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Die Berichte über die Flughäfen, die Anson Harris angefordert hatte, kamen jetzt vom Toronto Center: Flughafen Toronto noch geschlossen; tiefer Schnee und Verwehungen auf allen Landebahnen. Detroit Metropolitan: alle Landebahnen für regulären Verkehr geschlossen, aber Pflüge werden Landebahn Drei links räumen, um für Notanflug und Notlandung bereit zu sein. Landebahn hat fünf bis sechs Zoll Schnee mit Eis darunter. Sicht in Detroit hundertachtzig Meter bei Schneetreiben. Lincoln Internationaclass="underline" alle Landebahnen geräumt und einsatzbereit. Landebahn Drei-Null zeitweise geschlossen, da blockiert. Sicht in Lincoln tausendfünfhundert Meter, Wind Nord-West, dreißig Knoten und böig.

Anson Harris sagte zu Demerest: »Ich beabsichtige nicht, Treibstoff abzulassen.«

Demerest verstand Harris' Überlegung und nickte zustimmend. Angenommen, sie konnten das Flugzeug unter Kontrolle behalten, würde jede Landung infolge der großen Treibstoffladung, die sie unter anderen Umständen nach Rom gebracht hätte, schwierig und hart werden. Doch in ihrer gegenwärtigen Lage war die Gefahr noch größer, wenn sie jetzt überflüssigen Treibstoff abließen. Die Explosion und die Beschädigung hinten konnte einen Kurzschluß in der elektrischen Leitung oder Aneinanderreihen von Metall verursacht haben. Wenn sie während des Flugs Treibstoff abließen, konnte ein einziger Funken das Flugzeug in eine brennende Fackel verwandeln. Beide Kapitäne waren der Überzeugung, daß es besser war, der Feuergefahr auszuweichen und die Mühe einer schwierigen Landung auf sich zu nehmen.

Die gleiche Entscheidung bedeutete jedoch, daß eine Landung in Detroit — dem nächstgelegenen großen Flughafen — nur in letzter Verzweiflung versucht werden durfte. Denn durch ihr hohes Gewicht würden sie schnell landen, was jeden verfügbaren Zentimeter Landebahn und jedes letzte Quentchen Bremskraft erforderte. Landebahn Drei links — die längste auf Detroit Metropolitan, die sie benötigen würden — hatte Eis unter dem Schnee, unter den herrschenden Umständen die denkbar schlechteste Kombination. Ferner bestand der unbekannte Faktor — wo immer die Maschine auch landete —, wie begrenzt ihre Manövrierfähigkeit infolge der Schwierigkeiten mit Seiten- und Höhenruder war, die sie zwar schon kannten, aber nicht wußten, welches Ausmaß sie hatte.

Für eine Landung bot Lincoln International die größten Aussichten auf Sicherheit. Aber Lincoln war mindestens noch eine Flugstunde entfernt. Ihre gegenwärtige Fluggeschwindigkeit von 250 Knoten war weit geringer als in der größeren Höhe, und Anson Harris hielt sie gering, in der Hoffnung, weitere strukturelle Schäden zu vermeiden. Unglücklicherweise war auch damit ein Nachteil verbunden. Auf ihrer gegenwärtigen geringen Höhe von zehntausend Fuß herrschten erhebliche Böen und Turbulenz durch den Sturm, der sie jetzt umgab, statt tief unter ihnen zu liegen. Die entscheidende Frage war: Konnten sie sich eine weitere Stunde in der Luft halten?

Trotz allem, was geschehen war, waren seit der Explosion und der explosiven Dekompression noch keine fünf Minuten vergangen.

Wieder fragte die Flugsicherung an: »Trans America Zwei, melden Sie Ihre Absicht.«

Vernon Demerest antwortete und forderte einen direkten Kurs nach Detroit an, während der Umfang der Beschädigung noch geprüft werde. Landeabsicht auf Detroit Metropolitan oder woanders würde in den nächsten Minuten bekanntgegeben.

»Verstanden, Trans America Zwei. Detroit meldet, daß sie Schneepflüge von Landebahn Drei links entfernen. Bis anderweitig benachrichtigt, werden sie sich auf Notlandung vorbereiten.«

Das Bordtelefon klingelte, und Demerest meldete sich. Es war Cy Jordan, der von hinten anrief. Er mußte schreien, um sich durch den tosenden Wind verständlich zu machen. »Kapitän, hier hinten ist ein großes Loch, etwa sechs Fuß breit, hinter dem hinteren Ausgang. Um die Galley und die Toiletten ist zum größten Teil alles in Trümmern. Soweit ich aber sehen kann, hält alles andere zusammen. Der mechanische Ruderantrieb ist zerfetzt, die Steuerkabel sehen aber aus, als ob sie in Ordnung wären.«

»Was ist mit den Steuerflächen? Können Sie da etwas sehen?«

»Es sieht aus, als ob die Außenhaut des Höhenruders eingedrückt ist, darum ist das Höhensteuer blockiert. Davon abgesehen, kann ich draußen nur ein paar Löcher und böse Dellen sehen, wahrscheinlich von herausgeschleuderten Trümmern. Sonst hängt nichts lose herum. Wenigstens ist nichts zu sehen. Mir scheint, die Explosion wirkte zum größten Teil seitlich.«

Das war die Wirkung gewesen, die D. O. Guerrero nicht berücksichtigt hatte. Von Anfang an hatte er sich verrechnet. Selbst die Explosion hatte er verpatzt.

Sein größter Irrtum bestand darin, daß er nicht erkannte, daß jede Explosion nach außen wirken würde und weitgehend verpuffte in dem Augenblick, in dem die Außenhaut eines unter Druck stehenden Flugzeugs durchlöchert wurde. Ein weiterer Irrtum war, daß er nicht wußte, wie stark moderne Düsenflugzeuge gebaut werden. In einer Verkehrsmaschine ergänzen strukturelle und mechanische Systeme sich gegenseitig, so daß keine einzelne Fehlfunktion oder Beschädigung zur Zerstörung des ganzen führen kann. Ein Verkehrsflugzeug konnte durch eine Bombe vernichtet werden, doch nur, wenn die Bombe entweder planmäßig oder durch Zufall an einer verletzbaren Stelle explodierte.

Demerest fragte Cy Jordan: »Können wir noch eine Stunde in der Luft bleiben?«

»Ich nehme an, das Flugzeug kann es. Bei den Passagieren bin ich nicht so sicher.«

»Wie viele sind verletzt?«

»Das kann ich noch nicht sagen. Ich habe zuerst die strukturellen Schäden geprüft, wie Sie angeordnet haben. Aber es sieht nicht gut aus.«

Demerest befahclass="underline" »Bleiben Sie dort, so lange wie nötig. Tun Sie, was Sie können.« Er zögerte, aus Furcht vor der Antwort auf seine nächste Frage, stellte sie dann aber doch. »Haben Sie etwas von Gwen gesehen?« Er wußte noch nicht, ob Gwen bei der Explosion nicht mit hinausgerissen worden war. Das war anderen schon passiert, darunter auch Stewardessen, die sich ungeschützt nahe der Stelle einer explosiven Dekompression befunden hatten. Und selbst wenn das nicht geschehen war, Gwen hatte sich am dichtesten bei der explodierenden Bombe befunden.

Cy Jordan antwortete: »Gwen ist hier. Sie ist aber böse zugerichtet, glaube ich. Wir haben drei Ärzte an Bord, die sich um sie und die anderen bemühen. Ich berichte, sobald ich kann.«

Vernon Demerest hängte das Telefon wieder ein. Trotz seiner letzten Frage und ihrer Antwort versagte er sich noch, privaten Gedanken oder persönlichen Gefühlen nachzugeben; dazu war später noch Zeit. Berufliche Entscheidungen, die Sicherheit des Flugzeugs und der Menschen an Bord kamen zuerst. Er wiederholte für Harris das Wesentliche aus dem Bericht des Zweiten Offiziers.

Harris überlegte und wog alle Faktoren gegeneinander ab. Ver-non Demerest hatte noch nicht angedeutet, daß er das Kommando unmittelbar übernahm, und billigte offensichtlich die bisherigen Entscheidungen von Harris, sonst hätte er etwas gesagt. Jetzt schien Demerest Harris auch die Entscheidung zu überlassen, wo sie landeten.

Kapitän Demerest benahm sich selbst in der höchsten Krise so, wie sich ein prüfender Pilot verhalten sollte.

»Wir wollen versuchen, Lincoln zu erreichen«, sagte Harris. Die Sicherheit des Flugzeugs war das allerwichtigste. Wie schlecht die Verhältnisse in den Passagierkabinen auch sein mochten, sie mußten darauf hoffen, daß es den meisten gelingen würde, durchzukommen.

Demerest nickte zustimmend und begann, Toronto Center von der Entscheidung zu unterrichten. In wenigen Minuten würden sie von Cleveland Center übernommen werden. Demerest forderte von Detroit Metropolitan an, sich noch bereitzuhalten, für den Fall, daß sie ihren Plan plötzlich änderten, obwohl das nicht wahrscheinlich war. Lincoln International sollte alarmiert werden, daß Flug Zwei einen direkten Notanflug erfordern werde.