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Als Guerrero sich bewegte, bewegte sich auch Gwen Meighen und blieb dicht hinter ihm. Vernon Demerest, einige Meter entfernt, kämpfte sich durch den noch immer gedrängten vollen Gang nach hinten.

Die Toilettentür schloß sich, als Gwen sie erreichte. Sie stellte einen Fuß dazwischen und drückte dagegen. Ihr Fuß verhinderte, daß die Tür sich völlig schloß, aber sie konnte sie nicht bewegen. Ein scharfer Schmerz schoß durch ihren Fuß, während sie Guer-reros Gewicht spürte, der sich verzweifelt gegen die andere Seite der Tür stemmte.

Während der letzten Minuten war in D. O. Guerreros Kopf nichts anderes als wallender Nebel gewesen. Weder hatte er völlig begriffen, was vorgegangen war, noch hatte er alles gehört, was De-merest gesagt hatte. Eines jedoch war durchgedrungen. Er erkannte, daß, wie so viele seiner großartigen Pläne, auch dieser fehlgeschlagen war. Irgendwo hatte er auch dies, wie alles — was er versuchte —, verpatzt. Sein ganzes Leben war ein einziges Versagen gewesen. Voller Erbitterung erkannte er, daß auch sein Tod ein Fehlschlag sein würde.

Mit dem Rücken stemmte er sich gegen die Innenseite der Toilettentür. Er spürte den Druck dagegen und wußte, daß dieser Druck sich jeden Augenblick verstärken würde und er die Tür nicht länger geschlossen halten konnte. Verzweifelt fummelte er an dem Aktenkoffer, griff nach der Schnur unter dem Griff, die das Stück Kunststoff lösen, den Kontakt an der Wäscheklammer schließen und das Dynamit zur Explosion bringen würde. Noch als er die Schnur fand und daran zog, fragte er sich, ob die Bombe, die er gemacht hatte, nicht auch versagen würde.

Im letzten Sekundenbruchteil seines Lebens und seines Bewußtseins erfuhr D. O. Guerrero, daß sie nicht versagte.

10

Die Explosion an Bord von Flug Zwei der Trans America, The Golden Argosy, erfolgte blitzschnell, war ungeheuerlich und vernichtend. Im beengten Raum der Maschine schlug sie mit dem Getöse von hundert Donnerschlägen, einem Flammenmeer und der Wucht eines gigantischen Schmiedehammers zu.

D. O. Guerrero war auf der Stelle tot, sein Körper, dicht bei dem Explosionsherd, wurde völlig zerfetzt. In diesem Augenblick existierte er noch, im nächsten waren nur noch einige wenige kleine blutige Fetzen von ihm übrig.

Der Rumpf des Flugzeugs wurde aufgerissen.

Gwen Meighen, die neben Guerrero der Explosion am nächsten war, wurde von deren Gewalt im Gesicht und an der Brust getroffen.

Einen Sekundenbruchteil nachdem die Dynamitladung die Außenhaut der Maschine aufgerissen hatte, trat in der Kabine die Dekompression ein. Mit einem zweiten donnernden Tosen und der Gewalt eines Tornados schoß die Luft in die Maschine, die bis dahin unter normalem Druck gehalten worden war, durch die aufgerissene Rumpfhülle und verteilte sich in der dem Vakuum nahen dünnen Außenluft. Durch die Passagierkabine fegte eine dunkle, alles verhüllende Staubwolke nach hinten. Wie von einem Strudel mitgerissen, flog jeder lose Gegenstand, ob leicht oder schwer, Zeitungen, Tabletts, Flaschen, Kaffeekannen, Handgepäck, Kleidungsstücke, das Eigentum der Passagiere, in einem Wirbel durch die Luft, wie von einem riesigen Staubsauger angesogen. Vorhänge rissen ab, Zwischentüren zur Pilotenkanzel, zur Galley und zu den Toiletten wurden aus den Angeln gerissen und mit allem anderen nach hinten gefegt.

Mehrere Passagiere wurden getroffen. Andere, die nicht an ihren Sitzen festgeschnallt waren, klammerten sich an jeden Halt, der sich bot, um von dem Luftstrom und der Saugkraft nicht unwiderstehlich mit nach hinten gerissen zu werden.

In der ganzen Maschine klappten über jedem Sitz Notbehälter auf. Gelbe Sauerstoffmasken schwankten herab; jede war durch einen kurzen Kunststoffschlauch mit der zentralen Sauerstoffversorgung verbunden.

Unvermittelt ließ der saugende Zug nach. Das Innere des Flugzeugs wurde von Dunst und einer wild beißenden Kälte erfüllt. Der Lärm der Motoren und der Zugluft war ohrenbetäubend.

Vernon Demerest stand noch im Mittelgang der Touristenkabine, wo er sich instinktiv an einer Rückenlehne festgeklammert hatte, und brüllte: »Sauerstoffmasken anlegen!« Er griff nach einer der Masken für sich selbst.

Aus Kenntnis und durch Ausbildung erkannte Demerest das, was die meisten nicht konnten: Die Luft in der Kabine war jetzt so dünn wie die Außenluft und genügte nicht zum Atmen. Nur fünfzehn Sekunden volles Bewußtsein blieben jedem, falls nicht sofort durch die Notanlage der Maschine Sauerstoff eingeatmet wurde.

Selbst mit der Hilfe von Sauerstoff konnte innerhalb von fünf Sekunden eine Verminderung des Urteilsvermögens eintreten. Nach weiteren fünf Sekunden würde ein Zustand der Euphorie viele veranlassen, auf den Sauerstoff völlig zu verzichten; gleichgültig würden sie in Bewußtlosigkeit versinken.

Die Fluggesellschaften waren seit langer Zeit von Leuten, die die Gefahr einer Dekompression beurteilen konnten, dazu gedrängt worden, vor dem Abflug klarere Erklärungen über die Ausrüstung mit Sauerstoffmasken abzugeben als bisher. Die Begründung lautete, den Passagieren müsse gesagt werden: »Sobald eine Sauerstoffmaske vor ihnen erscheint, greifen Sie nach ihr, drücken Sie sie sich gegen das Gesicht, und fragen Sie später nach den Gründen. Wenn eine echte Dekompression eintritt, haben Sie keine Sekunde zu verlieren. Im Falle eines falschen Alarms können Sie sie später wieder abnehmen; inzwischen kann Sie Ihnen nicht schaden.«

Piloten, die sich Dekompressionstests unterzogen, wurde eine simple Demonstration der Wirkung des Mangels an Sauerstoff in großen Höhen gegeben. In einer Dekompressionskammer, mit einer Sauerstoffmaske ausgerüstet, wurden sie aufgefordert, ihren Namen zu schreiben. Und während des Experiments wurden ihnen die Masken abgenommen. Die Unterschriften zerflossen in ein Gekrakel oder in nichts. Ehe die Bewußtlosigkeit eintrat, wurden die Masken wieder angelegt.

Den Piloten fiel es nachher schwer zu glauben, was sie vor sich sahen. Dennoch bestanden die Fluggesellschaften in der Annahme, daß eindeutigere Anweisungen über den Gebrauch der Sauerstoffmasken bei den Passagieren Unruhe auslösen konnten, darauf, vor dem Abflug nur unverfängliche Anweisungen zu geben. Lächelnde Stewardessen, die entweder gelangweilt oder amüsiert schienen, führten die Anlagen gleichgültig vor, während eine unsichtbare Stimme, die hetzte, um vor dem Start fertig zu werden, Phrasen wie die folgende herunterplapperte: Indem unwahrscheinlichen Fall, daßundVorschriften der Regierung verlangen, daß wir Sie unterrichten. Niemals wurde auf die Dringlichkeit hingewiesen, wie schnell die Geräte in einem Notfall benutzt werden mußten.

Infolgedessen waren die Passagiere gegenüber den Sauerstoffgeräten ebenso gleichgültig, wie die Fluggesellschaften und ihr Personal es zu sein schienen. Die Klappen über ihren Köpfen und die eintönigen, immer wieder gleichen Demonstrationen waren etwas, fanden die Passagiere, das sich eine Gesellschaft von vorschriftswütigen Beamten ausgedacht hatte, und gähnten! Das Ganze war weitgehend eine Albernheit, auf der die gleiche Sorte Menschen bestand, die Einkommensteuern eintrieben und Spesenabrechnungen nicht anerkannten. Was sollte es also?

Bei normalen Flügen öffneten sich manchmal zufällig die Behälter der Sauerstoffmasken, und die Masken tauchten vor den Passagieren auf. Wenn das geschah, starrten die meisten Fluggäste die Masken neugierig an, trafen aber keine Anstalten, sie anzulegen. Genau diese Reaktion war an Bord von Flug Zwei eingetreten, ob wohl es sich um einen echten Katastrophenfall handelte.

Vernon Demerest sah die Reaktion und erinnerte sich mit plötzlich aufwallender Wut an seine und anderer Piloten Kritik gegen die pflaumenweichen Hinweise auf die Sauerstoffanlage. Ihm blieb aber keine Zeit, eine weitere Warnung herauszuschreien oder auch nur an Gwen zu denken, die wenige Schritte entfernt tot sein oder im Sterben liegen konnte.