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Richard beugte sich zur Sliph hinüber. »Wie soll das möglich sein?«

»Du stehst mit einem Fuß auf einem dunklen Felsen und mit dem anderen auf einem, der ein wenig heller ist. Du stehst an zwei Orten gleichzeitig.«

Richard seufzte. »Schätze, ich verstehe, was du meinst.«

»Ich reise auf eine Art, die sich von deiner Art zu reisen unterscheidet. Dieser Ort hier war für mich der nächstliegende Ort, auch wenn er sich für dich auf halber Strecke durch die gesamten Midlands befindet. Ich musste dich in deine Welt zurückbringen, damit du atmen konntest.

Du besaßest nicht mehr, was erforderlich ist, um zu reisen. Deine Lungen waren von mir erfüllt. Für jemanden, der nicht die Gabe besitzt, ist es giftig, mich einzuatmen, es ist sein sicherer Tod. Aber da du bereits in mir warst und mich eingeatmet hattest, gab es eine kurze Zeitspanne, während der du eine Verwandlung durchmachtest, daher war es für dich nicht sofort tödlich, mich in dir zu haben, doch kurz darauf wärst du gestorben. Ich wusste, es würde nicht lange dauern, bis du sterben würdest, und dachte, ich sollte alles in meiner Macht Stehende tun, um dich zu retten und dich an einen Ort zu bringen, wo du in deine Welt zurückkehren und dich hoffentlich wieder erholen konntest.«

Eine ganze Weile starrte Richard in das silbrige Gesicht; schließlich schenkte er ihr ein Lächeln. »Ich danke dir, Sliph. Du hast mir das Leben gerettet. Du hast alles genau richtig gemacht. Du hast ein gutes Werk getan.«

»Du bist mein Herr. Ich würde alles für dich tun.« »Dein Herr. Ein Herr, der nicht mehr reisen kann.« »Für mich ist das ebenso rätselhaft wie für dich.« Richard versuchte, es zu durchdenken, klug daraus zu werden, aber jetzt, da jeder Atemzug nach dem knapp verhinderten Ertrinkungstod in der Sliph einen überaus schmerzhaften Druck in seiner Brust erzeugte, hatte er Mühe, seinen Verstand zu zwingen, sich aufs Denken zu konzentrieren. Er stützte seine Unterarme auf die Knie. »Ich nehme an, du hast keine Möglichkeit, mich in die Burg der Zauberer zurückzubringen?«

»Aber ja, Herr. Wenn du reisen möchtest, kann ich dich dorthin bringen.«

Schlagartig saß Richard kerzengerade. »Tatsächlich? Und wie?« »Du musst nur die erforderliche Magie wiedererlangen, dann kann ich dich mitnehmen. Dann werden wir reisen. Es wird dir ein Vergnügen sein.«

Die erforderliche Magie wiedererlangen. Er wusste nicht einmal, wie er die Magie benutzen sollte, die er besaß - oder einst besessen hatte -, noch konnte er sich vorstellen, was mit seiner Gabe passiert war, geschweige denn, wie er sie jemals wiedererlangen sollte. Es hatte immer wieder Augenblicke gegeben, da er sie hatte los sein wollen, doch jetzt, da es tatsächlich passiert war, konnte er an nichts anderes mehr denken, als sie zurückzugewinnen.

Offenbar hatte die Bestie ihn in der Sliph im selben Moment verloren, da ihn auch seine Gabe im Stich gelassen hatte, sein Verlust der Gabe hatte also auch etwas Tröstliches: Mit der Bestie war ihm allem Anschein nach auch ein Problem abhanden gekommen, das er derzeit zu gewärtigen hatte - schließlich war die Gabe ebenjener magische Mechanismus, über den sich die Bestie auf ihn eingestimmt, mit dessen Hilfe sie Jagd auf ihn gemacht hatte. Angeblich strebte Magie stets nach Ausgewogenheit; vielleicht war das ja die Entschädigung für ihren Verlust.

Richard fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. »Wenigstens haben Nicci und Cara es geschafft und sind in Sicherheit.« Er blickte hoch zur Sliph. »Bist du auch sicher, dass es ihnen gut geht?«

»Ja, Herr. Sie sind in Sicherheit. Ich habe sie zur Burg der Zauberer gebracht, ihrem gewünschten Reiseziel. Sie besaßen, was erforderlich war, um reisen zu können.«

»Und du hast ihnen auch gesagt, wo ich bin; du hast ihnen erklärt, was passiert ist.«

Seine Bemerkung, dem Klang nach eher Feststellung als Frage, schien sie zu überraschen. »Nein, Herr. Ich würde niemals preisgeben, was ich mit einem anderen mache.«

»Na großartig«, murmelte er. Er hatte Mühe, seiner Verärgerung Herr zu werden. »Aber mir hast du doch von anderen erzählt.«

»Du bist mein Herr. Mit dir mache ich Dinge, die ich mit keinem anderen machen würde.«

»Es sind meine Freunde, Sliph. Wahrscheinlich sind sie außer sich vor Sorge um mich. Du musst ihnen sagen, was sie wissen müssen.«

Der silbrige Kopf neigte sich in seine Richtung. »Es ist mir nicht erlaubt, dich zu verraten, Herr. Das würde ich niemals tun.«

»Es wäre kein Verrat. Du hast mein Wort darauf, es ist in Ordnung, ihnen zu erzählen, was passiert ist.«

Die Sliph machte den Eindruck, als sei dies so ungefähr die seltsamste Bitte, die man je an sie gerichtet hatte. »Du willst, dass ich anderen von uns erzähle, Herr, davon, was wir tun, wenn wir zusammen sind?«

»Versuch doch mich zu verstehen, Sliph. Du bist keine Hure mehr.«

»Aber die Menschen bedienen sich meiner zu ihrem Vergnügen.«

»Das ist nicht dasselbe. Hör zu, vor langer Zeit haben Zauberer deine Persönlichkeit verändert, haben verändert, was du warst.«

Die Sliph nickte ernst. »Ich weiß, Herr. Ich erinnere mich. Schließlich war ich es, der dies widerfahren ist.«

»Aber jetzt hast du dich gewandelt. Es ist nicht mehr wie früher, diese beiden Situationen kann man nicht gleichsetzen. Sie sind verschieden.«

»Es ist meine Pflicht, anderen in dieser Eigenschaft zu dienen. Meine Natur steckt immer noch in mir.«

»Aber einige von uns, die sich deiner bedienen, wissen deine Hilfe überaus zu schätzen.«

»Ich wurde schon immer sehr geschätzt für das, was ich tue.«

»Aber du tust nicht mehr dasselbe wie früher.« Er hätte nur zu gerne auf dieses alberne Geplänkel verzichtet; er hatte im Moment wichtigere Sorgen. »Sliph, wenn du mit uns eine Reise machst, hilfst du nicht selten dabei, Menschenleben zu retten. Als du mit uns zum Palast des Volkes gereist bist, hast du mir geholfen, den Krieg zu beenden. Was du tust, ist gut.«

»Wenn du es sagst, Herr. Aber du musst verstehen, dass die, die mich geschaffen haben, mich so geschaffen haben, wie ich bin. Aus dem, was ich einst war, haben sie mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Ich kann nicht anders sein, als ich bin. Ich kann mir ebenso wenig wünschen, anders zu sein, wie du, allein dadurch, dass du es dir wünschst, reisen könntest.«

Richard seufzte. »Nein, vermutlich nicht.«

Er zerbrach ein paar kleine Zweige und dachte darüber nach. Schließlich wechselte er einen Blick mit dem wunderschönen Gesicht, das ihn beobachtete und das an jedem seiner Worte hing, und sagte mit leiser Stimme: »Es gibt Augenblicke, da hat man keine andere Möglichkeit, als anderen zu vertrauen. Dies ist ein solcher Augenblick.«

Irgendetwas an seinen Worten verfehlte nicht seine Wirkung. Das wunderschöne, flüssig silbrige Gesicht kam ein wenig näher.

»Du bist derjenige, welcher«, vertraute ihm die Sliph mit leiser Stimme an.

»Derjenige, welcher? Und wer bin ich nun?«

»Du bist der, von dem Baraccus zu mir meinte, er werde kommen.«

Die feinen Härchen in seinem Nacken stellten sich auf.

»Du kanntest Baraccus?«

»Er war einst mein Herr, so wie jetzt du.«

»Natürlich«, sagte Richard leise bei sich. »Er war damals Oberster Zauberer.«

»Er war es, der darauf bestanden hat, ich sollte die Notelemente bekommen, die ich ja dann glücklicherweise zu deiner Rettung anwenden konnte. Auf sein Geheiß wurde auch dieser Notausgang angelegt. Hätte er diese Dinge nicht angeordnet, wärst du getötet worden. Er war sehr vorausschauend.«

»Kann man wohl sagen«, gab Richard ihr recht, während er sie mit großen Augen musterte. »Du sagtest eben, Baraccus habe dir etwas über den erzählt, der kommen würde?«

Die Sliph nickte. »Er war sehr freundlich zu mir. Seine Frau konnte mich nicht ausstehen, aber Baraccus war immer freundlich zu mir.«

»Du kanntest auch seine Frau?«