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Bunny, die ein bißchen außer Atem geraten war, trat hinzu.»Fröhliches Thanksgiving!«

27

Es gibt Zeiten im Leben, die so herrlich, so vollkommen sind, daß sie sich dem Gedächtnis für immer einprägen. Wir lächeln bei der Erinnerung in dem Wissen, daß wir nie genau ergründen können, warum diese Zeiten so fantastisch waren; sie waren es eben.

Dieses Erntedankfest in Surry Crossing war so ein Tag. R. J. Bunny, Vic, Mignon und Chris saßen lachend am Küchentisch. Von Don assistiert, tranchierte Frank den Truthahn. Jinx war ihrer Mutter entwischt, um bei den Savedges zu sein. Die Wallaces kamen herüber und lieferten wie gewöhnlich ihre improvisierte Unterhaltungsshow. Piper fraß so viele Truthahnreste, wie sie nur verdrücken konnte.

In drei Autos gezwängt, fuhren sie alle miteinander zu dem Footballspiel. Die kühle Luft in dem alten Backsteinstadion förderte die Aufregung. Cheerleader, die grün-gelbe Pompons schwenkten, brachten die Menge zur Raserei. Die Mannschaftsfans schwenkten Wimpel, ihre eigenen Pompons. Einige trugen grün-gelbe Baseballkappen, andere hatten sich die Gesichter grün und gelb geschminkt. Bunny lieh ihren Feldstecher an alle aus, bis zum letzten Spielabschnitt. Dann konnte sie sich nicht mehr von ihrem Glas trennen.

Charly erzielte den letzten Touchdown. Das Stadion verwandelte sich in ein Meer von grün-goldenen Pompons; das Geschrei erschütterte die Grundfesten.

Nach dem Spiel warteten die Savedges samt Anhang sowie Charlys Eltern vor dem Umkleideraum. Als Charly herauskam, löste er neuerliches Triumphgeschrei aus. Er gab zuerst seiner Mutter einen Kuß, dann Vic, dann Mignon, dann Bunny und schließlich Chris. Er umarmte seinen Vater und schüttelte Frank und Don die Hand. Er fuhr mit seinen Eltern nach Hause, weil sie ihre Thanksgiving-Feier noch vor sich hatten.

Freudige Erwartung umstrahlte sie allesamt. Bunny lächelte unentwegt. Die Harrisons machten viel Aufhebens um Vic. Wenngleich es nicht ausgesprochen wurde, wußten alle, daß Charly bald die gewisse Frage stellen würde.

Die Einzige, die sich nicht von der Erwartung anstecken ließ, war Vic. Sogar Chris war von ihr ergriffen — allerdings mit Bangen. Was, wenn Vic es sich anders überlegte?

Als in dieser Nacht alles schlief, hielten Vic und Chris sich eng umschlungen. Auf dem Nachttisch lag ein kleiner Stapel Zettel von Mignon.

«Vic, bist du sicher, daß du nein sagen kannst?«

«Hmm?«Vic liebkoste Chris' Hals.

«Es wird schwer sein, Charlys Heiratsantrag abzulehnen.«

«Nein. Es wird schwer sein, ihm weh zu tun, aber ich kann nicht lügen. Ich kann's einfach nicht.«

«Du klingst so sicher.«

«Chris, hab keine Angst. Ich schaff das schon. Nicht daß ich mich drauf freue, aber ich werde nicht kneifen. Ich liebe dich.«

Ein bißchen erleichtert küßte Chris Vic auf die Wange.»Weißt du, ich habe nie daran gedacht, mit einer Frau zusammenzuleben. Ich weiß ja nicht, was mich erwartet. Ich weiß wohl, daß die Menschen verstört sein werden, aber wissen und spüren ist zweierlei. «Sie hielt inne.»Ich vermute, wir werden herausfinden, wer unsere Freunde sind.«

«Homo sein ist ein Segen. Man sondert den Schrott zeitig aus. «Sie küßte sie wieder.»Ich schlaf jetzt. Um halb sechs wach ich auf und geh in mein Zimmer.«

«Ich weiß nicht, wie du das kannst.«

«Ganz einfach. Als Letztes vorm Einschlafen sagst du dir, wann du aufwachen willst, und dann tust du's.«

Und sie wachte auf. Chris schlief fest, als Vic am nächsten Morgen auf Zehenspitzen aus dem Zimmer schlich. Sie bemerkte, daß wieder ein Zettel unter der Tür durchgeschoben worden war und wollte ihn schon ignorieren, als sie in dem trüben Licht sah, daß ihr Name außen draufstand.

Sie hob ihn auf und steckte ihn in die Tasche ihres Morgenrocks. In ihrem Zimmer angekommen, knipste sie die Nachttischlampe an.

Auf dem Zettel stand: Ich weiß, daß du da drin bist.

28

Als Mignon am Morgen um halb acht die Tür zum Flur öffnete, packte sie eine kräftige Hand an der Schulter.

«Los komm. Wir machen einen Spaziergang«, befahl Vic.

«Wohin?«Mignon versuchte ängstlich, sich ihrer Schwester zu entwinden.

«Zum Briefkasten und zurück oder vielleicht auch bis Richmond.«

«Ist bestimmt kalt draußen.«

«Dafür haben wir Jacken. «Vic bugsierte sie zum Fuß der Treppe, durch den breiten Mittelflur zur Kammer hinter der Küche. Sie warf Mignon eine Jacke zu und schnappte sich auch eine.

Als sie aus der Tür waren — Piper trottete mit ihnen durch den leichten Nebel — , quengelte Mignon:»Wir dürfen nicht zu spät zum Frühstück kommen. Mom flippt sonst aus.«

«Sie kriegt sich auch wieder ein. So, Mignon, raus mit der Sprache, was soll das alles?«

«Was soll was?«

Vic gab ihr den Zettel.»Fang hiermit an.«

Der Austernsplitt knirschte unter ihren Schuhen. Mignon warf einen Blick auf den Zettel und steckte ihn dann in ihre kariert gefütterte Allwetterjacke.»Nichts.«

«So leicht kommst du mir nicht davon.«

«Ist mir doch egal, was du machst.«

«Na klar, und drum hast du den Zettel unter die Tür geschoben, Mignon. Machen wir's kurz. Sag mir, was du denkst.«

Eine aufgeschreckte Wachtel flog aus einer Hecke, ein paar kehlige Laute zeugten von ihrem Mißmut.

Mignon trat mit der Schuhspitze nach einem Steinchen.»Ich denke nicht, daß du dich mit Chris über Astrophysik unterhältst.«

«Getroffen. Schieß weiter.«

«Also, es ist mir egal. «Sie zog gleichmütig die Schultern hoch.»Ist mir egal, was du tust.«»Hör mal, du willst wissen, was ich tue, du willst wissen, warum ich es tue. Du bist die typische freche, gemeine, mistige, naseweise kleine Schwester. «Sie sagte es liebevoll.

«Willst du hören, was du bist?«

«Abartig. Wolltest du das sagen? Tu dir nur keinen Zwang an.«

Mignon machte ein beleidigtes Gesicht.»Nein, das wollte ich nicht sagen. Das würde ich nie sagen. Ist mir doch egal, ob du abartig bist. Ist nicht grade ein nettes Wort, oder?«

«Keine Ahnung. Ich habe nicht viel über die Worte nachgedacht.«

«Und, bist du's?«

«Ja.«

«Immer?«

«Ich weiß nicht. Glaub nein.«

«Auf der Highschool keine Mädchen geküßt?«Mignon zog die Schultern hoch, eine komische, koboldhafte Geste.

Vic lachte.»Gott, nein.«

«Aha. «Völlig durchfroren atmete Mignon die feuchtkalte Luft ein.»Wie ist's passiert?«

Vic hakte sich bei ihrer Schwester unter.»Ich weiß nicht. Ich hab Chris eines Tages einfach angeguckt, die Sonne fiel auf sie wie Goldpuder, und mein Herz hat gepocht wie wild. Hab fast keine Luft mehr gekriegt, und da. «Sie hielt inne.»Da wußte ich, daß ich sie liebe. Und ich war gierig nach ihr. Ich kann dir keine Gründe nennen. Ich hab keine, hab nur Gefühle.«

«Glaubst du, das wird mir auch passieren?«

«Ach Mignon, schon bist du wieder bei dir, wie immer. «Vic senkte in gespielter Entrüstung die Stimme.

«So meine ich das nicht. Und außerdem, was erwartest du denn? Hast du vielleicht mit fünfzehn an alle anderen gedacht? Du hast bestimmt rumgesessen und nur an dich gedacht. Du hast's bloß nicht gesagt. Ich sag's wenigstens. Aber das meine ich gar nicht.«

«Was meinst du dann?«

«Werde ich mich eines Tages auch so verlieben?«

«Woher soll ich das wissen?«»Du bist meine große Schwester. Du solltest alles wissen. Du solltest es vormachen. So läuft das. «Vic lächelte und Mignon fuhr fort:»Wie verlieben sich die Menschen? Knallt einem ein Ziegelstein auf den Kopf? Rutscht einem das Hirn in die Hose? Wie ist das?«

«Es ist bei jedem anders. Bei mir war es wohl so was wie Liebe auf den ersten Blick, aber das wußte ich da noch nicht. Jemand anderem wächst die Person langsam ans Herz. Es dauert seine Zeit. Bei anderen fängt es damit an, daß sie sich hassen. Sagt Tante Bunny. Sie fand Onkel Don so attraktiv wie Hundepuste, 'tschuldigung, Piper.«