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Selbstverständlich erkannte Freemantle, daß das Ganze nicht mehr als ein leeres Wortgefecht war, aus dem sich nichts ergeben würde. Selbst wenn er den Direktor des Flughafens zu ihrer Ansicht bekehren könnte — was höchst unwahrscheinlich war —, Bakersfeld konnte wenig oder gar nichts unternehmen. Der Flughafen war eine gegebene Tatsache, und nichts würde etwas daran ändern, daß er vorhanden war und wie er war. Nein, der Wert seiner Anwesenheit hier draußen lag zum Teil darin, die öffentliche Aufmerksamkeit zu gewinnen, in erster Linie aber — vom Standpunkt des Rechtsanwalts Freemantle aus gesehen — darin, die Bevölkerung von Meadowood zur Überzeugung zu bringen, sie habe einen unerschütterlichen Vorkämpfer gefunden, und daß infolgedessen die unterschriebenen Rechtsvollmachten — aber auch die Schecks — reichlich in das Büro von Freemantle und Sye strömten.

Es war ein Jammer, überlegte Freemantle, daß die restliche Versammlung aus Meadowood, die unten wartete, ihn hier oben nicht hatte hören können, wie er Bakersfeld in ihrem Interesse Grobheiten an den Kopf geworfen hatte. Aber das konnten sie alle morgen in der Zeitung lesen. Außerdem war Elliott Freemantle durchaus noch nicht überzeugt, daß im Flughafen für diese Nacht schon das letzte Wort im Fall Meadowood gefallen war. Er hatte den Fernsehleuten, die unten warteten, weil sie mit ihrer Ausrüstung hier oben nicht hereinkommen durften, bereits versprochen, eine Erklärung abzugeben, sobald seine jetzige Besprechung beendet sei. Er hoffte, inzwischen seien die Fernsehkameras in der Haupthalle aufgebaut worden — denn das hatte er angeregt —, und obwohl dieser farbige Leutnant von der Polizei dort jede Demonstration untersagt hatte, vermutete Freemantle, daß sich aus dem Fernsehinterview, wenn man es geschickt handhabte, eine solche entwickeln könne.

Elliott Freemantles Erklärung von vor wenigen Minuten hatte sich auf gerichtliche Schritte bezogen — jene Schritte, die, wie er den Einwohnern von Meadowood früher am Abend versichert hatte, seine wichtigste Handlung in ihrem Interesse sein werde. »Mein Beruf ist das Recht«, hatte er erklärt, »das Recht und nichts anderes.« Selbstverständlich stimmte das nicht; aber schließlich war Elliott Freemantle durchaus befähigt, sich jeder Notwendigkeit anzupassen.

»Was Sie für juristische Schritte ergreifen«, stellte Mel Bakersfeld fest, »ist selbstverständlich Ihre Angelegenheit. Trotzdem darf ich Sie darauf hinweisen, daß die Gerichte das Recht der Flughäfen, ihren Betrieb zu unterhalten, im Dienst und im Interesse der Öffentlichkeit ungeachtet angrenzender Wohngebiete, bestätigt haben.«

Freemanle hob die Augenbrauen. »Mir war nicht bekannt, daß Sie auch Rechtsanwalt sind.«

»Ich bin kein Rechtsanwalt. Aber mir ist durchaus bekannt, daß Sie einer sind.«

»Nun, ich fing schon an, mich zu wundern.« Elliott Freemantle grinste höhnisch. »Denn ich bin es, verstehen Sie? Und habe einige Erfahrung in diesen Dingen. Überdies kann ich Ihnen versichern, daß es einige Präzedenzfäle gibt, die zugunsten meiner Klienten sprechen.« Wie schon bei der Versammlung rasselte er eine eindrucksvoll klingende Liste von Fällen herunter: die Vereinigten Staaten gegen Causby, Griggs gegen das County von Allegheny, Thornburg gegen den Flughafen von Portland, Martin gegen den Flughafen von Seattle.

Mel war belustigt, zeigte es aber nicht. Die genannten Fälle waren ihm bekannt, er kannte aber auch andere, die zu völlig entgegengesetzten Urteilen geführt hatten und mit denen Elliott Free-mantle entweder nicht vertraut war, oder die er vorsichtshalber nicht erwähnte. Mel vermutete das letztere, hatte aber nicht die Absicht, sich auf eine juristische Debatte einzulassen. Der Ort dafür war, falls es dazu kam, das Gericht.

Mel hatte aber auch nicht die Absicht, alles nach dem Willen des Rechtsanwalts gehen zu lassen, den er jetzt noch umsympathischer fand. An die gesamte Delegation gewendet erklärte Mel seine Gründe, warum er Rechtsfragen auswich, fügte aber hinzu: »Da wir aber gerade beisammen sind, möchte ich Ihnen gern ein paar Dinge zum Thema Flughäfen und Lärm ganz allgemein sagen.«

Er bemerkte, daß Cindy gähnte.

Freemantle reagierte sofort. »Ich bezweifle, ob das notwendig ist. Soweit wir betroffen sind, ist der nächste Schritt . . .«

»Ah so!« Zum erstenmal gab Mel seine Zurückhaltung auf und unterbrach scharf. »Soll ich das so verstehen, daß, nachdem ich Sie geduldig angehört habe, Sie und Ihre Gruppe nicht bereit sind, mir die gleiche Höflichkeit zu erweisen?«

Der Delegierte Zanetta, der bereits vorher gesprochen hatte, sah die anderen an. »Ich finde, wir sollten . . .«

Mel unterbrach scharf: »Lassen Sie Mr. Freemantle antworten.«

»Es ist wirklich nicht erforderlich«, sagte der Rechtsanwalt milde lächelnd, »daß hier irgend jemand seine Stimme erhebt oder unhöflich wird.«

»Und warum haben Sie dann beides getan seit dem Augenblick, in dem Sie hier hereingekommen sind?«

»Ich bin mir nicht bewußt . . .«

»Aber ich bin mir dessen bewußt.«

»Verlieren Sie nicht Ihre Selbstbeherrschung, Mr. Bakersfeld?«

»Nein.« Mel lächelte. »Leider muß ich Sie enttäuschen, das tue ich nicht.« Er spürte, daß er einen Vorteil errungen und den Rechtsanwalt überrumpelt hatte. Jetzt fuhr er fort. »Sie haben eine ganze Menge gesagt, Mr. Freemantle, und das meiste nicht gerade höflich. Aber es gibt auch ein paar Dinge, die ich gern zu Protokoll geben möchte. Außerdem bin ich überzeugt, daß die Presse daran interessiert ist, beide Seiten zu hören, selbst wenn es sonst niemand sein sollte.«

»Oh, dafür interessieren wir uns schon. Nur haben wir alle diese faulen Ausreden schon oft genug gehört.« Wie üblich, faßte Elliott Freemantle sich schnell. Aber er gestand sich ein, daß er sich durch Bakersfelds bisherige Sanftmut hatte täuschen lassen, so daß der scharfe Gegenangriff ihn unerwartet traf. Er erkannte, daß der Generaldirektor des Flughafens ein härterer Gegner war, als er erwartet hatte.

»Ich habe nichts von Ausreden gesagt«, begann Mel mit Nachdruck, »sondern einen Überblick über grundsätzliche Fragen des Lärms auf Flughäfen angekündigt.«

Freemantle hob die Schultern. Das letzte, was er sich wünschte, war ein neuer, für die Zeitungen vielleicht behandelnswerter Aspekt der Auseinandersetzung, durch den die Aufmerksamkeit von ihm womöglich abgelenkt wurde.

»Meine Damen und Herren«, fuhr Mel fort, »als Sie heute abend hierherkamen, wurde als erstes etwas von offener, unverblümter Sprache von beiden Seiten gesagt. Nachdem Mr. Freemantle bisher das wort gehabt hat, will ich nicht weniger offen sprechen.«

Mel spürte, daß die beiden Frauen und die vier Männer der Delegation mit voller Aufmerksamkeit zuhörten, aber auch die Journalisten; selbst Cindy beobachtete ihn verstohlen. Er sprach sicher und ruhig weiter.

»Sie alle kennen die Maßnahmen, oder sollten sie wenigstens kennen, die wir auf dem Lincoln International Airport gegen die Lärmentwicklung der Flugzeuge ergriffen haben, um jenen, die in der Nachbarschaft des Flughafens wohnen, das Leben leichter und erträglicher zu machen. Einige dieser Maßnahmen wurden bereits genannt, und es gibt weitere, zum Beispiel, daß für das Erproben von Motoren nur abgelegene Gebiete des Flughafens benutzt werden dürfen, und auch das nur während bestimmter, vorgeschriebener Stunden.«

Elliott Freemantle wurde bereits unsicher. »Sie haben aber zugegeben, daß diese sogenannten Systeme nicht funktioniert hätten«, warf er dazwischen.