R. J. meinte zu Bunny:»Ich kann mich nicht erinnern, solche Gespräche geführt zu haben, als wir in dem Alter waren.«»Haben wir auch nicht, Herzchen. Du warst zu sehr unterdrückt. Ich bin baß erstaunt, daß du diese zwei Musterexemplare da auf dem Rücksitz hervorgebracht hast. Ich vermute, ihr habt's nur zweimal gemacht.«
Mignon schnellte nach vorn, eine Hand auf Bunnys, eine auf R. J.s Sitz.»Tante Bunny, wurde Mom wirklich unterdrückt? Wie die Episkopalen?«
«Wir sind alle Episkopalen. «R. J. schüttelte den Kopf.
«Deine Mutter war und ist eine anständige Dame.«
«Mannomann, das müssen wir ausgleichen. «Mignon zwickte ihre Mutter in die Ohrläppchen.
«Chris, ich entschuldige mich für mein ungebührliches Kind.«
«Mrs. Savedge, sie ist eine One-Woman-Show. «Chris lächelte.
«Die Gong Show«, erklärte Vic.
«Laverne and Shirley«, ergänzte Jinx.»Mignon, wenn du auf Tittenpatrouille bist, dann frag ich mich, was Lisa so anstellt. Und erzähl um Himmels willen meiner Mutter nichts davon.«
«Lisa ist kein Blitzer. «Mignon hatte Lisa gern, wußte aber, daß sie eine rebellische Ader hatte.
Bunny bog in die Zufahrt ein, ging vom Gas, um Piper nicht zu überfahren, parkte dann den Wagen. Mignon kletterte über Vic hinweg und lief zu dem Hund, um ihn zu umarmen.
«Ich will keine Kinder haben. Ich lebe in Angst um meine Gene«, sagte Vic. Sie machte die Wagentür zu, als Chris ausgestiegen war, und streifte sie dabei leicht. Ein köstlicher Schauder rieselte über ihren Bauch.
«Du wirst ein ganzes Haus voll Kinder haben«, prophezeite Bunny. Mignon kam wieder zu ihnen; die Arme in Schulterhöhe erhoben, wackelte sie mit dem Busen wie eine Stripperin und sang dabei den Stripper-Song aus dem MusicalGypsy.
Jinx rief J.R. zu:»Das wär's doch, Mrs. Savedge. Lassen Sie sie zur Bühne gehen. Sie kann Stripperin werden.«
«Pornofilme«, sagte Vic.
R. J. fragte auf dem Weg zur Hintertür:»Victoria, hast du Pornofilme gesehen?«
«Ja, Mutter. «Vic wurde rot.
«Nicht zu fassen. «R. J. wurde ebenfalls rot.
Sobald sie im Haus waren, sauste Mignon direkt zum Kühlschrank.
«Das war nämlich so, Mrs. Savedge, wir haben uns den Film zu mehreren ausgeliehen. Es war nicht Vic allein. So was wie eine Herrenpartie, bloß unter Mädchen«, erklärte Jinx.
«Ich hab so was nie gesehen. «R. J. wirkte ehrlich überrascht.
«Ich schon«, gab Bunny unbekümmert zu.»Es fehlt an Fantasie, ist aber um Klassen besser, als mit den Mädels Bridge spielen.«
«Mignon?«R. J. machte die Kühlschranktür zu.
«Ich hab keinen gesehn.«
«Da bin ich aber erleichtert. Biete unseren Gästen Erfrischungen an, bevor du dir selbst was nimmst.«
«Oh, ja. 'tschuldigung, Mom. «Mignon fragte, wer Cola oder einen Drink wollte und verteilte das Gewünschte. Jedes Mal, wenn ihre Mutter ihr den Rücken zukehrte, vollführte sie den Stripperinnen-Wackler.
Vic flüsterte Chris zu:»Wenn du das tätest, würde ich dir gleich hier in der Küche die Kleider vom Leibe reißen.«
«Das kannst du später machen«, flüsterte Chris zurück.
«Ihr sprecht über mich!«Mignon reichte Jinx ein hohes Glas Sodawasser mit einer Zitronenscheibe.
«Das würde dir so passen. «Chris lachte über sie.
«Aber ihr habt über Brüste gesprochen. Meine Schwester ist«, Mignon senkte die Stimme,»das einzige Mädchen von einsfünfundachtzig in Surry County. Ein paar Zentimeter davon sind ihre Titten.«
«Du hast ja 'ne Meise. «Vic war drauf und dran, ihr eine zu schallern.
«Mignon, da du so viel Energie hast, werde ich sie in nützliche Bahnen lenken. «R. J. gab ihr ein Paar Gartenhandschuhe.»Unkraut jäten.«
«Mom, ich soll doch heute Abend zu dem Spiel gehn.«
R. J. warf einen Blick auf die Wanduhr in Gestalt einer Plastikkatze, deren Augen und Schwanz sich bewegten.»Eine Stunde jäten, duschen, dann setz ich dich an der Schule ab.«
«Ich helf dir«, erbot sich Chris.
«Nein, Chris, du setzt dich hierher und genießt. «R. J. zog einen Stuhl unter dem Küchentisch hervor.
«Danke, Mrs. Savedge, aber ich würde es genießen, den Garten zu jäten. Ich vermisse die Gartenarbeit.«
Vic, Chris und Mignon jäteten, Jinx bearbeitete mit einer kleinen Kralle den Boden. Dann brachte sie eine Lage reichhaltigen, sattbraunen Mulch auf.
«Deine Ohren sehen schon besser aus«, bemerkte Chris.
«Danke«, sagte Mignon.»Ich drehe die Stecker wohl hundertmal am Tag. Noch mal schönen Dank, daß du mir beim Kauf geholfen hast. Dir auch, Vic, obwohl du gräßlich gemein bist.«
«So, Mignon, und wie hast du eigentlich Hojo dazu gekriegt, dir die Ohrlöcher zu stechen?«, wollte Jinx wissen. Sie dachte sich, daß hinter der Geschichte mehr steckte, als Mignon erzählte.
«Hab sie gefragt.«
«Eine knappe Antwort von einer, die normalerweise weitschweifig erzählt«, bemerkte Jinx.
«Hojo hält sich für die absolute Modeexpertin. Du solltest mal das abgeschnittene Fransentop sehen, das sie zu bemalten Jeans, Cowboystiefeln und einer Mütze in der Farbe der Stiefel trägt. Lackiert sich die Fingernägel passend. Sie hat auch nicht immer einen BH an. Toll.«
«Du bist heute von Brüsten besessen. «Vic lachte.
«Sind schwer zu übersehen, wenn sie sich dir direkt entgegenstrecken. Ich meine, wo kannst du hingucken? Hojo hat 'nen scharfen Körper, und das weiß sie auch.«
«Du bist also einfach zum Empfangspult gegangen und hast gesagt,>mach mir Löcher in die Ohren<?« Jinx gedachte ihr früher oder später die Wahrheit zu entlocken.
«So ungefähr. Ich hab ihr gesagt, ich bin eine Ausgestoßene der Gesellschaft. Alle Mädchen in meiner Klasse haben Löcher in den Ohren, und Mom und Dad leben im finsteren Mittelalter, gleich nach dem Untergang Roms. Ich mußte sie mehrmals beknien, weil sie wußte, daß Mom nicht gerade begeistert sein würde, eher frostig a la Antarktis. Aber ich hab ihr gesagt, das hält nicht lange an. Mom ist ein sehr versöhnlicher Mensch, und ob sie vielleicht wollte, daß ich durch meine Highschool- Erlebnisse fürs Leben verbogen bin? Selbstwertgefühl gleich null. Für immer. Schlechte Kerle. «Mignon schauderte.
«Seit wann fehlt es dir an Selbstwertgefühl?«, fragte Vic, während sie mit Vogelmiere kämpfte.
«Guck mal, wer da spricht.«
Vic ignorierte das. Chris stand auf, schnappte sich die Schubkarre und holte sie näher heran, da sie sich von ihr weg bewegt und ihren Weg mit Unkrauthaufen markiert hatten.
Jinx lauschte, als ein Motorboot einem Segelboot zututete. Ein Fahrzeug unter Segeln hat immer Vorfahrt.
«Was macht ihr denn, wenn euch wer anblitzt?«Mignon war mit Jäten hinter den anderen im Rückstand.
«Mich hat noch keiner angeblitzt«, sagte Vic.»Los, Mignon, halt dich ran. Du Faulpelz willst dich wohl amBusen der Natur ausruhn.«
«Gott, bist du witzig«, lästerte Mignon.»Marjorie Solomon wird es bestimmt wieder tun.«
«Dann guck nicht hin. «Jinx gab ihr diesen vernünftigen Rat.
«Setz eine Sonnenbrille auf«, empfahl Chris. Sie sammelte Unkrauthaufen auf und warf sie in die Schubkarre.
«Ja. Gute Idee. Ich kann alle sehen, aber sie wissen nicht, daß ich hingucke. Das ist so was von cool.«
«Ray Ban«, sagte Jinx.»Flott.«
«Ich setz sie auch unter der Dusche in der Turnhalle auf. Umgeben von Titten. Die richtig großen sind die schlimmsten, und Itsi Giorgianis hat Haare rund um die Warzen. Nicht auszuhalten! Ich würde sterben! Ich würde mich jeden Abend rasieren. Würde dabei riskieren, mir mit meiner eigenen Hand die Warze abzuschneiden.«
«Mignon, bitte!«Vic bewarf ihre Schwester mit Unkraut.