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Dieses Abkommen paßte Cindy.

Sie fragte sich, ob sie und Derek Eden wohl außerhalb des Schlafzimmers sehr viel Gemeinsames hätten, und in der Gesellschaft war gewiß nicht viel Staat mit ihm zu machen. Ohne auch nur darüber nachzudenken, wußte Cindy, wenn sie sich öffentlich mit ihm sehen ließe, hätte sie dabei mehr zu verlieren, als zu gewinnen. Außerdem hatte er bereits zu verstehen gegeben, daß seine Ehe intakt sei, obwohl Cindy erriet, er finde zu Hause nicht alles, was er brauche, eine Situation, die ihr behagte, da sie ja selbst in der gleichen Lage war.

Ja, Derek Eden war jemand, den man sich warmhalten mußte, bei dem man aber nicht in Gefühlsdinge verwickelt werden durfte. Sie würde ihn warmhalten. Cindy nahm sich vor, nicht allzu anspruchsvoll zu sein, ihre Schäferstunden nicht zu häufig werden zu lassen. Eine Begegnung wie die heute abend würde Cindy lange Zeit ausreichen und konnte beim bloßen Gedanken daran wieder belebt werden. Sich ein bißchen rar machen, sagte sie sich; dafür sorgen, daß Derek Eden sie weiter so begehrte wie sie ihn, auf diese Weise konnte die Sache jahrelang gehen.

Cindys Entdeckung hatte ihr also auf seltsame Weise eine Freiheit gegeben, die sie vorher nie besessen hatte. Nun, da sie physische Befriedigung zur Verfügung hatte, sozusagen in einem getrennten Regal, konnte sie an die Wahl zwischen Mel und Lionel Urquhart objektiver herangehen.

Ihre Ehe mit Mel war sozusagen schon zu Ende. Psychisch und physisch hatten sie sich auseinandergelebt; ihre geringste Meinungsverschiedenheit artete in erbitterten Streit aus. Das einzige, an das Mel derzeit zu denken schien, war der verdammte Flughafen. Mit jedem Tag wurden Mel und Cindy, wie es schien, weiter auseinandergerissen.

Lionel, der in jeder Beziehung, außer der einen, befriedigt war, wollte eine Scheidung, damit er Cindy heiraten konnte.

Mel konnte Cindys gesellschaftliche Ambitionen nicht ausstehen. Nicht nur, daß er nichts tat, um sie zu unterstützen, er behinderte sie sogar. Lionel andererseits hatte eine gute gesellschaftliche Position, fand in Cindys Zielen nichts Ungewöhnliches und würde und konnte ihr helfen, sie zu erreichen.

Bisher war Cindy die Wahl noch durch die Erinnerung an die fünfzehn Ehejahre mit Mel und die guten Zeiten, psychisch und physisch, die sie miteinander verlebt hatten, erschwert worden. Sie hatte vage gehofft, daß die Vergangenheit — einschließlich der körperlichen Befriedigung — irgendwann Wiederaufleben würde. Das war, wie sie selbst zugeben mußte, eine trügerische Hoffnung.

Lionel hatte als Partner in gewisser Beziehung nichts zu bieten, ebensowenig — wenigstens für Cindy derzeit — Mel. Aber wenn das eine ausgeklammert würde — eine Ausklammerung, die Derek Eden wie ein heimlich in den Stall eingedrungener Hengst nun möglich machte —, hatte Lionel als Konkurrent gegenüber Mel einen großen Vorsprung.

Cindy schlug die Augen auf und überlegte.

Sie würde keinen festen Entschluß fassen, ehe sie Mel gesprochen hatte. Sie liebte überhaupt keine Entscheidungen und ging ihnen aus dem Weg, bis sie nicht mehr aufgeschoben werden konnten. Außerdem waren ja auch noch Imponderabilien damit verbunden: die Kinder, Erinnerungen an die Jahre mit Mel, die nicht immer nur schlecht waren; und wenn man jemanden einmal sehr geliebt hatte, schüttelte man das nicht so einfach völlig ab. Aber sie war froh, daß sie sich entschlossen hatte, noch heute abend hinauszufahren.

Zum ersten Male, seit sie die Stadt verlassen hatten, beugte sich Cindy vor und spähte in die Dunkelheit hinaus, um festzustellen, wo sie waren. Es war nicht möglich. Durch die beschlagenen Scheiben sah sie nichts als Schnee und viele andere Wagen, die langsam dahinkrochen. Sie erriet, daß sie auf der Kennedy-Schnellstraße seien, aber das war auch alles.

Sie bemerkte, daß der Fahrer sie im Rückspiegel beobachtete. Cindy hatte keine Ahnung, was für ein Mann der Fahrer war. Darauf hatte sie nicht geachtet, als sie vor dem Hotel in das Taxi gestiegen war. Sie und Derek waren getrennt aus dem Hotel gegangen, da sie beschlossen hatten, gleich von Anfang an vorsichtig zu sein. Jedenfalls verschmolzen heute abend alle Körper und alle Gesichter mit dem Körper und dem Gesicht von Derek Eden.

»Das ist der Portage Park da drüben, Madam«, sagte der Fahrer.

»Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Flughafen.«

»Danke.«

»Viel Verkehr da raus, abgesehen von uns! Kann mir vorstellen, daß die vom Flughafen schöne Sorgen haben bei dem Sturm und allem.«

Mein Gott, wen interessiert denn das? dachte Cindy. Dachte oder redete denn nicht irgend jemand mal von was anderem als von diesem blöden Flughafen? Aber sie beherrschte sich.

Am Haupteingang bezahlte Cindy ihr Taxi und ging hinein. Sie bahnte sich ihren Weg durch die Menschenmassen in der Haupthalle und umging eine größere Gruppe, die eine Demonstration zu beabsichtigen schien, da einige Leute eine transportable Lautsprecheranlage aufbauten. Ein schwarzer Polizeileutnant, den Cindy ein paarmal bei Mel getroffen hatte, sprach mit zwei oder drei Männern aus der Gruppe, die die Anführer zu sein schienen. Kaum interessiert — überhaupt nichts, was diesen Ort anging, interessierte sie — ging Cindy weiter in Richtung der Verwaltungsbüros im Zwischenstock.

In allen Büros brannte Licht, obwohl die meisten leer waren und es kein Schreibmaschinengeklapper und Gesprächsgesumme gab wie während der Arbeitsstunden am Tage. Ein paar Menschen wenigstens, dachte Cindy, sind vernünftig genug, nachts nach Hause zu gehen.

Der einzige Mensch, den sie traf, war eine Frau in mittleren Jahren, schlecht gekleidet. Sie saß im Vorzimmer zu Mels Büro auf einem Sofa, schien vor sich hin ins Leere zu starren und nahm von Cindy keine Notiz. Die Augen der Frau waren gerötet, als ob sie geweint hätte. Ihrer Kleidung und den Schuhen nach war sie draußen im Schneesturm gewesen.

Cindy streifte die Frau mit einem kurzen Blick, als sie in Mels Büro ging. Der Raum war leer, und Cindy setzte sich in einen Sessel und wartete. Nach einer Weile schloß sie die Augen und nahm ihre erfreulichen Gedanken an Derek Eden wieder auf.

Ungefähr zehn Minuten später kam Mel schnell herein. Er hinkte stärker als sonst, bemerkte Cindy.

»Ach!« Er schien überrascht, Cindy zu sehen, und schloß die Tür. »Ich habe nicht gedacht, daß du tatsächlich noch kämest.« »Das wäre dir wohl lieber gewesen?«

Mel schüttelte den Kopf. »Ich glaube immer noch nicht, daß damit was zu gewinnen ist — jedenfalls nicht für das, was du im Sinn zu haben scheinst.« Er sah seine Frau mit prüfendem Blick an und überlegte, was wohl der wirkliche Grund ihres Herauskommens heute abend war. Seit langem wußte er, daß Cindys Motive in der Regel sehr vielschichtig waren und häufig ganz andere, als sie vorgab. Er mußte allerdings einräumen, daß sie heute abend sehr vorteilhaft aussah, tatsächlich bezaubernd, mit einer besonderen Ausstrahlung. Leider hatte der Zauber auf ihn persönlich keine Wirkung mehr.

»Wie wäre es, wenn du mir sagtest, was ich deiner Meinung nach vorhabe?«

Er zuckte die Achseln. »Ich hatte den Eindruck, daß du Streit anfangen willst. Ich finde nur, davon haben wir zu Hause schon genug gehabt, um hier nun auch noch einen zu veranstalten.«

»Vielleicht müssen wir ihn jetzt hier veranstalten, da du ja kaum noch zu Hause bist.«

»Ich wäre zu Hause, wenn die Atmosphäre dort erfreulicher wäre.« Sie sprachen erst ein paar Sekunden, dachte Cindy, und schon gab es nichts als Spitzen. Es schien ihnen beiden unmöglich zu sein, miteinander zu reden, ohne daß es dazu kam.

Trotzdem konnte sie sich darauf eine Antwort nicht verkneifen: »Ach nein! Das gibst du aber sonst nicht als Grund dafür an, daß du nie zu Hause bist. Mir erzählst du nur ständig, wie brennend wichtig es für dich ist, hier im Flughafen zu sein — wenn es sein müßte, vierundzwanzig Stunden am Tag. So viel Wichtiges — behauptest du — passierte hier immer.«