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»Damit werden Sie ja fertig.«

Ordways Männer waren, das wußte Mel, Fachleute im Umgang mit Betrunkenen, die fast nie bestraft wurden, außer wenn sie zu lärmen anfingen. Meistens waren es Vertreter und Geschäftsleute von auswärts, manchmal durch eine anstrengende Woche harten Konkurrenzkampfes erschöpft, und ein paar Drinks auf der Heimreise warfen sie um. Wenn die Flugbesatzung sie nicht an Bord lassen wollte — und Kapitäne, die hierin das letzte Wort hatten, waren da meistens unbeugsam —, wurden Betrunkene von der Polizei in das Haftlokal geschafft und ihnen dort Gelegenheit gegeben, wieder nüchtern zu werden. Später durften sie dann wieder gehen — meistens wie begossene Pudeln.

»Ach, da wäre noch was«, sagte Leutnant Ordway. »Die Parkplatzwärter glauben, wir hätten wieder mehrere Autowracks. Bei dem Wetter ist das ja schwer festzustellen, aber wir werden es untersuchen, sobald wir können.«

Mel zog eine Grimasse. Wertlose, auf Parkplätzen im Stich gelassene alte Wagen waren auf jedem größeren Flughafen eine bekannte Plage. War eine alte Karre unbrauchbar geworden, dann war es heutzutage erstaunlich schwer, sie loszuwerden. Schrott-und Bergungsfirmen waren bis an den Rand ihrer Grundstücke vollgestopft und nahmen nichts mehr an — es sei denn, der Wagenbesitzer bezahlte dafür. So stand ein Besitzer vor der Wahl, entweder für die Abnahme zu bezahlen oder einen Abstellplatz zu mieten, oder eine Stelle zu finden, wo er, ohne eine Spur von sich zu hinterlassen, sein Fahrzeug loswerden konnte. Flughäfen-Parkplätze boten sich geradezu als Autofriedhöfe an.

Die alten Wagen wurden auf Flughafen-Parkplätze gebracht, die Autonummern abmontiert und andere Kennzeichen still und heimlich beseitigt. Motornummern konnten natürlich nicht entfernt werden, aber der Aufwand an Zeit und Mühe, nach ihnen den letzten Besitzer festzustellen, lohnte sich nicht. Es war also einfacher, der Flughafen tat das, was der Besitzer nicht tun wollte — bezahlte, damit der Wagen abgeschleppt und verschrottet wurde, und das möglichst schnell, da er einnahmenbringende Parkplätze blockierte. Auf Lincoln International war die monatliche Rechnung für die Beseitigung alter Wagen in letzter Zeit erschreckend angewachsen.

Zwischen der hin und her wogenden Menge in der großen Halle entdeckte Mel Kapitän Vernon Demerest.

»Davon abgesehen«, sagte Ordway aufmunternd, »sind wir in bester Form für Ihre Besucher aus Meadowood. Ich sage Ihnen Bescheid, wenn sie kommen.« Mit freundlichem Nicken ging der Polizist weiter.

Vernon Demerest — in der Uniform der Trans America und mit der bei ihm üblichen selbstbewußten Haltung — kam in Mels Richtung. Mel spürte einen Anflug von Gereiztheit, wenn er an den abträglichen Bericht des Schnee-Komitees dachte, von dem er gehört, den er aber immer noch nicht gesehen hatte.

Demerest schien nicht geneigt, stehenzubleiben, bis Mel sagte: »Guten Abend, Vernon.«

»Hallo!« Demerests Ton war gleichgültig.

»Wie ich höre, bist du jetzt Sachverständiger für Schneeräumung.«

»Man braucht doch kein Sachverständiger zu sein«, antwortete Vernon Demerest schroff, »um zu erkennen, daß miserable Arbeit geleistet wird.«

Mel bemühte sich, im Ton maßvoll zu bleiben. »Hast du eine Ahnung, wie hoch der Schnee gewesen ist?«

»Vielleicht besser als du. Den Wetterbericht zu lesen, gehört zu meinen Aufgaben.«

»Dann weißt du auch, daß in den letzten vierundzwanzig Stunden bei uns auf dem Flughafen zehn Zoll Schnee gefallen sind; nicht gerechnet, was vorher schon da war.«

Demerest zuckte mit den Achseln. »Dann schafft ihn doch weg.«

»Das tun wir ja.«

»Davon merkt man verdammt wenig.«

»Der stärkste je registrierte Schneefall hier war zwölf Zoll im gleichen Zeitraum. Das war eine Überflutung, und alles wurde geschlossen. Diesmal standen wir dicht davor, aber wir haben nicht geschlossen. Wir haben darum gekämpft, den Flughafen offenzuhalten, und wir haben es geschafft. Es gibt nirgendwo einen Flughafen, der besser mit diesem Sturm fertig geworden wäre als wir. Wir haben jede Maschine aus dem Schneeräumungspark Tag und Nacht eingesetzt.«

»Vielleicht habt ihr nicht genug Maschinen.«

»Mein Gott, Vernon! Niemand hat genug Ausrüstung für einen solchen Sturm, wie wir ihn in den letzten Tagen hatten. Jeder könnte mehr brauchen, aber man kauft doch keine Schneeräummaschinen für eine gelegentliche Ausnahmesituation — wenn man nur ein kleines bißchen wirtschaftlich denkt. Man kauft für normale

Tage, und wenn ein Notstand eintritt, verwendet man eben alles, was man hat, und setzt es so vorteilhaft wie möglich ein. Das haben meine Leute gemacht, und sie haben es verdammt gut gemacht!«

»Na schön«, erwiderte Demerest, »du bleibst bei deiner Meinung, ich bei meiner. Ich bin zufällig der Meinung, daß ihr unzulängliche Arbeit geleistet habt. Das habe ich auch in meinem Bericht gesagt.«

»Ich dachte, es wäre ein Komiteebericht gewesen? Oder hast du die anderen herausgeboxt, um mir persönlich einen Stich zu versetzen?«

»Wie das Komitee arbeitet, ist unsere Sache. Es kommt nur auf den Bericht an. Du kriegst morgen deinen Durchschlag.«

»Vielen Dank.« Sein Schwager, stellte Mel fest, hatte nicht einmal zu leugnen versucht, daß der Bericht persönlich gemeint war. Mel fuhr fort: »Was du auch geschrieben hast, ändern wird sich dadurch überhaupt nichts. Aber wenn es dir Genugtuung verschafft, negativen Effekt wird es haben. Morgen muß ich Zeit darauf verschwenden zu erklären, wie unwissend — auf gewissen Gebieten — du in Wirklichkeit bist.« Mel hatte erregt gesprochen und sich nicht bemüht, seinen Ärger zu verbergen.

Zum ersten Male grinste Demerest. »Ist dir wohl doch etwas unter die Haut gegangen, was? Und das mit dem negativen Effekt und deiner kostbaren Zeit ist ein Jammer. Ich werde morgen daran denken, wenn ich die italienische Sonne genieße.« Immer noch grinsend ging er.

Als er ein paar Meter weiter war, wurde aus dem Grinsen ein finsteres Gesicht.

Die Ursache von Kapitän Demerests Mißmut war der Versicherungskiosk in der Haupthalle, der heute abend sichtlich Hochkonjunktur hatte. Das war eine Mahnung daran, daß Demerests Sieg über Mel Bakersfeld eine Lappalie, bloß ein Mückenstich gewesen war. In einer Woche würde der unfreundliche Schneekomiteebericht vergessen sein, aber die Versicherungsschalter waren immer noch da. Also war der wirkliche Sieg auf Seiten seines glatten, selbstgefälligen Schwagers, der Demerests Argumente vor dem Verwaltungsrat weggefegt und ihn selbst lächerlich gemacht hatte.

Hinter den Versicherungsschaltern schrieben zwei junge Mädchen — eine von ihnen eine vollbusige Blondine — eifrig Policen für Antragsteller aus, hinter denen ein weiteres halbes Dutzend Schlange stand. Die meisten der Wartenden hielten Geldscheine in den Händen — weitere schnelle Profite für die Versicherungsgesellschaften, wie Demerest mißvergnügt feststellte, und er hatte auch keinen Zweifel daran, daß die Automaten an verschiedenen Stellen des Flughafens genauso beschäftigt waren.

Er fragte sich, ob wohl auch einige seiner Passagiere von Flug Zwei in der Schlange ständen. Er war versucht, danach zu fragen, und falls es so wäre, eigene Bekehrungsversuche zu machen, unterließ es aber dann doch. Vernon Demerest hatte das bereits früher einmal versucht — Menschen vor einem Versicherungsschalter abzuraten, eine Flugversicherung abzuschließen, und ihnen zu erklären, warum nicht; später waren dann Klagen gekommen, die ihm einen scharfen Rüffel von der Trans America eingetragen hatten. Zwar liebten die Fluggesellschaften Flugversicherungen genausowenig wie die Flugzeugbesatzungen, waren aber gezwungen, neutral zu sein, da sie von verschiedenen Stellen unter Druck gesetzt wurden. Erstens, führten die Flughafenleitungen an, brauchten sie die Einkünfte von den Versicherungsgesellschaften. Ohne die Einnahmen aus dieser Quelle, erklärten sie, müßten die Fluglinien die Differenz voraussichtlich durch höhere Landegebühren ausgleichen.