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»Ich habe nichts dergleichen zugegeben«, entgegnete Mel scharf. »Im allgemeinen haben sie sich bewährt und funktionieren so gut, wie man das von Kompromissen nur erwarten kann. Zugegeben habe ich, daß es auf Grund außergewöhnlicher Umstände heute abend nicht funktioniert. Und offen gesagt, wenn ich Pilot wäre und bei solchem Wetter starten müßte, hätte ich auch Hemmungen, die Motoren zu drosseln und dazu noch im Steigen eine Wendung zu machen. Außerdem wird es sich nicht vermeiden lassen, daß diese Umstände von Zeit zu Zeit wieder eintreten.«

»Es wird meistens so sein!«

»Nein, mein Herr! Aber erlauben Sie mir bitte, meine Ausführungen zu beenden!« Ohne auf eine Antwort zu warten, fuhr Mel fort. »Tatsache ist, Flughäfen, hier so gut wie anderswo, haben nahezu die Grenzen dessen erreicht, was sie zur Verminderung des Lärms tun können. Sie werden das vielleicht nicht gern hören und nicht jeder in unserem Arbeitsgebiet gibt es zu, die Wahrheit aber ist: viel kann in dieser Hinsicht von niemandem mehr getan werden. Sie können Maschinen im Gewicht von einhundertfünfzigtausend Kilo mit Hochleistungstriebwerken nicht so leise wie auf Zehenspitzen von einem Ort zum anderen bringen. Wenn man also ein großes Düsenflugzeug landen oder starten läßt, ist es unvermeidlich, daß die Leute in seiner unmittelbaren Nähe kräftig durchgeschüttelt werden.« Bei verschiedenen zeigte sich ein flüchtiges Lächeln. Nicht so bei Elliott Freemantle. Er runzelte finster die Stirn. Mel fügte hinzu: »Wenn wir also Flughäfen benötigen, und offensichtlich ist das der Fall, müssen sich manche eben mit einem gewissen Lärm abfinden oder woanders hinziehen.«

Jetzt war Mel an der Reihe beobachten zu können, wie die Bleistifte der Reporter über das Papier flogen, um seine Worte festzuhalten.

»Zutreffend ist«, nahm Mel wieder das Wort, »daß die Flugzeugwerke an Vorrichtungen zur Lärmverminderung arbeiten, aber — um wieder aufrichtig Ihnen gegenüber zu sein — nur wenige Menschen im Flugwesen nehmen das sehr ernst, und ganz gewiß hat die Entwicklung neuer Flugzeugtypen den Vorrang. Im besten Fall sind es Beruhigungspillen. Wenn Sie mir nicht glauben, dann lassen Sie sich daran erinnern, daß Lastwagen zwar um viele Jahre länger im Gebrauch sind als Flugzeuge, daß aber noch niemand einen wirklich wirksamen Schalldämpfer für Lastwagenmotoren erfunden hat. Und noch etwas, das man sich vor Augen halten muß: wenn es so weit ist, daß ein Typ von Düsenmotor etwas leiser geworden ist — falls es überhaupt dazu kommt —, werden neue, noch stärkere Maschinen eingeführt, die selbst mit eingebauten Schalldämpfern lauter sind, als die ersten je gewesen waren. Wie ich schon sagte«, fügte Mel hinzu, »ich bin vorbehaltlos offen.«

Eine der Frauen in der Delegation murmelte düster: »Das kann man wohl sagen.«

»Damit komme ich auf die Zukunft zu sprechen«, fuhr Mel fort. »Eine neue Generation von Flugzeugen steht bevor — eine weitere Familie von Düsenmaschinen folgt der Boeing 747, in der sich Giganten wie die Lockheed 500 befinden, die bald eingesetzt werden wird. Kurz darauf werden die überschallschnellen Transportmaschinen kommen, die Concorde und alle folgenden. Die Lockheed 500 und ihresgleichen werden mit Überschallgeschwindigkeit fliegen, und sie werden uns den gleichen Lärm bescheren, den wir jetzt schon haben, nur wird der Lärm noch größer sein. Auch die überschallschnellen Maschinen werden einen starken Motorlärm verursachen, dazu noch den Knall, wenn sie die Schallmauer durchbrechen, und der stellt ein weit größeres Problem dar als jeder andere Lärm, mit dem wir es bisher zu tun hatten. Vielleicht haben Sie wie ich die optimistischen Darstellungen gelesen, daß das Durchbrechen der Schallmauer in großer Höhe, weit von Städten und Flughäfen entfernt, eintreten und die Auswirkung auf dem Boden gering sein wird. Glauben Sie das nicht! Wir müssen uns auf einiges gefaßt machen, wir alle — die Menschen in ihren Häusern wie Sie; Menschen, die auf Flughäfen arbeiten wie ich; Fluggesellschaften, die eine Milliarde Dollar in Flugzeuge investieren, die sie ständig einsetzen müssen, wenn sie nicht bankrott machen wollen. Glauben Sie mir, die Zeit wird kommen, in der wir uns den gewöhnlichen Lärm zurückwünschen werden, von dem wir heute abend sprechen.«

»Was sagen Sie also praktisch meinen Klienten?« hielt ihm Elliott Freemantle voll Sarkasmus entgegen. »Geht jetzt freiwillig ins Irrenhaus, statt zu warten, bis Sie und Ihre Ungeheuer sie dorthin treiben!«

»Nein«, entgegnete Mel nachdrücklich. »Das sage ich Ihnen nicht. Ich erkläre Ihnen nur offen — wie Sie es von mir verlangt haben —, daß ich über keine einfachen Antworten verfüge. Ich werde Ihnen aber auch keine Versprechungen machen, die der Flughafen nicht einlösen kann. Ferner sage ich, daß meiner Meinung nach der Lärm des Flughafens stärker werden wird, und nicht schwächer. Indessen möchte ich Sie alle daran erinnern, daß dieses Problem nicht neu ist. Es existiert, seit die Züge zu fahren anfingen und seit sich Lastwagen, Busse und Automobile ihnen anschlössen. Das gleiche Problem trat auf, als die Fernstraßen durch Wohnbezirke gelegt wurden und als Flugplätze entstanden und sich entwickelten. Alle diese Dinge dienen dem allgemeinen Wohl — oder wenigstens glauben wir das —, aber alle haben sie auch Lärm mit sich gebracht und werden das trotz aller Bemühungen auch weiterhin tun. Der entscheidende Punkt ist doch: Lastwagen, Züge, Fernstraßen und Flugzeuge und alles andere sind nun einmal da. Sie sind ein Teil unserer Lebensführung, und solange wir diese Lebensführung nicht ändern, ist Lärm etwas, womit wir uns abfinden und fertig werden müssen.«

»Mit anderen Worten: Meine Klienten sollen die Hoffnung auf Lebensfreude, gesunden Schlaf, Ungestörtsein und Ruhe für den Rest ihres Lebens aufgeben?«

»Nein«, erwiderte Mel, »ich glaube aber, daß sie schließlich einmal wegziehen müssen. Ich spreche nicht in amtlicher Eigenschaft, selbstverständlich nicht, aber ich bin überzeugt, daß unser Flughafen und andere letzten Endes viele Milliarden Dollar werden aufwenden müssen, um die umliegenden Wohngebiete aufzukaufen. Aus einem großen Teil dieser Gebiete können Industrieviertel werden, für die Lärm keine Rolle spielt. Und selbstverständlich sollten alle, die dort Häuser besitzen und gezwungen sein werden, sie aufzugeben, eine angemessene Entschädigung erhalten.«

Elliott Freemantle erhob sich und gab den übrigen ein Zeichen, das gleiche zu tun.

»Ihre letzte Bemerkung ist das einzig Vernünftige, was ich heute abend gehört habe«, sagte er zu Mel. »Allerdings wird die Entschädigung früher fällig werden und höher ausfallen, als Sie denken.« Freemantle nickte knapp. »Sie werden von uns hören. Vor Gericht sehen wir uns wieder.« Er ging hinaus. Die anderen folgten ihm.

Durch die Tür zum Vorzimmer hörte Mel eine der beiden Frauen in der Delegation ausrufen: »Sie waren großartig, Mr. Freemantle. Ich werde es jedem erzählen.« »Ich danke Ihnen. Ich danke Ihnen viel . . .« Die Stimmen verklangen.

Mel ging zur Tür, in der Absicht, sie zu schließen.

»Es tut mir alles sehr leid«, sagte er zu Cindy. Nachdem sie beide wieder allein waren, war er nicht sicher, ob sie sich überhaupt noch etwas zu sagen hatten.

Eisig erwiderte Cindy: »Es hat nichts zu bedeuten. Du hättest einen Flughafen heiraten sollen.«

Unter der Tür bemerkte Mel, daß einer der Reporter in das Vorzimmer zurückgekommen war. Es war Tomlinson von der Tribune.

»Mr. Bakersfeld, kann ich Sie einen Moment sprechen?«

Mel antwortete unwirsch: »Was gibt es denn?«

»Ich habe den Eindruck gehabt, daß Sie von Mr. Freemantle nicht gerade begeistert waren.«

»Wollen Sie meine Antwort zitieren?«

»Nein, Sir.«

»Dann kann ich Ihren Eindruck bestätigen.«

»Ich dachte, Sie würden sich für das hier interessieren«, sagte der Reporter.