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»Na, ich glaube, schließlich tu ich das, was am vernünftigsten ist.

Das ist eine Abtreibung. Ich muß es erst einmal durchdenken, durchsprechen.«

»Wenn du bereit bist, werde ich dir helfen. Wir sollten aber nicht zuviel Zeit verlieren.«

»Wahrscheinlich nicht.«

»Sieh mal, Gwen«, versicherte er ihr, »die ganze Geschichte geht so schnell, und ich verspreche dir, es wird medizinisch völlig sicher sein.« Er erzählte ihr von Schweden; er würde alles bezahlen, was die Klinik kostete; die Fluglinie würde helfen, sie dorthin zu bringen.

Sie antwortete: »Ich werde mich entschließen, bevor wir von diesem Flug zurückkommen.«

Er nahm ihren Zahlbon an sich, und sie erhoben sich zum Gehen. Es war für Gwen an der Zeit, zur Stelle zu sein, um die an Bord von Flug Zwei gehenden Gäste zu begrüßen.

Als sie die Kaffeestube verließen, sagte sie: »Ich glaube, ich habe großes Glück, daß du so bist. Andere Männer wären verschwunden und hätten mich sitzenlassen.«

»Ich werde dich nicht verlassen.«

Aber er würde sie doch verlassen; dessen war er jetzt sicher. Wenn Neapel und die Abtreibung vorüber waren, dann würde er mit Gwen Schluß machen, ihre Affäre beenden — so rücksichtsvoll wie möglich, aber doch vollständig und endgültig. Das würde nicht allzu schwer werden. Es würde ein paar ungemütliche Augenblicke geben, wenn Gwen seine Absichten erfuhr, aber sie gehörte nicht zu denen, die ein großes Theater machten. Das hatte sie ja bereits bewiesen. Auf jeden Fall würde er die Situation in der Hand behalten, die ja nichts Neues für ihn war. Vernon hatte sich schon früher aus amourösen Affären geschickt herausgezogen.

Gewiß, diesmal war es anders als sonst. Noch keine Frau hatte auf ihn einen solchen Eindruck gemacht wie Gwen. Keine andere Frau hatte ihn so stark erregt. Bei keiner — wenigstens soweit er sich erinnern konnte — hatte er eine solche Freude an ihrer Ge-Seilschaft, an dem bloßen Zusammensein mit ihr empfunden. Eine Trennung würde nicht ganz leicht werden, und er wußte, er würde später in Versuchung geraten, seine Meinung zu ändern. Aber er würde unerbittlich bleiben. Wenn Vernon Demerest sich einmal für einen Weg entschieden hatte, dann war er ihn in seinem bisherigen Leben auch gegangen. Selbstzucht hatte er sich zur Gewohnheit gemacht.

Außerdem sagte ihm sein nüchterner Verstand, wenn er nicht bald mit Gwen bräche, würde eine Zeit kommen, wo er es nicht mehr fertigbrächte, wo er — Selbstzucht hin, Selbstzucht her — sich nicht mehr von Gwen trennen könnte. Wenn das passierte, mußte eine Dauerlösung gefunden werden, und das bedeutete eine katastrophale Umwälzung — in Ehe, Finanzen, Gefühlen, die er zu vermeiden entschlossen war. Vor zehn oder fünfzehn Jahren vielleicht? Heute nicht mehr.

Er berührte Gwens Arm. »Geh vor, ich komme in einer Minute nach.«

Als sich das Gedränge in der Haupthalle einen Moment lichtete, hatte er vor sich Mel Bakersfeld bemerkt. Es störte ihn nicht, mit Gwen zusammen gesehen zu werden, aber es bestand auch kein Anlaß, ihre Beziehungen der ganzen Familie auf die Nase zu binden.

Er sah, daß sein Schwager ein ernstes Gespräch mit Leutnant Ned Ordway führte, dem tüchtigen, freundlichen Neger, der die Flughafenpolizei befehligte. Vielleicht war Mel zu beschäftigt, den Mann seiner Schwester zu bemerken, was Demerest nur sehr recht sein konnte, denn er hatte nicht den geringsten Wunsch nach einer Begegnung, wenn er sie auch nicht zu vermeiden gedachte.

Gwen verschwand in der Menge. Der letzte Eindruck, den er hatte, waren gutgeformte nylonbekleidete Beine und ebenso attraktive und wohlproportionierte Fußgelenke. O sole mio ... Eil dich! Verdammt! Mel Bakersfeld hatte ihn gesehen.

»Ich habe Sie gesucht«, hatte Leutnant Ordway zu Mel ein paar Minuten vorher gesagt. »Ich habe gerade gehört, wir kriegen Besucher — einige Hundert.«

Heute abend war der Polizeileutnant in Uniform; eine große, auffallende Gestalt, die wie ein afrikanischer Kaiser aussah. Allerdings sprach er mit einer für einen solchen Riesen überraschenden Sanftheit.

»Wir haben schon genug Besucher.« Mel überblickte das Menschengewirr in der Haupthalle. Er hatte sie auf dem Weg in den Verwaltungsstock durchquert. »Nicht Hunderte, sondern Tausende.«

»Ich meine nicht Passagiere«, sagte Ordway. »Die Leute, von denen ich rede, dürften uns noch mehr Scherereien machen!«

Er berichtete kurz von der Protestversammlung gegen den Fluglärm; die Versammlung sei zu Ende, und die meisten der Beteiligten seien nun im Anmarsch auf den Flughafen. Leutnant Ordway hatte von der Versammlung und der geplanten Fortsetzung durch ein Fernsehteam erfahren, das um Erlaubnis gebeten hatte, Kameras innerhalb des Hauptgebäudes aufzustellen. Nachdem er mit den Fernsehleuten gesprochen hatte, habe er einen Freund in der Redaktion der Tribune angerufen und sich von ihm das Wesentliche aus einem Bericht vorlesen lassen, den ein Reporter von der Versammlung durchgegeben hatte.

»Teufel noch mal!« brummte Mel. »Ausgerechnet heute abend! Als ob wir nicht schon genug Schwierigkeiten hätten!«

»Das ist wohl die Absicht dabei; auf die Weise werden sie stärker beachtet. Aber ich hielt es für richtig, Sie darauf vorzubereiten, denn die werden sicher mit Ihnen sprechen wollen und vielleicht mit jemandem von der FAA.«

Mel sagte bitter: »Ach, die FAA! Die verschwinden von der Bildfläche, wenn sie von so etwas hören, und kommen erst wieder heraus, wenn die Entwarnungssirene geläutet hat.«

»Und wie steht es mit Ihnen?« Der Polizist grinste. »Wollen Sie auch verschwinden?«

»Nein, Sie können den Leuten sagen, daß ich eine Abordnung von sechs Personen empfangen werde, wenn es heute abend auch Zeitverschwendung ist. Ich kann doch nichts ändern.«

»Sie wissen ja«, sagte Ordway, »daß ich keine gesetzliche Handhabe besitze, um gegen sie einzuschreiten, wenn sie nicht gerade Aufruhr oder Sachbeschädigung begehen.«

»Ja, ich weiß, aber ich will nicht mit einem Pöbelhaufen reden. Trotzdem wollen wir es nicht erst zu einem Zusammenstoß kommen lassen. Auch wenn wir ein bißchen herumgestoßen werden: sorgen Sie dafür, daß von unserer Seite damit nicht angefangen wird, solange es sich vermeiden läßt. Vergessen Sie nicht, daß die Presse da ist. Ich will keine Märtyrer schaffen.«

»Ich habe meine Leute schon instruiert. Sie werden es mit Humor nehmen und das Jiu-Jitsu aufsparen.«

»Gut!«

Mel hatte Vertrauen zu Ned Ordway. Der Polizeidienst auf Lin-coln International wurde von einer sich selbst verwaltenden Abteilung der Städtischen Polizei versehen, und Leutnant Ordway repräsentierte den besten Typ eines Karrierepolizisten. Er war seit einem Jahr mit dem Flughafen-Polizeikommando betraut und würde wahrscheinlich bald in eine bedeutendere Stellung in der Stadt versetzt werden. Mel würde es bedauern, wenn er wegging.

»Und abgesehen von dieser Meadowood-Angelegenheit«, erkundigte sich Mel, »wie steht es sonst?«

Er wußte, daß die hundert Mann des Polizeikommandos, wie fast alle anderen auf dem Flughafen, seit Beginn des Sturms Überstunden gemacht hatten.

»Hauptsächlich Routinekram. Mehr Betrunkene als sonst und ein paar Schlägereien. Aber das geht zu Lasten der vielen Verspätungen und Ihrer tüchtigen Bars.«

Mel grinste. »Sagen Sie nichts gegen die Bars. Der Flughafen bekommt von jedem Drink seine Prozente, und wir brauchen diese Einnahmen.«

»Die Fluggesellschaften wohl auch, nehme ich an. Wenigstens nach den Passagieren zu schließen, die sie wieder nüchtern zu machen versuchen, damit sie sie an Bord kriegen können. Ich habe meinen ewigen Ärger damit.«

»Kaffee?«

»Natürlich. In dem Augenblick, wo an den Abfertigungsschaltern einer Fluglinie ein betrunkener Passagier auftaucht, wird einer der Angestellten abgeordnet, ihn mit Kaffee vollzupumpen. Fluggesellschaften scheinen es nie zu lernen, daß der ganze Erfolg, wenn der Kaffee drinnen ist, darin besteht, daß der Betrunkene hellwach ist. Und dann rufen sie uns meistens zu Hilfe.«