«Ist bloß persönliche Hygiene. Tante Bunny hat sich die Haare auf der Oberlippe und für den Bikini die Haare unten wegmachen lassen — ooh, autsch — , warum kann Itsi sich dann nicht die Tittenhaare wegmachen lassen?«
«Weil sie weiß, daß du zu ihr hingucken willst«, sagte Jinx lachend.
«Will ich nicht. «Mignon stieß angeekelt einen kleinen Schrei aus.
«Ist ja gut, Mignon. Du bist meine kleine Schwester. Ich hab dich lieb, egal was passiert. «Vic heuchelte Aufrichtigkeit.
«Ich auch. Ich hab 'ne Menge Freunde und Freundinnen, die andersrum sind. Du kannst meine neueste lesbische Freundin sein. «Jinx hatte das Ende des Rosenbeetes erreicht.
«Ich würde sterben!«Mignons Stimme näherte sich ihrer Obergrenze.
«Bestimmt nicht«, neckte Chris sie.
«Ich weiß, daß du's Charly auf Französisch besorgst, Vic.«
Vic ging auf Mignon zu, die schnell die Hände hob. Sie war ihrer großen, kräftigen Schwester nicht gewachsen.»Tu ich nicht.«
«Ich hab euch diesen Sommer gesehn. Er hatte die Hände überall auf dir drauf.«
«Das hat nichts mit blasen zu tun, Mignon. «Jinx stach den Spaten in den Mulchhaufen.
«Wenn sie ihm einen runterholt, dann bläst sie ihm auch einen.«
«Ein für alle Mal, du kleines Arschloch, ich tu's nicht. Aber das ist keine Art zu reden, wenn Chris dabei ist. Du bist unmöglich.«
Bekümmert fragte Mignon:»Hat denn keine von euch einem Kerl schon mal einen geblasen? Ich will alles darüber wissen.«
«Frag Hojo«, erwiderte Vic wie aus der Pistole geschossen.
«Wenn sie dir Ohrlöcher gestochen hat, wird sie dir auch zeigen, wie man das macht«, fügte Jinx hinzu.»Ohne Zähne.«
«Kraaaass!«
«Du bist doch diejenige, die wissen will wie Blasen geht«, hielt Chris ihr vor. Sie fand sich superlässig.
«Genau. Ich bin außen vor. Marjorie hat irre Titten, und alle wissen es. Sie kann jeden Jungen kriegen, den sie will. Lisa hat Jungs noch und nöcher. Ich bin so was wie der Lahmarsch der zehnten Klasse.«
«Hey, ich bin einundzwanzig und tu nichts dergleichen. Außerdem, es tun, bloß um's zu tun, ist so was von uncool. «Jinx war mitfühlend.
«Ja«, stimmte Mignon zu, aber nicht sehr überzeugt.»Wenn du's tätest, dann würdest du's mir doch erzählen, oder?«
Jinx lachte.»Na klar.«
«Ich nicht. Du kannst kein Geheimnis für dich behalten«, zog Vic sie auf.
«Kann ich wohl. Ich behalte schon lange Geheimnisse für mich.«
Später fuhren die drei College-Mädchen Mignon zum Highschool-Footballspiel; danach kurvten sie in dem Impala durch die Stadt, mit offenem Verdeck. Weil sie alle drei auf dem Vordersitz saßen, konnte Vic beim Fahren den rechten Arm um Chris legen. Jinx hatte den linken Arm um Chris gelegt, somit sah es unverdächtig aus.
Als das Spiel aus war und Mignon wieder im Auto saß, war Vics Herz am Zerspringen. Sie konnte das Klopfen überall spüren, vor allem zwischen ihren Beinen. Sie fragte sich, wie Männer mit einem Ständer das aushielten; denn die Empfindung, die sie hatte, war angenehm und schmerzlich zugleich.
Während Mignon drauflos plapperte, legte Jinx, die jetzt hinten saß, den Kopf zurück, um die Sterne zu betrachten. Sie beneidete Vic und Chris. Sie beneidete sie nicht darum, daß sie als Frauen zusammen waren, sondern sie beneidete sie um die körperliche Verbundenheit, die Erregung. Sie fürchtete, daß sie so etwas nie finden würde.
20
Als endlich alle ins Bett gekrochen waren, wartete Vic noch fünfzehn Minuten, dann wünschte sie Jinx eine gute Nacht.
Leise öffnete sie die Tür zum Gästezimmer.»Ich dachte, ich sterbe. Ich dachte, sie gehn nie schlafen. «Sie schloß die Tür hinter sich und verriegelte sie.
Just in diesem Augenblick wurde ein Zettel unter der Tür zwischen dem Gästezimmer und Mignons Zimmer durchgeschoben. Vic hob ihn auf. Chris flüsterte:»Sie ist unerbittlich.«
Vic kritzelte auf den Zetteclass="underline" »Verzieh dich!«
Chris sagte:»Das kannst du nicht machen. Dann weiß sie, daß du hier bist.«
«Stimmt, hab ich vergessen. «Vics Augenbrauen schnellten in die Höhe.
«Das wird sie stoppen. «Chris schrieb auf ein neues Blatt Papier:»Ich geh jetzt schlafen. Wir sehen uns morgen.«
Vic schob es unter der Tür hindurch. Zur Sicherheit hob sie vorsichtig den Stuhl hinter dem kleinen Sekretär hervor und klemmte ihn unter den Knauf der Verbindungstür. Sie knipste die Nachttischlampe aus, zog die Bettdecke hoch, fühlte die kühlen, sauberen Laken.
«Komm her. «Chris zog Vic auf sich, schlang die Arme um ihren Hals und küßte sie.
So sehr sie sich auch vorsahen, hin und wieder entwich ihnen ein ersticktes Stöhnen, immerhin laut genug, um Mignon aufmerksam zu machen. Sie drückte ein Auge ans Schlüsselloch, konnte aber wegen der Dunkelheit nichts sehen. Sie lauschte angestrengt. Da war jemand bei Chris. Sie öffnete die Tür zum Flur, schlich auf Zehenspitzen zum Gästezimmer, spähte durchs Schlüsselloch. Von hier war es auch nicht heller.
Sie ging über den Flur, vorsichtig, um nicht auf die knarzenden Dielenbretter zu treten, und öffnete die Tür zu Vics Schlafzimmer. Jinx schlief tief und fest. Vics Bett war leer.
Zuerst war Mignon schockiert, weil ihre Schwester in Chris' Zimmer war. Daß sie nicht Bridge spielten, war eindeutig. Rasch machte der Schock Neugierde Platz. Jetzt hatte Mignon ein weiteres Geheimnis für sich zu behalten.
21
Der unverwechselbare strenge Herbstgeruch lag in der Luft, ein intensiver Duft nach Fluß, Laub und Erde. Im dichten Nebel sickerte die aufgehende Sonne verschwommen durch das Silber; dem Kalender nach war es Ende September, doch über Nacht war es Herbst geworden.
Die Natur änderte ihr Tempo, die Geschöpfe bewegten sich flinker, die Augen der Vögel glänzten heller, die Grillen zirpten lauter. Sogar der Fluß schüttelte seine lethargische Schwerfälligkeit ab und strömte schneller dahin.
Jinx, gewöhnlich keine Frühaufsteherin, staunte über sich, weil sie um sechs aufwachte. Vic, die schon angezogen war, gab ihr einen Klaps auf den Po.
Jinx schnupperte.»Frühstück.«
«Herbst«, erwiderte Vic.
«Mmm. «Jinx stellte die Füße auf den Boden.»Wann warst du wieder hier?«
«Ah, so gegen vier.«
«Muß gut sein.«
«Besser als gut. Ekstatisch.«
Jinx, die inzwischen im Bad war und die Zahnbürste mit Zahnpasta beschmiert hatte, sagte:»Ekstatisch. Muß ich mir merken.«
Frank plauderte beim Frühstück, ein kurzer Ausbruch von Frohsinn, bevor er sich in sein Büro zurückzog. Mignon musterte ihre Schwester eindringlich, als sähe sie sie zum ersten Mal, plapperte aber drauflos wie eh und je.
Lisa Baptista kam um acht Uhr in die Zufahrt gebraust und hupte auf dem ganzen Weg.
«Wow!«Mignon, die ihrer Mutter beim Düngerstreuen geholfen hatte, ließ den Handgriff los und merkte nicht, daß der Streuer den welligen Rasen hinunterrollte.
Vic rannte hinterher und bekam ihn zu fassen, während ihre Mutter zeterte, wie teuer Dünger sei.
Chris und Jinx pflückten Äpfel von den zwei Bäumen, da sie von R. J. diese Aufgabe erhalten hatten.
«Mignon!«, rief R. J.
Mignon, die vor Aufregung quiekend bei Lisa stand und deren >neuen< alten Volvo bewunderte, rief zurück:»'tschuldige, Mom. Komme gleich. «Außerstande, ihre Begeisterung zu zügeln, klatschte sie in die Hände und sagte zu Lisa:»Der ist so was von cool. Obercool. Cooler als cool. Eiskalt. Dezember!«
«Ach, weißt du, die Fahrprüfung war leicht, außer rückwärts und vorwärts einparken. Ich mußte es zweimal machen, weil ich so nervös war, aber Mr. Trasker war echt nett. Ich bin heilfroh, daß ich ihn als Prüfer hatte und nicht Miss Pyle. Die hätte mich glatt durchrasseln lassen. Sie läßt jeden durchrasseln. Sie kann einfach den Gedanken nicht ertragen, daß jemand an seinem Geburtstag die Fahrprüfung macht.«