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Tanya sagte nachdenklich: »Ich weiß nicht recht, was ich dabei tun kann. Selbst wenn der Mann schmuggelt, was geht das die Fluggesellschaft an?«

»Ja, wahrscheinlich ist nichts zu machen. Aber wir ziehen ja doch am selben Strang, und da dachte ich nur, ich wollte meinen Eindruck weitergeben.«

»Danke schön, Mr. Standish. Ich werde es unserem Bezirksverkehrsleiter berichten, und der wird vielleicht den Kapitän verständigen.«

Als der Zollinspektor ging, sah Tanya auf die Zentraluhr; sie zeigte eine Minute vor elf. Auf dem Weg zu den Räumen der Trans America überlegte sie: es war zu spät, Flug Zwei am Ausgang noch zu erreichen. Selbst wenn der Flug die Sperre noch nicht verlassen hatte, würde er das in den nächsten Sekunden tun. Sie fragte sich, ob der Bezirksverkehrsleiter in seinem Büro sein würde. Hielt er die Mitteilung für wichtig, könnte er sie an Kapitän De-merest über Funk weitergeben, solange der Flug noch auf der Rollbahn war. Tanya beeilte sich.

Der Bezirksverkehrsleiter war nicht in seinem Büro, dafür aber Peter Coakley.

Tanya fragte nur: »Was machen Sie denn hier?«

Der junge Trans-America-Angestellte, dem die alte Dame aus San Diego entwischt war, schilderte verlegen, was passiert war.

Peter Coakley hatte bereits eine Abkanzlung hinter sich. Der Arzt, von einem Idioten in die Damentoilette geholt, war deutlich und wütend gewesen. Der junge Mann war auf weitere Vorwürfe von seiten Mrs. Livingstons gefaßt. Er wurde nicht enttäuscht.

Tanya explodierte. »Verdammt und zugenäht noch mal! Habe ich Ihnen nicht gesagt, sie hätte einen Sack voll Tricks?«

»Ja, das haben Sie, Mrs. Livingston. Ich dachte, ich . . .«

»Schluß damit jetzt! Rufen Sie alle unsere Ausgänge an. Sie sollen auf eine alte, unschuldig aussehende Frau in Schwarz achten — die Beschreibung kennen Sie ja. Sie versucht nach New York zu kommen, macht vielleicht aber auch eine Rundreise. Wenn sie entdeckt wird, soll sie festgehalten und es hier gemeldet werden. Sie darf kein Flugzeug betreten, gleichgültig, was sie sagt. Während Sie das machen, verständige ich die anderen Linien.«

»Jawohl, Ma'm.«

Es waren mehrere Apparate in dem Büro. Peter benutzte den einen, Tanya den anderen. Die Nummern von TWA, American United und Northwest wußte sie auswendig. Alle vier Linien hatten Direktflüge nach New York. Als sie mit dem ersten Partner, Jenny Henline bei TWA, sprach, hörte sie Coakley sagen: »Ja, sehr alt — in Schwarz —, wenn man sie sieht, hält man's nicht für möglich . . .«

Tanya erkannte, daß sich ein wahrer Wettstreit zwischen ihr und der einfallsreichen Ada Quonsett entwickelt hatte. Wer, dachte sie, würde am Ende wohl den anderen überlisten?

Für den Augenblick hatte sie sowohl ihr Gespräch mit dem Zollinspektor wie auch ihre Absicht, den Bezirksverkehrsleiter zu suchen, vergessen.

An Bord von Flug Zwei schäumte Kapitän Demerest: »Woran liegt es denn in Teufels Namen?«

Die Motoren drei und vier auf der Steuerbordseite des Flugzeugs N—731—TA liefen. Im ganzen Flugzeug war das gedämpfte, mächtige Dröhnen der Düsenmaschinen zu spüren.

Die Piloten hatten durch Funk vor einigen Minuten das Startzeichen des Rampeninspektors erhalten, drei und vier anzulassen, warteten aber immer noch auf Erlaubnis, um eins und zwei auf der Backbordseite zu starten, die normalerweise nicht angelassen wurden, ehe alle Türen geschlossen waren. Ein Rotlicht auf dem Armaturenbrett hatte vor ein oder zwei Minuten aufgeblinkt, was bedeutete, daß die hintere Rumpftür geschlossen und gesichert war. Gleich danach war die hintere Gangway abgezogen worden. Doch ein anderes, kräftiges Rotlicht leuchtete noch und besagte, daß die vordere Kabinentür noch nicht geschlossen war, und ein Blick durch das Fenster des Cockpit nach hinten zeigte, daß die vordere Gangway noch an ihrem Platz war.

Sich auf seinem Sitz auf der rechten Seite umdrehend, befahl Kapitän Demerest dem Zweiten Offizier Jordan: »Machen Sie die Tür auf.«

Jordan saß hinter den beiden anderen Piloten vor einer Tafel mit Instrumenten und Maschinenkontrollen. Nun erhob er sich halb, beugte seine lange, schlanke Gestalt vor und öffnete die Tür des Cockpits, die nach außen aufging. Durch die offene Tür zur vorderen Passagierabteilung konnten sie ein halbes Dutzend Gestalten in Uniform der Trans America sehen, unter denen Gwen Meighen war.

»Gwen!« rief Demerest. Als sie in die Kanzel kam, fragte Deme-rest: »Was ist denn los, zum Kuckuck?«

Gwen war ärgerlich. »Die Zählung in der Touristenklasse will nicht stimmen. Wir haben sie schon zweimal gemacht, aber wir können mit der Liste und den Flugscheinen nicht klarkommen.«

»Ist der Rampeninspektor da?«

»Ja, er prüft jetzt unsere Zählung.«

»Ich möchte ihn sprechen.«

In diesem Stadium eines Fluges gab es immer eine Zuständigkeitsfrage. Nominell hatte der Kapitän schon das Kommando, aber er konnte ohne Erlaubnis des Rampeninspektors weder die Maschinen anlassen noch abrollen. Sowohl Kapitän wie Rampenchef hatten das gleiche Ziel — planmäßig zu starten; doch ihre unterschiedlichen Pflichten führten manchmal zu einem Zusammenstoß.

Einen Augenblick später kam der Rampeninspektor, einen einzelnen, seinen Rang angebenden Silberstreifen am Ärmel seiner Uniform, ins Cockpit.

»Hören Sie mal«, sagte Demerest, »ich weiß ja, daß Sie Ihre Probleme haben, aber wir haben auch welche. Wie lange sollen wir hier noch sitzen?«

»Ich habe gerade eine neue Flugscheinprüfung angeordnet, Kapitän. Es ist ein Passagier mehr in der Touristenklasse, als sein sollte.«

»Na schön«, sagte Demerest, »jetzt will ich Ihnen mal was sagen. Jede Sekunde, die wir hier sitzen, verbrauchen wir Treibstoff mit drei und vier, für die Sie die Starterlaubnis gegeben haben. Kostbaren Treibstoff, den wir heute nacht in der Luft dringend brauchen. Also, wenn die Maschine nicht sofort startet, mache ich erst mal den Laden dicht, und wir fordern Treibstoff an, um unsere Tanks nachzufüllen. Und noch was sollten Sie wissen. Die Flugsicherung hat uns gerade wissen lassen, daß wir augenblicklich eine Verkehrslücke haben. Wenn wir gleich rausrollen, können wir schnell vom Boden sein. In zehn Minuten kann das anders aussehen. Nun treffen Sie Ihre Entscheidung! Was soll also sein?«

Hin- und hergerissen zwischen zwei Verantwortlichkeiten zögerte der Rampenchef. Er wußte ja, daß der Kapitän mit dem Treibstoffverbrauch recht hatte, aber jetzt die Maschinen zu stoppen und die Tanks nachzufüllen, bedeutete den teuren zusätzlichen Aufschub von einer halben Stunde zu der Stunde, die Flug Zwei bereits Verspätung hatte. Aber andererseits war dies ein wichtiger internationaler Flug, bei dem Kopfzählung und Flugscheinliste übereinstimmen sollten. Wenn wirklich jemand unberechtigt an Bord war und entdeckt und hinausgesetzt wurde, konnte der Rampenchef später seine Entscheidung zu warten, rechtfertigen. Stellte sich aber die Differenz als ein Fehler heraus — was ja möglich war —, würde ihn der Bezirksverkehrsleiter lebendig vierteilen. Er traf die klarste Entscheidung. Er rief durch die Cockpittür: »Scheinkontrolle abbrechen. Der Flug geht ab.«

Als die Tür zum Cockpit zuging, rief der grinsende Anson Harris durch ein Interphon einen Besatzungsmann am Boden an: »Klar zu Start zwei?«

Die Antwort rasselte: »Klar zu Start zwei.« Die vordere Rumpftür wurde geschlossen und gesichert, das Kontrollicht im Cockpit erlosch. Maschine Nummer zwei zündete und lief mit einem gleichmäßigen Dröhnen.

»Klar zu Start eins?«

»Klar zu Start eins.«

Gleich einer abgetrennten Nabelschnur glitt die vordere Gangway zum Flughafengebäude zurück.

Vernon Demerest ersuchte über Funk die Bodenkontrolle um Erlaubnis, anzurollen.

Maschine Nummer eins zündete und lief.

Kapitän Harris, der rollen und den Start fliegen würde, hatte die Füße auf die Seitensteuerfußbremse gestemmt.