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»Bei Eurem Anblick wird mir ganz warm ums Herz, Berdine. Wie ist es Euch ergangen?«

Sie sah ihn verwundert an. »Ich bin eine Mord-Sith, Lord Rahl. Was glaubt Ihr wohl, wie es mir ergangen ist?«

»Nun, vermutlich habt Ihr so viel Ärger gemacht wie immer«, raunte er ihr in vertraulichem Ton zu.

Sie lächelte, erfreut über seine Bemerkung. »Wir haben gehört, Ihr wärt zuvor schon einmal hier gewesen, aber da habe ich Euch knapp verpasst. Das ist in letzter Zeit nun schon das zweite Mal. Ich wollte Euch nicht noch einmal einfach wieder gehen lassen, ohne Euch zu sehen. Wir haben so viel miteinander zu besprechen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.«

Richard blickte den breiten Korridor entlang, die weite Fläche stark geäderten goldenen Marmorbodens, der, mit einer schwarzen Granitumrandung abgesetzt, zu einem rautenförmigen Muster angeordnet war, und sah eine Traube von Soldaten in forschem Tempo auf sie zuhalten. Hoch über ihren Köpfen trommelte der Dauerregen auf die Oberlichter, durch die mattes, graues Licht hereinfiel. Irgendwie schaffte es das trübe Licht, sich zu bündeln und strahlend hell von den polierten Brustharnischen der Soldaten zurückgeworfen zu werden.

Außer den Schwertern und Langmessern, die sie ohnehin mit sich führten, trugen sie alle sichelförmige, in den Gürtel eingehakte Streitäxte. Einige der Soldaten waren überdies mit Armbrüsten bewaffnet, die sie schussbereit im Anschlag hielten. Diese Männer, zu denen die anderen reichlich Abstand hielten, trugen schwarze Handschuhe, und ihre Armbrüste waren mit tödlich aussehenden, rot gefiederten Pfeilen bestückt.

Menschen jeder Herkunft drängten sich in den Hallen, von den hier lebenden und arbeitenden bis hin zu denen, die gekommen waren, um Waren zu tauschen oder feilzubieten. Sie alle machten den anrückenden Soldaten weiträumig Platz, während sie gleichzeitig Richard beobachteten, wenn auch sehr darauf bedacht, den Anschein zu erwecken, als täten sie es nicht. Sobald Richard ihren Blicken begegnete und sie beim Herüberschauen ertappte, neigten einige von ihnen kurz das Haupt, während andere sofort auf ein Knie hinuntersanken. Mit einem Lächeln versuchte er, ihnen die Befangenheit zu nehmen.

Es war, zumindest in den letzten Jahren, nur selten vorgekommen, dass der Lord Rahl sich in seinem Zuhause aufhielt, daher konnte Richard kaum erwarten, keine neugierigen Blicke in seine Richtung zu ernten, zumal er in seinem schwarzen Kriegszaubereranzug mit dem goldenen Umhang kaum zu übersehen war. Trotzdem brachte er es noch immer nicht über sich, diesen Ort als sein Zuhause zu betrachten - das in seinem Herzen immer noch in den Wäldern Kernlands lag. Er war unter hochaufragenden Bäumen, nicht vornehmen Marmorsäulen aufgewachsen.

Generalkommandant Trimack von der Ersten Rotte im Palast des Volkes blieb zackig stehen und salutierte mit einem Faustschlag gegen den geformten Lederharnisch über seiner Brust. Kaum hatte das Dutzend Männer in seiner Begleitung ebenfalls salutiert, erstarb das leise metallische Klirren der Ausrüstungen. Diese Männer, die ständig in den Hallen patrouillierten und jeden Passanten einer genauen Überprüfung unterzogen, bildeten die persönliche Leibgarde des Lord Rahl, wann immer er im Palast weilte. Nachdem sie Cara einer kurzen Musterung unterzogen hatten, warfen sie einen abschätzenden Blick auf die an Richards Seite stehende Nicci. Diese Männer waren der Ring aus Stahl, der alles Unheil von Lord Rahl fernhielt; sie dienten deshalb in der Ersten Rotte, weil sie zu den fähigsten und treuesten D’Haranischen Soldaten gehörten. Nach seinem Salut verneigte sich der Kommandant kurz vor Cara und anschließend vor Richard. »Lord Rahl, wir sind erfreut, Euch endlich wieder zuhause zu sehen.«

»Ich fürchte, General, mein Aufenthalt wird nur von kurzer Dauer sein. Ich kann nicht bleiben.« Richard wies auf Cara und Nicci. »Wir sind in einer dringenden Angelegenheit unterwegs und müssen sofort wieder fort.«

General Trimack, der aufrichtig enttäuscht, wenn auch nicht übermäßig überrascht wirkte, seufzte. Dann schien ihm ein Gedanke zu kommen, und seine Miene hellte ein wenig auf. »Habt Ihr eigentlich die Frau gefunden - Eure Gemahlin -, die oben im Garten des Lebens war und die Statuette zurückgelassen hat, die Ihr dort gefunden habt?«

Die Erinnerung an Kahlan versetzte Richard einen kummervollen Stich. Schuldgefühle plagten ihn, weil er nicht alles unternommen hatte, um sie zu finden. Wie konnte er sich nur von anderen Dingen abhalten lassen, Kahlan wieder zu finden? Was konnte so wichtig sein, dass es ihn von der Suche nach ihr abhielt? Er versuchte nicht an die Vision zu denken, die Shota ihm eingegeben hatte. Fast schien es, als hätte er die Suche nach der Person, die ihm am meisten bedeutete, wegen der sich überstürzenden Ereignisse hintangestellt. Auch wenn er wusste, dass es sich in Wahrheit nicht so verhielt, dass er sich gar nicht dagegen wehren konnte, musste er unbedingt zur Burg der Zauberer zurück und alles daransetzen, sie wieder zu finden.

Selbst wenn er sich mit anderen Dingen befasste, ging sie ihm niemals wirklich aus dem Kopf. Wieder und wieder hatte er versucht, dahinter zu kommen, wohin Schwester Ulicia sie wohl verschleppt haben mochte. Wohin würden sie sich wenden, jetzt, da sie im Besitz der Kästchen der Ordnung waren - oder doch zumindest zwei von ihnen? Was mochten sie im Schilde führen? Wenn es ihm gelang, das herauszufinden, konnte er sich vielleicht auf ihre Fährte setzen.

Zudem fiel ihm ein, dass sie ja noch immer Das Buch der gezählten Schatten brauchten, um das richtige Kästchen der Ordnung zu öffnen, es war also durchaus möglich, dass sie, wenn er einfach nur lange genug an einem Ort ausharrte, zu ihm kommen mussten, da dieses Buch mittlerweile nur noch in seinem Gedächtnis existierte. Im Grunde war die Situation ganz einfach: Wenn sie nicht raten und damit einen verhängnisvollen Irrtum riskieren wollten, musste Das Buch der gezählten Schatten her, um das richtige Kästchen zu öffnen - und er konnte sich nicht vorstellen, dass sie das Risiko eingehen und ihre Chance auf Unsterblichkeit aufs Spiel setzen würden. Um die Lösung für das Öffnen des richtigen Kästchens zu finden, mussten sie unbedingt den Schlüssel haben, und den besaß allein er. Kahlan war Teil des Schlüssels, der zu dieser Lösung führte, trotzdem benötigten sie noch immer etwas, das allein er besaß. Ihm fiel nur eine einzige Methode ein, sie wieder zu finden, und die bestand darin, so viel wie irgend möglich über den Feuerkettenbann und die Kästchen der Ordnung in Erfahrung zu bringen. Irgendwo in diesem Durcheinander verbarg sich vielleicht auch der Schlüssel zu der Frage, was die Schwestern als Nächstes tun würden. Die Schriften, die er zu diesem Zweck studieren musste, sowie die Menschen, die sich am besten mit ihnen auskannten und über die größte Erfahrung in diesen Dingen verfügten, befanden sich auf der Burg -also musste er dorthin zurück.

Richard blickte in die erwartungsfrohen Augen des Generals. »Noch nicht, fürchte ich. Wir suchen immer noch nach ihr, aber danke der Nachfrage.«

»Tut mir leid, das zu hören, Lord Rahl.« Der General ließ den Blick über die sich durch die Halle schiebende Menschenmenge schweifen. »Ich nehme doch an, diesmal steckt Ihr während Eures Aufenthalts nicht wieder in jeder Menge Schwierigkeiten?«

Jetzt war es an Richard zu seufzen. Wo sollte er nur beginnen?

»In gewisser Weise doch.«

»Die Imperiale setzt ihren Vormarsch gegen D’Hara fort?«, vermutete der General.