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Das war natürlich der kritische Punkt, dachte Meclass="underline" Einnahmen aus Versicherungskonzessionen waren zu wichtig, als daß man darauf verzichten konnte. Auf Lincoln International nahm der Flughafen eine halbe Million Dollar jährlich durch Provisionen aus Versicherungsabschlüssen ein, obwohl wenigen Versicherungsnehmern bekannt war, daß der Flughafen fünfundzwanzig Cent von jedem Prämiendollar beanspruchte. Doch die Versicherungen stellten nur die viertgrößte Einnahmequelle aus Konzessionen dar: Parkplätze, Restaurants und Autoverleiher brachten größere Summen in die Kassen des Flughafens. Auf anderen großen Flughäfen waren die Einnahmen aus den Versicherungen gleich hoch oder höher. Ver-non Demerest, dachte Mel, kann leicht von geldgierigen Flughafenleitungen reden, aber Einnahmen dieser Größenordnung führten auch eine deutliche Sprache.

Mel hielt es für richtiger, diese Gedanken nicht auszusprechen. Sein einziger kurzer Hinweis auf die Einnahmen genügte. Der Verwaltungsrat, der mit den Finanzverhältnissen des Flughafens vertraut war, würde ihn schon verstehen.

Er zog seine Notizen zu Rat. Es waren Notizen, die ihm eine der Versicherungsgesellschaften, die auf Lincoln International arbeiteten, gestern zur Verfügung gestellt hatte. Mel hatte nicht darum gebeten und hatte auch gegenüber niemandem außerhalb seines eigenen Büros erwähnt, daß heute die Versicherungen zur Debatte standen. Aber die Versicherungsleute hatten es irgendwie in Erfahrung gebracht — es war unglaublich, wie sie das immer herausbekamen — und zum Schutz ihrer Interessen sofort gehandelt.

Mel hätte diese Notizen nicht benutzt, wenn sie seiner eigenen ehrlichen Überzeugung widersprochen hätten. Glücklicherweise war das nicht der Fall.

»Und nun«, sagte Mel, »zur Sabotage — zur potentiellen und zur anderen.« Er bemerkte, daß der Verwaltungsrat ihm interessiert zuhörte.

»Kapitän Demerest hat sich ja hierüber lang und breit ausgelassen — aber ich muß doch sagen, nachdem ich ihm aufmerksam zugehört habe, daß mir die meisten seiner Ausführungen übertrieben zu sein scheinen. Tatsächlich waren die Flugzeugunglücke, die nachweislich auf Bombenanschläge mit dem Ziel des Versicherungsbetrugs zurückgeführt werden konnten, ganz selten.«

Kapitän Demerest sprang von seinem Platz auf. »Mein Gott! — Wie viele Katastrophen brauchen wir denn?«

Der Vorsitzende klopfte scharf mit seinem Hammer. »Kapitän — ich muß sehr bitten!«

Mel wartete, bis Demerest sich wieder gesetzt hatte, und antwortete dann ruhig: »Da die Frage gestellt wurde, hier die Antwort: Keine. Angebrachter erscheint mir die Frage: Wäre es vielleicht nicht ebenfalls zu den Katastrophen gekommen, wenn auf Flughäfen keine Versicherungen abgeschlossen werden könnten?«

Mel machte eine Pause, um sein Argument wirken zu lassen, ehe er fortfuhr.

»Selbstverständlich kann eingewendet werden, daß es zu den Unglücksfällen, von denen wir sprechen, überhaupt nicht gekommen wäre, wenn auf Flughäfen keine Versicherungen abgeschlossen werden könnten. Oder mit anderen Worten, es wären Impulsivverbrechen, die durch die Leichtigkeit ausgelöst wurden, mit der man auf Flughäfen Versicherungen abschließen konnte. Gleicherweise kann behauptet werden, daß diese Verbrechen, auch wenn sie mit Vorbedacht geplant wurden, vielleicht nicht begangen worden wären, wenn Flugversicherungen weniger leicht abzuschließen wären. Das sind, wie ich glaube, Kapitän Demerests Argumente — und die des Pilotenverbandes.«

Mel blickte flüchtig zu seinem Schwager hinüber, der außer einer finsteren Miene keine Reaktion zeigte.

»Die offenkundige Schwäche aller dieser Argumente liegt darin, daß sie einzig auf Vermutungen beruhen. Mir erscheint es ebenso wahrscheinlich, daß sich jemand, der ein solches Verbrechen plant, nicht dadurch davon abhalten läßt, daß er auf dem Flughafen keine Versicherung abschließen kann, sondern sich vielmehr die Versicherung anderswo besorgen muß, was ja, wie Kapitän Demerest selbst gesagt hat, ganz einfach ist.«

Mit anderen Worten, erläuterte Mel, die Flugversicherung tauche bei den potentiellen Verbrechern erst als sekundärer Gedanke auf und sei kein Motiv für ihre Tat. Die wirklichen Motive für Sabotageakte in der Luft beruhten auf uralten menschlichen Schwächen: Dreiecksverhältnissen, Geldgier, geschäftlichen Mißerfolgen, Selbstmord.

Seit es Menschen gebe, sagte Mel, habe es sich als unmöglich erwiesen, diese Motive auszuschalten. Daher sollten jene, die sich mit Flugsicherheit und Sabotageverhütung beschäftigten, danach trachten, nicht die Flughafenversicherung abzuschaffen, sondern andere Abwehrmaßnahmen in der Luft und am Boden zu verstärken. Eine dieser Maßnahmen sei eine schärfere Kontrolle des Handels mit Dynamit — des heute von Flugsaboteuren am meisten benutzten Mittels. Ein anderer Vorschlag sei die Entwicklung von »Such-schnüffelgeräten«, um Explosionsstoffe in Gepäckstücken aufzuspüren. Ein solches Gerät sei, wie Mel den aufmerkenden Verwaltungsratsmitgliedern darlegte, bereits versuchsweise in Gebrauch.

Ein dritter Gedanke, den die Flugversicherungsgesellschaften nachhaltig verträten, sei, das Passagiergepäck vor dem Flug zu kontrollieren, ebenso wie es beim Zoll geschehe. Jedoch, schloß Mel, biete dieser letzte Vorschlag offensichtlich Schwierigkeiten.

Die bestehenden Gesetze gegen das Mitführen von Waffen in Verkehrsflugzeugen müßten strenger angewendet werden, forderte er. Die Flugzeugkonstruktion solle im Hinblick auf Sabotage überprüft werden, um die Maschinen gegen innere Explosionen widerstandsfähiger zu machen. In diese Richtung ziele ein Gedanke, der gleichfalls von den Versicherungsgesellschaften befürwortet werde, die Innenwände der Gepäckabteile zu verstärken und schwerer als bisher zu machen, selbst um den Preis einer Erhöhung des Gewichts und einer Verminderung der Einnahmen der Fluggesellschaften.

Der Verband der Flughafendirektoren, sagte Mel, habe die Frage der Flughafenversicherung studiert und sich danach gegen ein Verbot des Abschlusses von Versicherungen auf Flughäfen entschieden. Mel blickte zu Vernon hinüber, der finster dasaß. Beide wußten sie, daß diese Studie für die Piloten ein wunder Punkt war, denn sie stammte von dem Leiter einer Versicherungsgesellschaft — die selbst Flugversicherungen abschloß —, dessen Unparteilichkeit höchst zweifelhaft war.

Die Notizen der Versicherungsgesellschaft enthielten noch weitere Punkte, die Mel bisher noch nicht berührt hatte, aber er fand, er habe genug gesagt. Außerdem waren einige der verbliebenen Argumente wenig überzeugend. Nachdem er den Vorschlag zur Verstärkung der Gepäckräume angeführt hatte, kamen ihm ernsthafte Zweifel. Wem, fragte er sich, würde das Mehrgewicht zugute kommen: den Passagieren, den Fluggesellschaften oder vorwiegend den Versicherungen? Doch die anderen Argumente, meinte er, seien stichhaltig genug.

»Es steht also zur Entscheidung«, sagte er abschließend, »ob wir auf Grund von Annahmen und nichts weiter dem Publikum eine Dienstleistung vorenthalten sollen, die es offenbar wünscht.«

Als Mel sich wieder setzte, sagte Mildred Ackerman sofort und nachdrücklich: »Ich würde nein sagen.« Sie warf Vernon Demerest einen triumphierenden Blick zu.

Mit einem Minimum an Formalität stimmten die Herren des Verwaltungsrats zu. Darauf wurde die Sitzung und Behandlung der weiteren Tagesordnung auf den Nachmittag verschoben.

Draußen im Korridor wartete Vernon Demerest auf Mel.

»Na, Vernon!« Mel sprach schnell und bemühte sich um einen Ausgleich, ehe sein Schwager sprechen konnte. »Du nimmst mir das doch hoffentlich nicht übel? Selbst Freunde und Verwandte müssen gelegentlich anderer Meinung sein.«

Das »Freunde« war natürlich eine Übertreibung. Mel Bakersfeld und Vernon Demerest hatten sich nie gemocht, obwohl Demerest Mels Schwester Sarah geheiratet hatte. Und beide waren sich dessen bewußt; außerdem hatte sich in letzter Zeit diese Abneigung zu einer offenen Gegnerschaft verschärft.