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Er schüttelte den Kopf, als könnte er solche Dummheit nicht fassen.

»Ulicia, ich war in deinem Verstand und habe alles mit angesehen. Ich war an jenem Tag Vorjahren dabei, als du das Komplott gegen Richard Rahl vorgeschlagen hast. Ich muss zugeben, eigentlich habe ich nicht geglaubt, dass ihr es ernst meintet. Wie konntet ihr so dumm sein und denken, durch eine solche Vereinbarung würdet ihr eure Freiheit von mir gewinnen?«

»Aber es hätte gelingen können.«

»Nein. Es hätte niemals gelingen können. Das Ganze war bloß eine Idee, der es an jeglicher Vernunft mangelte. Ihr wolltet es einfach glauben.«

»Ihr seid in unseren Verstand eingedrungen? An jenem Tag?«, fragte Schwester Cecilia. »Warum habt Ihr uns dann in dem Glauben gelassen, wir wären erfolgreich?«

Er richtete den düsteren Blick auf sie. »Erinnerst du dich nicht mehr, was ich dir ganz am Anfang gesagt habe, an dem Tag, an dem ihr zum ersten Mal vor mir standet? Kontrolle, habe ich gesagt, ist wichtiger als Töten. Natürlich hätte ich euch sechs umbringen können, aber was hätte es mir genützt? Solange ihr unter meinem Einfluss steht, bedeutet ihr für mich keine Bedrohung und seid auf vielerlei Weise von Nutzen.

Nein, natürlich erinnerst du dich nicht, denn stattdessen hast du dich für schlau genug gehalten, um mich mit dieser verdrehten und jeglicher Logik entbehrenden Vorstellung von den Banden austricksen zu können. Für zu schlau, um überlistet zu werden, und doch steht ihr jetzt wieder vor mir. Und dabei hatte ich euch die ganze Zeit in der Gewalt.«

»Und trotzdem ... habt Ihr uns einfach nach Belieben gewähren lassen.«

Jagang zuckte mit den Schultern und trat um den Tisch. »Ich hätte euch jederzeit aufhalten können, wann immer ich wollte. Ich wusste, ihr steht unter meinem Einfluss. Aber was hätte ich dabei gewonnen? Noch einige Schwestern der Finsternis mehr, und von denen hatte ich schon genug - wenngleich ihre Anzahl inzwischen stark geschwunden ist.« Er beugte sich zu ihnen hinunter. »Euresgleichen hat den Drang, gern für die Glaubensgemeinschaft der Ordnung das Leben mit dem Tode zu tauschen.

Ihr hingegen«, sagte Jagang und richtete sich auf, »wart viel interessanter. Mit euch hatte ich Schwestern der Finsternis, die Pläne verfolgten.« Er tippte sich mit dem dicken Zeigefinger an die Schläfe. »Abwegige Pläne und das Wissen, sie in die Tat umzusetzen.

Ein Leben lang habt ihr in den Gewölben unter dem Palast der Propheten Wissen angehäuft, aus Tausenden von Büchern, die es nun nicht mehr gibt. Mochten eure Pläne manchmal noch so unvernünftig sein - bedenkt nur eure gegenwärtige Lage -, so wart ihr doch im Besitz des im Laufe von Jahrzehnten erlernten Wissens, und natürlich bedeutete es nicht, dass nicht manche eurer Pläne durchführbar gewesen wären.«

»Ihr habt unsere Pläne also immer gekannt? Von dem Tag an mit Richard Rahl?«

Jagang funkelte Schwester Ulicia an. »Gewiss kannte ich sie. Ich wusste in dem Moment davon, in dem ihr sie ausgeheckt habt.« Er senkte die Stimme bedrohlich. »Ihr habt gedacht, ich könne mich nur in die Träume der Menschen schleichen. Ein Irrtum. Ihr habt geglaubt, ich wäre nicht da, wenn ihr wach seid. War ich aber. Wenn ich einmal in deinen Kopf eingedrungen bin, Ulicia, bin ich immer da.

Was du auch denkst und wann, ich bin Zeuge. Bei jedem noch so kleinen schmutzigen Gedanken. Bei jeder Handlung, bei jedem schändlichen Wunsch. So, als ob du es laut ausgesprochen hättest. Nur weil ich dich nicht auf meine Gegenwart aufmerksam gemacht habe, hast du dummerweise geglaubt, ich sei nicht da. Aber ich war da.« Er drohte ihr mit dem Finger. »Oh, Ulicia, ich war da. Als ihr Richard Rahl von eurem Plan erzählt habt, als ihr ihm Treue schwören wolltet im Austausch gegen jemanden, dem er sein Herz geschenkt hatte, nun, da konnte ich kaum glauben, dass ihr tatsächlich gedacht habt, es könne funktionieren.«

Aus irgendeinem Grunde erfüllte es Kahlan mit Traurigkeit, als sie hörte, Richard Rahl habe jemandem sein Herz geschenkt. Seit jenem Tag, an dem sie in seinem wunderschönen Garten gewesen war, spürte sie eine tiefe Verbundenheit zu ihm, und wenn es sich auch nur um die gemeinsame Liebe zur Natur handelte, zu allem, das wuchs, zur Welt des Lebens. Nun erfuhr sie, dass er mit den Schwestern der Finsternis im Bunde stand und jemandem sein Herz geschenkt hatte. Wieder fühlte sie sich wie ein vergessener Niemand. Was hatte sie sich nur gedacht?

»Aber ... aber«, stammelte Schwester Ulicia. »Der Plan hat funktioniert ...«

Jagang schüttelte den Kopf. »Treue zu euren Bedingungen, Treue, obwohl ihr weiter an seiner Vernichtung arbeiten wolltet, obwohl ihr euch für alles einsetzen wolltet, gegen das er steht, Treue, obwohl ihr weiterhin an dem Schwur gegenüber dem Hüter der Unterwelt festgehalten habt, Treue, die aus euren wählerischen, selbstsüchtigen Wünschen entstand. Genau das sind sie. Wünsche. Wünsche verwandeln Sehnsüchte nicht einfach in Wirklichkeit, nur weil man es will.«

Kahlan war zumindest ein wenig erleichtert, dass die Schwestern die Vernichtung des Lord Rahl weiterhin verfolgten. Vielleicht war er doch kein ernsthafter Verbündeter der Schwestern. Möglicherweise wurde er einfach, wie Kahlan selbst, gegen seinen Willen ausgenutzt.

»Ich meine, wenn ihr euren Glauben schon aus der leeren Luft gegriffen habt, Ulicia, warum habt ihr euch nicht Ärger erspart und euch eingeredet, ihr könntet euch mit reiner Willenskraft gegen einen Traumwandler zur Wehr setzen? Das wäre ein ebenso wirksamer Schild gewesen.«

Er schüttelte den Kopf. »Ach, Ulicia. Wie grausam von dem Wesen des Seins, dass es euch diese unvernünftigen Sehnsüchte nicht gewährt hat.«

Während er fortfuhr, breitete er die Arme aus. »Und erstaunlicherweise glaubten auch die anderen Schwestern daran. Ich weiß es, ich war schließlich auch in ihren Gedanken und schaute zu, wie sie voller Übermut annahmen, sich meinen Fähigkeiten entzogen zu haben, weil du behauptest hast, du könntest die Bande zum Lord Rahl mit deinen eigenen Vorstellungen von Treue schmieden.«

»Aber Ihr habt es uns gestattet«, wandte Schwester Ulicia ein, die ihr Erstaunen noch immer nicht überwunden hatte. »Warum seid Ihr damals nicht gegen uns vorgegangen?«

Jagang zuckte mit den Schultern. »Ich habe genug Schwestern unter meiner Kontrolle. Es war eine interessante Gelegenheit. Ich lerne viel aus dem Wissen, über das andere verfügen. Solches Wissen verleiht eine Macht, die man auf andere Weise nicht erlangen kann. Also entschied ich abzuwarten, was ihr mit euren Mitteln erreichen könntet und was ihr für mich in Erfahrung bringen würdet. Jederzeit hätte ich mein kleines Experiment beenden können. Manchmal habt ihr mich in arge Versuchung geführt, zum Beispiel vor nicht allzu langer Zeit, als Armina sagte: ›Es wäre mir ein Vergnügen, Jagang aufzuknüpfen und mich nach Lust und Laune an ihm zu vergehen^«

Er runzelte die Stirn. »Erinnerst du dich daran, Armina? Gräme dich nicht, wenn du es vergessen hast. Ich werde dich von Zeit zu Zeit daran erinnern, um dein Gedächtnis aufzufrischen.«

Schwester Armina hob die Hand, als wolle sie ihn anflehen. »Ich, ich wollte nur ...«

Er starrte sie böse an, bis sie in Schweigen verfiel, unfähig, eine Entschuldigung vorzubringen.

Dann fuhr er fort: »Ja, ich war dabei. Ja, ich habe alles gesehen. Ja, ich hätte euch zu jedem beliebigen Zeitpunkt außer Gefecht setzen können. Doch im Gegensatz zu euch, Ulicia, bin ich geduldig. Mit Geduld kann man Berge versetzen - oder sie umgehen oder darüber hinwegklettern.«

»Aber Ihr hättet Euch Richard Rahl greifen können, als wir ihm unsere Bedingungen genannt haben. Oder später in seinem Lager.«

»Ihr hättet ihn auch in seinem Lager haben können. Ihr habt ihn mit einem Bann gefangen und hattet ihn am Boden. Da hättet ihr ihm den Todesstoß versetzen können. Warum habt ihr es nicht getan? Weil ihr einen größeren Plan verfolgt habt, also habt ihr ihn verschont und geglaubt, die Bande zu ihm seien euer Schutz, während ihr wichtigeren Zielen nachgelaufen seid.«