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»Sie!«, schrie einer der Männer auf Englisch und richtete eine Pistole auf sie. »Keine Bewegung!«

Pancho hob langsam die Hände über den Kopf; den Ohrring hatte sie noch in der rechten Hand. Wartet, sagte sie sich und schnippte den Verschluss des Ohrrings mit dem Daumen auf. Lass sie noch etwas näher herankommen.

Jetzt! Sie warf den Ohrring nach ihnen und schlug beide Arme vor die Augen. Der Lichtblitz drang noch durch die geschlossenen Lider und brannte ein rotes Nachbild auf die Netzhaut. Doch als sie die Augen wieder öffnete, war die Sehfähigkeit wieder vorhanden. Die zwei Schlägertypen krümmten sich auf dem Boden und kreischten auf Japanisch. Die Fahrerin tappte blind umher. Panchos Augen schmerzten und tränten. Sie blinzelte die Tränen weg und packte den Laser mit beiden Händen. Dann drängte sie sich an der blindlings tastenden Fahrerin vorbei und warf den Laser auf die Ladefläche des Schleppers. Selbst bei einem 6tel Ge wog er noch schwer.

Schnell koppelte sie den Hänger ab und schwang sich ins Führerhaus der Zugmaschine. Sie fuhr los und steuerte die nächste Rampe zur obersten Ebene an.

Habitat Chrysallis

Big George saß in seinem Lieblings-Liegesessel, einen mit Reif überzogenen Bierhumpen neben sich und schaute finster auf die kaleidoskopartige Abbildung auf dem Wandbildschirm. Ein Sonnensturm, sagte er sich. Und was für einer.

Die IAA-Meteorologen sagten voraus, dass der Sturm Ceres nicht erreichen würde. Die Wolke aus ionisierten Partikeln richtete sich am interplanetaren Magnetfeld aus, und die Schleifen und Knoten des Feldes führten sie auf die andere Seite des Sonnensystems, weit von Ceres' Position entfernt. George verspürte ein Gefühl der Dankbarkeit. Chrysa-lis war durch eine elektromagnetische Abschirmung geschützt — wie die meisten Raumschiffe —, aber George legte trotzdem keinen Wert darauf, einen Sturm abzureiten.

Die armen Schweine auf Vesta wird es aber mit voller Wucht treffen, sagte er sich. Hoffentlich haben sie so viel Hirn, ihre Ärsche rechtzeitig nach unten zu schaffen. George zuckte die Achseln und griff nach dem Bier. Wenigstens haben sie eine lange Vorwarnzeit.

Der Bildschirm zeigte Raumflugverkehr. Die Elsinore war aber das einzige Schiff, für das George sich interessierte. Edith Elgin war an Bord und unterwegs nach Ceres, um einen Videobericht über den Krieg hier draußen zu produzieren. Wurde verdammt noch Mal auch Zeit, dass jemand von den Nachrichtenmedien sich damit beschäftigt, sagte George sich.

Er sah, dass die Elsinore die Strahlenwolke verließ. In vier Tagen oder so wird sie hier sein, sagte George sich. Gut. Wir werden auf sie warten.

Er nahm einen großen Schluck Bier. Sonst vermochte er nichts zu tun — außer zu warten.

Das Humphries-Anwesen

Fuchs kauerte hinter der behelfsmäßigen Barrikade, die am oberen Treppenabsatz verkeilt war, und spähte ins Zwielicht. Es drang etwas Licht vom Garten durch die Blenden herein, mit denen die oberen Fenster versperrt waren. Er hörte unten Schritte, doch bei der ausgeschalteten Innenbeleuchtung war es unmöglich, etwas zu sehen. Er wusste, dass Nodon eine Taschenlampe hatte, doch wenn er sie einschaltete, würde er den Wächtern nur als Zielscheibe dienen.

»Nodon«, flüsterte er, »reiß ein paar Gardinen von den Fenstern herunter.«

Nodon verschwand, und Fuchs hörte ein Reißen und dann einen dumpfen Schlag.

»Wer auch immer Sie sind, Sie kommen hier nicht mehr raus. Sie sitzen fest«, ertönte eine kräftige Stimme im ersten Stock. »Sie sollten aufgeben und sich von uns der Polizei überstellen lassen.«

Fuchs unterdrückte die grobe Antwort, die ihm auf der Zunge lag. Nodon kam angerannt und drückte ihm zerknüllten Stoff in die Hand. »Reicht das, Kapitän?«, fragte er.

»Wir werden sehen«, erwiderte Fuchs im Flüsterton.

Ein Licht blitzte in der Dunkelheit auf, und ein Mann jaulte schmerzlich auf. Die in der Mitte des Treppenabsatzes postierte Amarjagal hatte die Waffe auf jemanden abgefeuert, der sich leise die Treppe hochgeschlichen hatte. Aber nicht leise genug. Die Mongolenfrau hatte ihn gehört und mit ihrer Laserpistole beschossen. Der Strahl war unsichtbar, aber die Kleidung der Wache fing Feuer, als sie getroffen wurde. Fuchs hörte, wie der Mann die mit Teppich ausgelegte Treppe hinunterstürzte.

Wir brauchen mehr Licht, sagte Fuchs sich. Wenn ich diesen Vorhang anzünde, können wir ihn als Fackel verwenden.

Ein Lichtblitz zerplatzte am Tisch, direkt neben Fuchs' Ohr. Er roch brennendes Holz.

»Hinter uns!«, rief Sanja in seinem heimischen Mongolen-Dialekt.

Fuchs drehte sich um, als Sanja und Nodon blindlings durch die Halle schossen. Es gibt noch eine andere Treppe, wurde er sich bewusst. Du Idiot! Du Idiot! Du hättest daran denken müssen und …

Nodon schrie auf, als er getroffen wurde. Er packte seine Schulter. Fuchs entriss Nodon die Pistole und nahm die Halle blindlings unter Feuer. Aus dem Augenwinkel sah er Amarjagal auf zwei Gestalten schießen, die die Treppe heraufkrochen.

Fuchs ließ Nodons Pistole fallen, zerknüllte den Stoff in einer Hand und feuerte die Pistole darauf ab. Der Stoff schwelte. Er schoss wieder, und das Gewebe ging in Flammen auf. So viel zu flammhemmenden Materialien, sagte er sich. Man setze sie großer Hitze aus, und sie brennen lichterloh.

»Schieß auf sie!«, befahl er Sanja. »Zwing sie in Deckung!«

Sanja tat wie geheißen und nahm die Halle unter Beschuss; er schnappte sich Nodons Waffe wieder und schoss beidhändig.

Fuchs rappelte sich auf und rannte durch die Halle, wobei er wie ein wilder Stier brüllte, mit der einen Hand seine Pistole abfeuerte und mit der anderen den brennenden Vorhang überm Kopf schwenkte. Wer auch immer dort war, hielt sich bedeckt und schoss nicht zurück. Fuchs sah das rückwärtige Treppenhaus, blieb stehen und warf den brennenden Stoff die Treppe hinunter. Um die beste Wirkung zu erzielen, bestrich er das Treppenhaus noch mit der Pistole.

Er sah ein paar Leute die Treppe hinunterlaufen, als der Vorhang sich herabsenkte. Der Teppichboden auf den Stufen qualmte, und ein Alarm schrillte in den wabernden Schemen.

Humphries war mit angstgeweiteten Augen vom Büro ins angrenzende Schlafzimmer geflohen. Er spürte, wie das Herz unter den Rippen hämmerte, und hörte den Puls so laut in den Ohren rauschen, dass er Ferrer kaum hörte, die ihn anschrie.

Jemand ist in mein Haus eingebrochen, kreischte eine Stimme in seinem Kopf. Jemand ist in meinem Heim!

Die Notbeleuchtung hatte sich eingeschaltet, und die Cermet-Rollläden hatten das Schlafzimmer vom Büro und der Halle draußen isoliert. Niemand kann zu mir gelangen, sagte Humphries sich. Zwei feuerfeste Türen sind zwischen mir und ihnen. Ich bin sicher. Sie können mich nicht erreichen. Die Wachen werden sie erwischen. Ich bin hier sicher.

Ferrer hatte noch immer den weißen Frottee-Bademantel an. »Es ist Fuchs!«, schrie sie ihn an. »Schauen Sie auf den Bildschirm!«

Der Wandbildschirm zeigte einen Mann wie die Miniatur-Ausgabe eines Bären, der durch die Halle stürmte und einen brennenden Vorhang schwang.

»Fuchs?«, sagte Humphries atemlos. Das Gesicht des Mannes war in der Falschfarben-Darstellung der Infrarotkamera schwer zu erkennen. »Das kann nicht sein!«

Ferrer schaute ihn zornig und angewidert an. »Er ist es aber! Der Computer hat sein Bild und seine Stimme abgeglichen. Es sind Fuchs und drei seiner Leute.«

»Hier?«

»Er ist gekommen, um Sie zu töten!«, sagte sie schroff.

»Nein! Das kann er nicht! Sie …«

»FEUER!«, ertönte die Computer-Warnung. »FEUER IM HINTEREN TREPPENHAUS.«

Humphries erstarrte beim Blick auf den Wandbildschirm, der die brennende hintere Treppe zeigte.

»Wieso gehen die Sprinkler nicht an?«, wollte er wissen.