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»Würde ich Gelegenheit erhalten, gegen die Mannschaft des Kaisers zu spielen?«

»Gegen die Mannschaft des Kaisers«, wiederholte der Kommandant. Er starrte Richard kurz an, weil es ihn interessierte, warum dieser eine solche Frage stellte. »Du möchtest es wirklich wissen, wie?«

Schließlich nickte er. »Alle Ja’La-Mannschaften träumen davon, gegen die Mannschaft des Kaisers anzutreten. Wenn du dich als würdig erweist und uns hilfst, Turniere zu gewinnen, ja, dann bekommst du vielleicht eines Tages die Chance, gegen die Mannschaft des Kaisers anzutreten. Wenn du so lange überlebst.«

»Also gut, dann würde ich gern beitreten.«

Der Kommandant lächelte. »Möchtest du ein Held werden? Geht es darum? Ein bejubelter Ja’La-Spieler? Ein berühmter Spieler?«

»Vielleicht.«

Daraufhin beugte sich der Kommandant vor. »Ich glaube, du träumst von den Frauen, die dir ein Sieg bescheren würde. Von den Blicken der Schönheiten. Vom Lächeln der holden Weiblichkeit.«

Richard dachte an Kahlans betörende blaue Augen und an ihr Lächeln.

»Ja, genau das habe ich im Sinn.«

»Im Sinn?« Der Mann lachte brüllend. »Nun, Rüben, das darfst du getrost vergessen. Du bist kein Spieler, der unserer Mannschaft freiwillig beitritt. Du bist ein Gefangener, und ein gefährlicher noch dazu. Wir treffen Vorkehrungen bei Spielern deiner Sorte. Du kommst in einen Käfig und wirst auf einem Wagen befördert. Zum Spiel oder zum Üben lässt man dich heraus, aber ansonsten wirst du eingesperrt wie ein wildes Tier. Während der Übungen musst du hart schuften, damit du lernst, dich in die Mannschaft einzufügen, um ihre Stärken und Schwächen kennen zu lernen, denn schließlich bist du die Sturmspitze. Und trotzdem wirst du nicht allein stehen.«

Richard hatte keine andere Wahl. »Verstehe.«

Der Kommandant holte tief Luft und hakte die Daumen in den Waffengurt. »Gut. Wenn du anständig spielst, wenn du in jedem Spiel das Beste aus dir herausholst, werde ich dir erlauben, von den Frauen, die sich zu den Spielern legen möchten, eine auszusuchen.«

»Zu den Siegern«, berichtigte Richard.

»Zu den Siegern«, bestätigte der Kommandant und hob den Zeigefinger. »Wenn du jedoch nur einen falschen Schritt machst, bist du tot.«

»Abgemacht«, erwiderte Richard. »Ihr habt eine neue Sturmspitze.«

Der Kommandant winkte die anderen Offiziere heran. Sie nahmen Haltung an.

»Lasst den Wagen bringen - den mit der Eisenkiste - für unsere neue Sturmspitze. Wie gefährlich er ist, habt ihr gewiss schon gesehen. Behandelt ihn dementsprechend. Ich möchte seine Talente gegen unsere Gegner einsetzen.«

Ein Offizier musterte Richard von Kopf bis Fuß. »Es wäre schön, öfter als nur gelegentlich zu gewinnen.«

Der Kommandant nickte und gab Befehle aus. »Postiert Wachen nahe beim Schloss und in der Stadt, genug, damit die Bewohner von Tamarang keine Schwierigkeiten machen. Danach soll das Arbeitsvolk Stützpunkte für unsere Nachschubtrosse bauen. Zunächst müsst ihr eine Stelle finden, die groß genug ist. Sucht vor der Stadt am Fluss.

Der Sommer geht zu Ende. Ehe man sich’s versieht, steht der Winter vor der Tür, und die Nachschubzüge werden lang sein und häufig eintreffen. Unsere Truppen in der Neuen Welt brauchen Vorräte für den bevorstehenden "Winter.

Die Stadt Tamarang wird uns liefern, was wir für den Bau brauchen. Am Fluss gibt es einen Hafen, in dem Bauholz abgeladen werden kann; es muss also eine Straße gebaut werden, dazu Unterkünfte für die Männer, die dort einquartiert werden.«

Einer der Offiziere nickte. »Die Pläne liegen schon bereit.«

Richard ging davon aus, dass der Orden die Stadt Tamarang zur Arbeit an den Speicherhäusern heranziehen würde. Das hatte er schon früher beobachtet. Es war einfacher, mit Menschen auszukommen, die dem Orden beitreten wollten, als alles zu zerstören und dann neu aufbauen zu müssen.

»Ich werde sofort wieder mit unseren Truppen und diesem Nachschubtross aufbrechen«, erklärte der Kommandant den Offizieren.

»Jagang will alle Männer haben, die er für den Angriff auf das D’Haranische Reich bekommen kann.«

Das Oberhaupt des D’Haranischen Reiches stand leise dabei und lauschte den Plänen für den entscheidenden Angriff auf die Menschen der Neuen Welt, für das Gemetzel an jenen, die an die Freiheit glaubten, für die Schlacht, von der Richard geglaubt hatte, es würde niemals dazu kommen.

50

Rachel erwachte, als sie hörte, wie Violet durch das Schlafzimmer tappte. Durch den kleinen Schlitz in der Eisenkiste konnte sie die hohen Fenster des Zimmers sehen. Obwohl die schweren königsblauen Vorhänge zugezogen waren, erkannte sie an dem Licht, das durch einen schmalen Spalt hereinfiel, dass es gerade erst dämmerte.

Für gewöhnlich war Königin Violet nicht so früh auf den Beinen. Rachel lauschte und versuchte zu erkennen, was Violet machte. Sie vernahm ausgiebiges Gähnen und dann Geräusche, als würde sich die Höhlenkönigin anziehen.

Rachels Beine waren von der Nacht in der Kiste steif. Sie wollte hinaus und sich recken. Allerdings wagte sie es nicht, diesen Wunsch zu äußern. Wenigstens hatten sie ihr die Zungenklemme gestern Abend nicht angelegt; manchmal hatte Violet einfach keine Lust, sich darum zu kümmern.

Plötzlich machte es mehrmals BUMS, BUMS, BUMS, und Rachel wäre vor Schreck fast das Herz stehen geblieben. Violet schlug mit dem Absatz ihres Schuhs auf den Deckel.

»Aufwachen«, sagte Violet. »Der große Tag ist da. Ein Bote hat heute Nacht eine Nachricht unter der Tür durchgeschoben. Sechs ist zurückgekehrt - einige Stunden vor Anbruch der Dämmerung.«

Die Königin pfiff beim Ankleiden. Das allein war bereits ungewöhnlich, weil die Königin sonst ihre Dienerinnen rief, um sich an oder auszuziehen. Rachel hatte Violet selten pfeifen gehört. Offensichtlich hatte sie gute Laune, weil Sechs zurück war. Rachel sank der Mut, denn sie wusste, was das verhieß. Es fiel nur wenig Licht in die Schlafkiste, und es wurde noch dunkler, als Violets Augen vor dem Schlitz erschienen. »Sie hat Richard mitgebracht. Meine Banne haben gewirkt. Heute beginnt der schlimmste Tag seines Lebens. Dafür werde ich sorgen. Heute wird er anfangen, für seine Verbrechen an mir zu zahlen.«

Violets Gesicht verschwand. Die Königin kleidete sich weiter an, pfiff wieder und zog Strümpfe und Schnürstiefel über die Füße. Kurz darauf beugte sie sich abermals zu dem Schlitz vor.

»Ich lasse dich zuschauen, wie die Männer ihn auspeitschen.« Sie legte den Kopf schief. »Was sollst du sagen?«

In der Ecke der Kiste schluckte Rachel. »Danke, Königin Violet.«

Violet richtete sich kichernd auf. »Wenn die Sonne heute Abend untergeht, wird er kein Fleisch mehr auf dem Rücken haben.« Sie trat an den Schreibtisch in der Ecke und kehrte anschließend zur Kiste zurück. Rachel hörte, wie der Schlüssel im Schloss gedreht wurde. Mit einem Klicken schnappte es auf und schlug gegen die Eisentür. Violet zog die Haspe zurück. »Und das ist erst der Anfang von dem, was ich mit ihm anstelle. Ich ...«

An der Tür wurde heftig geklopft. Jemand verlangte gedämpft, eingelassen zu werden: Sechs.

»Ich komme«, rief Violet durch das Zimmer.

Rachel schob sich näher an den Schlitz heran und sah, wie Violet rasch das Schloss wieder durch die Haspe schob. Sie wollte das Schloss wieder verriegeln, als Sechs erneut an die Tür pochte.

»Schon gut, schon gut«, sagte Violet, ließ das Schloss los und rannte durchs Zimmer. Sie drückte die Klinke der schweren Tür, die sofort aufgeschoben wurde. Sechs rauschte ins Zimmer, düster und bedrohlich wie eine Gewitterwolke.

»Ihr habt ihn, nicht wahr? Habt Ihr ihn dort eingesperrt, wo ich wollte?«, fragte Violet mit vor Aufregung bebender Stimme, während Sechs die große Tür schloss. »Wir können sofort mit der Bestrafung anfangen. Ich lasse die Wachen antreten ...«

»Die Armee hat ihn übernommen.«

Rachel spähte vorsichtig durch den Schlitz hinaus. Sechs stand noch an der Tür. Die Königin hatte Rachel den Rücken zugewandt. Violet trug ein weißes Satinkleid. Sie schaute zu der Hexe auf.