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»Das hier« war eines der Formulare für die Bevollmächtigung, die Elliott Freemantle bei der Versammlung der Einwohner von Meadowood verteilt hatte.

Nachdem Mel das Formular durchgelesen hatte, fragte er: »Woher haben Sie das?«

Der Reporter erklärte es ihm.

»Wie viele Leute waren auf der Versammlung?«

»Ich habe sie nicht gezählt, aber ungefähr sechshundert.«

»Und wie viele dieser Formulare wurden unterschrieben?«

»Das kann ich nicht genau sagen, Mr. Bakersfeld. Ich würde schätzen, daß hundertfünfzig unterschrieben zurückgegeben wurden. Aber es waren auch Leute da, die sagten, sie würden ihre Vollmacht mit der Post schicken.«

Jetzt ist Elliott Freemantles Theatervorstellung verständlich, dachte Mel grimmig. Und auch warum und bei wem er Eindruck schinden wollte.

»Wahrscheinlich stellen Sie jetzt die gleiche Rechnung auf wie ich«, sagte Reporter Tomlinson.

Mel nickte. »Da kommt ein ganz hübsches Sümmchen heraus.«

»Und ob. Davon hätte ich gern selbst eine Scheibe ab.«

»Vielleicht haben wir beide den falschen Beruf. Haben Sie auch an der Versammlung in Meadowood teilgenommen?«

»Ja.«

»Hat denn dort keiner darauf hingewiesen, daß das Gesamthonorar voraussichtlich mindestens fünfzehntausend Dollar betragen würde?«

Tomlinson schüttelte den Kopf. »Entweder hat niemand daran gedacht, oder es war ihnen gleichgültig. Außerdem ist Freemantle eine recht bemerkenswerte Erscheinung. Hypnotisch könnte man beinahe sagen. Er hat sich richtiggehend berauscht, fast als ob er Billy Graham wäre.«

Mel reichte das gedruckte Formular zurück. »Werden Sie das in Ihren Bericht aufnehmen?«

»Ich nehme es hinein, aber wundern Sie sich nicht, wenn die Redaktion es mir wieder herausstreicht. Bei Rechtsfragen sind sie immer vorsichtigt. Außerdem glaube ich, wenn man die Sache ganz genau betrachtet, läßt sich kaum etwas dagegen machen.«

»Nein«, bestätigte Mel. »Es mag unmoralisch sein, und ich könnte mir vorstellen, daß die Anwaltskammer nichts dafür übrig hat, aber gesetzwidrig ist es wohl nicht. Selbstverständlich hätten die Leute in Meadowood sich zusammentun und als Gruppe einen Anwalt beauftragen sollen. Aber wenn Leute einfältig sind und einen Rechtsanwalt reich machen wollen, dann ist das wohl ihre eigene Angelegenheit.«

Tomlinson grinste. »Darf ich das als Ihre Worte zitieren?«

»Sie haben mir gerade erst erklärt, daß Ihre Zeitung es doch nicht drucken würde. Außerdem ist das alles vertraulich gesagt. Vergessen Sie das nicht.«

»In Ordnung.«

Wenn es etwas nützen würde, dachte Mel, würde er seinen Kopf leeren und es darauf ankommen lassen, ob er zitiert werden würde oder nicht. Er wußte aber, daß es nichts nützen würde. Er wußte auch, daß überall im Land geschäftstüchtige und unternehmungsfreudige Rechtsanwälte wie Elliott Freemantle unterwegs waren, um Gruppen von Leuten zusammenzubringen und dann Flughäfen,

Fluggesellschaften und in manchen Fällen auch Piloten lästig zu fallen.

Es war nicht die Belästigung, gegen die Mel sich wehrte. Dazu hatte jeder das gleiche Recht wie zu rechtlichen Schritten. Es war einfach die Tatsache, daß in vielen Fällen die Hausbesitzer irregeführt, mit falschen Hoffnungen aufgehetzt wurden und eine eindrucksvoll klingende, aber einseitig ausgesuchte Liste juristischer Präzedenzfälle, wie von Elliott Freemantle an diesem Abend, vorgebetet bekamen. Die folge war eine Flut von kostspieligen und zeitraubenden Prozessen, von denen die meisten von vornherein zum Scheitern verurteilt waren und aus denen nur die daran beteiligten Rechtsanwälte einen Vorteil zogen.

Mel wünschte, er hätte schon vorher gewußt, was Tomlinson ihm gerade eröffnet hatte. Dann hätte er seine Ausführungen vor der Delegation mit Andeutungen geladen, um die Bewohner von Mea-dowood vor Elliott Freemantle und dem, worauf sie sich einließen, zu warnen. Jetzt war es zu spät.

»Mr. Bakersfeld«, sagte der Reporter der Tribüne, »ich würde Sie gerne noch ein paar andere Dinge fragen — über den Flughafen allgemein. Wenn Sie noch ein paar Minuten entbehren könnten . . .«

»Zu jeder anderen Zeit herzlich gern.« Mel hob mit einer hilflosen Geste die Hände. »Gerade jetzt passieren hier fünfzehn Dinge auf einmal.«

Der Reporter nickte. »Ich verstehe. Jedenfalls werde ich noch eine Weile hier sein. Ich habe gehört, daß Freemantle mit seinem Haufen unten noch etwas vorhat. Wenn also später eine Möglichkeit besteht . . .«

»Ich will mich gern darum bemühen«, antwortete Mel, obwohl er nicht die Absicht hatte, noch heute nacht zur Verfügung zu stehen. Er respektierte Tomlinsons Wunsch, bei jedem Fall, über den er berichtete, unter die Oberfläche zu gehen. Trotzdem, für einen Abend war Mels Bedarf an Reportern und Delegationen gedeckt.

Und was alle weiteren Vorhaben Freemantles und der Leute aus Meadowood anging, die Sorge darüber wollte Mel Leutnant Ord-way und seinen Polizisten überlassen.

5

Als Mel sich umdrehte, nachdem er die Tür hinter dem Reporter der Tribune geschlossen hatte, stand Cindy da und zog sich die Handschuhe an. Eisig bemerkte sie: »Fünfzehn Dinge passieren, sagtest du, glaube ich. Was die anderen vierzehn auch sein mögen, ich bin sicher, daß sie alle Vorrang vor mir haben.«

»Das war doch nur bildlich gesprochen«, wandte Mel ein, »das weißt du ganz genau. Ich sagte schon, daß es mir leid tut. Ich wußte ja nicht, daß das hier kommen würde — wenigstens nicht alles auf einmal.«

»Aber du hast es doch gern, nicht wahr? Alles miteinander. Viel lieber als mich, dein Heim, die Kinder, guten gesellschaftlichen Verkehr.«

»Ach!« sagte Mel. »Ich habe mich schon gefragt, wann du darauf kommen würdest.« Er machte eine Pause. »Mein Gott! Warum zanken wir uns schon wieder? Wir hatten doch alles geregelt, oder nicht? Da ist es doch nicht mehr nötig, daß wir uns noch streiten.«

»Nein«, sagte Cindy. Sie gab plötzlich nach. »Nein, du hast wohl recht.«

Ein unschlüssiges Schweigen folgte. Mel brach es als erster.

»Sieh mal, eine Scheidung durchzuführen, ist eine recht ernste Sache für uns beide; und für Roberta und Libby ebenfalls. Falls du noch irgendwelche Bedenken hast . . .«

»Haben wir das nicht bereits hinter uns?«

»Ja, aber wenn du willst, wiederholen wir es noch fünfzigmal.«

»Das will ich aber nicht.« Cindy schüttelte entschieden den Kopf. »Ich habe gar keine Bedenken. Und du auch nicht. Oder doch?«

»Nein«, bestätigte Mel. »Leider habe ich keine!«

Cindy schien etwas sagen zu wollen, unterließ es aber. Sie hatte Mel von Lionel Urquhart erzählen wollen, beschloß dann aber, es zu unterlassen. Mel hatte später Zeit genug, das selbst herauszufinden. Und was Derek Eden anging, an den Cindy fast die ganze Zeit, während die Abordnung dagewesen war, gedacht hatte, so hatte sie nicht die Absicht, dessen Existenz Mel oder Lionel zu enthüllen.

Es wurde an die Tür geklopft — leise, aber entschlossen.

»Mein Gott!« murmelte Cindy. »Gibt es hier denn gar kein Privatleben mehr?«

Mel rief irritiert: »Wer ist da?«

Die Tür öffnete sich. »Bloß ich«, sagte Tanya Livingston. »Mel, ich muß einen Rat haben . . .« Als sie Cindy erblickte, hielt sie abrupt inne. »Bitte um Entschuldigung. Ich dachte, Sie wären allein.«

»Das wird er auch gleich sein«, erklärte Cindy. »Das wird er sofort sein.«

»Bitte nicht!« widersprach Tanya errötend. »Ich kann ja später kommen, Mrs. Bakersfeld. Ich wußte nicht, daß ich stören würde.«

Cindy musterte Tanya, die immer noch ihre Trans-America-Uniform trug.

»Offenbar war es höchste Zeit, daß wir gestört wurden«, sagte Cindy. »Schließlich ist es gut drei Minuten her, daß die letzten Leute gegangen sind, und das ist mehr, als wir gewöhnlich miteinander haben.« Sie wandte sich an Mel. »Ist es nicht so?«