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»Das stimmt.« Mel war nach Aufseufzen zumute, aber er beherrschte sich. Wenn so etwas wie eben passierte, konnte man nur hoffen, daß wieder einmal die richtige Gelegenheit kommen würde; inzwischen mußte man das, was man zu tun hatte, weitermachen.

»Sagen Sie mir doch bitte«, sagte Mel, »was für Mitteilungen waren das?«

Der Dienstleiter wiederholte sie.

Statt die Schneekontrolle anzurufen, ging Mel im Kontrollturm einen Stock tiefer und trat ein. Danny Farrow saß immer noch über dem Einsatzplan der vielbeschäftigten Schneeräumung.

Es bestand eine Prioritätsfrage bei der Schneeräumung von Parkgebieten verschiedener konkurrierender Fluglinien, die Mel in Ordnung brachte. Dann prüfte er die Situation auf der blockierten Startbahn Drei-Null. Dort hatte sich nichts geändert, außer daß Joe Patroni nun auf dem Flugfeld war und versucht hatte, die versackte Aereo Mexican 707 fortzubewegen, die immer noch die Benutzung der Startbahn verhinderte. Vor ein paar Minuten hatte Patro-ni durch Funk gemeldet, er gedenke einen neuen Versuch zu machen, das Flugzeug innerhalb einer Stunde freizubekommen. Mel, der Joe Patronis Ruf als Spitzenkanone auf seinem Gebiet kannte, sagte sich, daß durch Anforderung eines detaillierten Berichts nichts zu gewinnen war. In der Schneeräumungsabteilung fiel Mel die Mitteilung ein, Leutnant Ordway anzurufen. In der Annahme, der Leutnant sei noch in seinem kleinen Büro an der großen Halle, ließ Mel ihm sagen, er warte auf seinen Anruf. Gleich darauf erfolgte dieser. Mel dachte, der Leutnant riefe ihn wegen der Delegation aus Meadowood an. Das stimmte aber nicht.

»Die Leute aus Meadowood sind im Kommen, sind aber kein Problem und haben auch noch nicht nach Ihnen gefragt«, sagte Ordway, als Mel die Frage anschnitt. »Ich lasse es Sie wissen, wenn es soweit ist.«

Er habe wegen einer Frau angerufen, meldete der Polizist, die einer seiner Leute aufgegriffen habe. Sie habe geweint und sei ziellos in der großen Halle umhergewandert. »Wir konnten nichts aus ihr herauskriegen, aber sie tat schließlich nichts Unrechtes, und ich konnte sie also nicht polizeilich belangen. Sie schien auch so schon aufgeregt genug.«

»Was haben Sie denn gemacht?«

Bedauernd sagte Ordway: »Viele ruhige Stellen gibt's ja heute abend hier nicht, und da habe ich sie in das Vorzimmer Ihres Büros gebracht. Ich dachte mir, ich sage es Ihnen lieber, für den Fall, daß Sie zurückkommen und sich wundern.«

»Ist in Ordnung. Ist sie allein?«

»Einer meiner Leute ist bei ihr, aber vielleicht ist er jetzt wieder gegangen. Sie ist aber harmlos, da bin ich sicher. Wir werden später wieder nach ihr sehen.«

»Ich bin in ein paar Minuten wieder in meinem Büro«, sagte Mel. »Ich werde sehen, ob ich selbst was tun kann.« Er fragte sich, ob er mehr Erfolg hätte, mit der unbekannten Frau zu reden, als mit Keith; daß er es schlechter machen würde, bezweifelte er. Der Gedanke an Keith, der so dicht vor dem Zusammenbruch zu stehen schien, beschäftigte Mel immer noch sehr.

Mit einem nachträglichen Einfall fragte er: »Haben Sie den Namen der Frau erfahren?«

»Ja, den haben wir herausgekriegt. Es ist ein spanisch klingender Name. Moment mal, ich hab's aufgeschrieben.« Nach einer Pause sagte Ordway: »Der Name ist Guerrero. Mrs. Guerrero.«

Ungläubig sagte Tanya Livingston: »Sie glauben, Mrs. Quonsett wäre auf Flug Zwei?«

»Ich fürchte, daran besteht kein Zweifel, Mrs. Livingston. Da war so eine kleine alte Dame, wie Sie sie beschrieben«, sagte der Angestellte, der den Abflug von The Golden Argosy kontrolliert hatte. Außer ihm war im Büro des Bezirksverkehrsleiters noch der junge Peter Coakley, der immer noch fassungslos darüber war, von Mrs. Quonsett, als sie in seiner Obhut war, so hinters Licht geführt worden zu sein.

Der Angestellte war vor wenigen Minuten ins Büro gekommen, nachdem alle Ausgänge der Trans America telefonisch gewarnt worden waren.

»Ich bin einfach nicht auf die Idee gekommen, daß da etwas nicht stimmen könnte«, sagte der Mann. »Wir haben auch andere Besucher heute abend durchgelassen, und die sind wiedergekommen. Jedenfalls bin ich den ganzen Abend unter Druck gewesen. Wir waren ja knapp an Personal, und abgesehen von der Zeit, in der Sie mir halfen, habe ich die Arbeit von zweien getan. Das wissen Sie ja.«

»Ja, ich weiß«, bestätigte Tanya. Sie hatte nicht die Absicht zu tadeln. Wenn jemand verantwortlich war, dann sie selbst.

»Das war direkt nachdem Sie gegangen waren, Mrs. Livingston.

Die alte Dame sagte etwas von ihrem Sohn, der hätte seine Brieftasche vergessen. Die hat sie mir sogar gezeigt. Es sei Geld darin, hat sie gesagt, und deswegen habe ich sie nicht an mich genommen.«

»Das hat sie schon öfters vorgegeben. Das ist eine ihrer alten Nummern.«

»Das wußte ich ja nicht, und so ließ ich sie an Bord gehen. Von da an bis vor ein paar Minuten, als ich die Telefondurchsage bekam, habe ich nicht mehr an sie gedacht.«

»Sie hält einen zum Narren«, sagte Peter. Er warf einen Blick seitwärts zu Tanya hin. »Mich hat sie schön an der Nase herumgeführt.«

Der Angestellte schüttelte den Kopf. »Wenn ich es nicht glauben müßte, würde ich es auch jetzt noch nicht glauben. Aber sie ist bestimmt an Bord.« Er berichtete von der Diskrepanz zwischen der Kopfzählung in der Touristenklasse und der Passagierliste und der dann später erfolgten Entscheidung des Rampeninspektors, lieber das Flugzeug abfliegen zu lassen, als eine weitere Verspätung in Kauf zu nehmen.

Tanya sagte schnelclass="underline" »Es ist ja wohl anzunehmen, daß Flug Zwei bereits fort ist.«

»Ja, das ist er. Das habe ich auf dem Weg hierher festgestellt. Aber auch wenn er es nicht wäre, würden sie das Flugzeug nicht wieder zurückbringen, besonders nicht an einem solchen Abend.«

»Das täten sie sicher nicht.« Da bestand nicht die leiseste Aussicht, das wußte Tanya, daß The Golden Argosy nur wegen Ada Quonsett den Kurs ändern und zu einer Landung zurückfliegen würde. Zeit und Unkosten für das Absetzen eines blinden Passagiers würden in die Tausende laufen — viel mehr, als es kostete, Mrs. Quonsett mit nach Rom zu nehmen und wieder zurückzubringen.

»Ist eine Zwischenlandung zum Auftanken vorgesehen?« Tanya wußte, daß nach Europa gehende Flüge planmäßig Zwischenlandungen für Treibstoffübernahme in Montreal oder Neufundland machten. Wäre das hier der Fall, gäbe es noch eine Chance, Mrs. Quonsett abzusetzen und ihr die Genugtuung, den ganzen Weg nach Italien zu fliegen, zu rauben.

»Ich habe mich danach bei der Planung erkundigt«, antwortete der Angestellte. »Dem Flugplan nach fliegen sie im Nonstop durch.«

»Dieses alte Aas!« rief Tanya aus.

Also kam Ada Quonsett zu ihrer Reise nach Italien und zurück, wahrscheinlich mit einer Übernachtung dazwischen und Versorgt mit Mahlzeiten — und alles auf Kosten der Gesellschaft. Verärgert dachte Tanya, sie habe die Entschlossenheit der alten Dame, sich nicht an die Westküste schicken zu lassen, doch unterschätzt. Auch in der Annahme, Mrs. Quonsett würde nur in Richtung New York Kurs nehmen, hatte sie sich geirrt.

Noch vor fünfzehn Minuten hatte Tanya an den sich entwickelnden Wettstreit zwischen sich und Ada Quonsett als einen Kampf in Fixigkeit und Geschicklichkeit gedacht. Wenn es das war, dann hatte ihn zweifellos die kleine alte Dame aus San Diego gewonnen.

Mit einer für sie gar nicht charakteristischen Boshaftigkeit wünschte Tanya, daß die Gesellschaft eine Ausnahme machen und Mrs. Quonsett anzeigen würde. Aber sie wußte genau, das würde nicht geschehen.

Peter Coakley wollte gerade etwas sagen. Tanya fuhr ihm über den Mund: »Ach, seien Sie doch still.«

Einige Minuten nachdem Coakley und der Angestellte gegangen waren, kehrte der Bezirksverkehrsleiter, Bert Weatherby, in sein Büro zurück. Er war ein arbeitsamer, ehrgeiziger Mann gegen Ende Vierzig, der als Rampenlader angefangen und sich eisern hochgearbeitet hatte. War er in der Regel rücksichtsvoll und hatte Sinn für Humor, so war er heute abend infolge der dauernden Anspannung während der letzten drei Tage müde und reizbar. Ungeduldig hörte er sich Tanyas Bericht an, in dem sie die Hauptverantwortung auf sich nahm und Peter Coakley nur nebenbei erwähnte.