän es für erforderlich hielt, würde er offiziell den Notstand erklären und die Ursache dafür mitteilen. Bis dahin belästigte kein Kontroller die Besatzung, die fraglos mit dringenden eigenen Problemen beschäftigt war, mit unnötigen Fragen.