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»Lord Rahl«, beteuerte der ältere Offizier im Tonfall ruhiger Selbstgewissheit, »die Männer sind sich darüber im Klaren, dass wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Sie werden ihr Bestes geben, falls Ihr das meint.«

Richard merkte, dass die Männer nicht recht verstanden, worauf er hinauswollte. Er unterbrach sich, wandte den Männern das Gesicht zu und verschränkte die Hände hinter dem Rücken. In einem entlegenen Winkel seines Verstandes konnte er bereits das gespenstische Bild jenes blutigen Endes sehen, das Shota ihm vor Augen geführt hatte. Es war wie ein Gewicht, das ihn in die Tiefe hinabzuziehen versuchte.

Schließlich fuhr er fort. »Ich habe immer davon gesprochen, dass ich uns nicht in eine letzte, alles entscheidende Schlacht gegen die Imperiale Ordnung führen kann, da wir in diesem Fall verlieren würden. Seit ich das letzte Mal bei euch Männern war, sind Dinge geschehen, die mich in dieser Überzeugung noch bestärkt haben.«

Das unzufriedene Murren stand dem Donnergrollen in der düsteren nachmittäglichen Luft in nichts nach. Doch ehe sie ihre Einwände vorbringen oder ihn dazu bringen konnten, vom Thema abzuschweifen, sprach Richard weiter.

»Sehr bald schon wird die Armee der Imperialen Ordnung auf ihrem Vormarsch gegen den Palast des Volkes von Süden her nach D’Hara einmarschieren. Ihr werdet nach Süden marschieren, um ihr die Stirn zu bieten. Das wissen sie, und nichts anderes erwarten sie, denn genau das ist ihr Plan. Wir marschieren sozusagen auf Geheiß Jagangs, der unsere Taktik bestimmt und uns in eine Schlacht hineinlockt, die wir, wie er sehr wohl weiß, nicht gewinnen können, und die er nicht verlieren kann.«

Stimmen des Protests wurden laut, die lautstark anführten, die Zukunft sei schließlich nicht vorherbestimmt, und sie hätten durchaus eine Chance, sich zu behaupten.

Richard hob eine Hand, um die Stimmen zum Schweigen zu bringen.

»Mag sein, dass die Zukunft nicht vorherbestimmt ist, dennoch ist die Wirklichkeit, wie sie nun mal ist. Als Soldaten plant ihr eure Taktik nicht aufgrund irgendwelcher Wunschvorstellungen, sondern aufgrund dessen, was ihr sicher wisst.

Selbst wenn es uns wie durch ein Wunder gelingen sollte, diese sich so bedrohlich abzeichnende Schlacht zu gewinnen, würde dieser Sieg sich letztendlich als nicht ausschlaggebend erweisen. Letztendlich wäre es nichts weiter als eine Schlacht, in der wir uns den Sieg teuer erkauft hätten, während die Imperiale Ordnung uns einfach in kürzester Zeit erneut mit einer noch größeren Streitmacht angreifen würde. Selbst wenn wir die bevorstehende Schlacht gewinnen würden - was, das könnt ihr mir glauben, völlig ausgeschlossen ist -, würden wir schon wenig später gezwungen sein, eine weitere Schlacht gegen eine noch größere Armee zu schlagen, und kurz darauf die nächste.

Und warum? Weil wir in jedem Kampf gegen sie ungeheure Verluste erleiden und immer mehr geschwächt würden. Wir verfügen kaum über Reserven, auf die wir zurückgreifen können, während Jagang, sobald er einen entsprechenden Bedarf anmeldet, mit einem niemals abreißenden Strom nahezu unbegrenzter Verstärkungen versorgt wird, der ihn letztendlich immer stärker werden lässt. Letztendlich würden wir aus einem sehr einfachen Grund verlieren: Kein Krieg wurde je aus der Verteidigung gewonnen. Es ist möglich, eine Verteidigungsschlacht zu gewinnen, nicht aber einen Verteidigungskrieg.«

Ein Offizier wollte wissen: »Was schlagt Ihr also vor? Dass wir um Frieden betteln sollen?«

Richard tat den Gedanken mit einer beiläufigen, wenn auch gereizten Handbewegung ab. »Irgendwelchen Friedensbedingungen würde der Orden niemals zustimmen. Vor langer Zeit, ganz zu Anfang, hätten sie unsere Kapitulation vielleicht angenommen, uns erlaubt, uns zu unterwerfen und ihnen die Stiefel zu küssen, uns gestattet, die Ketten der Sklaverei anzulegen, aber jetzt nicht mehr. Jetzt haben sie nur noch ein Zieclass="underline" den Sieg, und dafür wollen sie uns kräftig bluten lassen. Aber was wäre auch der Unterschied? Das Endergebnis wäre in beiden Fällen gleich: die Ermordung und Unterwerfung von uns allen und unserem Volk. Auf welche Weise wir verlieren, ist weitgehend unerheblich. Im Endeffekt sind Kapitulation und Niederlage dasselbe. So oder so wäre alles verloren.«

»Was ... also dann?«, stammelte der Offizier mit erregter Stimme.

»Weiterkämpfen, bis wir am Ende entweder getötet werden oder in Gefangenschaft geraten?«

Die Soldaten starrten den rotgesichtigen Offizier an, der gesprochen hatte. Diese Männer kämpften schon seit geraumer Zeit gegen die Imperiale Ordnung; was sie jetzt hörten, war alles andere als neu für sie. Trotzdem blieb ihnen keine andere Wahl, als gegen die Invasoren zu kämpfen. Es war ihre Pflicht. Es war die einzige Möglichkeit, die sie kannten.

Richard wandte sich um und betrachtete Cara. Wie sie dort stand, in ihrem roten Lederanzug, die Füße leicht gespreizt, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, erweckte sie den Eindruck, als könnte sie es ganz allein mit dem Orden aufnehmen.

Richard wies auf die Frau neben Cara. »Nicci hier stand einst in ihren Diensten.« Als er die Männer untereinander tuscheln hörte, mitten unter ihnen befinde sich eine Feindin, setzte er hinzu: »So, wie ihr alle einst in den Diensten der Tyrannei standet, als ihr noch unter Darken Rahl dientet, und einige von euch sogar noch unter dessen Vater, Panis Rahl. Ihr hattet gar keine andere Wahl. Darken Rahl war es vollkommen gleichgültig, welche Pläne ihr für euer Leben hattet, das Einzige, was ihn interessierte, war, dass ihr seine Befehle befolgt. Vor die Wahl gestellt, habt ihr euch jetzt für unsere Sache entschieden. Und das Gleiche gilt für Nicci.

Mit den Soldaten der Imperialen Ordnung dagegen verhält es sich anders. Ihr habt gekämpft, weil man euch unter Androhung von Gewalt oder gar Tod dazu gezwungen hatte. Sie dagegen kämpfen, weil sie an etwas glauben. Sie gieren nach Krieg. Sie wollen Teil dieser kriegerischen Anstrengungen sein.

Da sie selbst bei Jagang war, verfügt Nicci über ein Wissen aus allererster Hand. Sie hat Dinge gesehen, die möglicherweise dazu beitragen werden, das Ganze für euch ins richtige Licht zu rücken.«

Er wandte sich um zu Nicci. Mit ihrer glatten, hellen Haut und dem über ihre Schultern fallenden blonden Haar glich sie ein wenig einer Statue. Da war nichts an ihrem Gesicht oder ihrer Figur, das er verändert hätte, hätte er eine Statue von ihr anfertigen sollen. Sie war ein Sinnbild der Schönheit, und doch hatte sie Gräuel gesehen, die jedes Vorstellungsvermögen sprengten.

»Nicci, würdet Ihr jetzt bitte diesen Männern erklären, was sie im Falle einer Gefangennahme durch die Imperiale Ordnung erwartet.«

Richard hatte keine Ahnung, was sie sagen würde oder was sie überhaupt wusste, aber vor allem dank Jebras Bericht wusste er, dass man in der Imperialen Ordnung für das Leben nur Verachtung übrig hatte.

»Die Truppen der Imperialen Ordnung töten ihre Gefangenen nicht auf der Stelle.« Mit tödlicher Ruhe glitt Nicci einen Schritt näher an die ihr entgegenstarrenden Männer heran, wo sie an Richards Seite abwartete, bis die Stille beinahe unerträglich wurde und sie sich der ungeteilten Aufmerksamkeit jedes einzelnen der vor ihr stehenden Soldaten gewiss sein konnte. »Zunächst«, erklärte sie, »wird jeder Gefangene kastriert.«

Ein kollektives Stöhnen erhob sich unter den versammelten Soldaten.

»Anschließend, nachdem sie unerträgliche Qualen und Demütigungen erlitten haben, werden die noch Lebenden der Folter unterzogen. Wer auch diese überlebt, wird schließlich auf die eine oder andere Art brutal hingerichtet.

Wer sich dagegen dem Orden ohne Kampf ergibt, dem bleibt diese Behandlung erspart. Das ist die Absicht, die sich hinter der Grausamkeit gegenüber den Gefangenen verbirgt - ein möglicher Gegner soll mit Angst und Schrecken erfüllt werden, damit er sich kampflos ergibt. Die Behandlung der Zivilisten in den eroberten Städten ist nicht minder grausam und erfolgt mit demselben Hintergedanken. Mit dem Erfolg, dass zahllose Städte kampflos an den Orden gefallen sind.