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Kahlan wand sich hin und her und wollte ihn beißen, während er sie zu einem Zelt in der Nähe zerrte. Er versetzte ihr eine Ohrfeige. Der Hieb betäubte sie fast. Der Lärm des Lagers rückte in weite Ferne. Sie konnte ihren Muskeln nicht mehr befehlen, was sie tun sollten, sie konnte keinen Widerstand mehr gegen diesen schmierigen Soldaten leisten.

Plötzlich sah Kahlan das Gesicht von Schwester Ulicia. Nie zuvor hatte sie sich so über eine der Schwestern gefreut. Die Schwester lenkte den Mann kurz von Kahlan ab, dann drückte sie ihm die Finger an die Schläfe. Endlich frei, sprang Kahlan zur Seite. Der Soldat ging auf die Knie, umklammerte seinen Kopf und schrie vor Schmerzen.

»Steh auf«, befahl Schwester Ulicia ihm. »Oder es wird dir noch schlimmer ergehen.« Er erhob sich auf wackligen Beinen. »Du wirst dich sofort beim Zelt des Kaisers melden. Er braucht dich zum Dienst als Hilfswache.«

Der Mann war verblüfft. »Hilfswache?«

»Richtig. Du wirst für Seine Exzellenz diese lästige junge Dame beaufsichtigen.«

Der Mann warf Kahlan einen gefährlichen Blick zu. »Wird mir ein Vergnügen sein.«

»Vergnügen oder nicht, setz dich in Bewegung. Das ist ein Befehl von Kaiser Jagang persönlich.« Sie zeigte nach hinten. »Dort entlang.«

Der Soldat neigte den Kopf, da er offensichtlich Angst vor ihren magischen Fähigkeiten hatte. Er betrachtete die Schwester wachsam und mit unausgesprochener Abscheu. Bei diesen Männer stand die Gabe anscheinend nicht in hohem Ansehen.

»Dich sehe ich bald wieder«, versprach der Mann Kahlan, ehe er wie befohlen davontrabte.

Kahlan beobachtete Schwester Armina, die dem mit der gebrochenen Nase die gleichen Anweisungen gab. Sie sprach zu leise, als dass Kahlan sie durch das anfeuernde Gebrüll der Zuschauer hätte verstehen können, doch der Mann hörte sie offensichtlich recht gut, da er vor Furcht erstarrte, sich verneigte und dem anderen Soldaten nachlief.

Nun wandte sich Schwester Ulicia wieder Kahlan zu. »Tränen helfen dir auch nicht. Los, weiter.«

Kahlan widersprach nicht. Je eher die Sache vorüber war, desto besser. Sie schätzte sich glücklich, zwei der vier, die sie sehen konnten, getötet zu haben. Das Ja’La-Spiel hatte den Höhepunkt erreicht, und sie musste die aufgeregte Menge umgehen. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und hielt nach dem Felsen Ausschau; dann setzte sie ihren Weg fort.

Bei ihrer Rückkehr zu Jagangs Zelt hatten sie fünf Männer eingesammelt. Diese - darunter auch der mit der gebrochenen Nase standen vor dem Zelt und erwarteten Befehle des Kaisers. Der Verwundete starrte sie böse an, als sie an ihm vorbeiging und von den beiden Schwestern ins Zelt geführt wurde.

Kahlan hatte sich bald, nachdem Schwester Ulicia sie gerettet hatte, wieder bewaffnet. Diesmal hatte sich Kahlan zwei Messer besorgt, für jede Hand eines. Sie hielt die Griffe in der Faust und die Klingen gegen die Unterarme gepresst, damit die Schwestern, die ihr in einigem Abstand folgten, nichts bemerkten.

Sechs Männer, die sie sehen konnten, hatte sie umgebracht, ohne dass es den Schwestern aufgefallen wäre. Das war nicht schwierig gewesen; die Soldaten betrachteten eine nackte Frau nicht als Gefahr. Womit sie einen tödlichen Irrtum begingen. Da sie keine Anstalten zu ihrer Verteidigung machten, hatte Kahlan sie problemlos abstechen können. In dem Lärm, dem Durcheinander, den Trinkgelagen und den Kämpfen im Lager bekamen die Schwestern nichts davon mit.

Der anderen hatte sie sich leider nicht entledigen können, weil entweder Schwester Ulicia oder Schwester Armina zu nah waren oder weil sie genau aufpassten und zu Kahlans Rettung herbeieilten, um dann den Soldaten ihre Abordnung als Hilfswachen mitzuteilen. Kahlan ließ die Messer zu Boden gleiten, damit die Schwestern keinen Verdacht schöpften. Wenn man unsichtbar war, stellte es keine Schwierigkeit dar, sich auf dem langen nervenaufreibenden Gang stets neue Waffen zu suchen.

Im Zelt warf Jagang Kahlan ihre Kleidung zu. »Zieh dich an.«

Sie hütete sich, diesen unerwarteten Befehl in Frage zu stellen, sondern verschwendete keine Zeit und gehorchte. Unter seinen unentwegten, düsteren Blicken war es eine Erleichterung, endlich wieder bekleidet zu sein. Allerdings schien das seinem Interesse an dem, was er gesehen hatte, keinen Abbruch zu tun.

Schließlich wandte er sich den beiden Schwestern zu. »Ich habe unsere neuen Wachen in ihre Pflichten eingeführt.« Er lächelte auf eine Weise, die Armina und Ulicia vor Schreck erbleichen ließ.

»Und da die nun einen Teil der Last von eurem Rücken nehmen, habt ihr den Rücken wieder frei, um euch in den Zelten auf ebenjenen zu legen und ganz andere Pflichten zu erfüllen.«

»Aber Exzellenz ...«, erwiderte Schwester Armina mit zitternder Stimme, »wir haben Eure Befehle befolgt. Wir haben die Männer ...«

»Glaubst du, nur weil ihr einmal getan habt, was ich euch sage, vergesse ich all die Jahre, in denen ihr Ränke gegen mich geschmiedet habt? Glaubst du, ich würde so rasch vergessen, wie ihr eure Pflichten anderen gegenüber vernachlässigt habt, euren Dienst für die Sache des Ordens, eure moralische Verantwortung, weltliches Verlangen zum Wohle anderer zu opfern?«

»So war es doch gar nicht, Exzellenz.« Schwester Armina rieb sich die Hände, als würde sie diese in Unschuld waschen, während sie nach rettenden Worten suchte. »Ja, wir waren selbstsüchtig, zugegeben, aber wir hatten niemals die Absicht, Euch direkt zu schaden.«

Er schnaubte lachend. »Meinst du, den Hüter der Unterwelt zu befreien würde mir nicht direkt schaden? Denkst du, es wäre nicht gegen mich, gegen den Orden, gegen den Schöpfer gerichtet, die Menschheit dem Hüter der Toten zu übergeben?«

Schwester Armina verstummte. Was sollte sie dagegen einwenden? Kahlan hatte die Schwestern stets als Schlangen betrachtet. Und nun wanden sie sich vor jemandem, dessen Haut zu dick war, um sie mit den Giftzähnen zu durchbohren.

Schwester Ulicia und Schwester Armina waren anziehende Frauen. Kahlan beschlich das Gefühl, dass ihr Aussehen es ihnen unter den Bestien der Armee nicht leichter machen würde.

»Ich habe die Kontrolle über die ...«, Jagang unterbrach sich, denn beinahe hätte er ihren Titel ausgesprochen, »... über Kahlan, durch den Halsring und über eure Fähigkeiten. Ihr braucht nicht anwesend zu sein, damit ich die Kraft rufen kann, wenn ich sie brauche - ihr müsst nur leben. Ich werde den Männern sagen, sie dürften euch auf keinen Fall töten, während sie eure weiblichen Reize genießen.«

»Danke, Exzellenz«, brachte Schwester Ulicia kleinlaut hervor. Sie hatte die Hände in ihr Kleid gekrallt.

»So, draußen warten zwei Männer, die darüber Bescheid wissen, was mit euch zu geschehen hat. Geht mit ihnen.« Er grinste sie an wie der Tod selbst. »Ich wünsche eine angenehme Nacht, meine Damen. Das habt ihr verdient - und noch einiges mehr.«

Während sie das Zelt verließen, stand Kahlan in der Mitte und erwartete ein ähnliches Schicksal.

Jagang trat zu ihr heran. Kahlan dachte, sie müsse entweder vor Angst in Ohnmacht fallen oder sich vor Übelkeit übergeben bei dem Gedanken an das, was ihr nun bevorstand.

45

Kahlan starrte auf das Muster des Teppichs unter ihren Füßen. Sie wollte Jagang nicht trotzig in die schwarzen Augen blicken. Dieser Moment wäre für Tapferkeit falsch gewählt.

Auf dem langen Weg hierher, wenn sie gehen musste, während die Schwestern ritten, hatte sie sich stets eingeredet, diese Strapazen würden sie stärken für eine Zeit, in der sie Kraft brauchte. Genauso wollte sie nun ihre Entschlossenheit nicht für eine sinnlose Demonstration ihres Widerstands verschwenden. Es war reine Vergeudung, sich aufzulehnen, wenn man das, was nun folgen würde, doch nicht verhindern konnte.

Sie wollte ihren Zorn für den rechten Zeitpunkt aufbewahren. Und dieser Zeitpunkt würde kommen. Das versprach sie sich. Selbst wenn sie sich dem Tod in die Arme werfen müsste, würde sie ihre Wut an jenen auslassen, die ihr und all den übrigen unschuldigen Opfern der Imperialen Ordnung dies angetan hatten.