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Zedd hatte auch Spuren von Hexenmagie an der Sliph entdeckt. Sie waren einigermaßen sicher, dass diese Reste von Sechs stammten. Allerdings waren sie weniger sicher, was sie vorhatte, aber zumindest wussten sie von der Sliph, dass Richard irgendwie ihren Fängen entgangen war.

»Bloß wo ist er? Hat euch die Sliph dort hingebracht, wo sie ihn abgesetzt hat?«

»Ja.« Nicci blickte die Mord-Sith an und legte Zedd die Hand auf die Schulter. »Nachdem wir zu dem Ort kamen, wo sie ihn hingebracht hatte, erzählte sie uns, wohin er aufgebrochen war: zum Land der Irrlichter. Wir mussten noch ein ganzes Stück wandern, bis wir dort waren.«

Zedd starrte sie erstaunt an. »Zu den Irrlichtern?«

»Ja. Aber Richard war nicht da.«

»Wenigstens lebt er. Es klingt, als habe er aus eigenem Willen gehandelt und nicht unter Einfluss der Hexe«, sagte Zedd und hörte sich erleichtert an. »Was haben sie gesagt? Was konntet ihr von den Irrlichtern erfahren?«

Nicci seufzte tief. »Ich wünschte, Ihr könntet selbst hinreisen, Zedd. Vielleicht hätten sie Euch mehr erzählt als uns. Sie wollten uns nicht einmal weiter vorlassen, nachdem wir diesen seltsamen toten Wald durchquert hatten.«

»Einen toten Wald?«

Nicci hob die Hände. »Ich kann es mir nicht erklären, Zedd. Ich bin kein Fachmann für Landschaften. Da gab es dieses riesige Gebiet mit Eichen, die alle abgestorben waren ...«

Zedd blickte zur Seite und kratzte sich an der Augenbraue. »Hmm. Gab es Knochen unter diesen Eichen?«

»Ja, genau«, sagte Cara und nickte. »Überall lagen Knochen verstreut.«

»Verdammt«, murmelte Zedd in sich hinein.

»Wie?«, fragte Nicci. »Was ist denn?«

Zedd blickte auf. »Aber ihr habt mit den Irrlichtern gesprochen?«

Nicci nickte. »Mit einem gewissen Tarn.«

Zedd rieb sich das Kinn und starrte gedankenverloren ins Leere.

»Tarn ... den kenne ich nicht.«

»Und da war noch eine, Jass«, fügte Nicci hinzu.

Zedd verzog den Mund, während er nachdachte. »Ich fürchte, von der habe ich auch noch nie gehört.«

»Jass hat erzählt, Richard habe nach einer Frau gesucht, welche die Irrlichter eigentlich kennen sollten.«

»Das dürfte Kahlan sein«, meinte Zedd und nickte wissend.

»Das haben wir uns auch gedacht«, sagte Cara.

»Nur, warum sollte er bei den Irrlichtern nach ihr suchen?« Die Frage schien er eher an sich selbst als an Nicci zu richten, doch sie antwortete trotzdem.

»Die Sliph wollte uns dazu nichts verraten, nur, wohin sie ihn gebracht hatte. Offensichtlich hat sich Richard nicht klar geäußert, was sie uns erzählen darf. Sie wollte sich an ihre Anweisungen halten. Wie Ihr schon gesagt habt, das ist eben ihr Wesen. Die Irrlichter wollten uns auch nicht darüber aufklären, weshalb er bei ihnen war. Sie sagten, seine Gründe müssten andere nicht unbedingt erfahren. Zudem dürften sie solche Dinge nicht in seinem Namen preisgeben.«

»Andere nicht erfahren - aber, aber ...« Sein Satz endete in aufgeregtem Stottern. Er blickte die beiden Frauen an. »Haben sie euch überhaupt etwas darüber erzählt, was er bei ihnen gemacht hat? Irgendetwas? Wir müssen wissen, warum er zu den Irrlichtern gegangen ist. Er war unterwegs hierher, dann wurde er während der Reise seiner Gabe beraubt - darin war vermutlich Sechs verwickelt -, und anschließend ist er zu den Irrlichtern aufgebrochen. Warum? Was haben sie ihm gesagt? Was ist geschehen, als er dort war?«

»Tut mir leid, Zedd«, sagte Nicci. »Wir konnten nicht sehr viel herausfinden. Die Sliph hat uns ein wenig erzählt - von dem, was Richard zugestoßen ist, wohin sie ihn gebracht hat und dass er zu den Irrlichtern ging -, aber sie wusste entweder nicht mehr oder wollte uns den Rest aus irgendeinem Grunde nicht verraten. Richard ist nicht zur Sliph zurückgekehrt, aber das ergibt durchaus Sinn, weil er nicht mehr mit ihr reisen kann. Vielleicht weiß die Sliph tatsächlich darüber hinaus nichts.

Richard wäre dann wahrscheinlich zu Fuß aufgebrochen. Zurück zur Burg, könnte ich mir vorstellen. Schließlich wollte er dorthin, als in der Sliph etwas schiefgegangen ist. Er muss einen Grund gehabt haben, zu den Irrlichtern zu gehen, doch möglicherweise hatte das rein praktische Gründe. Denn er war näher bei ihnen als bei uns, und vielleicht wollte er dort nur kurz Halt machen. Es könnte sein, dass es nicht mehr zu bedeuten hat.

Was die Irrlichter betrifft, so wollten sie uns auch nicht viel verraten. Diesen Wald, der aus riesigen uralten Bäumen besteht, ließen sie uns nicht betreten. Immerhin gibt es eine gute Nachricht. Richard lebt, und er war im Land der Irrlichter. Das ist doch das Wichtigste Richard lebt. Und wie wir Richard kennen, wird er sich so schnell wie möglich ein Pferd suchen und im Handumdrehen hier auftauchen.«

Zedd legte ihr die Hand auf den Arm. »Ihr habt recht, meine Liebe.«

Nicci fand die Geste sehr tröstlich, fast als hätte sie dadurch eine Verbindung zu Richard hergestellt. So hätte Richard sie in einem so schwierigen Augenblick auch beruhigt.

Plötzlich zog Zedd die Stirn kraus. »Ihr habt gesagt, die Irrlichter wollten euch nicht unter die großen Kiefern lassen?«

Nicci nickte. »Wir durften nur bis zum Ende des toten Eichenwaldes, und sie haben uns auch nicht erlaubt, die anderen Irrlichter zu sehen.«

»Das ergibt durchaus Sinn.« Zedd rieb sich mit dem Zeigefinger die Schläfe, während er nachdachte. »Die Irrlichter sind ein sehr zurückgezogen lebendes Volk und gewähren normalerweise niemandem Zutritt zu ihrem Land, trotzdem erscheint es mir eigenartig unter diesen Umständen - und noch, wo ihr von mir kamt , dass sie euch nicht willkommen geheißen haben.«

»Sie sterben.«

Zedd blickte sie groß an. »Wie bitte?«

»Tarn sagte, die Irrlichter würden aussterben, und deshalb wollten sie nicht, dass wir weitergingen. Er berichtete, unter den Irrlichtern herrsche großer Zwist, große Trauer und große Sorge. Sie wollten keine Fremden sehen.«

»Bei den Gütigen Seelen«, flüsterte Zedd. »Richard hatte recht.«

Nicci beschlich ein übles Gefühl im Bauch. »Was meint Ihr damit?«

»Die Eichen sterben. Die Bäume bewachen das Land der Irrlichter. Die Irrlichter sterben ebenfalls. Das ist Teil einer Kaskade von Ereignissen. Richard hat uns schon erklärt, warum, genau in diesem Raum. Als brauchte ich noch mehr Gründe, ihm zu glauben.«

»Noch mehr Gründe? Was wollt Ihr damit sagen?«

Er nahm Nicci am Ellbogen und drehte sie in Richtung der Bannformen, die über dem Tisch schwebten. »Seht hin.«

»Zedd«, sagte Nicci tadelnd, »das ist das Prüfnetz der Feuerkette, und es sieht verdächtig nach einer Innenperspektive aus.«

»Richtig.«

»Natürlich ist das richtig. Die Frage ist nur, wozu. Was habt Ihr vor?«

»Ich habe eine Möglichkeit gefunden, eine Art Simulation einer Innenperspektive zu kreieren, ohne selbst drin sein zu müssen. Gewiss ist es nicht in jeder Hinsicht dasselbe«, sagte er mit einem abschätzigen Wink, »doch für meine Zwecke genügt es.«

Nicci staunte, dass er dazu in der Lage war. Es war durchaus beunruhigend, das Ding wieder zu sehen, in dem sie fast gestorben war. Aber das war noch nicht einmal das Schlimmste.

»Warum sind da zwei?«, fragte sie. »Es gibt nur einen Feuerkettenbann. Warum sind hier zwei Bannformen?«

Zedd schenkte ihr ein schiefes Lächeln. »Ach, das ist der ganze Trick. Versteht Ihr, Richard hat behauptet, die Chimären seien in der Welt des Lebens gewesen. Wenn das stimmt, hätte ihre Anwesenheit die Welt des Lebens verunreinigt und auch die Magie. Dennoch hatte bisher niemand von uns einen Beweis dafür gesehen. Das ist das Paradoxe an einer solchen Verunreinigung; sie beschränkt die Fähigkeit, sie zu entdecken. Ich habe eine Möglichkeit gesucht, anhand derer ich feststellen konnte, ob Richard recht hat...«