Hocherfreut sagte Thomas ruhig:»Hast du schon mit deiner Mutter darüber gesprochen?«
«Nein, Sir. Ich mußte zuerst mit dir sprechen. Ich denke, Mutter wird einverstanden sein, glaubst du nicht?«
«Doch. Ihre einzige Sorge ist, daß du glücklich bist.«
«Verstehst du, warum ich nicht bei dir arbeiten kann?«
«Ja. Aber das heißt nicht, daß ich dich nicht in, sagen wir, sechs oder sieben Jahren abwerben kann, wenn du dir einen Namen gemacht hast. «Thomas lächelte übers ganze Gesicht.
«Noch etwas. «Charly hielt inne und sagte dann bedächtig:»Ich möchte Vic nach dem Examen heiraten.«
«Verstehe. «Thomas mochte Vic, seine Frau mochte sie auch. Sie war gut erzogen und würde in die Welt passen, die sie für ihren Sohn im Auge hatten. Schade, daß ihr Vater so wenig geschäftstüchtig war, aber das warf kein schlechtes Licht auf das Mädchen.
«Ich liebe sie.«
«Die ersten Jahre, in denen du dich beweisen mußt, können mörderisch sein. Du wirst nicht viel Zeit fürs Familienleben haben, nicht, wenn du der Beste sein willst. Und wie steht's mit einem Ortswechsel? Es könnte in deiner beruflichen Laufbahn nötig werden, daß du in New York oder London arbeitest. Kann sie sich darauf einstellen?«Er drehte die Handflächen nach oben.»Das ist keine Kritik, mein Sohn. Sie ist ein reizendes Mädchen, ein schönes Mädchen, und ich glaube, sie wird eine großartige Lebenspartnerin sein. Aber ihr seid beide noch sehr jung, und sie ist noch nie für längere Zeit aus Virginia fort gewesen.«
«Sie ist flexibel. Sie schafft das.«
«Du wirst auch ihre Wünsche mit ihr abklären müssen. Möchte sie einen Beruf ergreifen? Du weißt, daß das die Beziehung von deiner Mutter und mir verändert hat. Sie hat auf ihre Ballettkarriere verzichtet, um mich zu heiraten. Anfangs schien sie sich wohl zu fühlen, aber mit den Jahren, vor allem in den mittleren, wurde sie mir gegenüber sehr ablehnend. Ich möchte nicht, daß es dir genauso ergeht.«
«Ja Sir, ich verstehe. Ich werde es abklären, ich spreche mit ihr. Sie wird nicht etwas sagen, nur weil ich es hören will. Sie ist ein sehr ehrlicher Mensch.«
«Das ist wahr. Versteh mich richtig, ich will deinem Plan keinen Dämpfer verpassen. Ich war auch mal jung. «Er lächelte matt.»Ich denke nur voraus. Scheidung zerstört Karrieren. Seid ihr erst verheiratet, dann bleibt verheiratet, egal was passiert. In der besten aller möglichen Welten bleibt eure Liebe erhalten, bleibt ihr euch treu, aber solltest du.«, er räusperte sich,». fremdgehen, dann muß die Bindung stark genug sein, um das zu verkraften. Glaub mir, mein Sohn, eine Scheidung vernichtet die Karriere, besonders in unserem Metier. Du mußt über jeden Vorwurf erhaben sein, das heißt, wenn du dein Ehegelöbnis nicht Wort für Wort einhalten kannst, mußt du diskret sein.«
Mit diesem Ratschlag hatte Charly nicht gerechnet.»Mit einer Frau wie Victoria, warum sollte ich eine andere Frau auch nur ansehen?«
Thomas lachte.»Da ist was dran, mein Sohn.«
«Eins noch. Was ist, wenn sie fremdgeht?«
Eine Spur von Sorge huschte über das Gesicht des älteren Mannes.»Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig? Ich glaube nicht, daß Frauen. hm.ich weiß nicht. Ich wollte sagen, sie erliegen einem solchen Verhalten nicht so häufig wie die Männer, aber vielleicht haben sie nicht so viele Gelegenheiten. Es steht mir nicht an, etwas dazu zu sagen.«
«Ich möchte vor Weihnachten mit Mr. Savedge sprechen.
Ich will vorher noch ein paar Sachen klären, und du hast mir eine Menge zu bedenken gegeben. Ich möchte aber mit Vic sprechen.«
«Hast du sie um ihr Jawort gebeten?«
«Nein. Ich mußte zuerst mit dir reden, Dad. Und ich muß mit ihrem Vater sprechen. Ich hoffe, daß sie ja sagen wird, wenn ich sie frage. Ich weiß nicht, was ich tun würde, wenn sie nein sagt.«
Mit einer wegwerfenden Handbewegung tat Thomas die Vorstellung einer Zurückweisung ab.»Charly, ich glaube nicht, daß du allzu vielen Frauen begegnen wirst, die nein zu dir sagen würden. Du mußt wissen, Sex bringt euch zusammen, aber er hält euch nicht zusammen. Die Ehe ist eine Partnerschaft. Und wenn Kinder kommen, seid ihr wahrhaft fürs Leben gebunden. Dein und ihr Blut. Versteh mich nicht falsch. Ich will dich nicht antreiben, Kinder in die Welt zu setzen, aber ein Mann ist kein Mann, solange er nicht Vater ist. Ihr Kinder habt mir das größte Glück meines Lebens beschert.«
Verblüfft — denn sein Vater öffnete so selten sein Herz — stammelte Charly:»Dad, ich will mich bemühen, dir nachzueifern.«
Thomas, der sich nach seinem Gefühlsausbruch wieder in der Hand hatte, lachte.»Daß daraus nur kein Übereifer wird. «Er sah über den blonden Schopf seines Sohnes hinweg auf die große Wanduhr gegenüber.»Es tut mir Leid, jetzt abzubrechen, aber Howard Nantes hat einen Termin bei mir. Ich hätte mehr Zeit einplanen sollen.«
Charly stand auf, sein Vater ebenfalls. Er ging um den Schreibtisch herum und packte seinen Sohn an den Schultern.»Deine Mutter und ich fahren zu dem Spiel. Wir nehmen Victoria mit, wenn es dir recht ist.«
«Danke, Dad. Sie fährt nach Hause. Sie möchte ihrer Mutter beistehen, nachdem Mr. Savedge wieder das ganze Geld verspekuliert hat.«
«Ich verstehe. «Thomas schüttelte den Kopf.»Wie bedauerlich. R. J. ist eine ganz wunderbare Frau, und solche Probleme hat sie nicht verdient. «Er fügte rasch hinzu:»War nicht respektlos gegen Frank gemeint. Er ist ein beherzter Mann. Hat bloß kein Händchen fürs Geschäft.«
«Ja, Sir.«
In Hochstimmung sang Charly auf dem ganzen Rückweg nach Williamsburg zu der Musik im Radio. Vic war von ihrer letzten Vorlesung zurück, und sie und Chris sonnten sich im Hof.
«Hey!«Er stürmte zu ihnen.»Ich führ euch zum Essen aus.«
«Was ist mit deinem Gemeinschaftsessen? Der Trainer kriegt 'nen Knall.«
«Ich werde rechtzeitig dort sein, wenn wir sofort gehen.«
Die drei fuhren zu The Roadhouse und aßen Mais-MuschelSuppe, bis sie nicht mehr konnten.
Als Vic Charly vor dem Sportlerwohnheim absetzte, war ihm schwindelig vor Glück.
Chris sah ein, daß Vic Recht gehabt hatte. Sie mußte Charly Harrison einfach gern haben.
19
«Mehr Geld als Gott, und was hat er davon?«, ereiferte sich Sissy Wallace, die voluminöse, mit Muscheln verzierte Handtasche am rechten Arm, die Hände in die Hüften gestemmt.
«Äh-hm. «Hojo feilte ihre Nägel.
Georgia, die neben Sissy stand, deutete mit dem Finger auf Hojo. Sie thronte hoch über ihnen in der Kommandozentrale.»Mädchen, Sie rühren keinen Finger. Oder etwa doch?«Sie kniff die Augen zusammen, der mauvefarbene Lidschatten war in ihren Lidfalten verschmiert.
Hojo schlug mit der Nagelfeile aufs Pult.»Was soll das heißen?«
«Daß man von Ihnen nicht mehr erwarten kann. «Georgia lächelte ein falsches Lächeln.
«O Georgia, hast du heute ein Schandmaul. Richtig eklig. «Was Sissy aber sichtlich genoß.»Du bist eifersüchtig auf Yolanda. Ha. Eifersüchtig auf eine Kuh, und du läßt es an Hojo aus.«
«So ein Gewäsch muß ich mir nicht anhören.«
Bevor Georgia ihre Entgegnung ausschmücken konnte, kam Bunny durch die Tür, gefolgt von R. J., Vic, Chris und Jinx.
Georgia kehrte Hojo den Rücken zu.»Bunny, wenn du Pack anheuerst, mußt du's eben wieder feuern.«
«Wie bitte?«Bunny wappnete sich für einen Wallace-Erguß, wie sie solche Auftritte nannte.
«Sissy und ich sind hierher gekommen, um mit Don zu sprechen, und diese aufgedonnerte Kuh will uns ihm nicht melden. Sie sagt, er hat eine Besprechung. Sie nimmt sich viel zu viel heraus. «Georgia zog ein mit einem>G< besticktes Leinentaschentuch aus ihrem Dekollete. Sie trug ein orangefarbenes Trägertop, ebenso aus einem Anflug von Aufsässigkeit wie als Zugeständnis an die Hitze. Das hätte sie besser bleiben lassen.