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»Magda.«

»Warum sollte sie dich nicht ausstehen können?«

»Weil Baraccus freundlich zu mir war. Und weil ich ihn ihr fortgenommen habe.«

»Du meinst, du hast ihn fortgebracht, als er reisen wollte?«

»Natürlich. Wenn ich ihm dann versprach, es werde ihm ein Vergnügen sein, verschränkte sie meist die Arme und sah mich durchdringend an.«

»Er konnte sich ein verstohlenes Lächeln nicht verkneifen. »Sie war halt eifersüchtig.«

»Sie liebte ihn und wollte nicht, dass er sie verlässt. Wenn ich dann nach unserer Reise mit ihm zurückkehrte, stand sie oft schon da und wartete auf ihn. Er lächelte immer, wenn er sie erblickte, und sie erwiderte sein Lächeln.«

»Und was hat Baraccus nun über mich gesagt?«

»Er erklärte mir dasselbe, was auch du mir gerade erklärt hast: Es gibt Augenblicke, da hat man keine andere Möglichkeit, als anderen zu vertrauen. Das waren seine Worte, so wie es eben deine waren. Er sagte, eines Tages werde ein anderer Herr exakt dieselben Worte zu mir sagen und anschließend exakt dieselben Worte hinzufügen, wie soeben du: ›Dies ist ein solcher Augenblicke Er erklärte mir, wenn ein Meister diese Worte zu mir spreche, bedeutete dies, dass er der Richtige sei und ich ihm dann einige Dinge erklären solle.«

Richard konnte deutlich spüren, wie sich jedes einzelne Härchen an den Armen aufstellte.

»Du hast Magda Searus irgendwohin gebracht, hab ich recht?«

»Ja, Herr. Danach habe ich Baraccus nicht mehr wieder gesehen. Zuvor jedoch, als er mir erklärte, eines Tages werde jemand diese Worte sprechen, trug er mir auf, diesem eine Nachricht auszurichten.«

»Er hat eine Nachricht hinterlassen?« Als sie daraufhin nickte, machte er eine ungeduldige Handbewegung. »Und, wie lautete sie?«

»›Es tut mir leid, Richard. Ich kenne die Antworten nicht, die dich retten würden. Wüsste ich sie, glaube mir, ich würde sie dir nur zu gerne geben. Aber ich sehe das Gute in dir. Ich glaube an dich. Du hast alles, was du brauchst, um erfolgreich zu sein. Manchmal wirst du an dir zweifeln. Gib nicht auf. Denke immer daran, ich glaube an dich. Ich weiß, du kannst dein Ziel erreichen. Es gibt nicht viele wie dich, Richard. Glaube an dich. Und wisse, ich bin überzeugt, dass du derjenige bist, der dies vollbringen kann.‹«

Richard saß da wie versteinert. Wieder und wieder hallten die Worte durch seinen Kopf. Sie erschienen ihm seltsam vertraut.

»Fast dieselben Worte habe ich schon einmal gehört.«

Die Sliph glitt ein wenig näher, während ihre Züge einen angespannten Zug annahmen. »Tatsächlich?«

Er konzentrierte sich, während er sich die Worte noch einmal durch den Kopf gehen ließ und sich in Erinnerung zu rufen versuchte ... Und dann fiel es ihm wieder ein. Es war gewesen, kurz nachdem Shota ihm von Baraccus erzählt hatte. Unmittelbar vor ihrem Aufbruch hatte sie genau diese Worte zu ihm gesagt. Und irgendetwas an diesen von Shota gesprochenen Worten hatte eine verschwommene Erinnerung geweckt.

»Es war Shota, die Hexe«, meinte er schließlich, die Stirn nachdenklich in Falten gelegt. »Sie war es, die diese Worte zu mir sagte.«

Die Sliph zog sich zurück. »Es tut mir leid, Herr. Aber du hast die Prüfung nicht bestanden.«

Richard sah zu ihr hoch. »Welche Prüfung?«

»Die Prüfung, die Baraccus dir auferlegt hat. Es tut mir leid, aber du hast bei seiner Prüfung versagt. Mehr kann ich dir nicht sagen.«

Ohne ein weiteres Wort verschwand die Sliph unvermittelt in dem tiefschwarzen Loch im Steinfußboden.

Richard warf sich bäuchlings auf den Boden und beugte sich in das Loch hinab. »Nein! Warte doch! Geh nicht fort!«

Aus dem leeren, dunklen Schaft hallte ihm seine eigene Stimme entgegen.

Die Sliph war verschwunden, und ohne seine Gabe hatte er keine Möglichkeit, sie zurückzurufen.

34

Nicci hörte ein leises Klopfen an der Tür. Zedd blickte auf, erhob sich jedoch nicht. Cara, die die Hände hinter dem Rücken gefaltet hatte und aus dem Fenster schaute, sah über die Schulter. Nicci stand der Tür am nächsten und öffnete. Die kleine Flamme der Lampe auf dem Tisch schaffte es kaum, die Dunkelheit aus dem Zimmer zu vertreiben, doch spielte der warme Schein über das Gesicht des Propheten.

»Was ist los?«, fragte Nathan mit tiefer Stimme in den Raum. Er warf einen misstrauischen Blick in die Runde. »Rikka wollte nicht mit mehr herausrücken, als dass du und Cara zurück seid und Zedd mich sofort sehen will.«

»So ist es«, antwortete Zedd. »Komm rein.«

Nathan blickte sich in dem düsteren Zimmer um und trat ein. »Wo ist Richard?«

Nicci schluckte. »Er hat es nicht mit uns zurückgeschafft.«

»Nicht zurückgeschafft?« Er zögerte und bemerkte nun Niccis düsteren Blick. »Bei den Gütigen Seelen ...«

Zedd, der neben Jebra beim Bett saß, schaute nicht auf. Jebra war bewusstlos. Jedes Mal, wenn sie versuchten, ihr die Augen zu schließen, öffneten sie sich wieder. Schließlich hatten sie es aufgegeben, und nun starrte Jebra an die Decke.

Das gebrochene Bein hatte Zedd bereits versorgt. Jebra hatte Glück gehabt, weil Cara nicht nur schnell, sondern auch stark war, denn deshalb hatte sie ihren Knöchel noch packen können, während sie ohnmächtig vom Balkon kippte. Doch die Bewegung hatte die Seherin unter den Balkon schwingen lassen, und Jebras Bein war gegen eine Strebe gekracht und gebrochen. Nicci vermutete, dass die Frau seit dem Sturz bewusstlos war.

Es war ein übler Bruch. Zedd hatte sich sofort nach der Verletzung an die Arbeit gemacht, doch wegen des ungewöhnlichen Zustands, in dem sich Jebra befand, konnte er den Knochen nicht sofort heilen. Er hatte ihn nur gerichtet und geschient, und zuletzt hatte er die weitere Heilung mit seiner Gabe in Gang gebracht. Wenn sie aufwachte, könnte er sein Werk fortsetzen. Falls sie aufwachte. Nicci hatte da ihre Zweifel.

Das gebrochene Bein war, wie Nicci wusste, Jebras geringstes Problem. Obwohl sie alles versucht hatten, war es ihnen nicht gelungen, sie aus dem Zustand der Starre zu wecken. Zedd hatte es versucht. Nicci hatte es ebenfalls versucht, hatte sogar subtraktive Magie zu Hilfe genommen. Zedd war zunächst dagegen gewesen, aber als Nicci ihm verdeutlichte, welche Wahl ihnen blieb, hatte er widerwillig zugestimmt.

Leider hatte selbst das nichts genutzt. Jebras Geist war ihnen nicht zugänglich. Welche Magie die andere Hexe auch eingesetzt haben mochte, es gelang ihnen nicht, den Bann zu brechen. Allerdings glaubte Nicci nicht, dass bei der Magie die Unumkehrbarkeit beabsichtigt gewesen war. Wenn sie ihr auf die Spur kämen, konnten sie vermutlich etwas unternehmen, allerdings blieb ihnen das Wesen des Zaubers bis dato nicht erkennbar.

Nathan beugte sich vor und legte der Bewusstlosen zwei Finger an die Schläfe. Daraufhin richtete er sich wieder auf und schüttelte nur hilflos den Kopf, als Zedd ihn fragend anblickte.

Derartiges hatte Nicci nie zuvor erlebt. Zedd hingegen hatte sich das Kinn gerieben und gegrübelt. Ihm komme das Ganze seltsam bekannt vor, hatte er gemurmelt. Was genau, vermochte er jedoch nicht zu sagen; er war mit seiner Weisheit am Ende. Zedd wollte es schlichtweg nicht einfallen, woher dieses Gefühl rührte, einer Magie dieser Art bereits begegnet zu sein.

Schließlich war er, wie er ihnen in Erinnerung rief, der Oberste Zauberer, und er hatte einen großen Teil seines Lebens damit verbracht, solche Phänomene zu studieren. Eigentlich, so glaubte er, müsste er dieses Netz, in das Jebra eingesponnen war, identifizieren können. Nicci wusste, alles wäre viel einfacher gewesen, wenn Jebra bei Bewusstsein gewesen wäre, aber Zedd wollte sein Scheitern damit nicht entschuldigen.

Nicci hörte Aufruhr auf dem Gang. Nathan steckte den Kopf zur Tür hinaus und schaute nach.

»Was ist los?«, rief eine Stimme aus einiger Entfernung. Es war Ann, die begleitet von Rikka herbeirannte. An der Tür angelangt, fragte sie: »Was gibt es?«

Als sie atemlos das Zimmer betrat, legte Nathan ihr eine seiner großen Hände auf die Schulter. »Richard ist etwas zugestoßen.«

»Und mein Strafer funktioniert nicht mehr«, sagte Cara und hielt die Waffe in die Höhe. »Unsere Bande zu Lord Rahl sind unterbrochen. Wir fühlen ihn nicht mehr.«