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»Einwohnern der Gemeinden, von denen ich spreche«, erläuterte Mel, »wird versichert, daß Flughäfen verklagt werden können mit Erfolg verklagt werden können. Hausbesitzern aus der Nachbarschaft von Flughäfen wird versichert, am Ende jeder Startbahn stände ein Topf voll mit Dollar. Nun will ich nicht behaupten, daß man Flughäfen nicht verklagen könnte, und ich sage auch nicht, daß es nicht eine ganze Reihe guter, vernünftiger Rechtsanwälte gibt, die gegen Flughäfen Prozesse führen. Ich will nur warnend darauf hinweisen, daß es auch eine ganze Menge gibt, die zu der anderen Sorte gehören.«

Die gleiche Frau, die vorher schon den Zwischenruf gemacht hatte, fragte, aber diesmal sehr viel sanfter: »Woran sollen wir erkennen, mit welcher Sorte wir es zu tun haben?«

»Ohne ein Programm ist das schwierig, das heißt, wenn Sie nicht zufällig einige Kenntnisse über die Gesetze für Flughäfen besitzen. Ist das nicht der Fall, dann können Sie durch eine einseitige Aufzählung von Präzedenzfällen völlig irregeführt werden.« Mel zögerte nur kurz, ehe er hinzufügte: »Ich kenne einige der spezifischen Gerichtsurteile, die heute abend erwähnt wurden. Wenn Sie wollen, kann ich ein paar Gegenstücke von der anderen Seite nennen.«

Ein Mann in der vordersten Reihe drängte: »Lassen Sie uns Ihre Seite hören, Mann.«

Verschiedene andere blickten neugierig zu Elliott Freemantle hinüber.

Mel zögerte. Er bemerkte, daß er schon länger sprach, als er beabsichtigt hatte. Er nahm jedoch an, daß es nun auf ein paar Minuten nicht mehr ankam.

Am Rand der ihn umstehenden Gruppe bemerkte er Tanya Livingston.

»Die Prozesse, die Ihnen und mir so oberflächlich geschildert wurden«, antwortete Mel, »sind für Leute, die etwas mit der Leitung von Flughäfen zu tun haben, ein alter Hut. Der erste war, glaube ich, Die Vereinigten Staaten contra Causby.«

Dieser spezifische Fall — eine Säule bei den Darlegungen von Rechtsanwalt Freemantle vor den Bewohnern von Meadowood — war, wie Mel erklärte, eine über zwanzig Jahre alte Entscheidung. »Sie betraf einen Hühnerfarmer und Militärflugzeuge. Die Ma-schienen überflogen wiederholt das Haus des Farmers in einer Höhe von nur fünfundzwanzig Metern — erheblich niedriger, als je ein Flugzeug über Meadowood fliegt. Die Hühner wurden geängstigt, einige gingen ein.«

Nach einem Jahr Prozessieren fand der Fall den Weg vor das höchste amerikanische Gericht. Mel erklärte: »Der gesamte, dem Kläger zugestandene Schadenersatz betrug weniger als vierhundert Dollar, den Wert der eingegangenen Hühner.« Er fügte hinzu: »Für den Farmer stand kein Topf voller Dollar bereit — und ebensowenig bietet dieser Präzedenzfall einen für Sie.«

Mel konnte Elliott Freemantle sehen, dessen Gesicht vor Zorn abwechselnd rot und weiß wurde. Wieder hielt ihn Ned Ordway am Arm zurück.

»Es gibt hingegen einen Prozeß«, bemerkte Mel, »auf den Mr. Freemantle hinzuweisen verzichtet hat. Es ist ein wichtiger Fall — der auch vor dem höchsten Gericht entschieden wurde —, und er ist wohlbekannt. Unglücklicherweise unterstützt er nicht die Argumente von Mr. Freemantle, sondern widerlegt sie.«

Bei dem Fall handelte es sich um den Prozeß Batten contra Batten, in dem das oberste Gericht 1963 entschieden hat, daß nur »physische Beeinträchtigung« eine Haftpflicht auslöse. Lärm allein genüge nicht.

»Ein weiteres Urteil auf der gleichen Linie erfolgte in dem Fall Loma Portal Civic Club contra American Airlines, das 1964 das oberste Gericht von Kalifornien fällte. Hier entschied das Gericht, Grundstücksbesitzer seien nicht berechtigt, das Überfliegen von Häusern in der Nähe von Flughäfen zu verbieten. Das Interesse der Allgemeinheit an der Fortführung der Luftfahrt, stellte das kalifornische Gericht fest, stehe an erster Stelle und überwiege alles andere . . .«

Mel hatte die Gerichtsurteile ohne zu zögern und ohne Notizen zu Rate zu ziehen zitiert. Seine Zuhörer waren eindeutig beeindruckt. Jetzt lächelte er. »Juristische Präzedenzfälle sind genau wie Statistiken. Wenn man sie manipuliert, kann man mit ihnen alles beweisen.« Er fügte hinzu: »Sie brauchen mir nicht aufs Wort zu glauben, was ich Ihnen gesagt habe. Schlagen Sie selbst nach. Es ist alles aktenkundig.«

Eine Frau neben Elliott Freemantle knurrte den Rechtsanwalt an: »Davon haben Sie uns nichts gesagt. Sie schilderten nur Ihre Seite.«

Ein Teil der früheren Feindseligkeit gegen Mel richtete sich jetzt gegen den Rechtsanwalt.

Freemantle hob die Schultern. Was macht es schon aus, überlegte er. Schließlich hatte er über hundertsechzig unterschriebene Vollmachten, die er aus Vorsicht in einen geschlossenen Koffer in seinem Auto umgepackt hatte. Das waren Tatsachen, die nichts mehr rückgängig machen konnte.

Gleich darauf mußte er aber anfangen, auch das in Frage zu stellen. Verschiedene Leute hatten sich bei Mel nach den Vollmachtsformularen erkundigt, die sie am Abend unterschrieben hatten. Ihre Stimmen verrieten Zweifel. Offensichtlich hatten sowohl Mels Auftreten wie auch das, was er gesagt hatte, einen starken Eindruck hinterlassen. Die Menge teilte sich in kleine Gruppen auf, von denen die meisten lebhaft diskutierten.

»Ich bin nach gewissen Vertragsabschlüssen gefragt worden«, verkündete Mel. Die anderen Stimmen in der Menge verstummten sofort, als er hinzufügte: »Ich glaube, Sie wissen, welchen Vertrag ich meine. Ich habe eines der Formulare gesehen.«

Elliott Freemantle drängte sich vor. »Na und? Sie sind kein Rechtsanwalt. Das haben wir doch schon klargestellt. Deshalb verstehen Sie auch nichts von Verträgen.« Dieses Mal war Freemantle nicht nahe genug bei dem Mikrofon, so daß seine Worte nicht durchdrängen.

Mel entgegnete scharf: »Ich lebe mit Verträgen! Jeder Pächter und Mieter auf diesem Flughafen — von der größten Fluggesellschaft bis zu dem Mann, der mit Aspirin handelt — arbeitet hier unter einem Vertrag, der von mir gebilligt und von meinen Mitarbeitern ausgehandelt wurde.«

Er wandte sich wieder der Menge zu. »Mr. Freemantle weist richtig darauf hin, daß ich kein Rechtsanwalt bin. Deshalb will ich Ihnen den Rat eines Geschäftsmannes geben. Unter gewissen Umständen könnte die Einhaltung des Vertrags, den Sie heute abend unterschrieben haben, erzwungen werden. Ein Vertrag ist ein Vertrag. Sie könnten vor Gericht gebracht und das Geld zwangsweise eingetrieben werden. Doch meiner Meinung nach wird keines von beiden geschehen, vorausgesetzt, daß Sie sofort in korrekter Form kündigen. Zunächst haben Sie noch keine Ware erhalten, ist noch keine Dienstleistung erfolgt. Ferner müßte gegen jeden einzelnen von Ihnen getrennt geklagt werden.« Mel lächelte. »Das an sich wäre schon eine Aufgabe. Und noch etwas.« Jetzt sah er Elliott Freemantle unmittelbar an. »Ich glaube nicht, daß irgendein Gericht ein Gesamthonorar für einen Rechtsanwalt wohlwollend betrachten wird, das im Bereich von fünfzehntausend Dollar für eine Rechtsberatung, die im besten Falle nebulös ist, liegt.«

Der Mann, der sich schon einmal zu Wort gemeldet hatte, fragte: »Was sollen wir also tun?«

»Wenn Sie wirklich Ihre Ansicht ändern sollten, empfehle ich Ihnen, heute oder morgen einen Brief zu schreiben. Richten Sie ihn an Mr. Freemantle, und erklären Sie darin, daß Sie nicht mehr in der vereinbarten Weise juristisch vertreten werden wollen und warum. Bewahren Sie sich aber einen Durchschlag auf. Meiner Meinung nach werden Sie danach nichts mehr von der ganzen Angelegenheit hören.«

Mel hatte unverblümter gesprochen, als er zunächst beabsichtigt hatte, und war auch, wie er annahm, übertrieben verwegen gewesen, als er ganz so weit ging. Falls Elliott Freemantle es darauf anlegte, konnte er ihm zweifellos Schwierigkeiten machen. In einer Angelegenheit, in der der Flughafen und damit Mel ein aktives Interesse hatte, war er zwischen den Anwalt und seine Klienten getreten und hatte die Integrität des Anwalts in Frage gestellt. Nach dem Haß in den Augen des Rechtsanwalts zu schließen, würde es ihm eine Freude sein, Mel so sehr zu schaden, wie er konnte. Doch sein Instinkt sagte Mel, das letzte, was Freemantle sich wünschte, war eine scharfe Untersuchung in der Öffentlichkeit, wie er seine Klienten warb und mit welchen Methoden er arbeitete. Ein Richter, der in Fragen der Berufsethik empfindlich war, konnte peinliche Fragen stellen und später vielleicht auch noch die Anwaltskammer, die über die Berufsethik der Juristen scharf wachte. Je länger Mel darüber nachdachte, desto weniger neigte er dazu, sich Sorgen zu machen.