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Die jüngere Frau war sofort besorgt. »Natürlich helfe ich Ihnen. Soll ich Sie rausführen?«

»Nein — danke schön.« Mrs. Quonsett lehnte sich, scheinbar zur Stütze, gegen ein Waschbecken. »Ich müßte nur dringend eine Benachrichtigung geben. Draußen vor der Tür wartet ein junger Mann in der Uniform der Trans America. Er heißt Coakley. Bitte sagen Sie ihm — ja, ich bäte, doch einen Arzt zu holen.«

»Ich werd's ihm sagen. Kann ich Sie solange allein lassen?«

Mrs. Quonsett nickte. »Ja, ja, danke. Aber Sie kommen doch wieder — und sagen mir Bescheid?«

»Natürlich.«

In weniger als einer Minute war die junge Frau zurückgekehrt. »Er kümmert sich sofort um einen Arzt. Jetzt sollten Sie sich aber ausruhen, glaube ich. Warum . . .«

Mrs. Quonsett ließ das Waschbecken los. »Sie meinen, er ist schon fort?«

»Er hat sich sofort auf den Weg gemacht.«

Jetzt brauchte sie nur noch diese Frau loszuwerden, dachte Mrs. Quonsett. Von neuem schloß sie die Augen und öffnete sie wieder. »Ich weiß, daß es eigentlich zuviel verlangt ist — Sie waren ja so schon so freundlich —, aber meine Tochter wartet auf mich, vorn am Haupteingang, in der Nähe der United Air Lines.«

»Möchten Sie, daß ich sie hole?«

Mrs. Quonsett betupfte mit dem Spitzentüchlein ihre Lippen. »Ich wäre Ihnen so dankbar, wenn es auch eigentlich eine Zumutung ist.«

»Ich bin sicher, daß Sie das gleiche für mich täten. Aber woran kann ich Ihre Tochter erkennen?«

»Sie trägt einen weiten mauvefarbenen Mantel und einen kleinen weißen Hut mit gelben Blumen. Und sie hat einen Hund bei sich — einen französischen Pudel.«

Die Frau, die wie eine Sekretärin aussah, lächelte. »Dann ist es ja ganz einfach. Ich bin gleich zurück.«

»Es ist wirklich zu gütig von Ihnen.«

Ada Quonsett wartete einen Moment nachdem die Frau gegangen war. Sie hoffte nur zugunsten der freundlichen Helferin, daß sie nicht gar zu viel Zeit daran wenden würde, nach einer Phantasiegestalt in mauvefarbenem Mantel und in Begleitung eines nicht existierenden französischen Pudels zu suchen.

Innerlich lächelnd verließ die kleine alte Dame aus San Diego munteren Schritts die Damentoilette. Kein Mensch sprach sie an, als sie sich aufmachte und bald von dem Menschengebrodel des Flughafens verschluckt wurde.

Wo war nur der Blaue Warteraum »D« und der Ausgang siebenundvierzig?

Für Tanya Livingston war die Ansage für Flug Zwei so etwas wie ein Wechsel auf der Anzeigentafel über den Stand bei einem Ballspieldoppel. Vier Flüge der Trans America standen im Moment in verschiedenen Stadien des Abflugs. In ihrer Eigenschaft als Passagierbetreuerin hatte Tanya mit allen vier zu tun. Außerdem hatte sie gerade eine gereizte Verhandlung mit einem Passagier eines angekommenen Flugs aus Kansas City hinter sich.

Der aggressive Passagier beschwerte sich mit einem Wortschwall darüber, daß der Lederkoffer seiner Frau auf dem Fließband mit einem Riß in der Seite aufgetaucht war, weil er infolge unsachgemäßer Behandlung beschädigt worden sei. Tanya glaubte ihm das nicht — der Riß sah älter aus —, doch bot sie an, wie Trans America und andere Gesellschaften es zu tun pflegen, die Reklamation auf der Stelle durch Schadenersatz zu regeln. Schwieriger war es gewesen, sich auf eine angemessene Summe zu einigen. Tanya bot fünfunddreißig Dollar, was ihrer Meinung nach mehr als der ganze Wert des Koffers war; der Passagier wollte dafür fünfundvierzig haben. Schließlich einigten sie sich auf vierzig Dollar, wobei dem Kläger nicht bekannt war, daß ein Angestellter bis zu sechzig Dollar bieten durfte, um in Bagatellfällen Reklamationen loszuwerden. Selbst wenn der Verdacht eines Betrugversuchs nahelag, fanden die Gesellschaften es billiger, schnell zu bezahlen, als sich auf einen langen Disput einzulassen. Eigentlich sollten die Angestellten bei der Abfertigung beschädigte Gepäckstücke kennzeichnen, taten es aber selten. Infolgedessen erneuerten Fluggäste, die die Schliche kannten, manchmal auf diese Weise ihre alten Gepäckstücke.

Obwohl es nicht ihr Geld war, tat es Tanya leid, zu bezahlen, wenn die Fluglinie ihrer Meinung nach betrogen werden sollte. Jetzt richtete sie ihre Aufmerksamkeit darauf, gehetzten Nachzüglern zu Flug Zwei zu helfen, die immer noch ankamen. Glücklicherweise war der Bus mit den aus der Stadt Angemeldeten vor wenigen Minuten angekommen und die meisten der Fluggäste waren inzwischen zu dem Warteraum »D«, Ausgang siebenundvierzig dirigiert worden. In ein oder zwei Minuten, sagte sich Tanya, würde sie, für den Fall, daß beim Einsteigen der in letzter Minute ankommenden Passagiere Probleme auftauchen sollten, selbst zum Ausgang siebenundvierzig gehen.

D. O. Guerrero hörte die Ankündigung von Flug Zwei, während er in einer Schlange vor dem Schalter der Versicherung in der Haupthalle stand.

Es war Guerrero, gehetzt und nervös, den Kapitän Vernon De-merest hatte ankommen sehen, mit dem kleinen Aktenkoffer, der die Dynamitbombe enthielt.

Guerrero war vom Bus sofort zum Versicherungsschalter geeilt, vor dem er nun als letzter in der Schlange wartete. Zwei Leute an der Spitze verhandelten mit zwei weiblichen Angestellten, die mit einer zermürbenden Langsamkeit arbeiteten. Eins der Mädchen — eine vollbusige Blondine in tief ausgeschnittener Bluse — hatte eine lange Unterhaltung mit ihrer augenblicklichen Kundin, einer Frau mittleren Alters. Das Mädchen schien der Frau vorzuschlagen, eine höhere Police als beabsichtigt zu nehmen; die Frau konnte sich nicht entschließen. Offensichtlich würde es mindestens zwanzig Minuten dauern, um die Spitze der Schlange zu erreichen, aber bis dahin würde Flug Zwei wahrscheinlich weg sein. Aber er mußte eine Versicherung haben; er mußte an Bord sein.

Die Ansage hatte gelautet, zu Flug Zwei würde durch Ausgang siebenundvierzig an Bord gegangen. Guerrero sollte jetzt am Ausgang sein. Er merkte, wie er zitterte. Seine Hand am Griff des Aktenkoffers war feucht. Er sah wieder auf seine Uhr, zum zwanzigsten Male, und verglich sie mit der Zentraluhr. Sechs Minuten waren verstrichen seit der Ansage von Flug Zwei, der letzte Aufruf — Schließen der Flugzeugtüren — konnte jeden Augenblick kommen. Irgend etwas mußte geschehen.

D.O. Guerrero drängte sich rücksichtslos an die Spitze der Schlange vor. Ob er auffiel oder jemand beleidigte, das war ihm jetzt gleichgültig. Ein Mann protestierte: »He, Sie, wir warten auch.« Guerrero überhörte ihn. Er wandte sich an die vollbusige Blondine. »Ach, bitte schön — mein Flug nach Rom ist aufgerufen worden. Ich brauche eine Versicherung. Ich kann nicht warten.«

Der Mann, der eben protestiert hatte, fuhr dazwischen: »Dann fliegen Sie doch ohne. Das nächstemal kommen Sie früher.«

Guerrero wollte schon antworten: Es gibt kein nächstesmal. Statt dessen wandte er sich wieder der Blondine zu. »Ich bitte Sie!«

Zu seiner Überraschung lächelte sie ihn freundlich an. Dabei hatte er einen Rüffel erwartet. »Sagten Sie Rom?«

»Ja, ja, der Flug ist schon aufgerufen.«

»Ja, ich weiß.« Wieder lächelte sie. »Trans America Flug Zwei. Er heißt The Golden Argosy.«

Trotz seiner Aufregung bemerkte er, daß das Mädchen mit einem anziehenden europäischen Akzent — wahrscheinlich ungarisch — sprach. D. O. Guerrero bemühte sich, ganz ruhig zu bleiben. »Ja, stimmt.«

Das Mädchen richtete sein Lächeln an die anderen Wartenden.

»Dieser Herr hier hat wirklich keine Zeit. Ich hoffe, Sie nehmen es nicht übel, wenn ich ihn zuerst bediene.«

Es war so viel schiefgegangen, daß er an sein Glück kaum glauben konnte. Es wurde etwas gemurrt in der Schlange, doch der Mann, der bisher geredet hatte, verhielt sich still.

Das Mädchen legte ein Versicherungsformular vor. Sie strahlte die Frau an, mit der sie bisher verhandelt hatte. »Das hier dauert nur einen Augenblick.« Dann wandte sie ihr Lächeln wieder D. O. Guerrero zu.