Выбрать главу

»Ja, ich weiß.«

»Warum wollen Sie denn da hin? Warum haben Sie nicht den Bus genommen?«

»Es ist wichtig. Ich muß einfach hin — unbedingt dort sein — vor elf Uhr.«

»Na ja«, sagte der Fahrer, »soll mal eine billige Nacht werden. Ich fahr' Sie für nur sieben.«

»Ja . . .« Inez zögerte immer noch. Sieben Dollar war gerade der Betrag, den sie dem Hauswirt morgen anbieten wollte, um ihn wegen der Rückstände zu besänftigen. Ihren Lohn von der Kaffeestube würde sie erst Ende der nächsten Woche bekommen.

Ungeduldig drängte der Fahrer: »Billiger kriegen Sie es nirgends. Nehmen Sie an oder nicht?«

»Gut«, sagte Inez. »Ich nehme an.«

»Also los dann.«

Während Inez ohne Hilfe in das Taxi stieg, fegte der Fahrer grinsend mit einem Schneebesen die Windschutzscheibe und die Fenster frei. Als Inez ihn im Drugstore ansprach, hatte er bereits Feierabend, und da er in der Nähe des Flughafens wohnte, hatte er mit einer Leerfahrt nach Hause rechnen müssen. Aber jetzt hatte er einen Fahrgast. Gelogen hatte er auch, als er behauptete, der Taxiuhr nach würde die Fahrt zum Flughafen auf neun oder zehn Dollar kommen. In Wirklichkeit waren es weniger als sieben. Aber mit dieser Lüge hatte er dem Fahrgast vorflunkern können, dieser mache ein gutes Geschäft. Außerdem konnte er mit abgestellter Uhr fahren und die sieben Dollar für sich einstecken. Das war zwar ungesetzlich, aber kein Polizist würde ihn bei diesem scheußlichen Wetter anhalten und kontrollieren.

Und so, sagte sich der Fahrer selbstzufrieden, war es ihm in einem Aufwaschen geglückt, die alte Schreckschraube von Fahrgast und seinen Lausekerl von Arbeitgeber reinzulegen.

Als sie anfuhren, fragte Inez besorgt: »Sind Sie auch sicher, daß Sie es bis elf Uhr schaffen?«

Der Fahrer brummte über die Schulter: »Das habe ich Ihnen doch gesagt. Also überlassen Sie es ruhig mir!«

Allerdings mußte er sich selbst eingestehen, daß er dessen gar nicht so sicher war. Die Straßenverhältnisse waren schlecht, der Verkehr behindert. Sie konnten es vielleicht gerade schaffen, aber es würde verdammt knapp werden.

Fünfunddreißig Minuten später kroch das Taxi, in dem Inez saß, beschwerlich die verschneite, immer noch verstopfte KennedySchnellstraße entlang. Inez saß angespannt hinten auf ihrem Platz, bewegte rastlos ihre Finger und fragte sich verzweifelt, wie lange die Fahrt noch dauern mochte.

Zur gleichen Zeit traf der Flughafenbus mit den Passagieren für Flug Zwei vor dem Eingang zu den Abflugrampen von Lincoln International Airport ein. Nachdem er den stockenden Verkehr in Stadtnähe hinter sich gelassen hatte, konnte der Bus weiter gutes Tempo halten. Jetzt zeigte die Uhr über dem Hauptgebäude Viertel vor elf.

Als der Bus anhielt, war D. O. Guerrero der erste, der ausstieg.

9

»Und nehmen Sie die transportable Lautsprecheranlage mit«, befahl Elliott Freemantle, »die können wir vielleicht brauchen.«

Die Versammlung in Meadowood im Gemeindesaal der Baptistenkirche bebte vor Erregung, die Rechtsanwalt Freemantle so geschickt angeheizt hatte. Die Versammlung war bereit, auf den Lincoln International Airport anzurücken.

»Ich möchte keine trüben Ausreden hören, daß es Ihnen zu spät ist, oder daß man lieber nicht gehen sollte«, hatte Freemantle seine sechshundert Zuhörer einige Minuten vorher beschworen. Zuversichtlich und untadelig, in seinem eleganten blauen Anzug und seinen glänzenden Krokodilschuhen, stand er da vor ihnen; kein einzelnes Härchen hatte sich verschoben, und er strahlte Selbstsicherheit aus. Die Versammlung stand begeistert auf seiner Seite, und je ruppiger er sprach, desto mehr gefiel er ihnen.

Er fuhr fort: »Und wir wollen keine albernen Ausreden dafür erfinden, nicht zu gehen. Ich will nichts hören von Babysittern, alleingelassenen Schwiegermüttern oder angebranntem Essen, weil es mir völlig schnuppe ist; und weil es das Ihnen — im Augenblick — auch sein sollte. Wenn Ihr Wagen im Schnee steckenbleibt, lassen Sie sich von jemand anderem mitnehmen. Der springende Punkt ist: Ich gehe heute abend zum Flughafen in Ihrem Interesse, um Ärgernis zu erregen.« Er machte eine Pause, als wieder ein Flugzeug über das Haus donnerte. »Weiß Gott — allerhöchste Zeit, daß irgendeiner etwas unternimmt.« Die letzte Bemerkung hatte Applaus und Lachen ausgelöst.

»Ich brauche Ihre Unterstützung, und ich will, daß Sie dabei sind — Sie alle. Jetzt will ich eine klare und offene Frage an Sie stellen: Kommen Sie mit?«

Die Halle dröhnte wider von den »Ja«-Rufen. Die Leute waren aufgesprungen und spendeten laut Beifall.

»Also gut«, sagte Freemantle, und der Saal wurde ruhig. »Lassen Sie uns noch ein paar Dinge klarstellen, ehe wir gehen.«

Er habe ihnen bereits gesagt, führte er aus, daß legale Mittel die Basis für alle Handlungen sein müßten, die das Ziel hätten, die Gemeinde Meadowood von dem unerträglichen Flughafenlärm zu befreien. Derartig legales Vorgehen dürfte jedoch nicht von der Art sein, die kein Mensch bemerkte oder die in irgendeinem abgelegenen Gerichtssaal ohne Zuschauer stattfinde. Im Gegenteil, es müsse in das Scheinwerferlicht öffentlicher Aufmerksamkeit und öffentlicher Sympathie gerückt werden.

»Und wie erreicht man diese Art von Aufmerksamkeit und Sympathie?« Rechtsanwalt Freemantle machte eine Pause und beantwortete seine Frage dann selbst.

»Wir erreichen sie dadurch, daß wir unseren Standpunkt auf solche Weise klarmachen, daß er schlagzeilenreif wird. Dann, und nur dann können die aufmerksamkeiterregenden Medien — Presse, Rundfunk und Fernsehen — unseren Gesichtspunkt mit Vorrang und so, wie wir es brauchen, behandeln.«

Die Presse sei freundlich gesonnen, erklärte er. »Wir verlangen ja gar nicht, daß sie unseren Standpunkt teilt, sondern nur, daß sie objektiv berichtet, was sie — meiner Erfahrung nach — immer tut. Aber es hilft unseren Reportern, wenn ein Fall sich dramatisch zuspitzt; dann bekommen sie eine bessere Story zusammen.«

Die drei Reporter am Pressetisch schmunzelten, als Freemantle hinzufügte: »Wir werden sehen, ob wir heute abend ein Drama für sie inszenieren können.«

Während Elliott Freemantle sprach, beobachtete er gespannt den Rücklauf der Formulare, die ihn als offiziellen Vertreter der einzelnen Hausbesitzer bestellten und die nun in der Halle rundgingen. Viele der Blätter, mindestens hundert, dachte er, waren unterschrieben und nach vorne gereicht worden. Er hatte gesehen, wie Kugelschreiber erschienen, Ehepaare sich über die Papiere beugten, um gemeinsam zu unterschreiben und so jede Familie sich zur Zahlung von hundert Dollar verpflichtete. Erfreut stellte Freemantle eine Rechnung an: Rund einhundert Klienten bedeuteten zehntausend Dollar für ihn selbst. Kein schlechtes Honorar für die Arbeit — bis jetzt — von einem Abend, und am Schluß würde die Gesamtsumme noch weit höher sein.

Weil die Formulare noch zirkulierten, beschloß er, noch ein paar Minuten länger zu reden. Was sich heute abend auf dem Flughafen ereignen werde, informierte er die Zuhörer, sollten sie ganz ihm überlassen. Er hoffe, daß es zu einer Konfrontation mit der Flughafenleitung kommen werde; auf jeden Fall plane er, eine Demonstration in der Haupthalle auf die Beine zu stellen, an die die Leute noch lange denken würden.

»Das einzige, um was ich Sie bitte, ist: Bleiben Sie zusammen, und erheben Sie die Stimmen nur, wenn ich es Ihnen sage.« Nachdrücklich warnte er vor Aufruhr. Niemand darf am anderen Tag behaupten können, die Antilärmdelegation von Meadowood habe irgendein Gesetz übertreten.

»Natürlich«, Freemantle lächelte herausfordernd, »könnten wir jemand in die Quere kommen und Unannehmlichkeiten verursachen. Wie ich höre, ist auf dem Flughafen heute abend besonders viel Betrieb. Aber das geht uns nichts an.«

Hier gab es wieder Lachen. Er hatte das Gefühl, die Menschen seien marschbereit.

Wieder dröhnte ein Flugzeug über die Versammlung hinweg, und er wartete, bis der Lärm nachließ.