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»Ich will es kurz machen«, begann Mel und erklärte seinen Zuhörern durch das Mikrofon, wer und was er war. »Vor kurzem bin ich heute abend mit einer Delegation zusammengetroffen, die Sie alle vertrat. Ich legte ihr einige der Probleme des Flughafens dar, erklärte aber auch, daß ich Ihre verstände und mit Ihnen sympathisiere. Ich hatte erwartet, daß das an Sie weitergegeben würde, wenn nicht im Wortlaut, so doch dem Sinn nach. Statt dessen stelle ich fest, daß meine Darstellung verfälscht und Sie getäuscht wurden.«

Elliott Freemantle schrie empört auf: »Das ist eine Lüge!« Sein Gesicht war gerötet. Zum erstenmal an diesem Abend geriet seine makellose Frisur in Unordnung.

Leutnant Ordway packte den Rechtsanwalt fest am Arm. »Seien Sie jetzt still. Sie sind an der Reihe gewesen.«

Vor Mel hatte sich dem Handmikrofon, in das er sprach, ein Rundfunkmikrofon hinzugesellt. Die Scheinwerfer des Fernsehteams blieben eingeschaltet, während er weitersprach.

»Mr. Freemantle beschuldigt mich der Lüge. Er verwendet heute abend starke Ausdrücke.« Mel blickte in die Notizen in seiner Hand. »Soweit ich unterrichtet bin, gehörten dazu >Räuberei<, >Gleichgültigkeit<, daß ich Ihre Delegation mit >Feindseligkeit< und >Beschimpfungen< empfangen hätte, ferner, daß die Maßnahmen zur Lärmbekämpfung, die wir durchzusetzen versuchen, >Lug und Trug< seien, daß >die Öffentlichkeit belogen< würde. Nun, wir werden sehen, wer Ihrer Ansicht nach lügt oder falsche Darstellungen gibt, und wer nicht.«

Mel erkannte, daß er einen Fehler begangen hatte, als er nur zu der kleinen Delegation und nicht gleich zu der großen Menge gesprochen hatte. Sein Ziel war gewesen, Verständnis zu finden, ohne den Flughafenbetrieb zu beeinträchtigen. Beides war ihm nicht gelungen.

Aber wenigstens konnte er jetzt versuchen, Verständnis zu erreichen.

»Lassen Sie mich kurz versuchen, die Politik des Flughafens bei der Lärmdrosselung zu umreißen.«

Zum zweitenmal an diesem Abend schildert Mel die Einschränkungen für die Piloten und ihre Fluggesellschaften. Er fügte hinzu: »Zu normalen Zeiten wird die Befolgung dieser Vorschriften durchgesetzt, doch bei schwierigen Wetterbedingungen, wie dem Schneesturm heute nacht, muß den Piloten Handlungsfreiheit eingeräumt werden und die Sicherheit der Flugzeuge an erster Stelle stehen.«

Und über die Startbahnen: »Soweit es möglich ist, vermeiden wir Starts über Meadowood auf Startbahn Zwei-Fünf.« Jedoch, erklärte er, gelegentlich werde es notwendig, diese Startbahn zu benutzen, wenn die Startbahn Drei-Null nicht einsatzfähig sei, wie im Augenblick.

»Wir tun unser Bestes für Sie«, erklärte Mel nachdrücklich. »Und wir sind nicht gleichgültig, wie uns unterstellt wurde. Wir müssen aber unsere Aufgabe als Flughafen erfüllen und dürfen unsere primäre Verantwortung nicht außer acht lassen, so wenig wie unsere Sorge um die Flugsicherheit.«

Noch war die Feindseligkeit seiner Zuhörer unverkennbar, aber jetzt zeigte sich dort auch Interesse.

Auch Elliott Freemantle, der Mels Worten mit wütenden Blicken folgte, bemerkte dieses Interesse.

»Nach dem, was ich gehört habe«, sagte Mel, »hat Mr. Freemant-le es nicht für richtig befunden, einige Bemerkungen, die ich vor Ihrer Delegation ganz allgemein über das Thema des Lärms von Flughäfen machte, weiterzugeben. Meine Bemerkungen erfolgten« — wieder blickte er in seine Notizen — »nicht in >rücksichtslosem Zynismusc, wie behauptet wurde, sondern in dem Versuch, ehrlich und offen zu sein. Ich lege Wert darauf, auch jetzt offen zu Ihnen zu sein.«

Wie schon zuvor, gab Mel zu, daß auf dem Gebiet der Lärmbekämpfung nur wenig zu erwarten war. Finstere Gesichter erschienen vor ihm, als er den größeren Lärm schilderte, den die Flugzeuge machten, die bald eingesetzt werden würden. Er spürte aber, daß seine Objektivität und Ehrlichkeit begrüßt wurden. Außer vereinzelten Bemerkungen gab es keine Zwischenrufe, und seine Worte blieben trotz des lauten Betriebs im Flughafengebäude ringsum verständlich.

»Es gibt noch zwei Dinge, die ich gegenüber Ihrer Abordnung nicht erwähnt habe, doch jetzt will ich es tun.« Mels Ton wurde schärfer. »Ich bezweifle, daß sie Ihnen gefallen werden.«

Der erste Punkt betreffe die Gemeinde Meadowood, unterrichtete er sie.

»Vor zwölf Jahren existierte Ihre Gemeinde überhaupt noch nicht. Es war eine Fläche leeren Landes, von geringem Wert, bis das Wachsen des Flughafens und seine Nähe ringsum die Bodenpreise steil ansteigen ließ. Insofern gleicht Meadowood Tausenden von Gemeinden, die überall in der Welt wie Pilze aus der Erde geschossen sind.«

Eine Frau schrie: »Als wir hierherzogen, wußten wir nichts vom Lärm der Düsenmaschinen.«

»Aber wir wußten Bescheid!« Mel deutete mit dem Finger auf die Frau. »Die Flughafenleitungen wußten, daß Düsenflugzeuge kamen, und wußten, welchen Lärm sie machen, und wir warnten die Menschen und die lokalen Siedlungsausschüsse und haben sie in zahllosen Orten wie Meadowood bedrängt, hier keine Siedlungen zu bauen. Damals war ich noch nicht auf dem Flughafen hier, aber wir haben unsere Protokolle und Fotografien in den Akten. Auf dem Gelände, wo heute Meadowood ist, hat unser Flughafen Schilder aufgestellt: ÜBER DIESEM GELÄNDE STARTEN UND LANDEN FLUGZEUGE. Andere Flughäfen taten dasselbe. Und überall, wo diese Schilder erschienen, wurden sie von Grundstücksmaklern und Verkäufern niedergerissen. Die verkauften dann Grundstücke und Häuser an Leute wie Sie, schwiegen über den bevorstehenden Lärm und die Erweiterungspläne der Flughäfen, die sie im allgemeinen kannten, und wahrscheinlich haben die Grundstücksmakler letzten Endes uns alle übertölpelt.«

Diesmal wurde kein Widerspruch laut, nur ein Meer nachdenklicher Gesichter zeigte sich, und Mel nahm an, daß das, was er gesagt hatte, bei seinen Zuhörern angekommen war. Er empfand tiefes Bedauern; die Leute vor ihm waren keine Gegner, die er besiegen wollte. Es waren anständige Menschen mit ehrlichen und schwerwiegenden Problemen, Nachbarn, und er wünschte sich aufrichtig, daß er mehr für sie tun könne.

Er entdeckte Elliott Freemantles höhnisches Gesicht. »Mr. Bakersfeld, wahrscheinlich halten Sie sich für sehr schlau.« Der Rechtsanwalt wandte sich ab und schrie, ohne sich der Lautsprecher zu bedienen, über die Köpfe der ihm Nächststehenden hinweg: »Glauben Sie das alles nicht! Sie sollen weichgemacht werden! Wenn Sie sich mir anvertrauen, werden wir mit diesen Flughafenleuten schon fertig werden, und zwar gründlich fertig werden!«

»Falls Sie das nicht verstanden haben sollten«, sagte Mel ins Mikrofon, »Mr. Freemantle hat Ihnen geraten, sich ihm anzuvertrauen. Auch dazu habe ich etwas zu sagen.«

Jetzt hatte er aufmerksame Zuhörer. »Viele Leute — Leute wie Sie — wurden übervorteilt, indem ihnen Bauplätze oder Häuser auf Gelände verkauft wurden, das gar nicht hätte besiedelt werden sollen oder nur für Industrieanlagen erschlossen werden durfte, wo der Lärm eines Flughafens keine Rolle spielt. Sie haben in Ihrem Fall nicht alles verloren, denn Sie haben Ihre Grundstücke und Häuser, aber es ist zu erwarten, daß sie im Wert gesunken sind.«

Ein Mann stimmte finster zu. »Da haben Sie verdammt recht.«

»Jetzt ist wieder so ein Plan im Gange, Sie um Ihr Geld zu bringen. In ganz Nordamerika machen sich Rechtsanwälte an Wohngebiete in der Nähe von Flughäfen heran, weil für sie Gold in dem Lärm steckt.«

Rechtsanwalt Freemantle schrie mit hochgerötetem, verzerrtem Gesicht: »Wenn Sie noch ein Wort sagen, dann verklage ich Sie!«

»Wegen was?« schoß Mel zurück. »Oder haben Sie vielleicht schon erraten, was ich jetzt noch sagen werde?« Nun ja, es mochte sein, daß Rechtsanwalt Freemantle später eine Verleumdungsklage anstrengen würde, obwohl Mel es bezweifelte. Doch so oder so, Mel spürte, daß etwas von seiner alten Kühnheit erwachte — die Bereitschaft offen zu sprechen, ohne sich um die Konsequenzen zu sorgen — die Führung zu übernehmen. Es war eine Stimmung, die er in den letzten ein oder zwei Jahren selten empfunden hatte.