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Manche Menschen, die insgeheim sehr an ihrem Leben hängen, sind bereit, sich einer Revolte anzuschließen, sofern sie erkennen, dass eine realistische Chance auf den Sieg besteht - genau das ist in Altur’Rang geschehen. Besteht diese Chance hingegen nicht, wissen sie, dass sie die Worte herunterbeten müssen, die die Anhänger der Imperialen Ordnung hören wollen, wenn sie nicht ihren wertvollsten Besitz, ihr Leben, verlieren wollen. Unter dem Regime der Imperialen Ordnung glaubt man, was einem beigebracht wird, oder man kommt um. So einfach ist das. Wer ...«

Gereizt hob Shota die Hand und schnitt Nicci das Wort ab. »Ja, ja, einige sind dazu bereit, andere nicht, und viele können sich nicht entscheiden. Vollkommen egal. Es ist sinnlos, auf eine Revolte zu hoffen. Das ist nichts weiter als der eitle Wunsch auf eine Rettung aus heiterem Himmel. Die gewaltige Masse der Soldaten aus der Alten Welt steht hier und jetzt in der Neuen Welt, folglich ist es die Neue Welt, um die wir uns sorgen müssen, nicht die Alte, oder ob die Stimmung dort womöglich günstig für einen Aufstand ist oder nicht. In der Alten Welt ist der Glaube an die Imperiale Ordnung weit verbreitet, dort wird sie weitgehend unterstützt und dazu ermutigt, den Rest der Welt zu erobern.«

Einen durchdringenden Blick auf Richard gerichtet, glitt Shota nach vorn. »Eine zivilisierte Welt hat nur eine einzige Überlebenschance:

Sie muss die in ihr Land eingefallenen Soldaten durch das Tor in ihre ersehnte Ewigkeit des Totenreiches schicken. Wer seine Seele bereits an einen Glauben verloren hat, für den er zu sterben bereit ist, der ist rettungslos verloren. Die einzige Möglichkeit, die Imperiale Ordnung und ihre Lehren aufzuhalten, ist, so viele von ihnen umzubringen, dass sie ihr Werk nicht fortsetzen können.«

»Schmerz ist mitunter dazu angetan, bei Menschen eine Meinungsänderung zu bewirken«, bemerkte Cara.

Shota bedachte die Mord-Sith mit einem beifälligen Nicken. »Wenn ihnen wahrhaftig und ohne jeden Zweifel klar wird, dass sie nicht obsiegen werden, dass alle ihre Anstrengungen in den sicheren Tod führen, werden ein paar von ihnen vielleicht ihrem Glauben und ihrer Sache abschwören. Sehr gut möglich, dass einige von ihnen, trotz ihres festen Glaubens an die Lehren der Imperialen Ordnung, in Wahrheit tief in ihrem Innern eine Todessehnsucht verspüren, um genau diesen Glauben auf die Probe zu stellen. Nur, was nützt das? Ist das für uns wirklich von Belang? Was wir hingegen wissen, ist, dass eine große Zahl von ihnen fanatisiert genug ist, den Tod mit offenen Armen willkommen zu heißen. Hunderttausende sind bereits gestorben - zum Beweis für ihre Bereitschaft, dieses Opfer zu erbringen. Die Übrigen dieser Soldaten müssen getötet werden, denn sonst werden sie uns alle umbringen und damit den Rest der Welt zu einem langen, quälenden Niedergang in die Sklaverei verdammen. Das ist es, was wir zu gewärtigen haben. Das erwartet uns in Wirklichkeit.«

16

Shota richtete einen glutvollen Blick auf Richard. »Wir haben soeben gehört, was uns von diesen Soldaten blüht, wenn du ihnen nicht Einhalt gebietest. Glaubst du immer noch, sie haben rationale Vorstellungen von der Bedeutung ihres Lebens? Oder sie könnten sich, wenn sie nur die Chance erhielten, einem Aufstand gegen die Imperiale Ordnung anschließen? Wohl kaum. Ich bin hergekommen, um dir zu zeigen, was vielen bereits widerfahren ist, damit du begreifst, was mit all den anderen geschehen wird, wenn du nichts tust, um es zu verhindern. Ein umfassendes Verständnis, wodurch diese Leute zu Soldaten der Imperialen Ordnung geworden sind, welche Entscheidungen sie im Leben getroffen haben, die letztendlich dazu führten, dass sie wie Wüstlinge in das Leben anderer eingefallen sind, oder was sie zu diesen Entscheidungen bewogen hat, muss uns dabei gar nicht interessieren. Sie sind, was sie sind: Menschen, die zerstören und töten. Und sie sind hier. Im Augenblick ist das alles, was zählt. Es gilt, ihnen Einhalt zu gebieten. Wenn sie erst tot sind, werden sie auch keine Gefahr mehr sein. So einfach ist das.«

Richard fragte sich, wie in aller Welt sie von ihm erwartete, etwas so »Einfaches« zu vollbringen. Ebenso gut könnte sie von ihm verlangen, den Mond vom Himmel zu holen und mit seiner Hilfe die Armee der Imperialen Ordnung zu vernichten.

Als hätte sie seine Gedanken erraten, ergriff Nicci abermals das Wort. »Gut möglich, dass wir alle mit Euch einer Meinung sind -und zwar in allem, was Ihr zu berichten hergekommen seid -, allerdings hättet Ihr uns eigentlich gar nicht erklären müssen, was wir längst wissen, so als wären wir kleine Kinder und Ihr im alleinigen Besitz der Wahrheit. Nur begreift Ihr eben nicht, was Ihr da von uns verlangt. Die Armee, die Jebra gesehen hat, die Armee, die nach Galea einmarschierte, mühelos seine Verteidigungsanlagen überrannte und so viele Menschen tötete, ist nur eine kleinere, eher unbedeutende Unterabteilung der Imperialen Ordnung.«

»Das kann nicht Euer Ernst sein«, sagte Jebra ungläubig. Endlich löste Nicci ihren durchdringenden Blick von Shota und sah Jebra an. »Habt Ihr irgendwelche mit der Gabe Gesegneten bemerkt?«

»Mit der Gabe Gesegnete? Nein, ich schätze nicht«, sagte sie nach einem Augenblick des Nachdenkens.

»Nun, der Grund dafür ist, sie wollen nicht zugeben, dass sie ihre eigenen mit der Gabe Gesegneten haben, über die sie gebieten«, erklärte Nicci. »Hätten sie mit der Gabe Gesegnete in ihren Reihen gehabt, hätte Shota nicht so ohne weiteres dort eindringen und Euch von dort fortbringen können. Aber das war nicht der Fall. Es handelt sich um eine vergleichsweise kleine Unterabteilung, die für sich genommen als entbehrlich gilt.

Deswegen brauchte der Nachschub auch so lange, um zu ihnen zu gelangen. Sämtliche Lieferungen gingen erst nach Norden, zu Jagangs Hauptstreitmacht. Erst nachdem man sich dort mit allem Nötigen versorgt hatte, ließ man die Vorräte auch zu anderen Einheiten weitertransportieren, etwa zu jener oben in Galea. Es ist nur ein Trupp der Expeditionsstreitkräfte Jagangs.«

»Aber Ihr versteht nicht.« Jebra sprang auf. »Es war eine riesige Armee. Ich war dort, ich habe sie doch mit eigenen Augen gesehen.«

Nervös die Hände ringend, ließ sie ihren Blick über alle Anwesenden schweifen. »Ich war dort, ich habe monatelang für sie gearbeitet. Ich habe gesehen, wie gewaltig ihre Zahl war. Wie hätte ich das Ausmaß dieser Streitmacht nicht erfassen können? Ich habe euch doch von all den Dingen berichtet, die sie getan haben.«

Nicci, unbeeindruckt, schüttelte den Kopf. »Sie waren ein Nichts.«

Jebra fuhr sich mit der Zunge über die Lippen; Verzweiflung bemächtigte sich ihrer Züge. »Mag sein, dass ich mir vielleicht nicht die nötige Mühe gegeben habe, es angemessen zu beschreiben, dass ich nicht wirklich deutlich gemacht habe, mit welch ungeheuren Soldatenmassen die Imperiale Ordnung in Galea eingefallen ist. Es tut mir leid, falls es mir nicht gelungen sein sollte, Euch begreiflich zu machen, mit welcher Mühelosigkeit sie diese zu allem entschlossenen Verteidiger überrannt haben.«

»Ihr habt es keineswegs an der nötigen Sorgfalt fehlen lassen und Eure Beobachtungen präzise wiedergegeben«, erklärte Nicci in milderem Ton und drückte ihr zur Versicherung ihres Mitgefühls die Schulter. »Aber Ihr habt eben nur einen Ausschnitt des Gesamtbildes gesehen. Der Teil, den Ihr gesehen habt, so beängstigend er zweifellos war, war unbedeutend, verglichen mit dem Rest. Was Ihr gesehen habt, könnte Euch nicht einmal ansatzweise auf den Anblick der von Kaiser Jagang geführten Streitmacht vorbereiten. Ich war lange Zeit in Jagangs Hauptlager, ich weiß, wovon ich spreche. Verglichen mit der Hauptstreitmacht kann man die Abteilung, die Ihr gesehen habt, kaum als eindrucksvoll bezeichnen.«

»Sie hat leider recht«, bestätigte Zedd mit einem Unterton von Bitterkeit in der Stimme. »Ich gebe es nur äußerst ungern zu, aber sie hat recht.«

»Nun, wie auch immer. Wenn die Ordenstruppen in Galea über keine mit der Gabe Gesegneten verfügen«, fuhr Jebra unbeirrt fort,