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Was jetzt geschah, ereignete sich so schnell, daß selbst diejenigen, die dem Schauplatz am nächsten waren, die Reihenfolge nicht deutlich erkannten.

Mrs. Quonsett wandte sich auf ihrem Platz nach links D. O. Guerrero zu. Sie flehte ihn an:»Helfen Sie mir! Bitte helfen Sie mir, Sir.« Mit starrem Gesicht ignorierte er sie.

Von Angst und Schmerz anscheinend überwältigt, streckte sie die Arme nach ihm aus und schlang sie hysterisch um seinen Hals. »Bitte, bitte!«

Guerrero drehte seinen Körper von ihr ab und versuchte sich zu befreien. Es gelang ihm nicht. Statt dessen schlang Ada Quonsett ihre Arme noch fester um seinen Hals. »Oh, helfen Sie mir!«

Mit rotem Gesicht und dem Ersticken nahe, hob D. O. Guerrero beide Hände, um sich von ihr loszureißen. Wie in einem demütigen Gebet löste Ada Quonsett ihren Griff und erfaßte seine Hände.

Im gleichen Augenblick beugte sich Gwen Meighen zu den inneren Sitzen vor. Sie streckte die Hände aus und erfaßte mit einer einzigen glatten Bewegung, fast ohne Hast den Aktenkoffer, und nahm ihn von Guerreros Knien fort. Im nächsten Augenblick war das Köfferchen frei und im Mittelgang. Zwischen Guerrero und dem Aktenkoffer bildeten Gwen und Ada Quonsett eine solide Barriere.

Der Vorhang vor dem Durchgang zur Kabine Erster Klasse wurde aufgerissen. Vernon Demerest, groß und imposant in seiner Uniform, trat schnell heraus.

Sein Gesicht zeigte Erleichterung. Er streckte die Hand nach dem Aktenkoffer aus. »Gut gemacht, Gwen, gib ihn mir.«

Unter normalen Umständen wäre der Vorfall, abgesehen davon, daß man später mit Guerrero hätte fertigwerden müssen, damit abgeschlossen gewesen. Daß es nicht dazu kam, war einzig auf Marcus Rathbone zurückzuführen.

Bis zu diesem Augenblick war Rathbone ein unbekannter, unbeachteter Passagier gewesen, der Sitz 14-D auf der anderen Seite des Mittelgangs einnahm. Obwohl er den anderen nicht weiter auffiel, war er ein selbstgefälliger, anmaßender Mensch, der eine hohe Meinung von sich hatte. Er war in der kleinen Stadt in Iowa, in der er lebte, ein kleinerer Geschäftsmann, den seine Nachbarn als »Querulant« bezeichneten. Was auch andere in der Gemeinde taten oder anregten: Marcus Rathbone erhob Einwände. Seine Einwände, groß und klein, waren legendär. Sie richteten sich gegen die Auswahl der Bücher für die Stadtbibliothek, den Plan für Gemeinschaftsantennen in der Gemeinde, die erforderliche Bestrafung seines Sohnes auf der Schule, die Farbe zum Anstrich eines öffentlichen Gebäudes. Kurz vor Antritt seiner gegenwärtigen Reise hatte er einen Vorschlag zur Beschilderung, der das Bild der Hauptstraße der Stadt verschönern sollte, zu Fall gebracht. Und bei all seiner gewohnheitsmäßigen Stänkerei war nie bekanntgeworden, daß von ihm ein konstruktiver Vorschlag gekommen wäre.

Eine weitere Absonderlichkeit von Marcus Rathbone war, daß er Frauen verabscheute, einschließlich seiner eigenen. Keiner seiner Proteste war je zu ihren Gunsten erfolgt. Infolgedessen hatte ihn die gerade erfolgte Demütigung von Mrs. Quonsett auch nicht berührt, wohl aber, daß Gwen Meighen D. O. Guerreros Aktenkoffer an sich brachte.

Für Marcus Rathbone war das Behördenterror in Uniform — und auch noch von einer Frau! —, durch den die Rechte gewöhnlicher Reisender, wie er selbst, beeinträchtigt wurden. Empört erhob Ratbone sich von seinem Platz und baute sich zwischen Gwen und Vernon Demerest auf. Im gleichen Augenblick gelang es D. O. Guerrero, mit hochrotem Gesicht und zusammenhanglose Worte ausstoßend, sich von seinem Sitz zu erheben und sich aus Ada Quonsetts Griff zu befreien. Als er den Mittelgang erreichte, entriß Marcus Rathbone Gwen das Köfferchen und reichte es mit einer höflichen Verbeugung Guerrero, der es wie ein wildes Tier mit Wahnsinn in den Augen packte.

Vernon Demerest warf sich vor, aber es war zu spät. Er versuchte Guerrero zu erreichen, aber die Enge des Mittelgangs und die ihm im Wege stehenden Personen — Gwen, Rathbone und der Oboist — behinderten ihn. D. O. Guerrero hatte sich an den anderen vorbeigedrängt und lief im Flugzeug nach hinten. Andere Passagiere erhoben sich nun auch von den Sitzen. Verzweifelt schrie Demerest: »Haltet den Mann fest! Er hat eine Bombe!«

Dieser Ruf löste Schreie aus und einen Zustrom von den Sitzen in den Mittelgang, der ihn noch mehr blockierte. Nur Gwen Meighen gelang es durch Stoßen, Schlagen und Drängen dicht hinter Guerre-ro zu bleiben.

Am Ende der Kabine drehte Guerrero sich um. Immer noch ein wildes Tier, aber jetzt ein in die Enge getriebenes. Alles, was sich zwischen ihm und dem Schwanz des Flugzeuges befand, waren die drei hinteren Toiletten. Leuchtzeichen zeigten an, daß zwei frei waren und eine besetzt. Mit dem Rücken zu den Toiletten hielt Guerrero den Aktenkoffer vor sich, die eine Hand am Griff, die andere an der Schnur, die jetzt unter dem Griff zu sehen war. Mit gepreßter Stimme, irgendwo zwischen einem Flüstern und einem Knurren, warnte er: »Bleibt, wo ihr seid. Kommt nicht näher!«

Über die Köpfe der anderen hinweg schrie Vernon Demerest wieder: »Guerrero, hören Sie auf mich! Verstehen Sie mich? Hören Sie doch!«

Für eine Sekunde herrschte Stille, in der sich niemand regte. Das einzige Geräusch war das stetige gedämpfte Dröhnen der Düsenmotoren des Flugzeugs. Blinzelnd starrte Guerrero die anderen mit argwöhnisch wandernden Augen an.

»Wir wissen, wer Sie sind«, rief Demerest ihm zu. »Und wir wissen, was Sie beabsichtigen. Wir wissen von der Versicherung und von der Bombe. Und unten auf der Erde wissen sie es auch. Das bedeutet: Ihre Versicherung ist nichts wert. Verstehen Sie das? Ihre Versicherung ist ungültig, gestrichen, wertlos. Wenn Sie die Bomben auslösen, töten Sie sich umsonst. Niemand wird etwas gewinnen. Am wenigsten Ihre Familie. Ihre Familie wird sogar verlieren, denn ihr wird die Schuld zugeschrieben, und sie wird verfolgt. Hören Sie auf mich! Denken Sie nach!«

Eine Frau schrie auf. Guerrero zögerte immer noch.

Vernon Demerest drängte: »Guerrero, lassen Sie diese Leute sich hinsetzen, dann können wir sprechen, wenn Sie wollen. Sie können mir Fragen stellen. Ich verspreche Ihnen, daß Ihnen niemand zu nahe kommt, solange Sie es nicht wollen.«

Demerest überlegte: Wenn er Guerreros Aufmerksamkeit lange genug fesselte, wurde der Mittelgang vielleicht freigegeben. Danach konnte er Guerrero vielleicht überreden, ihm den Koffer auszuhändigen. Wenn er sich weigerte, bestand immer noch die Chance, daß Demerest vorstürzte, sich auf Guerrero warf und ihm den Aktenkoffer entwand, ehe die Zündung ausgelöst werden konnte. Es war ein ungeheures Risiko, aber eine andere Möglichkeit gab es nicht.

Die Leute wichen ängstlich auf ihre Sitze zurück.

»Nachdem Sie jetzt wissen, Guerrero, daß es Ihnen nichts mehr nützt, fordere ich Sie auf, mir diesen Koffer zu geben.« Demerest versuchte überzeugend zu klingen, er spürte, wie wichtig es war, weiterzusprechen. »Wenn Sie tun, was ich Ihnen sage, gebe ich Ihnen mein Ehrenwort, daß Ihnen niemand in diesem Flugzeug etwas tun wird.«

In D. O. Guerreros Augen spiegelte sich Furcht. Er feuchtete seine dünnen Lippen mit der Zunge an. Gwen Meighen stand ihm am nächsten.

Demerest sagte ruhig: »Halten Sie sich zurück, Gwen, Versuchen Sie einen Sitzplatz zu finden.« Wenn er vorspringen mußte, wollte er niemand im Weg haben.

Hinter Guerrero öffnete sich die Tür der besetzten Toilette. Ein eulenhafter junger Mann mit einer dicken Brille kam heraus. Er hielt inne und blinzelte kurzsichtig. Offensichtlich hatte er nichts von dem gehört, was vorgegangen war.

Einer der Passagiere schrie ihm zu: »Packen Sie den Kerl mit dem Koffer! Er hat eine Bombe!«

Beim ersten Klicken der Toilettentür drehte Guerrero sich halb um. Jetzt stieß er den Mann mit der Brille beiseite und stürzte in die Toilette, die der Neuankömmling freigegeben hatte.