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Demerest grinste.

Der junge Meteorologe begann einen Vortrag über Temperaturen, Hoch- und Tiefdruckgebiete und Höhnwinde. Für den Teil des Flugs, der über Kanada führte, empfahl er einen weiter nördlich liegenden Kurs als üblich, um den starken Gegenwinden auszuweichen, auf die man weiter südlich stieß. Die Piloten hörten aufmerksam zu. Ob man sich auf Computer oder menschliche Berechnungen stützte: die Wahl der besten Höhe und des Kurses war wie eine Schachpartie, in der menschlicher Verstand über die Natur triumphieren konnte. Alle Piloten waren in diesen Dingen geschult; das galt auch für die Meteorologen der Fluggesellschaften, die stärker auf die Bedürfnisse der einzelnen Fluglinien eingingen als ihre Kollegen bei den amtlichen Wetterstationen.

»Sobald es Ihnen Ihre Treibstoffladung erlaubt«, sagte der Meteorologe der Trans America, »würde ich Ihnen eine Flughöhe von zehntausend Metern empfehlen.«

Der Zweite Offizier verglich mit seinen Tabellen. Ehe N-731-TA so hoch steigen konnte, mußte sie einen Teil ihrer anfänglich schweren Treibstoffladung verbrauchen.

Nach einigen Augenblicken meldete der Zweite Offizier: »Wir sollten in der Lage sein, zehntausend Meter in der Nähe von Detroit zu erreichen.«

Anson Harris nickte. Sein goldener Kugelschreiber flog über das Papier, als er den Flugplan ausfüllte, den er in wenigen Minuten bei der Flugsicherung einreichen würde. Die Flugsicherung würde ihm dann mitteilen, ob die Flughöhen, um die er nachsuchte, verfügbar waren oder nicht, und welche anderen er haben konnte, falls das nicht der Fall war. Vernon Demerest, der normalerweise seinen Flugplan selbst ausgefüllt hätte, überflog das Formular, als Kapitän Harris fertig war, und unterschrieb es dann.

Wie es schien, gingen alle Vorbereitungen für Flug Zwei gut voran. Trotz des Sturms hatte es den Anschein, als ob The Golden Argosy, der Stolz der Trans America, rechtzeitig starten würde.

Gwen Meighen empfing die drei Piloten, als sie an Bord der Maschine kamen. »Haben Sie es schon gehört?« fragte sie.

»Was gehört?« erwiderte Kapitän Harris.

»Wir starten mit einer Stunde Verspätung. Der Angestellte am Ausgang hat es gerade erfahren.«

»Verdammt!« schimpfte Vernon Demerest. »Verflucht noch mal!«

»Anscheinend sind eine Menge Passagiere noch unterwegs hierher, wurden aber aufgehalten — wahrscheinlich durch den Schnee. Verschiedene haben angerufen, und die Abflugkontrolle hat entschieden, ihnen zusätzlich Zeit einzuräumen.«

»Wird die Verladung auch verschoben?« fragte Kapitän Harris.

»Ja, Herr Kapitän. Der Flug ist noch nicht aufgerufen worden, und es soll erst in einer halben Stunde geschehen.«

Harris hob die Schultern. »Na schön. Was sollen wir uns aufregen?« Er ging auf die Pilotenkanzel zu.

»Ich kann Ihnen allen Kaffee bringen, wenn Sie wünschen«, erbot sich Gwen.

»Ich trinke Kaffee im Flughafen drinnen«, antwortete Vernon Demerest. Er nickte Gwen zu. »Warum kommen Sie nicht mit mir?«

Sie zögerte. »Machen ließe sich das schon.«

»Gehen Sie nur«, sagte Harris. »Eins der anderen Mädchen kann mir meinen bringen, und wir haben noch reichlich Zeit.«

Ein oder zwei Minuten später schritt Gwen neben Vernon Demerest durch den Abflugtrakt der Trans America. Ihre Absätze klapperten, während sie sich bemühte, mit ihm Schritt zu halten. Sie gingen zur Haupthalle des Flughafengebäudes.

Diese Stunde Verzögerung war vielleicht gar nicht so übel, dachte Demerest. Bis zu diesem Augenblick hatte er, mit der wichtigen Aufgabe des Flugs Zwei vor Augen, jeden Gedanken an Gwens Schwangerschaft aus seinem Kopf verbannt. Aber bei Kaffee und einer Zigarette bestand die Möglichkeit, das früher am Abend begonnene Gespräch wieder aufzunehmen. Vielleicht konnte jetzt die Frage, die bisher noch nicht berührt worden war — eine Abtreibung —, aufgeworfen werden.

8

Nervös zündete sich D. O. Guerrero am Rest der vorhergegangenen Zigarette eine neue an. Trotz der Bemühung, seine Hände ruhig zu halten, zitterten sie merklich. Er war aufgeregt, gespannt und voller Angst. Wie schon vorher, als er seine Bombe zusammensetzte, spürte er Schweißperlen auf dem Gesicht und unter seinem Hemd.

Der Grund für seine Erregung war die Zeit — die Zeit, die ihm noch zwischen dem jetzigen Augenblick und dem Start von Flug Zwei blieb. Unerbittlich verrann sie wie der Sand in einem Stundenglas, und viel, allzuviel war von dem Sand bereits verronnen.

Guerrero saß im Bus zum Flughafen. Vor einer halben Stunde war der Bus in die Kennedy-Schnellstraße eingebogen, an einer Stelle, von der aus er unter normalen Umständen noch knapp fünfzehn Minuten bis zum Flughafen gebraucht hätte. Aber der Verkehr auf der Schnellstraße wurde, wie auf allen anderen großen Straßen im Staat, durch den Schneesturm und Verkehrsstauungen stark behindert. Zeitweise kam er ganz zum Erliegen, dann wieder kroch er im Schneckentempo dahin.

Vor der Abfahrt in der Innenstadt waren die etwa zwölf Fahrgäste im Bus, sämtlich für Flug Zwei bestimmt, von der Verspätung ihres Flugs um eine Stunde verständigt worden. Aber bei diesem Tempo sah es so aus, als ob es noch zwei, vielleicht drei Stunden dauern würde, bis sie zum Flughafen kämen.

Auch andere im Bus machten sich Sorgen.

Wie D. O. Guerrero hatten sie sich im Stadtbüro der Trans America gemeldet. Da war noch reichlich Zeit gewesen, aber angesichts der immer größer werdenden Verspätung fragten sie jetzt laut, ob Flug Zwei endlos lange auf sie warten würde.

Der Busfahrer konnte nicht viel Trost spenden. Auf Fragen erklärte er, wenn ein Bus vom Stadtbüro Verspätung hätte, würde gewöhnlich ein Flug so lange zurückgehalten, bis er eingetroffen wäre. Aber wenn die Verhältnisse derart unübersichtlich wurden wie heute, könnte alles passieren. Die Fluggesellschaft könnte annehmen, daß der Bus noch für Stunden aufgehalten würde — was ja sein konnte —, und entscheiden, daß die Maschine abfliegen solle. Auch habe es bei den wenigen Personen im Bus den Anschein, fügte der Fahrer hinzu, als ob die meisten der Passagiere für Flug Zwei bereits auf dem Flughafen seien. Das passiere bei internationalen Flügen oft, erklärte er; Verwandte kämen mit, mit Passagiere zu verabschieden, und brächten sie im Wagen hinaus.

Die Diskussion im Bus ging hin und her, aber D. O. Guerrero, seinen dürren Körper auf dem Sitz zusammengekauert, beteiligte sich nicht daran. Die meisten anderen Passagiere schienen Touristen zu sein, bis auf eine lebhafte italienische Familie — Mann, Frau und mehrere Kinder —, die sich angeregt in ihrer eigenen Sprache unterhielten.

»An Ihrer Stelle, Herrschaften, würde ich mir keine Sorgen machen.« Das hatte der Fahrer vor ein paar Minuten verkündet. »Die Schlange vorn sieht aus, als ob sie sich ein bißchen lockert. Wir können es vielleicht gerade noch schaffen.«

Bis jetzt hatte sich das Tempo des Busses allerdings nicht erhöht.

D. O. Guerrero hatte eine Reihe mit zwei Plätzen für sich allein, drei Reihen hinter dem Fahrer. Der höchst wichtige Aktenkoffer ruhte sicher auf seinen Knien. Er beugte sich vor, wie er es schon ein paarmal getan hatte, und versuchte mit den Augen die Finsternis vor dem Bus zu durchdringen. Alles, was er durch die beiden von den klapsenden Scheibenwischern klargefegten Halbkreise wahrnahm, war eine endlose Reihe von Rücklichtern, deren Spitze im fallenden Schnee verschwand. Trotz seines Schwitzens waren seine bleichen, dünnen Lippen trocken; er feuchtete sie mit der Zunge an.

Es genügte für Guerrero nicht, wenn er es bis zum Flughafen für Flug Zwei gerade noch schaffen würde. Er brauchte mindestens noch zusätzlich zehn bis fünfzehn Minuten, um eine Flugversicherung abzuschließen. Er verfluchte sich selbst deswegen, daß er nicht früher zum Flughafen gefahren war und die Versicherung, die er brauchte, in aller Ruhe abgeschlossen hatte. In seinem ursprünglichen Plan war die Absicht, eine Versicherung erst in letzter Minute abzuschließen und dadurch die Wahrscheinlichkeit, Rückfragen ausgesetzt zu sein, auf ein Minimum zu verringern, als eine gute Idee erschienen. Was er aber nicht vorausgesehen hatte, war, daß es ein derartiger Abend werden würde — obwohl er es, angesichts der Jahreszeit, hätte voraussehen müssen. Das war eben gerade eins der Dinge — das Übersehen eines bedeutenden veränderlichen Faktors —, die D. O. Guerrero bei seinen geschäftlichen Unternehmungen verfolgt und Mal für Mal seine grandiosen Pläne zum Scheitern gebracht hatten. Das Schlimme war, erkannte er, daß er beim Plänemachen sich selbst einredete, es würde alles so ablaufen, wie er hoffte, und deshalb versäumte er, das Unerwartete in Rechnung zu stellen. Genauer gesagt, dachte er verbittert, war er wohl nie fähig gewesen, aus früheren Erfahrungen zu lernen.