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«Das genügt. Wir setzen mit dem Schlauchboot über.«

«Und wenn die Mädchen dann an Land sind, Sir?«

«Wir werden sofort Radar VENUS XI anfunken und sie bitten, die Mädchen abzuholen. Ich nehme doch an, daß sie dort Motorschlitten haben!«

«Bestimmt, Sir.«

«Dann los, Collins! Tasten wir uns an das Wasserloch heran. Weiß die Mannschaft, worum es geht?«

«Bis jetzt nicht, Sir.«

«Halten Sie damit zurück, bis wir aufgetaucht sind. Sagen Sie das auch den anderen Offizieren. Cornell soll ein Kommando zusammenstellen, das die Mädchen an Land bringt und dort fürs erste versorgt, bis wir genaue Nachrichten von Radar VENUS XI haben. Aber auch das Kommando soll erst nach dem Auftauchen von seiner Aufgabe unterrichtet werden.«

«Aye, aye, Sir.«

Collins packte seine Unterlagen zusammen und lief zurück zur Navigationszentrale.»In zwei Stunden kann es soweit sein, Paul«, sagte Nicholson zu Dr. Blandy.»Wir haben ein unverschämtes Glück!«

«Gott ist mit den Liebenden!«Blandy grinste unverschämt.»Wie ist's mit dem Abschiednehmen? Mein Angebot gilt noch.«

«Hör davon auf!«sagte Nicholson grob.»Wenn man weiß, daß man sich wiedersieht, ist das Abschiednehmen nicht so wichtig. Ich habe das Boot durch einige Untiefen zu steuern, das liegt mir mehr im Magen! Aber du hast etwas Schönes vor dir! Du mußt die Mädchen unterrichten, daß sie ausgesetzt werden.«

«Sie wissen es bereits und nennen dich einen Saukerl! Aber sie sind bereit, weil es ja auf Radar VENUS XI schließlich auch Männer gibt.«

«Gehst du mit?«fragte Nicholson plötzlich. Dr. Blandy zuckte zusammen, als hätte ihn einer in den Hintern gestochen.

«Wohin?«fragte er naiv.

«An Land.«

«Warum denn? Ich bin Truppenarzt, aber kein Schneefresser.«

«Vielleicht ist es besser, bei den Mädchen zu bleiben, bis Radar VENUS XI die Schlitten geschickt hat, das heißt, bis wir wissen, daß sie unterwegs sind. Denn vorher müssen wir weg.«

«Uns darf niemand sehen!«predigte Dr. Blandy feierlich. Nicholson nickte. Er war nicht einmal beleidigt.

«So ist es, Paul. Und mir wäre es sehr lieb, wenn du so lange an Land den Betreuer spielst. Es kann drei oder vier Tage dauern, bis die Motorschlitten da sind.«

Dr. Blandy hob die Schultern, was soviel heißen sollte: Mir ist es egal, ob ich in diesem Stinkkasten von U-Boot sitze oder drüben in geheizten Zelten im Schnee.»Du kommst nicht mit?«fragte er nur noch.

«Nein! Ein Kommandant bleibt an Bord.«

Blandy kratzte sich wieder am Schädel und sah dem kreisenden Finger des Radar zu. Wer die Lichtpunkte zu lesen verstand, erkannte deutlich, daß man sich dem Land näherte. Die ungeheuer feinen Peilungen machten die Küste bereits sichtbar.

«Mir bleibt ein Rätsel, wie sich eine Frau in dich verlieben kann«, sagte er.»Es ist ein Abschied vielleicht für immer, und was sagt der Kerl? Der Kommandant bleibt an Bord! Das kann auch ein Computer ausspucken!«Er beobachtete wieder die Leuchtpunkte auf dem Schirm.»Wann tauchen wir auf?«

«Wenn Collins sagt: Es ist geschafft. Im Augenblick schleichen wir zwischen Eis und Meeresboden dahin.«

Fünf Stunden später klingelte es bei Nicholson. Fünf lange Stunden hatte sich die POSEIDON I vorgetastet, und zwar in einem so flachen Wasser, daß manchmal nur wenige Fuß unter dem Rumpf des U-Bootes der Boden begann. Über ihm lag geschlossen die Decke des Eises. Dann plötzlich war das Wasser frei, die eisfreie Stelle, das >Loch<, wie es Collins nannte, war erreicht. Die Maschinen stoppten. Das Boot lag ruhig im Wasser. Von Oberleutnant Bernie Cornell kam die Meldung, daß fünfzehn Freiwillige als Landkommando bereitstanden.

«Lassen Sie alles zusammenstellen, was Sie für vier Tage brauchen,

Bernie«, sagte Nicholson ins Telefon.»Denken Sie an Übung L I.«

«Aye, aye, Sir.«

Übung LI bedeutete einen der Notfälle, mit denen die POSEIDON I auf ihrer Polfahrt rechnen mußte: Maschinenschaden, Versenkung des Bootes, um das Geheimnis zu wahren, Rettung der Mannschaft an Land, auf einer Eisscholle oder auf Packeis. Dafür war alles an Bord: gefütterte Zelte, Daunenschlafsäcke, transportable Benzinöfen, Batterielampen, Dosenverpflegung, Werkzeugkisten, montierbare Schlitten, Funkgeräte, Pelzmäntel, Pelzstiefel, Alkohol zum inneren Aufwärmen. Sogar eine Art Feldlazarett war bereitgestellt, berechnet für dreihundert Mann, die im Ewigen Eis auf ihre Rettung warten mußten.

Das große Schlauchboot mit dem starken Außenbordmotor wurde zum Ausstieg getragen. Bei den fünfzehn Freiwilligen waren auch Bill Slingman und Tami Tamaroo — sie standen im Gang, erwartungsvoll, ahnungslos, denn noch hatte keiner ihnen gesagt, was das alles werden sollte. Wieder so eine Übung, wie sie der Commander so gern ansetzte, wenn er Langeweile hatte, nur war sie dieses Mal besonders blöd, denn was hatte es für einen Sinn, Notlandungen zu üben, wenn man unter Wasser ist?

Im Lazarett hatte Dr. Blandy die Mädchen auf den Ausstieg vorbereitet. Sie waren ruhiger, als er es erwartet hatte, ja, Joan sagte sogar:»Verhindern Sie, Doc, daß der Commander sich von uns verabschiedet! Ich glaube, ich laß mich hinreißen und klebe ihm eine.«

Dorette wollte wissen, ob auch alles ungefährlich sein würde. Dr. Blandy konnte sie beruhigen.»Für Sie, meine Damen, die Sie das Abenteuer suchen, ist es eine Abwechslung. Wir werden vier Tage auf dem Eis bleiben — in schönen warmen Zelten. Dann holt man Sie ab und leitet Sie weiter in wärmere Zonen. Commander Nicholson wird für alles sorgen. Im übrigen bleibe ich bei Ihnen, bis Sie in Sicherheit sind.«

Er sah dabei Evelyn von der Seite an, dieses kleine rothaarige Aas — aber das konnte auch Täuschung sein. Vielleicht meinte er sie gar nicht.

Von der Zentrale kam die Bereitschaft zum Auftauchen. Jimmy Por-ter saß verwundert in seinem Torpedoraum und vernahm die typischen Anzeichen des Ausblasens. Er spielte gerade einen Skat mit Hol-lyday und dem Raketenmaat Bernd Laroche. Verblüfft legte er die Karten auf den Tisch.

«Wir tauchen tatsächlich auf!Ist denn hier kein Eis?«

«Das wirst du merken, wenn's über deinem Kopf kracht!«Holly-day sammelte die Karten ein. Das Spiel hatte Porter versaut.

«Wir sind doch hier unterm Packeis!«sagte Porter eigensinnig.»Da stimmt doch was nicht!«

«Geh hin und frag den Commander!«grunzte Laroche.»Vielleicht hat der Nordpol Löcher wie 'n Schweizer Käse? Wer weiß das?«

«Rindvieh!«Porter lauschte. Das Boot ging nach oben, ohne Zweifel. Das typische Beben, wenn die Fluttanks leergeblasen wurden. Dazu das Rauschen in den Regelzellen, die das Boot in der Waagerechten hielten, wenn sich durch das Abblasen das Gleichgewicht verschob.»Es geht hoch! Verdammt, wo sind wir bloß?«

Commanders da, klar und peitschend wie immer:»Alle Mann bleiben auf ihren Posten! Die Freiwachen in ihren Quartieren! Schotten schließen!«

«Der Alte ist verrückt!«knurrte Porter. Er ging zu seinem Schott, warf es zu und verriegelte es. Dann rief er im Raketenraum an. Aber auch dort wußte niemand, was eigentlich los war. Im Maschinenraum blökte ein Fähnrich den fragenden Porter an.»Kümmern Sie sich um Ihre Torpedos, Mann! Etwas anderes geht Sie nichts an!«

Porter warf wütend das Telefon auf die Gabel.»Wir tauchen auf!«sagte er laut.»Jungs, wir sind garantiert nicht unter dem Pol, wo wir eigentlich sein sollten.«

Im Turm warteten bereits die Mädchen, Dr. Blandy, Cornell, Hendricks und die freiwilligen fünfzehn Matrosen. Sie wußten jetzt, was das Manöver bedeutete. Bill Slingman, der schwarze Riese, noch riesiger in seinen Pelzsachen, beugte sich zu dem kleinen Tamaroo hinunter.

«Wenn das Jimmy wüßte, gäb's jetzt einen Riesenrummel«, flüsterte er.»Ich sage dir, der dreht durch, wenn die Mädchen von Bord sind!«

«Es ist besser so«, sagte der kleine Hawaiianer.»Es ist das beste, was der Commander tun konnte. Jetzt kommt wieder Ruhe an Bord.«