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»Was für ein passender Name«, sagte er. »Die Macht der Ordnung wird aus dem Leben selbst hervorgebracht. Öffnet man das richtige Kästchen, erwirbt man die Macht der Ordnung, die Essenz des Lebens, Macht über alles Lebende und Tote. Man würde über unangefochtene Macht verfügen. Öffnet man das falsche Kästchen, beansprucht die Magie denjenigen für sich - er ist tot. Aber öffnet man das andere falsche Kästchen, verbrennt jedes Lebewesen zu nichts. Es wäre das Ende allen Lebens.

Die Magie der Ordnung ist ein Zwilling der Magie des Lebens, und der Tod gehört zum Leben, daher ist die Magie der Ordnung sowohl mit dem Tod als auch mit dem Leben verbunden. Und der Schlüssel ist das Mittel, mit dem man herausfindet, welches Kästchen welches ist. Die Person, die sie öffnet, kann sich auf ihr Glück verlassen, aber sie wäre wahnsinnig, das zu tun, ohne den Schlüssel zu benutzen und sicherzugehen, welches Kästchen welches ist.«

»Wahnsinnig«, sagte Nicci, »wie die Schwestern der Finsternis, die sich nicht unbedingt darum scheren, ob sie das falsche Kästchen öffnen.«

Zedd konnte sie nur anstarren.

»So, Ihr habt gesagt, Ihr hättet eine der Kopien gefunden«, sagte Cara schließlich, nachdem Zedd eine Weile gedankenverloren geschwiegen hatte. Nicci war erleichtert, dass Cara ihn darauf ansprach.

»Ich fürchte, das ist noch nicht einmal das Schlimmste«, sagte er.

»Versteht ihr, Richard hat Das Buch der gezählten Schatten als Junge auswendig gelernt. George Cypher hatte Angst, es könnte in die falschen Hände gelangen, dennoch war er weise genug, das Wissen, das in dem Buch enthalten ist, nicht zu vernichten. Deshalb musste Richard es auswendig lernen. Danach haben Richard und George Cypher, bei dem Richard aufwuchs und den er damals für seinen Vater hielt, Das Buch der gezählten Schatten verbrannt. Tatsache ist, ich war dabei. Ich kann mich so gut daran erinnern, weil ich so schockiert war, und zwar aus zwei Gründen. Zum Ersten erfuhr ich, dass man das Buch aus meiner Enklave in der Burg gestohlen hatte, damit Richard es auswendig lernte, und zum Zweiten, weil es ein Buch der Magie war, und demnach konnte Richard es nur auswendig lernen und rezitieren, wenn er über die Gabe verfügte.

Als Darken Rahl Richard gefangen nahm und die Kästchen öffnete, brachte er Richard dazu, die Anweisungen aus Das Buch der gezählten Schatten vorzulesen. Ich weiß nicht, wie - vermutlich war es ein Resultat des Feuerkettenbanns.

Schließlich fand ich die Kopie von Das Buch der gezählten Schatten unten in den Katakomben, und ich war wie vom Donner gerührt. Ich las es, und es stimmte Wort für Wort mit dem überein, was Richard gelernt hatte.«

Nicci legte den Kopf schief. »Es war das Gleiche? Ganz bestimmt?«

»Auf jeden Fall«, beharrte Zedd entschieden. »Die zwei Bücher waren identisch.«

Nun wurde auch Nicci langsam übel. »Das kann nur zweierlei bedeuten. Entweder war das eine das Original und das andere die korrekte Kopie des Schlüssels ... oder es waren beides falsche Schlüssel, fehlerhafte Kopien.«

»Nein, sie können nicht fehlerhaft gewesen sein«, meinte Zedd. »Als Richard das Buch bis zum Schluss gelesen hatte, ließ er ganz am Ende ein wichtiges Element aus. Durch das Auslassen dieses einen Teils des Buches besiegte er Darken Rahl. Er hat es eigentlich selbst in eine fehlerhafte Kopie verwandelt und Darken Rahl überlistet. Wie ich Richard so oft eingebläut habe, ist eine List oft die beste Magie.«

Nicci legte das Buch auf den Tisch. »Deshalb muss es sich nicht notwendigerweise um den richtigen, nicht den falschen Schlüssel handeln. Seht Euch dies an.« Sie schlug Das Buch des Lebens auf und tippte auf eine Seite am Anfang, auf der nur eine Sache stand, was darauf hindeutete, wie wichtig und von zentraler Bedeutung diese Stelle war.

»Es ist die Einleitung zu Das Buch des Lehens. Ich habe es schon übersetzt. Es handelt sich um eine Warnung an alle, die dieses Buch lesen.

Dort steht: › Wer hergekommen ist, um zu hassen, sollte nun gehen, denn in seinem Hass verrät er nur sich selbst. ‹«

Zedd betrachtete die Worte in Hoch-D’Haran blinzelnd. »Ihr wollt damit also sagen ... Weil Darken Rahl die Kästchen der Ordnung aus Hass benutzt hat, hätten sie ihn so oder so vernichtet, gleichgültig, ob er nun ein richtiges oder ein falsches Buch der gezählten Schatten hatte?«

»Das wäre die eine Möglichkeit«, sagte Nicci.

Zedd schüttelte den Kopf. »Ich glaube das nicht. Manche Magie kann durchaus Absichten erkennen. Das Schwert der Wahrheit zum Beispiel. Menschen voller Hass bemerken ihren eigenen scheußlichen Makel oft gar nicht. Sie versprühen ihren Hass, als wäre er gerechtfertigt. Diese Verderbtheit macht sie so bösartig - und gefährlich. Sie sind zu den verabscheuungswürdigsten Taten fähig und halten sich selbst dabei für Helden.«

»Dann wollt Ihr mir also sagen, dass Ihr glaubt, es handele sich um Zufall, dass beide Bücher die beiden wahren Schlüssel waren? Und sie zufällig so nah beieinander aufbewahrt wurden? Meint Ihr nicht, die Zauberer, welche die Kopien anfertigten, hätten sie in fernab gelegene Verstecke gebracht, anstatt die eine richtige Kopie gleich hier nahe dem originalen Schlüssel zu verbergen? Was wäre der Zweck, die Kopien zu verstreuen?«

Zedd rieb sich das Kinn und dachte darüber nach. »Ich verstehe, worauf Ihr hinauswollt.«

»Bei Büchern wie diesen muss es eine Möglichkeit geben, die Kopien zu prüfen und für korrekt zu erklären.«

»Die gibt es«, sagte Zedd. »Am Anfang von Das Buch der gezählten Schatten heißt es: Die Überprüfung der Richtigkeit der Worte des Buches der Gezählten Schatten, so sie gesprochen werden von einem anderen als jenem, der über die Kästchen gebietet, kann nur gewährleistet werden durch den Einsatz eines Konfessors ...

Eine Kopie ist im Grunde gesprochen ... von einem anderen‹«, sagte er. »Die Person, die die Kopie anfertigt, spricht; der Leser liest nicht das Original. Solange es nicht der originale Schlüssel ist und dieser originale Schlüssel von demjenigen gelesen wird, der die Kästchen ins Spiel bringt, verlangt diese Warnung eine Überprüfung.«

»Kahlan«, sagte Nicci.

Die beiden anderen sahen sie an, und ihren Mienen zufolge verstanden sie, worauf sie hinauswollte.

»Zedd«, fragte Nicci schließlich in das Schweigen hinein, »keiner von uns kann sich an Kahlan erinnern. Wenn wir sie finden könnten und wenn wir diesen Feuerkettenbann irgendwie reparieren oder ... Gibt es einen Weg, ihre Erinnerung an das, was ihrem Gedächtnis jetzt entfallen ist, wiederherzustellen?«

Zedds Blick wanderte zu den leuchtenden Bannformen über dem Tisch. »Nein.«

Nicci hatte solche Entschiedenheit nicht erwartet. »Seid Ihr sicher?«

»So sicher man nur sein kann. Der Bann zerstört die Erinnerung. Er überdeckt sie nicht und blockiert nicht den Zugang, sondern er zerstört sie. Er lässt die Menschen nicht vergessen, sondern er löscht das Gedächtnis aus. Für die Person, die dieser schrecklichen Behandlung ausgesetzt ist, bleibt die Erinnerung verschwunden.«

»Aber es muss eine Möglichkeit geben«, beharrte Cara, »irgendein magisches Verfahren, mit dem ihre Erinnerung wiederhergestellt wird.«

»Wiederhergestellt mit was? Mit dem, woran sich niemand von uns erinnert? Erinnerung ist der Stoff des Lebens. Magie funktioniert auf bestimmte Weisen, so wie alle anderen Dinge auch. Magie ist kein überintelligentes Bewusstsein, das weiß, was wir erreichen wollen und welches das Gedächtnis einer Person - die Erinnerung an ihr ganzes Leben - einfach so aus dem Ärmel zaubern kann, nur weil wir es wünschen.«

Cara wirkte nicht überzeugt. »Aber kann nicht...«

»Seht es einmal von diesem Blickwinkel aus. Wenn ich das Buch vom Tisch schiebe, fällt es zu Boden. Dafür ist die unsichtbare Schwerkraft verantwortlich. Schwerkraft funktioniert auf eine bestimmte Weise. Ich kann nicht mit den Armen herumfuchteln und die Schwerkraft bitten, mir das Abendessen zu bereiten. So ähnlich ist es mit der Magie und der Erinnerung. Der Feuerkettenbann hat Kahlans Gedächtnis zerstört. Man kann es nicht zurückholen. Etwas, das da war und das es dann nicht mehr gibt, kann man nicht einfach wiederherstellen. Es geht nicht. Was weg ist, ist weg.«